Richard Ebert
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Kredithandel als Ausweg aus der Kreditklemme

Kredithandel als Ausweg aus der Kreditklemme

Von Prof. Ulrich Hommel, Ph.D., Inhaber des Stiftungslehrstuhls für Unternehmensfinanzierung und Kapitalmärkte

und Malte Brockmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Stiftungslehrstuhl, beide European Business School, International University Oestrich-Winkel

Kreditfinanzierung aus Unternehmenssicht

Die Lage der Finanzierung deutscher Unternehmen ist weiterhin angespannt. Neben dem Problem der mangelnden Eigenkapitalausstattung stehen insbesondere kleine und mittelgroße Unternehmen mittlerweile der sogenannten Kreditklemme gegenüber. Gerade kleinere Regionalbanken müssen für ihr Kreditportfolio nach den neuen Eigenkapitalunterlegungsrichtlinien von Basel II stärker Eigenkapital vorhalten, beziehungsweise beschäftigen sich intensiver mit der Risikostruktur ihres Kreditportfolios. Im Ergebnis führt dies zu einer restriktiveren Kreditvergabepolitik, beziehungsweise stellenweise sogar zu einer vorzeitigen Rückführung bestehender Engagements, da nun auch kleinere Banken ein systematisches Portfoliomanagement betreiben. Mittelständischen Kreditnehmern wird damit der Zugang zu einer der bevorzugten Finanzierungsformen erschwert.

Unternehmensfremdfinanzierung aus Bankensicht

Ein Kreditportfolio ist aus Sicht der kreditgebenden Bank nahezu zwangsläufig schlecht diversifiziert, da das Portfolio durch das Geschäft mit den eigenen Kunden entsteht. Regionalbanken haben beispielsweise ein Kreditportfolio welches stark auf eine Region konzentriert ist. Da eine regionale Konzentration oftmals auch mit einer Konzentration auf einzelne Branchen einhergeht, stehen die Banken verstärkt auch noch Branchenrisiken gegenüber.

Aus Sicht der Banken gibt es nicht viele Auswege. Einerseits können sie, sofern es im Rahmen ihrer Verträge mit den eigenen Kunden möglich ist, Kredite verkaufen bzw. Teile des Portfolios am Kapitalmarkt verbriefen. Andererseits können Kreditrisiken selektiv über „Credit Default Swaps“ (CDS) abgetreten werden. Beide Varianten haben das Problem, dass die Bank genau die regionalen bzw. branchenspezifischen Risiken die sie abgetreten hat auch wieder über neue Engagements aufnehmen wird. Zu einer nennenswerten Diversifikation wird es nicht kommen.

Eine interessante Möglichkeit ist der ordentliche Handel von Krediten an einer Börse, wie es die RMX (Risk Management Exchange) aus Hannover plant. Teilnehmende Banken können bis zu 75% ihrer Kredite an der Börse verkaufen, sind jedoch weiterhin vollständig für die Betreuung des Engagements verantwortlich. Neben dem Verkauf von Krediten können Banken gleichzeitig auch bis zu 75% von Krediten anderer Banken erwerben. Dadurch wird auch für kleinere Banken erstmals die Möglichkeit eines aktiven Kreditportfoliomanagements geschaffen.

Unternehmensseitige Anforderungen

Aus Unternehmenssicht steht die Handelbarkeit der Kredite unter der Anforderung, dass die Marktteilnehmer einen „Maulkorb“ tragen müssen. Es darf also nicht der Fall eintreten, dass Investoren die Kredite systematisch aufkaufen und kurzfristig mit maximaler Rendite verwerten oder dass der Kauf von Krediten als „Einstieg“ in das Unternehmen genutzt wird. Im Idealfall sollte die langfristige gemeinsame Strategie von Unternehmen und Bank bestehen bleiben.

Wenn diese Nebenbedingungen erfüllt werden können, ist ein liquider Handel von Krediten auch für Unternehmen sehr attraktiv. Eine höhere Stabilität der Hausbank ist im wirtschaftlichen Interesse der Unternehmen. Darüber hinaus kann die Höhe des Engagements einer Bank, sofern sie jeweils 75% der Kredite veräußert, theoretisch vervierfacht werden, ohne die Risikoposition der Bank zu verändern.

Volkswirtschaftliche Impulse

Volkswirtschaftlich ist der Handel von Krediten an einer öffentlich kontrollierten Börse, einhergehend mit klaren Informationspflichten sowie höherer Transparenz, sehr zu begrüßen. Der Markt für Kreditrisiken ist zwar in den vergangenen Jahren auch ohne das Gerüst einer Börse explosionsartig gewachsen, jedoch werden die Risiken größtenteils „Over the Counter“ (OTC) gehandelt. Es gibt also keine einheitliche Bewertung der Kreditrisiken, wie es bei einem liquiden Markt der Fall wäre. Liquider und transparenter Handel, mit dem eine höhere Effizienz der Kapitalmärkte einhergeht, ist auch im Bereich der Kreditrisiken zu begrüßen.

Ein aktiver Handel von Kreditrisiken vereinfacht auch das Tranchieren von Kreditportfolien im Rahmen von Verbriefungstransaktionen. Sind die strukturierenden Banken derzeit noch darauf angewiesen, teilweise diversifizierte Portfolien von der eigenen Bilanz beziehungsweise von anderen Banken zu verbriefen, würde ein einfacher Handel von Krediten es den Banken ermöglichen, ein gut diversifiziertes Portfolio aus an der Börse selektierten Krediten aufzubauen und am Kapitalmarkt zu verbriefen. Letztendlich führt ein aktiverer Verbriefungsmarkt dazu, dass die Asset-Klasse der Kreditrisiken einer breiteren Schicht an Investoren zugänglich gemacht wird, wodurch die Liquidität und indirekt weiter steigt und die Validität der Preisbildung weiter zunimmt.

Die aktuelle politische Diskussion zur Regulierung des Kredithandels leistet zwar einerseits einen wichtigen Beitrag zur ökonomisch sinnvollen Ausgestaltung dieses neuen Finanzmarktsegments, ist aber andererseits aufgrund der Verknüpfung mit der Heuschrecken-Diskussion ideologisch überfrachtet. Eine ausreichende Transparenz über den möglichen Verkauf ist auf jeden Fall notwendig, der Aufbau einer normenbasierten Regelungsstruktur ist jedoch keineswegs gerechtfertigt. Der geplante Kredithandel an der RMX zeigt, dass transparente Handelsstrukturen immer genau dann geschaffen werden, wenn die Marktteilnehmer damit auch einen ökonomischen Mehrwert verbinden.

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Der Artikel wurde auf Basis eines Beitrags in der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen für die True Sale GmbH geschrieben.

http://www.true-sale-international.de/index.php?id=441

Geschrieben von Richard Ebert am
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