Kartoffeln: Wird die Kartoffelfläche größer?

Getreidepreise im Keller

In den großen Kartoffelnationen Mitteleuropas steht die Veröffentlichung von neuen Lagerbestandserhebungen unmittelbar bevor. Die Umfragen zielen neben der Bestandserfassung auch auf die Anbauplanung. Aus gut unterrichteten Kreisen ist zu hören, dass es wohl zu einer Anbauausweitung kommen wird. Wenn die Vorräte in den nächsten Wochen zu stabilen Preisen abzusetzen sein, rechnet man mit bis zu 5 % mehr Kartoffeln im kommenden Jahr.

Alternativen im Ackerbau gibt es seit dem Bioenegie-Boom zwar reichlich und der Maisanbau dominiert in einigen Regionen das Landschaftsbild bereits derart, dass es zum Unmut in der Bevölkerung kommt. Insbesondere Getreidebauern schauen sich in diesem Jahr nach Alternativen um seit die Weltgetreidereserven wieder hoch und Getreidepreise im Keller sind. Gerste fließt in die Intervention und Roggen als Energiepflanze wechselt in der nächsten Ernte zu 8,5 €/dt den Besitzer. Der staatliche Aufkauf (Intervention) wird mengenmäßig eingeschränkt. Im Vergleich zum Getreidebau kommt die Kartoffel also noch gut davon, denn Europas Kartoffelverarbeiter konnten sich in den letzten beiden Jahren mit ihren Produkten am Weltmarkt gut behaupten. Und so denken viele Landwirte, bei denen Kartoffeln noch zur Fruchtfolge gehören, an die Ausweitung dieses Betriebszweiges. Die Züchterhäuser bestätigen eine gute Auftragslage für Saatkartoffeln und einige Sorten sind bereits ausverkauft.

Angesichts der anhaltend negativen Stimmung am aktuellen Konsumkartoffelmarkt verwundert die Anbauplanung der Bauern. Es sollen überall in Mitteleuropa noch hohe Lagerbestände sein, die meist auch noch ein Qualitätsproblem haben. Ein etwas flüssigerer Export nimmt den Mengendruck, stabilisiert damit aber noch längst nicht die Preise. Verschieden Kommentaren ist zu entnehmen, dass die Exportkartoffeln für Osteuropa zu Preisen zwischen 5 und 8 €/dt eingekauft werden. Die Stimmung in Belgien und den Niederlanden wird mit „weich“ und „schwach“ umschrieben; von Resignation ist die Rede. Man hofft, dass die Exportmengen weiter steigen, damit es nicht noch schlimmer kommt.

Positiver scheint es Deutschland zu laufen. In Niedersachsen wollen die Händler ab Montag den Grundpreis für Speisekartoffeln von 12 auf 13 €/dt anheben. Gleichzeitig hört man von Berichten, dass französische Lagerkartoffeln zu unveränderten Preisen ins Land drängen. Diese Herkunft ist zwar längst noch nicht so dominant wie in früheren Jahren, das Preissignal aus Niedersachsen könnte aber den Marktzugang aus Frankreich erleichtern.

Außerdem entwickeln sich die Kartoffelbestände im östlichen Mittelmeerraum hervorragend, sodass auch von dort ab Mitte März nennenswerte Mengen zu erwarten sind. Vorerst wird man sich hierzulande aber aus Kisten- und Kühllägern bedienen. Da diese Lagerung mit Abstand die höchsten Kosten verursacht, beabsichtigen die Packer diese Partien ins Premiumsortiment des LEH einfließen zu lassen. So lange Frankreich keine besseren Qualitäten liefern kann und der Frühkartoffelimport nicht da ist, kann diese Rechnung aufgehen. Da diese aufwendige Lagerung meist von den Inhabern der Packstationen selber betrieben wird, dürfte die Platzierung beim LEH auch gelingen; möglicherweise werden aber Partien in Landwirtshand hinten anstehen.

An der Eurex ging es in der zurückliegenden Woche mit den Kartoffelnotierungen leicht fester. Im Aril-10-Future steigen die Kurse am letzten Freitag um 20 Cent auf 9,3 € und liegen damit 90 Cent über dem Index, der mit 8,4 €/dt festgesetzt wurde. Die Juni-10-Notierung wurde auf 11,4 €/dt gesettelt, was immerhin drei Euro über dem derzeitigen Kassapreis liegt. Sollte sich die Meldung über eine wachsende Anbaufläche bestätigen, wäre das für die Landwirte ein weiterer Grund, schon mit einer Teilabsicherung in den April-11-Future mit mehr als 13 €/dt zu gehen. Gerade Landwirte, die ihre Fläche ausweiten wollen, sollten ihr höheres Risiko entweder mit Festpreisverträgen oder mit der Absicherung an der Börse besichern.

Die Nederlandse Aardappel-Organisatie (NAO) beklagt aber, dass der Anteil der freien Ware, deren Preis oftmals auch den Referenzpreis von festen Vorverträgen bildet, mit geschätzten 10 % viel zu gering ist. Da die Mengensteuerung fast ausschließlich durch die Industrie geschehe, die zudem 10 – 20 % zu viele Friteusekapazitäten habe, sei der Markt immer öfter in einer desolaten Marktsituation gefangen.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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