Kartoffeln: Versorgungsengpass ab Mitte Juni

Festschaligkeitsdiktat vor Bewährungsprobe

Frühkartoffelimporte aus Nordafrika reichen nur noch bis zum 10. Juni. Obwohl die Importeure wegen dem Festschaligkeitsdiktat des deutschen Kartoffelkaufleute den Vermarktungszeitraum ägyptischer Kartoffeln so weit wie möglich nach hinten verlagert hatte, reichen die verfügbaren Mengen nur noch gut 14 Tage. Da insgesamt rund 25 % weniger Kartoffeln in die EU importiert wurden, endet die diesjährige Vermarktungskampagne für Drittlandsimporte drei Wochen früher als in den Vorjahren.

Die knappe Verfügbarkeit von importierten Speisekartoffeln spiegelt sich deshalb auch in einem anhaltend hohen Preisgefüge wider. Nicola und Innova aus Ägypten kosten gut 50 €/dt frachtfrei Packstation, für Princess und Gala müssen die Einkäufer rund 7 € mehr anlegen und Bio-Kartoffeln kosten bis zu 70 €/dt. Unter diesen Umständen bemühen sich die Packstationen nun um spanische Kartoffeln. Die Lieferbereitschaft ist zwar hoch, doch die Abwicklung der Geschäfte wird immer wieder durch Regen verzögert. Zudem ist Frachtraum knapp, sodass sich noch keine wirkliche Entspannung der Lage abzeichnet.

Die Versender empfinden die Preise allerdings nicht sonderlich hoch. So verweisen beispielsweise die Produzenten in Nordafrika auf exorbitant gestiegene Produktionskosten. Insbesondere die Personal- und Energiekosten seinen die Preistreiber. Auch wenn die Erträge in Spanien durch weitgehend optimale Vegetationsbedingungen hoch sind und die Verfügbarkeit von Transportkapazitäten wieder steigt, erwarten die Marktbeteiligten keinen Preisdruck. Üblicherweise sinken die Einstandspreise mit dem Beginn der deutschen Frühkartoffelsaison. Aber die Bauern hierzulande konnten im Februar/März nur eine kleine Fläche bestellen und es dauerte lange, bis alle Kartoffeln gepflanzt waren. Und so rechnet man damit, dass ein Verkäufermarkt das Preisgefüge lange Zeit hoch hält.

Selbst die auffällig niedrigen Preise in den Frührodegebieten im Osten Europas nehmen nur wenig Einfluss. Im Polen und in Rumänien kosten die Frühkartoffeln derzeit nur 20 €/dt und damit nur die Hälfte dessen, was hierzulande bezahlt werden muss. Lieferungen zu uns sind aber verboten, da es sich um Befallsgebiete von Quarantänekrankheiten handelt. Seit dem Erntebeginn kamen die dortigen Nachfrage nach Importkartoffeln aus dem Süden und nun auch nach an alterntigen Lagerkartoffeln aus Holland und Belgien zum Erliegen.

Den Verarbeitern in der EU steht deshalb wieder etwas mehr Lagerware zur Verfügung. Das Angebot von Speisesorten für Schälzwecke hat zuletzt wieder zugenommen doch die Preise hierfür bleiben stabil. Lediglich sehr guter weißfleischiger Frittenrohstoff ist knapp und die Preise für Bintje bewegen sich in großen Schritten nach oben. Nach dem 1,5 €-Preisanstieg der Vorwoche hoben die Belgier (+0,5) und auch die Franzosen (+1,5) ihre Notierungen abermals deutlich an. Aber es gibt immer noch viele Partien, deren Qualitäten die Ansprüche der Verarbeiter nicht erfüllen können. Dieses Angebot überstieg zuletzt sogar die Kapazität der Futterbetriebe.

Beim Verarbeitungsrohstoff wird sich aber bald die Spreu vom Weizen getrennt haben. Viele Fabriken sind nämlich noch nicht bis zum Beginn unserer Frühkartoffelernte mit Rohstoff versorgt. Die Nachfrage nach Kartoffelprodukten ist anhaltend gut und sie könnte sich während der Fußballeuropameisterschaft Im Juni und den olympischen Sommersielen im August sogar noch verbessern. Trotzdem die Vegetationsbedingungen zuletzt nahezu optimal waren, kann der Frittenrohstoff kaum vor Ende Juli genügend Stärke und Kalibergröße erreicht haben. Experten rechnen deshalb damit, dass der Preis für gute Lagerkartoffeln weiter steigen wird. Die Verarbeiter haben bereits vorsorglich höhere Produktpreise angekündigt.

Wegen der beschriebenen Rahmenbedingungen kommen in der Branche immer mehr Zweifel auf, dass die Qualitätsbemühungen der Kartoffelkaufleute tatsächlich eingehalten werden können. Die gewünschte Festschaligkeit der Speisekartoffeln bedingt viel Disziplin aller Beteiligten. Der Bauer muss frühzeitig Reife fördernde Maßnahmen ergreifen, die verursachen, dass die Erntemenge begrenzt wird. Sobald die Hoffnung besteht, dass der Preis in absehbarer Zeit stabil bleibt, wird er diese Maßnahmen so lange wie möglich hinauszögern, um seine Ausbeute zu steigern. Übersteigt währenddessen die Nachfrage das Angebot, so wird der Packer genötigt sein, auch losschalige Knollen abzurufen. Zwar kann man festschalige Knollen mit entsprechend höheren Geboten entlohnen, da es aber keine objektive und genaue Definition für Festschaligkeit gibt, sind allen Beteiligten für ein Unterlaufen der hehren Vorgaben Tür und Tor geöffnet.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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