Niedersachsens Kartoffelvorräte 11 % unter dem 4-Jahres Mittel

Qualitätsprobleme nehmen zu

Das niedersächsische Landesamt für Statistik ermittelt obligatorisch zum Jahreswechsel die Vorratsbestände auf den landwirtschaftlichen Betrieben. Das Ergebnis per 31.12.2007 liegt seit Freitag vor. Danach lagern zum Stichtag nur noch 29,1 % oder 1,5 Mio. Tonnen der letzten Kartoffel-Gesamterntemenge auf den Höfen. Im Vergleich zu dem vier-jahresmittel von 1,7 Mio. Tonnen ist diese Menge um elf Prozent kleiner. Ein Bundesergebnis liegt noch nicht vor.

Die Ernteberichterstatter im Kammergebiet Hannover haben gegenüber ihren Kollegen in Weser-Ems zum Jahreswechsel traditionell einen etwas höheren Lagervorrat – zuletzt waren es 33,2% der Gesamternte, während im Nordwesten, wo schwerpunktmäßig der Rohstoff für die Kartoffeln verarbeitende Industrie erzeugt wird, 20 % gemeldet werden. Die relativ kleinen Vorräte überraschen die Landwirte in Ost-Niedersachsen ein wenig, da gerade in der Lüneburger Heide über eine schleppende Vermarktung geklagt wird. Die große Entfernung zu den Empfangsgebieten stellt in Zeiten hoher Frachtraten eine Hürde dar. Hinzu kommt, dass das Erntegut in Deutschland allgemein durch die feuchte Witterung des Vorjahres oftmals für die Langzeitlagerung nicht geeignet schien, sodass die Bestände in den Empfangregionen zuerst abgebaut wurden. Der Zukauf aus den Überschussregionen kommt insofern erst verzögert in Gang.

So signalisieren die Rheinländer erst für Februar/März einen höheren Bedarf aus Niedersachsen und/oder aus Frankreich. Welches Liefergebiet dabei das Rennen macht, ist noch offen. Die hohen Ansprüche des LEH können in diesem Jahr oftmals selbst von den französischen Versendern nicht immer erfüllt werden. Das spiegelt sich in einer außerordentlich großen Preisspanne wider. Frachtfrei der Packstationen im Westen ergibt sich bei Kartoffeln der Farbkategorie sieben kaum ein Preisunterschied zur niedersächsischen Ware. Dass die „Franzosen“ dennoch gekauft werden liegt an dem guten Image, das sich die dortige Branche in den letzten Jahren erarbeitet hat. Für höhere Qualitätsstufen werden aber wesentlich höhere Forderungen gestellt und auch erzielt. Egal von wo die Kartoffeln bezogen werden, müssen bei der Aufbereitung für den Frischeverkauf außerordentlich hohe Mengen aussortiert werden. Die Netto verfügbare Menge wird deshalb als knapp bezeichnet.

Kartoffeln für die industrielle Herstellung von Produkten haben dagegen noch immer eine überdurchschnittlich hohe Ausbeute. Die Fabriken nutzen diesen Umstand dafür, in den Tiefkühlräumen ihre Produktbestände aufzustocken und fahren ihre Anlage weiterhin unter Volllast. Mittlerweile beginnen aber auch hier die Klagen über einen Qualitätsverlust durch reduzierende Zucker und Lagerdruckstellen. Die schnelle Alterung der Knollen wird durch das außerordentlich warme Winterwetter begünstigt und sorgt für ein stetiges bis drängendes Angebot aus der Landwirtschaft. Das große Angebot trifft aber auf einen ebenso hohen Bedarf, sodass der Kartoffelmarkt ausgeglichen bleibt und der Bestand zügig abbaut.

Dabei bevorzugen die Einkäufer stets Lieferanten mit langfristigen Festpreisverträgen. Ihnen werden darüber hinaus begehrtes Saatgut der Monopolsorten nur in Kombination mit einem Liefervertrag verkauft. Die Bauern sollen motiviert werden, auch im kommenden Jahr Vertragskartoffeln anzubauen. Einige Landwirte wollen in ihren Entscheidungen frei bleiben und greifen wieder vermehrt auf freie Sorten wie die Bintje zurück. Die Anbauentscheidung ist bei weitem noch nicht überall gefällt denn es ist schwieriger geworden, an Pachtflächen heranzukommen. Das könnte zumindest in Deutschland zu einer Anbaueinschränkung von bis zu 10 % führen, befürchten die Experten. Aus diesem Grunde sind die Verarbeiter bestrebt, ihre Produktbestände schnellstmöglich aufzustocken, damit sie mögliche Rohstoffengpässe besser überbrücken können. Da die weltweite Nachfrage nach Pommes-Frites, Granulaten und Chips auf hohem Niveau anhält, gelingt dieses Unterfangen nur schleppend.

Die Lagerhalter von vertragsfreien Kartoffeln halten sich derzeit noch auffällig zurück. Sie hoffen noch auf bessere Preise. Bislang bewegt sich die Preisphantasie in engen Grenzen, wie die Notierungen an der Terminbörse zeigen. Bei zuletzt wieder stabilen Tagespreisen gaben die Börsennotierungen leicht nach. Die Umsätze sind vergleichsweise klein. Die Terminnotierungen sind für die Einkäufer der Industrie zu hoch, für Landwirte bietet der Aufpreis von 2,2 €/dt bis April-08 offensichtlich keinen allzu großen Anreiz, um sich abzusichern.

Joachim Tietjen
HANSA Terminhandel GmbH
http://www.hansa-terminhandel.de

Geschrieben von HANSA Terminhandel am
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