Kartoffeln: Preiszenit erreicht?

Export noch immer enttäuschend

Das kalte Winterwetter behinderte in vielen Teilen die Auslagerung von Kartoffeln, trotzdem gab es immer ein ausreichendes Angebot. Für ihren erhöhten Aufwand gewährte man den Lagerhaltern zwischenzeitlich nahezu kostendeckende Preise sofern die Qualitäten die Erwartungen der Käufer erfüllten. Der Preisabstand zwischen guten und schwachen Partien hat sich aber erneut ausgeweitet. Da in Belgien und Frankreich bereits etwas mildere Temperaturen gemeldet werden, steigen die Notierungen kaum noch an. Gestern waren dort beste Innovators bereits wieder für weniger als 10 € im Angebot, nachdem solche Partien bereits für 11 €/dt gehandelt wurden.

Die Käufer halten sich zurück, disponieren oft just-in-time und widerstehen damit bislang den Forderungen der Lagerhalter nach deutlich höheren Preisen. Angesichts einer viel zu großen Erntemenge in Mitteleuropa erscheinen Forderungen von 11 bis 13 €/dt für Frittenrohstoff kaum erreichbar. Die Börse in Frankfurt bietet den Lagerhaltern insofern beste Voraussetzungen, sich dieses Preisniveau gegen das Risiko fallender Kurse abzusichern. Frühkartoffelimporte aus dem Süden werden auch in dieser Saison wieder groß ausfallen und längst nicht alle Lagerhalter haben den Keimprozess ihrer Kartoffeln wirksam verzögert, sodass überall schon bald mit einem größeren Angebot aus den Winterlägern gerechnet werden muss.

Der Frittenansatz hält sich immer noch auf einem erfreulich hohen Niveau. Deshalb bleiben die großen Kartoffeln verarbeitenden Betriebe die bedeutendsten Kunden der Landwirte, die den Rohstoff zur Verfügung stellen. Der Rohstoffbedarf ist aber wegen den außerordentlich hohen Trockensubstanzgehalten und trotz höherem Schälaufwand kaum größer als im Vorjahr. Die den eigenen Bedarf weit übersteigende Vorjahresernte wartet deshalb immer noch auf die entscheidenden Nachfrageimpulse ausländischer Käufer. Stark gestiegene Zwiebelpreise gelten für einige Optimisten bereits als Frühindikator für den Kartoffelmarkt. Man hofft darauf, dass wieder die Russen bzw. andere Osteuropäische Länder aufgrund des dortigen extrem kalten Winters mehr Kartoffeln importieren müssen. Da Zwiebeln und Kartoffeln über die gleichen Absatwege laufen, könnten tatsächlich Marktbelebende Impulse auf den Kartoffelexport Einfluss nehmen, es gibt da aber keine zwingenden Zusammenhänge, die aus der Vergangenheit abzuleiten sind.

Mehr als alle andern Mitteleuropäischen Kartoffelnationen ist Frankreich in diesem Jahr auf Export angewiesen. Die Exporterfolge der vorangegangenen Jahre haben sich bisher nicht eingestellt und die Ernte ist mit 7,2 Mio. Tonnen (+8%) um 400.000 Tonnen größer als im Vorjahr. Das erklärt auch, dass, obwohl der Winter hierzulande noch kein Ende zeigt, Frankreichs Exportpreise auf niedrigem Niveau bleiben. Für in 25 kg oder big bags verpackte Knollen verlangt man weiterhin nur 8,25 €/dt inklusive Sack und Einwegpaletten frachtfrei Hafenkai für die Verladung nach Polen, Rumänien oder Russland. Die Notierungen lagen nur in Belgien noch etwas niedriger. Der Preis tendierte gestern leicht fester (+0,10/dt) und wird in der kommenden Woche aber wieder leicht schwächer erwartet.

Auch Belgiens Kartoffelindustrie bemüht sich redlich um den Absatz nach Osteuropa (Polen, Ungarn und Rumänien). Eigentlich läge das Preisniveau höher, aber die vielen Beanstandungen und Zurückweisungen sorgen für ein ständiges Angebot „vagabundierender“ LKW-Ladungen, die letztendlich für kleines Geld irgendwo abgeladen werden und somit die Kalkulation der Einkäufer schönen. Man rechnet damit, dass dieses Phänomen sich sogar noch verstärkt, sobald die Temperaturen ansteigen und damit die Keimruhe der vielen Partien in Flächenlägern bricht. Auch hier dürfte der jüngste Preisanstieg seinen Zenit erreicht haben. Abhängig von der Wetterentwicklung rechnen Experten bald wieder mit fallenden Notierungen.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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