Kartoffeln: Unruhen in Ägypten noch ohne Einfluss auf Kartoffelexport
Russen lassen sich von hohen Preisen nicht schrecken.
In diesen Tagen werden in Ägypten die ersten Schiffe mit Kartoffeln für Deutschland verladen. Nach Angaben von hiesigen Importeuren gab es noch keine Einschränkungen, abgesehen von Schwierigkeiten bei der Kommunikation über das Internet. Dennoch gibt es schon Befürchtungen, dass die hier dringend benötigten Kartoffellieferungen verzögert werden.
Sollten sich die Unruhen im Norden Afrikas ausweiten, ist es möglicherweise mit zuverlässigen Lieferungen vorbei. Ägypten war bisher stets als vertrauenswürdiger Handelspartner bekannt. Sollte jetzt die Infrastruktur aber lahm gelegt werden, wie es sich bereits im Ansatz mit dem Internet abzeichnet, wird nicht nur die Kommunikation schwieriger. Auch Finanztransaktionen wären betroffen und schon deshalb könnte der Warenfluss zum Erliegen kommen. Es gibt genügend Interessen, die aus den Unruhen Kapital schlagen.
Unsicherheit lässt sich auch deshalb leicht schüren, weil in der Bevölkerung eine hohe Unzufriedenheit wegen steigender Lebensmittelpreise herrscht. Selbst wenn ein Großteil der Bevölkerung nicht einmal im Ansatz die hohen Preise für Kartoffeln oder Gemüse aufbringen kann, die dafür im Ausland bezahlt werden, ist es doch ein Politikum, dass Lebensmittel ausgeführt werden. Der ägyptische Staat subventioniert aus diesem Grund schon seit jeher die Brotpreise. Angesichts einer Preisexplosion bei Getreide steigen die Lebenshaltungskosten trotzdem. Je nach politischer Konstellation könnte es also auch zu bürokratischen Hemmnissen kommen.
Abgesehen von diesem Risiko verspricht die neue ägyptische Kartoffelernte relativ groß zu werden. Dem steht eine sehr große Nachfrage gegenüber. In 2010 kaufen die EU-Länder 183.000 Tonnen aus dem Land am Nil. Um die sich schon frühzeitig abzeichnende größere Nachfrage bedienen zu können hatte man rund 30 % mehr Pflanzkartoffeln importiert. Man hofft nun, an die Exporterfolge von 2004 und 2007 anknüpfen zu können, als rund 240.000 Tonnen in die EU geliefert wurden. Auch wenn der Bedarf in Russland offensichtlich sehr groß ist, zielt man doch in erster Linie auf europäische Kunden. Von den russischen Abnehmern verlangt man in jedem Fall Vorkasse, was bei dem hohen Warenwert für den einen oder anderen eine große Herausforderung ist.
Hierzulande ist aber die Nachfrage nach Importen so groß, dass es kein Problem darstellen dürfte, eine größere Menge unterzubringen. Die Vorräte aus der eigenen Ernte sind teilweise schon so weit verbraucht, dass Importe dringend erwartet werden. So hatte beispielsweise Österreich sich bisher fleißig am Export nach Osteuropa beteiligt und stellt jetzt bereits im Januar überraschend fest, dass man ohne Einfuhren keine ausreichende ei-gene Versorgung mehr sicherstellen kann.
Unterdessen exportieren Händler und Bauern aus Mitteleuropa fleißig weiter. Die Preise konnten sich im Export sogar noch weiter erhöhen. Die Spanne ist, je nach Verpackung, Qualität und Sorte, riesig. Sie reicht von 30 € bis 42 €/dt frachtfrei Hafen. Die Handels- bzw. Dienstleistungsspannen sind dabei recht komfortabel. Das müssen sie aber wohl auch sein, angesichts der großen Risiken, die sich mit diesem Geschäft verbinden. So war zu hören, dass in st. Petersburg einige Schiffe auf Entladung warten, und von den Behörden nicht freigegeben werden. Hier staut sich einiges. Einerseits ist es die schon früher bekannte Nemathodenproblematik und andererseits schlicht die Haltbarkeit mancher Partien. Zudem haben einige Händler wohl auch spekulativ verladen und hoffen darauf, dass der russische Versorgungsengpass ihnen schon einen Käufer beschert.
Tatsächlich kaufen die Russen weiter und lassen sich auch von den hohen Preisen nicht schrecken. Sie bilden mit ihren Geboten die Oberkante der Preisnennungen hierzulande. Das trieb den Eurex-Index für Veredelungskartoffeln dann doch noch weiter nach oben, obwohl aus den Regionalbörsen und Notierungskommissionen lediglich von stabilen Preisen zu hören war. Der Referenzpreis für den Kartoffelterminkontrakt an der Frankfurter Börse steht jetzt auf 26,5 €/dt. die ersten Anzeichen für die kommenden Woche stehen auf „stabil“. Wobei die explosive Lage in den südlichen Exportregionen noch einiges durcheinander bringen kann.
Beobachter gehen deshalb nicht davon aus, dass die Konvergenz der Preise (Börse und Index) so schnell erreicht wird.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH