Kartoffeln: Zu viele schwache Partien

Verhaltener Optimismus an der Börse - der Preisanstieg verspätet sich

Nachdem sich der Großteil aller Kartoffelpartien in Mitteleuropa im Schwitzprozess befindet, wird offensichtlich über welche Qualitäten die Landwirte verfügen. Neben relativ vielen Braun- und Nassfaulen Partien bereitet die Glasigkeit die größten Sorgen. Mittlerweile melden Marktbeobachter aus Deutschland, den Nieder-landen und Großbritannien von großen Mengen, die schon wieder ausgelagert und schnell verarbeitet werden sollen. Das bremst zurzeit den Preisanstieg.

Am schlimmsten scheint es in Großbritannien zu sein. Bis zu einer Mio. Tonnen droht ein rascher Verderb. Dort wurden die meisten Partien mit hohen Anteilen anhaftender Erde eingelagert. Wenn nun noch das glasige Gewebe an den Spitzen der Knollen wegen Stärkearmut zusammenbricht, hilft nur noch eine intensive Belüftung. Ist der Anteil glasiger Knollen hoch und behindert zudem noch feuchte Erde den Abtransport der feuchten Luft, steigt das Fäulnisrisiko. Landwirte die den Schaden zu spät bemerken, werden ihre Kartoffeln noch nicht einmal mehr in der Trockenindustrie los.

Aus diesem Grund sind viele betroffene Landwirte bemüht, ihre Vorräte so schnell wie möglich zu vermarkten. Schon deshalb müssen die großen Kartoffeln verarbeitenden Fabriken rund um die Uhr laufen. Aber die Produkte finden wegen einer stetig guten Nachfrage auch reißenden Absatz und mögliche Produktvorräte werden im weiteren Verlauf des Winters sicherlich zu sehr guten Preisen abzusetzen sein.

Schließlich ist die Gesamternte kaum größer als die im Jahre 2006. Dieser Eindruck wurde zwar durch bessere Erträge der spät geernteten Partien nicht mehr bestätigt, die Statistik beharrt aber auf ihre früheren Einschätzungen. So Veröffentlichte der AMI gestern eine Zahlenkolonne, die in der EU-15 in 2010 nur 40.845 Tonnen sieht, gegenüber 40.434 Tonnen in 2006. In der EU-27 kommen demnach nur 57.011 Tonnen zusammen gegenüber 56.892 Tonnen in 2006.

Angesichts dieser eindeutigen „Aktenlage“ werden die Forderungen nach deutlichen Preissteigerungen immer lauter. In Niedersachsen stiegen die Notierungen für Speisekartoffeln bereits auf 20 €/dt, die aber noch nicht überall bei den Landwirten ankommen. Schließlich gibt es immer noch ein begrenztes Angebot frisch vom Feld. Zudem sind, wie auch sonst üblich, provisorische Läger noch vor dem Winter zu räumen.

Beim Frittenrohstoff klappt es aber noch nicht, mit dem Anstieg. Zu viele Partien drängen wieder aus den Scheunen. Zudem ist die Räumung der Flächen längst noch nicht so weit wie bei den Speisesorten. So sollen per heute in Belgien immer noch 18 % aller Kartoffeln im Boden sein. Der Erntefortschritt ist mühsam, weil es an mehreren zusammenhängenden trocken Tagen mangelt. Ab Feld werden die Kartoffeln immer nur noch mit 13 €/dt vergütet (Belgapom). Daneben werden aber auch vom Fiwap/PCA bis zu 15 €/dt genannt.

Da zurzeit kein Winterwetter in Aussicht ist, gibt es aber keine ernstzunehmenden Befürchtungen, dass die Flächen nicht geräumt werden können. Die Industrie kann also in den nächsten Wochen noch aus dem Vollen schöpfen.

An der Börse will sich deshalb auch noch keine große Euphorie durchsetzen. Die Kurse pendeln in großen Schwüngen seitwärts, aber die alten Höchstpreise von 28 €/dt auf dem April-11-Future wurden zuletzt nicht mehr erreicht. Noch sind die Exporte nicht dominant genug, um den Kassamarkt stärker zu beeinflussen. Die Fantasien erhielten sogar einen Dämpfer, weil die russischen Behörden bei einer belgischen Kartoffellieferung ihre Quarantänebestimmungen verletzt sehen. Eine Schiffsladung mit Kartoffeln aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden wird nicht verladen, weil Nematoden gefunden wurden. Da die Kartoffeln für den Verzehr und nicht als Pflanzgut vorgesehen sind, eigentlich kein allzu großes Problem. Aber wer weiß schon, was die Behörden daraus machen. So ein Vorfall, egal wie ausgehen mag, lässt die Exporteure vorsichtiger werden.

Außerdem erwarten die Börsianer in der nächsten Woche die Bekanntgabe der diesjährigen Ausgleichfaktoren von der Eurex, die dazu nötig sind, um aus den Kassamarktnotierungen (B, D, F, NL) auf den Börsenstandard für Veredelungskartoffeln zu kommen. Bereits am vergangenen Donnerstag veröffentlichte die Kommission in Emmeloord die Notierung ihrer Region. Mit 15 bis 18 € für trockene Lagerware liegt die Preisnennung deutlich über dem Preisgefüge, das noch durch Druckpartien und Feldware bestimmt wird. Dienstag folgt dann die Goes-Notierung, die zusammen mit Emmeloord und dem Ausgleichfaktor der Eurex den Niederländischen Anteil im Eurex-Index dar-stellt. Der erste Veredelungskartoffel-Index wird für kommenden Donnerstag erwartet.

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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