Kartoffeln:Lamb Weston/Meijer kauft sich Eintrittskarte nach Osteuropa
Erstaunlich gute Backfarben
Am 11.Mai teilten der Österreichische Kartoffelverarbeiter Frisch & Frost und Lamb Weston/Meijer, Niederlande in einer gemeinsamen Presseerklärung mit, dass man zukünftig zusammenarbeiten werde. Der Nordamerikanische Konzern Lamb Weston, der bereits seit Jahren ein Joint Venture mit dem niederländischen Familienunternehmen Meijer unterhält, kauft von der BayWa-Tochter RWA 74 % an Frisch & Frost in Hollabrunn/Österreich. Ziel sei die Erschließung der Ostmärkte.
Lamb Weston/Meijer betreibt in Europa bisher vier Kartoffeln verarbeitende Fabriken: Drei in den Niederlanden und eine in Großbritannien. Damit ist man geografisch weit von den dynamischen Wachstumsmärkten Osteuropas entfernt. Nimmt man noch den in einer Krise befindlichen Absatzmarkt in Nordamerika hinzu, wird deutlich, dass der Konzern mit seinen bisherigen Standorten zurzeit kein Wachstum generieren kann. An den Vorhaben, eigene neue Produktionsstätten in Osteuropa zu begründen, haben sich allerdings schon andere Konzerne verhoben und so ist es nur folgerichtig, dass man sich lieber einen günstig gelegenen und etablierten Produktionsstandort hinzukauft.
Damit könnte man die größten Herausforderungen, denen der Konzern gegenübersteht, am besten meistern. Diese sind: Der Zugang zu den Wachstumsmärkten Osteuropas und Innovation im TK-Bereich. Frisch und Frost ist außerdem in Bio-Produkten und regionalen Spezialitäten stark. Diese Bereiche bergen noch eine höhere Wertschöpfung in Gegensatz zu den Masseartikeln wie Pommes frites. Mit diesen Stärken als Mitgift ist wohl kaum davon auszugehen, dass es größere Einschnitte bei der Belegschaft oder den Lieferanten geben wird. Zurzeit arbeiten bei Frisch & Frost 275 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 68,3 Mio. Euro erwirtschaften. Der europäische Mitarbeiterstamm im Konzern addiert sich dann auf 1.500 und wird wohl bald 500 Mio. Euro Umsatz erreichen. Dass der Rohstoff weiterhin in der Region produziert werden muss, versteht sich von selbst und erübrigt insofern auch den in der Pressemitteilung betonten Hinweis, dass man auf bewährte Partnerschaften setzt.
Der neu gestaltete Konzern vereinigt fortan einen Rohstoffbedarf von mehr als 1,3 Mio. Tonnen. Das birgt Chancen und Risiken zugleich. Schon seit Jahren bemüht man sich, direkt beim Erzeuger einzukaufen; am besten zu festen Preisen. Auf zunehmenden Druck der Bauern sollen aber die Verträge immer häufiger zu variablen Preisen geschlossen werden. Je nachdem wie die Ernte ausfällt, ist Lamb Weston/Meijer auch als Rohstoffverkäufer am Markt, beispielsweise wenn zu viele Untermaße mit übernommen werden müssen. Schon deshalb sind die Erweiterung der Produktpalette und ein weiterer Standort von Vorteil. Wenn es am freien Markt zu arg wird, kann man zunächst innerhalb des Konzerns ausgleichen.
Das hat sicherlich auch zur Entscheidung, den Schritt nach Österreich zu wagen, beigetragen. Gemeinsam sind noch große Steigerungspotentiale zu heben, wie z.B. für Produkte, die hierzulande schon lange kein Wachstum mehr verzeichnen. Lamb Weston/Meijer wollte wohl in erster Linie die etablierten Geschäftsbeziehungen von Frisch & Frost. Deren Produktpalette wird sicherlich in den nächsten Wochen um die in den niederländischen Fabriken hergestellten Erzeugnisse erweitert und umgekehrt. Eine klassische win-win-Situation.
Auch andere europäische Frittenfabriken, insbesondere in Belgien, produzieren weiterhin auf Hochtouren. Dort gibt es trotz der fortgeschrittenen Saison erstaunlich guten Rohstoff. Fiwap/PCA berichten über Ergebnisse von Produktauswertern, dass Anfang Mai meist Backfarben von 2,3 bis 3 festgestellt wurden. Die guten Ergebnisse führt man auf den kalten Winter zurück, die die Alterung des Rohstoffs verlangsamt haben.
Gleichzeitig laufen Konsum und Export so gut, dass kaum Produktvorräte vorhanden sind. Der Produktabsatz dürfte sich hingegen noch deutlich steigern. Sobald es ein wärmer wird, bekommen die vielen Veranstaltungen und private Feiern einen noch besseren Zulauf. Wenn dann noch die Fußballweltmeisterschaft zu zahlreichen Public-Viewing-Events lädt, kommen die Hersteller von Convenience-Produkten kaum noch nach. In einem britischen Bericht war bereits zu lesen, dass es immer schwieriger werde, an die preiswerten, schwachen Qualitäten heranzukommen. Man müsse immer häufiger auf teureren Rohstoff ausweichen. Unterdessen bleibt das Wachstum für die nächste Ernte zu langsam, was den Bedarf des alten Rohstoffs aufrechterhält. Die Kassapreise sind zurzeit stabil.
Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH