Kartoffeln: Preise stabil auf hohem Niveau – Versorgungslage entspannt

Das Ausland bestimmt unsere Preise

Nachdem es überall in Mitteleuropa Plusgrade gibt, steigt das Kartoffelangebot aus der Landwirtschaft. Die Kassapreise sind mittlerweile so attraktiv, dass man zumindest einen Teil seiner Vorräte verkaufen möchte. Wegen des großen Kaufinteresses passen auch die anderen Rahmenbedingungen. Einige Händler bieten sogar schon verkürzte Zahlungsziele an. Eine Korrektur der vorläufigen deutschen Ernteschätzung (+700.000 Tonnen) auf nun 10,2 Mio. Tonnen dürfte die Abgabebereitschaft auch in den nächsten Wochen unterstützen.

Weitere hohe Preissteigerungen im Kassamarkt sind deshalb vorerst nicht zu erwarten. Das zeigten gestern auch die zur Vorwoche unveränderten Belgapom- bzw. SNM-Notierungen. Mit 25 €/dt liegen diese beiden Notierungen auf einem Niveau. Der Index war am Donnerstag mit 25,8 €/dt festgestellt worden. Die Unterkante der Index-Bestandteile markiert zurzeit der deutsche Preis mit 23,34 €/dt. Dennoch kann sich die Industrie hierzulande derzeit gut mit Rohstoff eindecken. Neben einigen immer noch Not leidenden Qualitäten gibt es vorerst genügend Vertragsware, über die die Käufer frei verfügen können. Durch die erhöhte Abgabebereitschaft für freie Ware besteht jetzt wieder die Möglichkeit, Kontraktmengen zu schonen und in den geplanten Zeitrahmen zurück zu kommen. Das ist auch nötig, denn man hörte schon von vielen vorgezogenen Abrufen.

Durch die Veröffentlichung des zweiten vorläufigen Ergebnisses der deutschen Kartoffelernte 2010 durch das statistische Bundesamt, dürfte sich die Spekulation um die enge Versorgungslage etwas versachlichen. Immerhin liegt die gestrige Schätzung um 700.000 Tonnen über der ersten. Gleichzeit wird betont, dass der überwiegende Teil des Ernterückgangs gegenüber 2009 auf Stärkekartoffeln entfalle. Ergo: Konsumkartoffeln haben aus der letzten Ernte regional sogar bessere Ergebnisse gebracht. Daraus ist weiter zu folgern, dass die sehr hohen Preise maßgeblich durch die extrem gute Exportnachfrage begründet sind.

In der kommenden Woche wird man sehen, wie die internationalen Händler mit dem korrigierten deutschen Ergebnis umgehen werden. Es genügt möglicherweise schon eine geringfügige Kaufzurückhaltung, um das derzeit steigende Angebot aus der Landwirtschaft als zu groß erscheinen zu lassen und die Preise unter Druck zu setzen. Vor dem Hintergrund eines hohen Internationalen Bedarfs ist das natürlich absurd, aber ich erwarte, dass das passiert. Jetzt sind also Augenmaß und Fingerspitzengefühl gefragt.

Landwirte, die den diplomatischen Geschicken ihrer Vermarktungspartner nicht trauen oder gar ihren Auszahlungspreis an den Börsenpreis gekoppelt haben, haben gestern gleich nach der Bekanntgabe des statistischen Bundesamtes damit begonnen, sich hohe Börsenpreise zu sichern. Die Folge war ein Kursrutsch von 4 % oder 1,4 €/dt. Am Vortag waren die Notierungen noch einmal bis zu 34 €/dt auf ein 4-Jahres-Hoch geklettert. Nun wurden die vorherigen Wochengewinne aber bereits wieder überkompensiert und der Chart des Aril-11-Futures verlässt eindeutig seinen seit Anfang Dezember-2010 eingeschlagenen Aufwärtstrend. Zum Wochenschluss war die Aril-Basis, in der sich die Marktfantasie ausdrückt, auf 6,3 €/dt geschrumpft. Das sind 5 €/dt weniger als noch kurz vor Weihnachten aber immer noch doppelt so viel wie in „normalen“ Kartoffeljahren.

Neben der verbesserten inländischen Versorgungslage laufen aber die Bemühungen der Handelshäuser auf Hochtouren, sich Rohstoffe bis zum Ende dieser Vermarktungssaison zu sichern. Relativ spät kommen die ersten „Ägypter“, „Israe-lis“ oder Kartoffeln aus Zypern nach Europa. Von größerer Bedeutung werden aber die Frühlingskartoffeln von dort sein. In Ägypten gab es eine große Flächenausweitung deren Ernte wohl in erster Linie für Russland gedacht ist. Für ihren vorderen Bedarf sind die Russen aber auch in Kanada fün-dig geworden. Vom Price Edward Island werden enorme Mengen auf den Weg gebracht.

Lagerhaltern und Landwirten hierzulande wird von ihren Erzeugerorganisationen in den kommenden Wochen eine geordnete Marktversorgung an empfohlen. Wie lange die Preise noch so hoch notieren, oder ob sie gar noch höher steigen, hänge in großem Maße vom internationalen Markt ab.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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