Kartoffeln: Weiter hohes Tempo im Markt

Teurer Euro hinderlich für Export in Drittländer

Nach einem ganz passablen Weihnachtsgeschäft hat sich der Absatz von Speisekartoffeln zu Beginn des Neuen Jahres wieder beruhigt - die privaten Haushalte verbrauchen zunächst die Festtagseinkäufe. In den letzten Wochen haben die Landwirte ihre Kartoffeln aus den Langzeitlägern stetig abgegeben. Dabei nutzen sie alle Verwertungsrichtungen die sich anboten. Wenn, wie zurzeit, der Absatz von vertragsfreien Speise- oder Industriekartoffeln stockt, bieten sich stets genügend andere Möglichkeiten, um insbesondere minderwertige Kartoffeln in der Stärke-, Granulat- und Flockenindustrie abzusetzen. sodass der Bestandsabbau insgesamt der Jahreszeit entspricht.

Von der Kartoffeln verarbeitenden Industrie geht auch in diesem Jahr die größte Nachfrage aus. Je nach Qualitätsanspruch werden fünf bis zehn Euro für 100 kg Verarbeitungsrohstoff gezahlt. Die Abgabebereitschaft aus der Landwirtschaft bleibt trotz der teilweise niedrigen Preise vorerst hoch, sodass es offensichtlich zunächst keine Beschaffungsprobleme geben wird. Ganz im Gegenteil: Es tauchen immer wieder Partien auf, die für die Langzeitlagerung ungeeignet sind. Dieses zum Teil drängende Angebot traf bisher stets auf kaufwillige Verarbeiter, die seit Ende der Haupternte immer noch nicht in der Lage waren, ihre Produktvorräte aufzufüllen, denn die in- und ausländische Nachfrage nach Kartoffelprodukten hat in dieser Saison abermals zugenommen. Experten prognostizieren, dass die Nachfrage bis zum Saisonende mit dem Angebot Schritt halten wird, sodass kein Preisverfall befürchtet werden muss. Dennoch hört man vereinzelt Stimmen, die auf nachgebende Kurse pochen.

Das würde zumindest den Exporteuren in Holland und Belgien ganz gut passen, denn sie verladen gerade in diesen Tagen erste Probeladungen nach Russland – allerdings mit sehr knappen Margen. Die Kartoffeln müssen unter 16 Euro/dt in 25-kg-Säcken auf Einwegpaletten am Hafenkai mit den nötigen Zeugnissen zur Verfügung gestellt werden. Das lässt sich kaum auf Basis der in Holland gemeldeten neun Euro Erzeugerpreis darstellen. Trotzdem nutzen die Exporteure diesen frühen Zeitpunkt, um in Russland die Bereitschaft für weitere Geschäfte zu signalisieren. Da heuer in Benelux im Gegensatz zu Deutschland eine viel größere Menge freier Kartoffeln zur Verfügung steht, ist man auf einen frühen Exportstart angewiesen. Die baldigen Verhandlungen mit der heimischen Industrie dürften davon profitieren.

Einen maßgeblichen Einfluss auf Folgegeschäfte mit Russland haben der teure Euro sowie die hohen Frachtraten. Bereits beim Algeriengeschäft im letzten Oktober hat Kanada den Europäern Konkurrenz gemacht. Das könnte im weiteren Marktverlauf auch bei einem etwaigen Russlandgeschäft passieren.
Zurzeit konzentrieren sich die großen Verarbeiter jedoch noch auf die Abnahme von Vertragsware. Man ist darum bemüht, die Lieferanten bei Laune zu halten, schließlich benötigt man auch in der kommenden Saison mindestens eine gleich große Menge an Vertragsware. Die Landwirte zögern vielfach aber noch mit der Unterzeichnung dieser Verträge, obwohl die Industrie ihre Gebote stets nachgebessert hat. Als Messlatte dienen dabei inzwischen die April-09-Börsennotierungen der RMX, die nun bei 14 €/dt beginnen, einen Kontraktbestand aufzubauen. Neue Vertragsmodelle von mittlerweile zwei großen holländischen Verarbeitern bauen auf die RMX Börsennotierungen auf.

Freie Kartoffeln liegen also noch wie Blei. Diese Erfahrung machen auch einige freie Versender in den Überschussregionen, die nicht direkten Kontakt zu den großen Packstationen haben, die den Speisekartoffelmarkt dominieren. Dort wird den Lieferanten nur das Pensum zugeteilt, das dem Markt zugeführt werden soll. Unter den gegebenen Umständen erscheint ein Preisverfall bis zum Ende der Saison fast unmöglich. Man verhindert so einen Preisverfall unter die Produktionskosten. Es wird vermutet, dass ohne diese Strategie, die großen LEH-Einkäufer die Erzeugerpreise wieder unter die Einstandkosten gedrückt hätten. Das Interesse des Handels ist dabei der Erhalt der Kartoffelanbaufläche. Ob unter diesen Umständen und einer besseren Nachfrage allerdings auch Preisbewegungen nach oben möglich sind, dürfte wohl maßgeblich die Preisentwicklung anderer Verwertungsrichtungen zeigen. Die Händler an der RMX entwickeln deshalb auch nur wenig Phantasie, denn mit einem April-08-Preis von 12,8 ist nur noch ein Lageraufschlag von einem Euro für den Qualitätserhalt abzusichern, der nicht den tatsächlichen Aufwendungen entspricht. Insofern besteht offensichtlich nur wenig Absicherungsinteresse, wie die schwachen Börsenumsätze für Speisekartoffeln zeigen.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH
http://www.hansa-terminhandel.de

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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