Kartoffeln: Trockenheit verhindert ein Preisdesaster

Weuthen ist vorsichtig optimistisch

Buchstäblich im letzten Moment konnten hohe Temperaturen und Trockenheit im August eine preistechnische Katastrophe am Kartoffelmarkt abwenden. Die Hinweise auf eine den Bedarf übersteigende Erntemenge in Europa waren in den zurückliegenden Monaten immer deutlicher geworden, sodass erzeugerfreundliche Preise für die gesamte Vermarktungssaison bereits von vielen Fachleuten unvorstellbar wurden. Mit dem abrupten Ende der Vegetation keimt unter den Landwirten nun wieder Hoffnung, denn bei den spät reifen Sorten zeichnen sich nur durchschnittliche Erträge ab.

Allzu viel Optimismus ist aber dennoch nicht angebracht, denn in den meisten Regionen Mitteleuropas waren die Ertragspotentiale schon vor der sommerlichen Hitzewelle ausgeschöpft. Insbesondere mittelfrühe Sorten, wie sie in überwiegender Menge in Deutschland angebaut werden, wurden schon vorher für eine baldige Ernte reifegefördert. Sollte es in den nächsten Wochen heiß und trocken bleiben, so besteht allerdings die Gefahr, dass das im Boden lagernde Erntegut durch Wurmfraß oder Silberschorf qualitativ beeinträchtigt wird. Das wird dann zwar die verfügbare Menge wieder einschränken, ist aber in der Regel für hohe Preis hinderlich.

Abgesehen davon wird der an der Terminbörse Eurex sichtbar gewordene überbordende Optimismus ebenfalls durch vorübergehende Rodebehinderungen in Belgien angetrieben. Dort roden die Bauern aus den trocknen und verhärteten Böden nämlich nicht nur Kartoffeln, sondern gleichzeitig einen Anteil von bis zu 60 % Kluten als lästige Beimengung, was nicht nur die Arbeit erschwert, sondern auch der Qualität des Ernteguts mit hohen Stärkegehalten abträglich ist. Dieser vorübergehende Lieferengpass verursachte am vergangenen Freitag einen Kurssprung der Belgapom-Notierung von 3 auf 5 €/dt. Der Not gehorchend wurden sogar schon vereinzelt bis zu 6 €/dt gezahlt, denn alle Werke produzieren auf Hochtouren und brauchen den Rohstoff just-in-time. Misslich für die Verarbeiter ist nur, dass vielfach die Pommespreise mit niedrigeren Rohstoffkosten kalkuliert wurden.

Seit dem Kollaps der Frühkartoffelpreise Ende Juli haben alle Fabriken die außerordentlich günstigen Bezugsmöglichkeit genutzt und so viele Produkte wie möglich ins Tiefkühllager produziert. Davon werden sie in den nächsten Wochen sicherlich profitieren können. Gleichzeitig wird bereits eine relativ große Menge für den Export nach Nordafrika und Osteuropa benötigt. Da die Ansprüche für diese Kunden hoch sind, wird trotz eingeschränkter Liefermöglichkeiten sehr viel beanstandet. Mit diesen zum Teil durch Rodearbeiten beschädigte und blaufleckig gewordenen Knollen kann dann allerhöchstens noch der Futtertrog bedient werden.

Viele Experten, die in dieser Saison ihr erstes großes Branchentreffen am 27.08.09 in Schwalmtal auf dem 20. Weuthen-Tag begingen, erwarten in den nächsten Wochen nur moderat ansteigende Erzeugerpreise, denn der Frühkartoffelüberhang ist noch längst nicht abgebaut. Erst nach der Einlagerung der Haupternte bestünde die Möglichkeit, Preise von 8 bis 12 €/dt zu erzielen. Die Mengenschätzung der Firma Weuthen liegt sowohl für Deutschland, als auch für Europa oberhalb der Vorjahresernte. Deshalb müsse man wieder eine zumindest gleich große Menge aus Mitteleuropa exportieren. Und das funktioniert erfahrungsgemäß nur zu Preisen an der Unterkante der Notierungen. Diese Einschätzung trug deshalb auch zu einer Entspannung der Börsenkurse bei. Vor der Weuthen-Schätzung stiegen die Börsenkurse auf ein vorläufiges Zwischenhoch von 12,8, danach sanken die Notierungen für den April-2010-Future wieder in Richtung 12,0 €/dt.

Die Börsenpreise signalisieren aber immer noch viel Hoffnung. Deshalb ist den Landwirten weiterhin zu raten, sich dieses Preisniveau zu sichern. Zwischen den heutigen Tagespreisen von 5 bis 12 €/dt für die April-Lieferungen liegen noch 7 €/dt Marktfantasie. Zu den Börsenpreisen legt sich im Kassamarkt bis heute noch keine Fabrik bzw. kein Händler fest. Aber die Gebote für diese so genannten Forewards stiegen in den letzten Tagen auch an. Bot man bis zu Beginn der letzten Wochen noch ca. 8 €/dt für die April 2010-Lieferung, so hört man heute schon Festpreise von 9 €/dt.

Ein Preisdesaster, wie derzeit bei anderen Produkten wie Milch und Getreide, wird bei den Kartoffeln also jetzt nicht mehr erwartet. Vor zuviel Fantasie muss aber dennoch gewarnt werden. Die Einschätzung ist, dass wahrscheinlich viele Kartoffelbauern in dieser Saison mal wieder mit einem blauen Auge davon kommen. Richtig glücklich macht das aber auch nicht.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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