Kartoffeln: Umstellung auf Lagerkartoffeln steht an
Baldiger Anstieg der Kassapreise erwartet
Auch wenn in Holland und Belgien immer noch ca. 7 % der Kartoffeln gerodet werden müssen, kann sich der Markt nicht mehr in vollem Umfang mit frisch gerodeten Kartoffeln versorgen. Das nasse Wetter behindert die Ernte derart, dass es ein mühsames Unterfangen sein wird, überhaupt alles aus dem Boden zu bekommen. Bei einer stetigen Nachfrage nach Kartoffelprodukten produzieren die Fabriken aber weiterhin auf Hochtouren und so müssen schon in den nächsten Tagen Kartoffeln aus Zwischen- und Winterlagern mobilisiert werden. Dafür verlangen die Lagerhalter aber mehr Geld.
Die Abgabebereitschaft für einwandfreien Frittenrohstoff ist zurzeit sehr gering. Zu hoch ist die Erwartung auf höhere Preise. Das mussten auch die Verantwortlichen der holländischen Notierungskommission in Goes feststellen. Trotz eines ohnehin sehr spät anberaumten Starts für die regionale Preisfeststellung konnte man lediglich feststellen, dass noch keine trockenen Kartoffeln aus den angelegten Vorräten verkauft wurden; und so gab es also auch keine Notierung. In Emmeloord wurde aber sogar schon zweimal Preise notiert, die stabil mit 15,0 bis 18,0 € gegenüber den ab-Feld-Preisen überraschend hoch ausfielen. Im Konzert der anderen nationalen Kassapreise, die in den Eurex-Index für Veredelungskartoffeln einfließen, liegt diese Preisspanne deutlich an der Oberkante. Marktbeobachter äußern ohnehin Zweifel daran, ob in dieser Saison in den Niederlanden überhaupt schon Lagerkartoffeln angeboten wurden. Insofern muss der Vorstoß aus Emmeloord als Trendmeldung bewertet werden.
Die Notierungen aus Belgien, Frankreich und Deutschland, in einer engen Spanne zwischen 13 und 14 €, sind aber wohl kaum geeignet, große Mengen aus dem Winterlager hervorzulocken. Die Versorgung der örtlichen Verarbeiter kann dennoch teilweise aus Partien mit zweifelhaften Qualitäten gedeckt werden. Neben den Ernteschätzungen, die mit denen aus 2006 gleichauf liegen, ähnelt auch das Anbieterverhalten dem aus diesem Hochpreisjahr. Über lange Zeiträume vor und während des Winters wurden nur die Partien angeboten, die drohten schlecht zu werden. Die besseren Kartoffeln sollten später noch mehr Geld bringen. Die Verkauf bzw. die Auslagerungsentscheidung fiel also nicht, weil man sich an den Marktbedürfnissen orientierte. Die meisten Bauern konnten damals aber von Glück sprechen, dass sie sich nicht vollends der Spekulation hingaben, denn am Ende, nämlich im Mai und Juni 2007 gab es noch so viele Kartoffeln, dass der Preis von 28,5 €/dt im April auf 10,0 €/dt im Mai verfiel.
Ich hoffe, dass dieses Extremjahr vielen noch gut in Erinnerung liegt und sich deshalb noch auf das Anbieterverhalten in diesem Jahr auswirken wird. Allerdings unterscheidet sich diese Saison auf der Nachfrageseite maßgeblich mit der in 2006/07. Damals gab es nämlich nicht eine derart große Auslands- bzw. Drittlandsnachfrage. So können die Lagerhalter darauf hoffen, dass der Wettbewerb um den Rohstoff früher die Preise auf das Niveau treibt, zu dem sie dann auch bereit sein müssten, die Scheunen zu räumen.
Welcher Preis das dann sein wird, muss jeder Bauer mit seinem Vertragspartner und sich selbst abmachen, da sind auch die kaufmännischen Fähigkeiten jedes Einzelnen gefragt. Sicherlich liegt es aber auch daran, wie lange die Qualität erhalten werden kann. Insofern muss zuerst alles für deren Erhalt getan werden und bei Erreichen des passenden Preisniveaus sollte man das Verkaufen nicht vergessen.
Ein Anstieg der Kassapreise steht aus den besagten Gründen nun unmittelbar bevor. Marktferne Beobachter können das dann auch wieder sehr zeitnah beobachten, wenn der Eurex-Index und seine einzelnen Bestandteile veröffentlicht werden. Sie finden die Preise und die Veränderungen zur Vorwoche im kostenfreien Zugang auf unserer Homepage http://www.hansa-terminhandel.de un-ter „Fakten für Profis“ -> Kassamarktnotierungen und auf unseren börsentäglich erscheinenden Terminmarktnotierungen Agrar, die sie für einen kleinen Obolus abonnieren können.
In der zurückliegenden Woche konnten die Börsenkurse für Veredelungskartoffeln wiederum leicht zulegen. Der meistgehandelte Kontrakt auf April-11 stieg im Wochenvergleich um 40 Cent auf 25,90 €/dt.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH
Mein nächster Marktkommentar Kartoffeln erscheint am 20.11.2010