Kartoffeln: Preisrückgang in Belgien schockt die Lagerhalter

RMX-Index wieder rückläufig?

Die Volatilität der Kartoffelpreise in Belgien stresst die Marktbeteiligten. Der Sprung von 7,5 auf 10 €/dt am 24.04. zu einem Zeitpunkt als die Arbeitsspitze auf dem Acker bereits überschritten war mobilisierte ein derart großes Angebot, dass die Fabriken sich nur noch mit Preisrücknahmen wehren konnten. Der Bedarf der großen Verarbeiter ist zwar weiterhin ungebrochen hoch, die Rohstoffnachfrage aus dem Ausland konnte und wollte die höheren Preise aber nicht akzeptieren. Gestern hat deshalb die Notierungskommission der belgischen Kartoffeln verarbeitenden Industrie ihre Notierung auf 9 €/dt zurückgenommen.

Damit wurde allerdings genau das Gegenteil dessen erreicht, was man beabsichtigte: das Angebot aus der Landwirtschaft stieg nämlich sprunghaft an. Viele Verarbeiter haben die Offerten der letzten Tage genutzt, um sich bis zum Anschluss an die nächste Ernte mit Rohstoff zu versorgen. Die Hoffnung auf eine erneute Trendumkehr zu wiederum höheren Preisen ist damit gesunken. Zumindest in den nächsten drei bis vier Wochen dürften die Fabriken nur soviel zukaufen, dass es keine Preisimpulse nach oben geben wird.

Ob das reduzierte Preisniveau die Käufer im Ausland dazu motiviert wieder mehr zu ordern muss allerdings bezweifelt werden. Einzig die Russen hatten zuletzt wieder größere Mengen gekauft. Sie kaufen allerdings nie teuer. Die Importeure wissen um ihre Marktmacht und die Notwendigkeit, dass die Mengen hierzulande binnen weniger Wochen vermarktet sein müssen. Seit die Qualität der Lagerkartoffeln durch den viel zu warmen April sprunghaft nachlässt, sind die Preise für den Versand nach Osteuropa nicht mehr gestiegen. Der Angebotsdruck für diese Kunden stieg aber erneut an, denn dort legt man – im Gegen-satz zu den meisten hiesigen Käufern – das Augenmerk mehr auf innere Werte, als auf das Aussehen der Knollen. Die Liefermengen nach Süd-Westeuropa schwinden aber zusehends. Dort steht die Frühkartoffelernte unmittelbar bevor und man kauft nur noch den Tagesbedarf. Für viele Einkäufer waren die höheren Forderungen der Auslöser dafür vorsichtiger zu ordern.

Große Mengen der verblieben Restmengen erfüllen allerdings noch nicht einmal mehr die Qualitätsanforderungen der Osteuropäer. Zu keinem Zeitpunkt während der gesamten Vermarktungssaison gab es so viele Beanstandungen, beklagen holländische Disponenten. Da die Milchpreise im Keller sind, kann man kaum noch Futterkartoffeln verkaufen. Wenn es dennoch gelingt, hört man von fünf-Euro-Preisen – für die Tonne, nicht für 100 kg!!! Da die Granulats- und Trockenindustrie nur noch Vertragsware abnimmt, hat so manch ein Landwirt ein Problem, die Kartoffeln überhaupt los zu werden.

Absatzprobleme gibt es auch bei der Sorte Hansa. Die Erträge vom Hektar waren in vielen Fällen größer als 60 Tonnen. Gleichzeitig hatte die Firma Stöver ihre Produktionsschiene, in der ausschließlich diese Sorte eingesetzt und dafür am freien Markt zugekauft wurde, eingestellt. Ob das Produkt nun von anderen Verarbeitern und mit anderen Sorten erzeugt wird, ist mir nicht bekannt. Man kann schon für 5 €/dt einkaufen und trifft selbst damit nicht unbedingt auf das Interesse der Verarbeiter.

In diesen Tagen ist die Angebotssituation alles andere als gut und wie lange der Druck anhält, ist beim besten Willen nicht zu erkennen. Experten meinen, dass im Juni wieder eine Chance auf Besserung besteht. Dann dürfte die Qualitätskritische Ware so oder so verschwunden sein und sofern die neue Ernte nicht schon greifbar ist, kann man vielleicht für Kartoffeln aus mechanisch gekühlten Beständen in bester Qualität wieder höhere Erlöse erzielen. Das ist auch der Grund, weshalb der Juni-Terminkontrakt an der Eucomex hartnäckig die 10 €-Markte verteidigt. Der Index für Veredelungskartoffeln dürfte indes in dieser Woche wieder in Richtung Süden wandern.

Auch die Notierungen auf den April-2010-Future halten sich trotz hervorragenden Wachstumsbedingungen ca. 3 €/dt über den Festpreisgeboten des Handels für das Frühjahr 2010. Man hofft offensichtlich darauf, dass die Wirtschaftkrise schon bald zu Ende ist. Deshalb pflanzt man hierzulande auch mehr und rechnet damit, dass der Konsum wieder anspringt. Ganz so optimistisch ist man in Amerika nicht. Auch dort schwankten die Erzeugerpreise während der gesamten Saison mehr als je zuvor und ist am Ende der Saison ernüchtert. Die Anbaufläche wird dort um 2 % zurückgefahren, weil man die Depression der Weltkonjunktur noch nicht beendet sieht.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
Rückrufservice
Beschreiben Sie bitte Ihr Anliegen, damit wir uns auf den Rückruf vorbereiten können.
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und willige ein, dass die von mir angegebenen Daten inklusive der Kontaktdaten zwecks Bearbeitung der Anfrage und für den Fall von Anschlussfragen elektronisch erhoben und gespeichert werden. Meine Daten werden dabei nur streng zweckgebunden zur Bearbeitung meiner Anfrage genutzt und nicht ohne Einwilligung weitergegeben. Diese Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden.

Register now

Jetzt registrieren und ZMP Live+ 14 Tage kostenlos testen!
  • Dauerhaft kostenfrei
  • Keine Zahlungsinformationen erforderlich
Hilfe?