Kartoffeln: Preise unter Druck
Explosive Stimmung in Holland
Die Kartoffelpreise sowohl am Terminmarkt als auch im physischen Handel standen in der zurückliegenden Woche unter Druck. Die hohen Haltekosten für einen aufwändigen Qualitätserhalt verleiten die Bauern nun verstärkt ihre Lagerkartoffeln anzubieten. Dabei geht vom gelbfleischigen Verarbeitungsrohstoff der meiste Druck aus. Die Backfarben werden zusehends schlechter und im Export geht nur wenig.
Die Exporteure warten immer noch auf die großen Aufträge. Zwar geht in viele Richtungen immer etwas, eine wirkliche Entlastung der angespannten Vorratssituation kommt dabei allerdings noch nicht zustande. Mehr oder weniger per Zufall sind Käufer aus Süd- und Osteuropa, der Karibik und manchmal auch aus Russland in Mitteleuropa am Markt. Wenn endlich mal ein 10.000-Tonnen-Auftrag kommen würde, könnten die Preise steigen, so die Meinung in Holland. Mittlerweile suchen die Exporteure wieder verstärkt Übergrößen, die sie in großen Mengen in Holland finden. Weil Bauern in Belgien und Frankreich zumeist klein fallende Ware haben, fällt bei der Rohwarenaufbereitung für die Frittenindustrie zuletzt sogar zuviel Untermaß in der Sortierung 35-50 mm an, das meist zu Wedges, den in Mode gekommenen Kartoffelecken, verarbeitet wird.
Ob niedrigere Preise den Absatz beflügeln können ist in Holland sehr umstritten. In den letzten Tagen wurden einige Versuche unternommen, um das auszutesten. Größere Einheiten sollen sogar schon für 6,5 €/dt mit der Maßgabe verkauft worden sein, dass die Ware in weit entfernte Länder abfließt. Misslich war nur, dass diese Partien dann in belgischen Fabriken auftauchten, sodass es dadurch zu einer unfreiwilligen und unverhofften Exportsubventionierung aus Holland kam. Die Stimmung unter den Beteiligten dort ist daher explosiv, was sich wohl wiederum in den nächsten Notierungsrunden der Verbände abspiegeln wird.
Die Preisspanne der Rotterdamer Notierung beispielsweise, war bereits in den Vorwochen sehr weit. Gelbfleischige Sorten wie Asterix notieren stets an der unteren Seite, während die Sorte Bintje meist die Oberkante markiert. Der Spread betrug zuvor schon mehr als zwei Euro/dt. Die Kassakurse werden wohl auch in der kommenden Woche nochmals nachgeben. Bereits gestern notierte die Belgapom mit nun 7,75 €/dt um 25 Cent schwächer als in der Vorwoche. Die französische SNM-Notierung für 35 mm+ Feldsortierung sank um 40 Cent auf nun 7,8 €/dt. Mit dem Ausgleichsfaktor von 30 Cent fließt nun ein Preis von 8,1 €/dt in den nächsten RMX-Index.
Unterdessen betiteln deutsche Händler den Kartoffelmarkt als „vernünftig“, wenngleich der Absatz zum LEH in saisonüblich ruhigen Bahnen verläuft. Die Preise für Speisekartoffeln sind angesichts der desolaten Situation im Westen Europas weitestgehend ausgereizt. Für Preissteigerungen sieht man derzeit keine Luft mehr. Schon seit geraumer Zeit differenziert man wieder deutlicher nach den offerierten Qualitäten. Allein für Kühlhausware dürfte zum Ende hin noch eine preisliche Differenzierung nach oben erfolgen. Dagegen nimmt das Angebot bei den „Schnelldrehern“, wie den Discountern und neuerdings auch den Sonderpostenmärkten mit grenzwertigen Qualitäten rasch zu. So schnell wie die Qualität aus den Flächenlägern abnimmt, so zügig können aber diese Mengen nicht abfließen. Hier nimmt der Preisdruck möglicherweise noch einmal zu.
Frühkartoffeln haben noch keine wirkliche Bedeutung. Viele Märkte sind mit der Erstausstattung versehen worden. Der kostenbewusste Verbraucher kauft aber lieber heimische Produkte. Zumal dann, wenn diese Angebote nicht teurer sind. Ein größeres Angebot aus Frankreich ist auch in der zurückliegenden Woche nicht am Markt gewesen. Es hat den Anschein, dass man gar nicht zusammen kommen will. Es besteht einerseits nur wenig Nachfrage, aber auch die Liefe-ranten zeigen nur wenig Interesse. Sie haben ihre leidvollen Erfahrungen mit der anspruchsvollen deutschen Discountermentalität gemacht und stellen nun fest, dass ein solches Verhalten weiter im Osten noch nicht so weit verbreitet ist. Man weicht also aus. Ich frage mich aber, ob die Franzosen die 100.000 Tonnen, die Deutschland in den Vorjahren abgenommen hat, tatsächlich woanders platzieren können.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH