Kredithandel: Von Banken und Bauern
Kredithandel: Von Bauern und Bankern
Von Arvid Kaiser
Manager-Magazin, Hannover/Frankfurt (14.03.08) - Die US-Krise hat den Handel mit Kreditderivaten fast gestoppt. Doch völlig auf Verbriefungen verzichten können die Banken nicht. Eine Hannoveraner Börse bietet jetzt eine Alternative an. Das Modell aus der Provinz soll einfach, ehrlich und grundsolide sein. Zeigt deutsche Regulierung einen Ausweg aus dem Finanzdebakel?
Wahrscheinlich liegt ein Vergleich aus der Landwirtschaft nah für Paul-Gerhard Kopatz: "Man muss nicht zwölf Kühe kaufen, um ein Glas Milch zu trinken." Der Milchtrinker steht in diesem Bild für die Banken. Die Milch symbolisiert Zinseinnahmen, die Kühe sind Kredite von Unternehmen, aus denen die Zinsen entstehen.
Kopatz ist Vorstandssprecher der Risk Management Exchange (RMX) in Hannover. An der Warenterminbörse werden Schweine-, Kartoffel- oder Weizenfutures gehandelt, also Optionsscheine auf zukünftige Preise der Agrarprodukte. Mit diesen Geschäften sichern sich Käufer und Verkäufer gegen Preisschwankungen ab. Im Börsenrat sitzen Bauernfunktionäre.
Der Agrarboom lockt auch Anleger an, die von Haus aus nichts mit der Landwirtschaft zu tun haben. Dennoch sucht die RMX nun ein zweites Standbein, und Kopatz verspricht nichts weniger als "einen Beitrag zur Finanzstabilität". Denn Banken sind umso größeren Risiken ausgesetzt, je weniger ihr Kreditportfolio gestreut ist. Eine schwäbische Sparkasse mag gut mit den Schulden mittelständischer Metallbetriebe aus der Region fahren. Wenn es jedoch der ganzen Branche schlecht geht, könnte es helfen, mit einer norddeutschen Raiffeisenbank Kredite von Futtermittelherstellern zu tauschen.
"Eine volkswirtschaftlich gute Sache"
Der Vorteil dieser Streuung wiegt noch schwerer, seit die Banken den strengen Eigenkapitalrichtlinien Basel II unterliegen. Die Abschreibungen wegen der aktuellen Finanzkrise haben den Bedarf der Geldinstitute, ihre Bilanzen aufzufrischen, zusätzlich erhöht.
Diesen Bedarf spricht die RMX mit ihrem neuen Angebot einer Kreditbörse an. "Eine volkswirtschaftlich gute Sache" sei das, sagt Kopatz, wenn Banken Klumpenrisiken verringern könnten. Die Grundidee, dass eine Bank Kreditforderungen verbrieft und weiterverkauft, um so an Kapital zu kommen, stand auch hinter ABS, CDO, MBS und anderen Kürzeln für neuartige Finanzinstrumente aus den USA. Die fliegen den Investoren jetzt um die Ohren , weil hinter der komplizierten Verpackung niemand den zugrunde liegenden Wert erkennen kann.
An der RMX soll das ganz anders laufen. Das Glas Milch, um in Kopatz' Bild zu bleiben, heißt hier Creparts. Ein Kredit wird in hundert Teile gegliedert, die einzeln verkauft werden können. Die Hausbank muss aber 25 Prozent behalten und weiterhin den Kreditnehmer betreuen. Die Creparts lassen sich verbriefen und bündeln, die Einzelteile bleiben aber erkennbar. RMX lässt sie von der Ratingagentur Standard & Poor's bewerten, sodass die Creparts untereinander und das Rating der Bank mit einer zweiten Meinung verglichen werden können. Auf diese Weise, sagt Kopatz, bekämen die Investoren "keine faulen Eier" ins Portfolio. Können die Banken so wieder gegenseitiges Vertrauen schöpfen?
Noch hat der Handel mit Creparts an der RMX, die zunächst auf Kredite von "bilanzierenden Unternehmen des gehobenen Mittelstands" setzt, nicht begonnen. Mehrere Banken erproben das System aber nach Kopatz' Angaben bereits und stehen in den Startlöchern. Darunter seien auch Großbanken, die sonst wenig Zugang zu kleinen Unternehmen haben. "Die Nachfrage übersteigt jetzt schon mehrere hundert Millionen Euro", sagt Kopatz.
(Quelle: http://m.manager-magazin.de/article.do;jsessionid=P-zCR14854YT1tRqbCfUZg**?id=541324&__cid=sponboerse%3E)