Kartoffeln: Spargel mit alten Kartoffeln

Ende Mai sind alte Speisekartoffeln verkauft

Die erhöhte Nachfrage nach Frühkartoffeln zu Pfingsten kann nicht vollständig bedient werden. Importe aus dem östlichen Mittelmeerraum bleiben knapp und Lieferungen aus Spanien verzögern sich. Viele Verbraucher wollen zu Beginn der Spargelsaison erstmals auf Frühkartoffeln umsteigen. Angesichts deren knappen Verfügbarkeit bei anhaltend hohen Preisen bewerben einige Supermärkte den Spargel schon mit Kartoffeln der alten Ernte.

Die Versandhändler in Norddeutschland hoffen darauf, dass sie den anhaltenden Bedarf nach Lagerkartoffeln noch bis Ende Mai bedienen können. Die Lagerprofis kommen dabei seit langem einmal wieder zu einer vernünftigen Vergütung ihrer Aufwendungen. Kartoffeln aus Kistenlagerung und klimatisierten Scheunen erzielen dabei Preise von bis zu 18 €/dt. Aber auch konventionelle Partien sollen den Angaben von Packern durch die Bank 12 €/dt erzielen. Solche Preise bekamen bis vor kurzem nur Landwirte, die den Unternehmen nahe standen, die die Mengen- und Qualitätsstrategie in diesem Jahr erfolgreich durchgehalten haben.

In einem erweiterten Europa sorgen insbesondere die neuen EU-Länder im Osten dafür, dass bei uns die Frühkartoffelversorgung nicht zu üppig ausfällt. Bereits im Januar kamen Bedenken auf, dass in diesem Jahr viel weniger Importkartoffeln anlanden werden. Israel und Ägypten, als größte Lieferländer, haben für den Export nahezu 200.000 Tonnen weniger produzieren können und stehen gleichzeitig einer erhöhten Nachfrage aus dem erweiterten Europa gegenüber. Wenn es darüber hinaus nicht zu kalt gewesen wäre, hätte Spanien schon längst mit ersten Lieferungen aushelfen können, dort beginnt die Ernte aber verspätet und erst in der Woche nach Pfingsten wird die bestellte Menge in geordneten Bahnen zu uns kommen. Von früheren Berichten einer Anbauausweitung wollen die Statistiker nichts mehr wissen, lediglich der Ertrag soll um 4 % höher sein als im Vorjahr. Eine Menge, die aber wohl im regionalen Absatz auf der Iberischen Halbinsel verschwindet.

Deshalb werden wohl alle verfügbaren Kartoffeln der alten Ernte in Europa noch benötigt. So manch ein Händler hätte gerne schon heute mehr Reserven, denn was während der gesamten Vermarktungsperiode nicht ging, ist plötzlich wieder interessant. Das Risiko steigender Preise konnten sich die Händler allerdings nicht an der Börse absichern. Zwar hätte man bis zur letzten Woche an der RMX in Hannover noch für 11,5 €/dt absichern können. Dafür gab es in der Handelsklasse I allerdings nirgends mehr ein Angebot. Ein eindeutiger Fehler bei der Index-Festsetzung, der sich in einem massiven Vertrauensverlust gegenüber der Börse niederschlägt.

Auch die Partien, die diesen Qualitätsstandard nicht mehr halten, finden nun wieder ihren Absatzkanal. Die Hersteller von Trockenprodukten arbeiten weiterhin auf Hochtouren und kaufen wieder freie Kartoffeln zu, da in absehbarer Zeit der Rohstoff Kartoffeln knapp bleiben wird. Dabei sind die Produktläger noch nicht einmal voll. Bis die neue Ernte zur Verfügung steht, wird es August. Auch der bislang reichlich vorhandene Frittenrohstoff profitiert von der knappen Marktversorgung mit Speisekartoffeln. Frankreich, Holland und Belgien exportieren im Moment, was das Zeug hält. Neben Russland und anderen osteuropäischen Staaten kaufen die Briten und mittlerweile auch die Skandinavier. Die Versender können nun sogar Preiserhöhungen durchsetzen. Erzeugerpreise von 10 €/dt sind kein Tabu mehr. Tendenz steigend.

Da die Pflanzungen immer noch nicht abgeschlossen sind, überträgt sich die Marktfantasie auch auf die Händler an der Terminbörse. Der Juni-08-Kontrakt streifte gestern wieder die 11 €-Marke und der April-09-Future übersprang bereits die 17 €. Dabei ist es noch gar nicht sicher, dass es eine kleinere Ernte geben wird. Allerdings wird die Anbaufläche in den großen EU-Ländern um ca. 4 bis 5 % eingeschränkt. Die Gebote für Festpreiskontrakte in Frühjahr 2009 stiegen indes nicht ganz so sprunghaft. Vereinzelt hört man schon von einem Abschluss zu 13 €/dt für 40 mm+ Frittenrohstoff, was immerhin vier Euro schlechter ist als die April-09-Börsennotierung. Vorsorglich kündigte der BOGK gestern in einer Pressemeldung schon Preiserhöhungen für Kartoffelprodukte an.

Für die nächste Saison erhoffen sich auch die meisten Landwirte bessere Preise bei einer nicht allzu üppigen Versorgung mit Kartoffeln. Im zurückliegenden Jahr konnten sich gut organisierten Händler und Verarbeiter für längere Zeit mit Vertragskartoffeln eindecken. Die am freien Markt tätigen Händler und Bauern hatten das Nachsehen. Festpreisverträge fördern die Marktmacht der ohnehin schon gut situierten Unternehmen und verhindern die Chancen der Bauern, an den tendenziell steigenden Lebensmittelpreisen teilzuhaben.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH
http://www.hansa-terminhandel.de

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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