Richard Ebert
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500 Euro für jeden: Großeinkäufe auf Staatskosten ?

Großeinkäufe auf Staatskosten?

Tagesschau.de (03.12.08) - Einen Tag vor der geplanten Verabschiedung des ersten Konjunkturprogramms im Bundestag debattieren SPD und Union, wie sie mit weiteren Maßnahmen die Rezession bekämpfen können. Im Mittelpunkt des Streits stehen dabei Konsumgutscheine für Bürger. Nach der stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles sprach sich auch der saarländische SPD-Chef Heiko Maas für den Vorschlag aus.

(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunkturprogramm150.html)

Geschrieben von Richard Ebert am
gautama2
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@ Richard Ebert [#1]

Jetzt wird es doch echt verrückt. Glaubt jemand, der noch mit ein wenig gesundem Menschenverstand gesegnet ist, dass ein Geldkreislauf von Steuern bis zurück zum Verbraucher in Form einer Rabattmarke eine Wirtschaft nachhaltig ankurbelt?
Da können wir doch gleich zum Grundeinkommen und zur Arbeitsplatzgarantie übergehen. Heißt am Ende eigentlich Kommunismus.

gautama2
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Das Kapital
Eine bessere Welt

Die Lösung der Weltwirtschaftskrise ist angeblich ganz einfach: Wir sollen alle leben wie die Amerikaner. Aber was soll dann aus denen werden?

Diese bösen, bösen Japaner, Chinesen und Deutschen. Sie sind die eigentlichen Schuldigen am augenblicklichen weltweiten Desaster, denn sie haben seit Jahren zu wenig konsumiert, ihre Ersparnisse in den Rest der Welt exportiert, dort damit die Realzinsen gedrückt und so die Verbraucher und Firmen in den angelsächsischen Ländern sowie im Mittelmeerraum dazu verleitet, sich über beide Ohren zu verschulden. Also müssen die Übeltäter endlich Buße tun, was in diesen wirren Tagen so viel heißt wie einen mächtigen Schluck aus der Pulle nehmen. Nur auf diese Weise lassen sich die globalen Ungleichgewichte beseitigen, damit die Weltwirtschaft wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückkehren kann.

Wie wär's mal mit der anderen Richtung?

So jedenfalls liest man es derzeit fast täglich, wobei sich die Bankvolkswirte und die (neo-)liberale Finanzmarktpresse aus irgendwelchen Gründen besonders hervortun. Aber was soll das eigentlich heißen? Sollen die japanischen Verbraucher ihre Sparquote von drei Prozent (laut OECD) auf negatives Terrain schleusen? Soll die Investitionsquote in Japan von 23 Prozent des BIPs auf chinesisches Niveau steigen (die Aktienstrategen würden mit Blick auf Überkapazitäten und Gewinnspannen böse schimpfen)? Soll der japanische Staat seine Schulden von 195 Prozent des BIPs (laut IWF) rasch noch verdoppeln, bevor die gesellschaftliche Alterung dem Staatshaushalt übel zusetzt?
Auf den Putz hauen ...

Sollen die deutschen Verbraucher ihre Sparquote, die derzeit mit 11,4 Prozent knapp unter dem Durchschnitt von 11,8 Prozent seit 1970 liegt, vor dem erwarteten Rückgang der Bevölkerung von rund zehn Prozent über die kommenden Dekaden noch mal schnell auf null reduzieren - wo die Renten doch so sicher sind? Oder sollen die Firmen die Löhne nach der jahrelangen Durststrecke mitten im Abschwung um zehn Prozent erhöhen, auf dass das verfügbare Einkommen der breiten Massen endlich mal wieder richtig was hergibt? Der Staat könnte dann kurzerhand auch die Renten anheben - neben zusätzlich gebotenen Steuersenkungen, Bildungsausgaben und Investitionen, versteht sich. Etwaige Budgetrestriktionen könnte der Staat schlicht dadurch umgehen, dass er die Menschen künftig bis 87 arbeiten lässt.

