Kartoffeln: Überregionale Nachfrage kommt zum Erliegen

Vermarktungsdisziplin nötig

Kurz vor dem Beginn der Haupternte können sich alle Regionen selber mit Kartoffeln ver-sorgen. Deshalb haben die Versender in den Überschussregionen vorerst nur wenige Chancen, ihre Knollen auf dem freien Markt unterzubringen. Die zeitweilige euphorische Stimmung unter den Versendern weicht nun einer vorsichtig optimistischen, denn sowohl Erträge als auch Qualitäten der Haupternte deuten auf eine vorerst gute Marktversorgung hin. Bei nachgebenden Preisen nimmt das Angebot spürbar zu.

Solange die Sommerferien nicht überall zu Ende sind, ist der Frischkartoffelkonsum auf Sparflamme. Das wechselhafte und teils kühle Sommerwetter lässt aber darauf hoffen, dass sich der Absatz mit dem Beginn der Schulzeit wieder deutlich belebt. Dafür stellen die Landwirte nun schon überall schalenfestes Material zur Verfügung. Die positive Erfahrung mit der Qualitätsoffensive (hohe Preise und wenig Reklamationen) während der Frühkartoffelzeit ermutigt die Händler auch im weiteren Marktverlauf das Heft der Vermarktung in der Hand zu behalten. Ein Angebotsdruck aus der Landwirtschaft dürfte deshalb ins Leere laufen. Abgesehen von einigen zeitlich eng begrenzten Werbeaktionen wollen die Packstationen das Preisniveau hoch halten. Erklärtes Ziel ist es, die Erzeugerpreise ca. 2 €/dt über denen des Vorjahres anzusiedeln. Für die Lagerware soll es später Aufschläge geben.

Zu Beginn der Haupternte 2007 wurden für Speisekartoffeln Erzeugerpreise von 12 €/dt genannt. Wenn sich die Preispolitik der Händler umsetzen lässt, dürften die Landwirte also im September für optisch einwandfreie Handelsklassenware 14 €/dt erhalten. In diesen Tagen bewegen sich die Preise immer noch nahe der 20 €-Marke; der Preisverfall wird sich also in den nächsten Tagen fortsetzen. Bei einem Ertrag von 400 dt/ha und Produktionskosten von ca. 4.000 €/ha muss die Rohware also mindestens 10 €/dt bringen. Sobald man zu viele billigere Unter- oder Übermaße produziert hat, geht die Rechnung schon nicht mehr auf. So erklärt sich auch, dass Bereitschaft, eine rechtzeitige Reifeförderung zum Qualitätserhalt einzuleiten, sehr hoch ist. Partien, die die hohen Anforderungen der Packstationen nicht erfüllen, müssen auch in diesem Jahr einer anderen Verwertungsrichtig zugeführt werden.

Absatzalternativen wird es voraussichtlich erneut geben. Kartoffeltrockenprodukte sind immer noch der Renner. Der Rohstoff ist allerdings nicht annähernd so teuer, wie beispielsweise Frittenrohstoff oder gar Speisekartoffeln. Das ist auch der Grund, weshalb die Landwirte den Vertragsanbau für diesen Verwendungszweck eingeschränkt haben. Bereits in der letzten Saison waren es aber die Hersteller von Kartoffeltrockenprodukten, die eine stetige Bestandsräumung aufrechterhielten. Beanstandete Partien, Absortierungen, Übergrößen, all diese ständig vorkommenden „Unglücksfälle“ störten den Markt kaum noch. Und so kann diese Verwertungsrichtung auch in dieser Saison eine gesunde Preisbasis für den gesamten Kartoffelmarkt bilden.

Anders als bei Speisekartoffeln ist der Markt für Frittenrohstoff nicht so leicht zu regulieren. Hier bildet sich der Preis einzig aus Angebot und Nachfrage. Das Wegbrechen der Nachfrage am Spotmarkt hat in den letzten Tagen zu empfindlichen Kurskorrekturen geführt. Nach anfänglichen 19,5 €/dt am 11.07. gingen die Preise der Belgapom kontinuierlich in den Keller und erreichten gestern mit 10,5 €/dt vorerst ihren niedrigsten Stand. Die Verarbeiter produzieren zwar seit einigen Wochen wieder auf Hochtouren, sie versorgen sich aber in diesen Tagen fast ausschließlich aus früheren Vertragsabschlüssen.

Analog dazu gaben auch die Notierungen an der Terminbörse in Hannover nach. Der Kontrakt auf Veredelungskartoffeln April-09 notierte Mitte Juli zeitweilig noch um die 17 €. Gestern erreichte er mit 12,5 €/dt den tiefsten Stand während der gesamten Laufzeit. Dieser Kurs bildet ziemlich genau die Gebote ab, die auch als Foreward für Lieferung im Frühjahr 2009 geboten sind. Die fallenden Kurse an der Terminbörse im Blick, verkaufen viele Landwirte nun doch ihre fast fertige Ernte an ihre Wunschpartner, statt sich an der Börse abzusichern. Der Kontraktbestand erreicht gut 2.200 Lots, im Vorjahr waren es noch knapp 4.000.

Mit den umfangreichen Vorkäufen entgehen die Verarbeiter dem Risiko steigender Preise in doppelter Hinsicht. Sollten der freie Markt zu einem späteren Zeitpunkt ansteigen, so muss man nicht jeden Preis mit bieten. So werden Preisschwankungen vorerst ausgebremst, die die Marktteilnehmer verunsichern und den Handel erschweren. Aber: Sowohl für den Speisemarkt, als auch für Frittenrohstoff gilt: Das Kräftemessen zwischen Angebot und Nachfrage kann mit den Handelsstrategien nicht aufgehoben werden.

Mit freudlichen Grüßen

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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