Kartoffeln: Russland erntet zwei Mio. Tonnen mehr

Holland hofft trotzdem auf ein gutes Exportgeschäft

Mit 29 Mio. Tonnen weist das russische Statistikamt eine gegenüber dem Vorjahr eine um 7,5 % größere Kartoffelernte aus. Der Strukturwandel, weg von den vielen kleinen Hofwirtschaften, hin zu professionellen Großbetrieben, ermöglicht deutlich höhere Hektarerträge. Auch die Vertriebsstrukturen haben sich verbessert, es wird eine stetige Eigenversorgung auch bei extremen Wetterlagen angestrebt. Trotzdem hofft Holland, als größter Lieferant von Lagerkartoffeln, erneut auf ein gutes Geschäft.

Die Mengen, die Holland nach Russland exportiert, schwanken enorm. Sie sind zudem manchmal so groß, dass vermeintlich hohe Überhänge in relativ kurzer Zeit geräumt werden können. Aus der Ernte 2007 wurden z.B. 73.000 Tonnen nach Russland verladen. In 2008/09 waren es immerhin 370.000 Tonnen, die erst relativ spät in der Vermarktungssaison auf den Weg gebracht wurden. Das verursachte in Mitteleuropa aus preislicher Sicht einen versöhnliches Saisonende, denn ab April stiegen die Erzeugerpreise bis auf 10 €/dt, nachdem sie zuvor um 7 €/dt herum notierten.

Aus der diesjährigen Ernte sind bereits 8.600 Tonnen Kartoffeln von Holland nach Russland verkauft worden. Die Exportsaison wurde also relativ früh eingeläutet. Ein zeitiger Wintereinbruch lässt nun die Herzen der niederländischen Exporteure höher schlagen. Man hofft, dass die russischen Höfe eingeschneit sind oder dass die dort eingelagerten Mengen durch hohe Frostgrade Schaden nehmen und unverkäuflich werden.

Ob diese Rechnung aufgeht, muss sich allerdings noch herausstellen. Schließlich schickt sich die russische Kartoffelwirtschaft an, den technischen Fortschritt und das Know-how für die Bereinigung der eigenen Infrastruktur zu nutzen. Große Kartoffelausstellungen, ähnlich der PotatoEurope, zeigen den russischen Reformwillen auf eindrucksvolle Weise. Anders als hierzulande fehlt es den dort nicht unbedingt an Geldmitteln. Der Staat fördert moderne Großbetriebe und die Erlöse für gute Produkte liegen stets höher als hierzulande. Seit Jahren profitieren davon auch deutschen Lieferanten von Maschinen, Saatgut und Pflanzenschutzmitteln und die Früchte der Arbeit zeigen sich nun in der Statistik: Bei einer stabilen Anbaufläche steigen die Hektarerträge kontinuierlich an.

Bei winterlichen Verhältnissen mussten die Metropolen St. Petersburg und Moskau früher vielfach aus dem westlichen Ausland bedient werden. Mittlerweile gibt es auch dort für landwirtschaftliche Produkte moderne Logistikzentren, die eine stetige Versorgung aus dem Hinterland gewährleisten können. Es müsste schon ganz arg kommen, wenn schon bei Temperaturen von -10°C die Infrastrukturen an ihre Grenzen stoßen. Zumal die Russen viel besser als fast jeder andere mit dem Winter klar kommt.

Diese Anstrengungen der Wirtschaft werden von immer anspruchsvolleren Verbrauchern bezahlt. Moskau ist eine der teuersten Städte Europas und selbst Normalverdiener geben sich nicht mehr mit mangelhaften Produkten zufrieden. Die Ansprüche an die Qualität von Kartoffeln steigen insofern auch. Der frühe Importbedarf Russlands in diesem Jahr wurde so gedeutet, dass Lagerkartoffeln nicht so gut haltbar sind und durch Fäulnis wiederum große Mengen verfüttert werden müssen. Wenn sich jetzt aber herausstellt, dass die russische Gesamternte um zwei Mio. Tonnen größer ausfällt, sind Zweifel angebracht, ob die Hoffnungen der holländischen Exporteure auf einen außerordentlichen Importbedarf Russlands berechtigt sind.

An der Eurex konnten sich in der zurückliegenden Woche die Kurse für Veredelungskartoffeln um bis zu 40 Cent leicht verbessern. Die Umsätze blieben dabei allerdings schwach und fanden zum Teil auch auf den Fälligkeiten Juni 2010 und April 2011 statt. Gleichzeitig verlor der Kassa-Index um 40 Cent, sodass sich die Basis auf den April-10-Future (FEPPJ0) nun sogar auf 2,5 € erhöht hat. Vor einer Woche waren es 1,7 €. Die Marktfantasien haben sich wegen des Kälteeinbruchs in Osteuropa also schon belebt, während die Kassakurse in den einzelnen Ländern immer noch unter Druck stehen. So gab gestern die französische SNM-Notierung noch einmal um 10 Cent nach. Im Westen gibt es immer noch Lagerprovisorien, die nun fast um jeden Preis auf den Markt drängen. Die Einkäufer der Fabriken können also immer noch aus dem Vollen schöpfen und zeigen keine Neigung, Lageraufschläge zu gewähren.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

P.S.
Mein nächster Marktkommentar erscheint am 16.01.2010

Ich wünsche allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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