Kartoffeln: Schlimmer als 2006 ?

Alte Ernte kostet bis zu 20 €/dt

Die seit April anhaltende Trockenheit in Nordwesteuropa dürfte die Kartoffelversorgung der gesamten EU gefährden. Es melden sich immer mehr Berichterstatter und Ernteschätzer mit Analysen und Fakten zu Wort, die eine extreme Ertragseinschränkung prognostizieren. So auch das niederländische Forschungsinstitut EARS, das auf seiner Startseite <A HREF="http://www.ears.nl&quot; target="new">http://www.ears.nl</A&gt; die seit April anhaltende Dürre für dramatische Folgen der europäischen Kartoffelproduktion verantwortlich macht. Ein Vergleich mit 2006 ist sicherlich berechtigt.

Das EARS im niederländischen Delft wird auch in diesem Jahr anhand von Klima- und Bodendaten sehr frühzeitig Ernteschätzungen für den Europäischen Kartoffelbau abgeben. Die Kartoffelberichte erscheinen jeweils am 01., 11. und 21. August. Die Ergebnisse werden in meine Marktkommentare einfließen. Auch die EU-Kommission bedient sich dieser Daten und die endgültigen Ergebnisse des europäischen Statistikamts korrespondierten stets eng mit den Ergebnissen des Forschungsinstituts.

Dass die Kartoffelernte kleiner als der Bedarf ausfallen dürfe kann man nicht nur an den Börsenkursen verfolgen. In der zurückliegenden Woche überstiegen die Kurse bereits an vier von fünf Tagen die 20 €-Marke. Zuletzt gab es wieder etwas mehr Verkaufsinteresse, weil für die nächsten Tage Gewitter angekündigt wurden. Diese könnten für einige Bestände spätreifer Sorten noch gerade rechtzeitig kommen. Sollten sie allerdings ausbleiben oder schon bald wieder hohe Temperaturen das Wachstum behindern, dürften neue Höchstkurse an der Eurex zu beobachten sein.

Der von vielen Seiten angeführte Vergleich mit 2006 scheint dabei berechtigt. Damals wurden mit ca. 57 Mio. Tonnen in der EU-27 gerade mal soviel Kartoffeln produziert, dass sich die Industrie vor Ort versorgen konnte, für den Export war allerdings kaum etwas übrig. Außerdem konnten damals noch große Mengen Zweinutzungsorten aus der Stärkekartoffelproduktion für die Lebensmittelproduktion umgewidmet werden. Seither hat dieser Sektor aber kontinuierlich an Boden verloren. Außerdem ist auch in diesem Jahr mit einer großen Auslandsnachfrage zu rechnen. Die große Anbauflächeneinschränkung in Spanien in Zusammenhang mit der Ertragseinschränkung führen auf der Iberischen Halbinsel bereits jetzt zu hohen Preisen, die man auch für Importe etwa aus Frankreich ausgeben wird.

Daneben hatte sich Polen in den letzten Jahren als großes Importland für Lieferungen aus Deutschland, Holland, Frankreich und Belgien entpuppt. Die Anbaufläche schrumpft wegen dem dort anhaltenden Strukturwandel immer noch von Jahr zu Jahr. Gerade im Süden, wo sich die Kartoffeln verarbeitende Industrie angesiedelt hat, gibt es in diesem Jahr besonders viele Probleme. Das viele Wasser zu Beginn der Vegetation und die derzeitige Hitze setzen den Beständen derart zu, dass nur kleine Ernten zu erwarten sind.

In Großbritannien herrscht der Wassermangel am längsten. Wasser wird nur noch den bedürftigsten Kulturen zugeteilt. An den Kartoffelpflanzen, die die Reihen längst nicht alle geschlossen haben, beobachtet man Stresssymptome wie eine zweite Blühte, ein Zeichen für den ersten Durchwuchs. Bestände, die gar nicht beregnet werden können, sind bereits abgeschrieben.

Die Europa-Grafik des EARS zeigt, dass in der Kernregion des Europäischen Kartoffelanbaus von Großbritannien über Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Deutschland und Polen seit April ca. 1 mm Regen/qm und Tag gefallen ist, das Optimum liegt bei 4-5 mm. Damit sei ein dramatischer Ertragsrückgang bereits vorgezeichnet, so die Wissenschaftler. In welcher Größenordnung das der Fall sein wird, ist am Ende eher akademisch, denn sobald wir einen kleineren Durchschnittsertrag als das letzte 3-Jahresmitel ernten, ist die EU-Ernte in diesem Jahr kleiner als in 2006.

Wie vielen Landwirten höhere Preise und bessere Gewinnchancen zuteil werden, ist unterdessen sehr von ihren Verrägen abhängig. Frühkartoffelerzeuger im Rheinland haben vorsorglich schon mal prüfen lassen, ob man aus den Lieferverpflichtungen raus kommt, wenn man sich auf höhere Gewalt beruft. Das Unterfangen scheint aber aussichtslos. Viel versprechender erscheint da die Verhandlung darüber, wie kleinere Sortiermaße bewertet werden sollen. Auch die Frittenindustrie erwartet nicht mehr die Mengen, die man sich bereits gesichert hat. Vorsorglich gab der BOGK (Bundesverband der Kartoffeln verarbeitenden Industrie) in dieser Woche eine Mengenwarnung heraus, die wohl als Vorbote einer Preiserhöhung der Kartoffelprodukte zu verstehen ist. Man verarbeitet immer noch den Rohstoff der alten Ernte so lange man ihm habhaft werden kann und bezahlt dort mittlerweile Preis von bis zu 20 €. Das ist mehr als das Doppelte, was die meisten Landwirte vor 14 Tagen erzielten.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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