Wie steht's um die chinesischen Verbraucher, die von sozialen Unsicherheiten ebenfalls ein Lied singen können und den Einzelhandel geradezu darben lassen, wie die jüngsten Umsatzzuwächse von 22 Prozent belegen? Sollen sie den Plunder, den sie für die Amerikaner herstellen, etwa selbst kaufen? Alternativ könnte China natürlich auch die Investitionsquote von rund 50 auf sagen wir 80 Prozent des BIPs steigern, um die Inlandsnachfrage zu beleben. Genau darauf scheinen das angekündigte Fiskalprogramm über 586 Mrd. $ (BIP 2008 ungefähr 4300 Mrd. $) sowie die geldpolitische Lockerung abzuzielen. Obwohl China auch Maßnahmen zur Erhöhung der privaten Einkommen und des Konsums erwägt, sind die Tränen, die dem Investitionsrausch folgen werden, jetzt schon abzusehen.
... und keiner zahlt

Aber nehmen wir mal an, dass Japaner, Chinesen und Deutsche dem Willen des geballten Wirtschaftsverstands folgen werden. Das liefe dann ja wohl auf sinkende Ersparnisse und fallende Kapitalexporte in die Defizitländer hinaus. Sind im Konzept der Gleichgewichtstheoretiker eigentlich auch steigende Realzinsen in den angelsächsischen Ländern enthalten, die sich im Umkehrschluss ja ergäben? Angesichts der negativen Realzinsen hatte die US-Gesamtwirtschaft im dritten Quartal schließlich nicht mal mehr genug gespart, um den Kapitalstock erhalten zu können. Denn wie die annualisierte Nettoersparnis von minus 249 Mrd. $ zeigt, war die Bruttoersparnis niedriger als die Abschreibungen. Sind, mit anderen Worten, die Defizitländer im Gegenzug auch bereit, ihren Konsum zu zügeln, auf dass sie ihre Investitionen selbst finanzieren können? Würde die Fed einem Anstieg der realen Bondzinsen in Richtung fünf Prozent tatenlos zusehen, wenn etwa die Chinesen auf den Putz hauen und - oh Schreck - ihre US-Staatsanleihen in Güter umtauschen würden? Wohl kaum. Sieht so aus, als ob die Marktschreier wie stets nur ein Quartal im Voraus denken.

Aus der FTD vom 04.12.2008
© 2008 Financial Times Deutschland

gautama2
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Amerikaner und Steuerschecks
"Ich will Dein Geld nicht, George Bush"
von David Böcking (Berlin)

Geld ausgeben können Amerikaner, in der Debatte um Konsumschecks gelten sie als Vorbild. Eine Internetseite mit Erfahrungsberichten zeigt aber, dass die Schecks in der Krise oft nicht so verwendet werden wie gewünscht. Aus vielen Bekenntnissen spricht bittere Kritik an der Regierung.

Es beginnt mit Erwartbarem: Brooke aus Chicago hat sich einen neuen iPod gekauft, Hilary aus Salem ihre Küche renoviert und Luis aus Houston ist nach Florida gefahren - "um alle Themen-Parks von Disney und Universal-Studios zu besuchen".

Wie die Mehrheit der Amerikaner hatten die drei zwischen Ende April und Mitte Mai einen Brief von der US-Steuerbehörde IRS bekommen. Darin fanden sie - je nach Einkommen und Familienstand - einen Scheck zwischen 300 und 1200 $. Mit diesen in den USA schon lange üblichen "Stimulus Checks" versuchte die Regierung von George W. Bush, die nahende Rezession zu bekämpfen. Inzwischen erwägt man auch in Deutschland, mit staatliche Geldgeschenken der Wirtschaft zu helfen.

Verbrennen statt verbraten: Bush-Gegner Henning mit Steuerscheck

Der große Streitpunkt ist dabei, was Bürger mit dem Geld anfangen. Diese Frage beantwortet die Internetseite http://www.howispentmystimulus.com betont subjektiv. Jeder kann hier erzählen, was er sich vom seinem Steuerscheck geleistet hat. Viele illustrieren ihre Beiträge mit Fotos von sich oder ihrer Investition. So wie die 25-jährige Shannon, die ihre Tätowierung einer Lotusblume zeigt. "Lieber Onkel George, danke für das neue Tattoo!"

Doch in der Fülle von Beiträgen finden sich erstaunlich wenige solcher Lustkäufe. Dafür geht es vielen wie dem namenlosen PR-Arbeiter aus Georgia, der sich ursprünglich einen Laptop kaufen wollte. "Aber angesichts der Wirtschaftslage, beschloss ich, vorsichtiger zu sein und es auf mein Konto zu legen." Schuldbewusst heißt es weiter: "Ich weiß, ich weiß, ich stimuliere nicht die Wirtschaft, aber ich muss etwas tun, um mich zu schützen."

Edith aus St. Paul wartet ebenfalls ab: "Falls mein Job dieses Jahr noch nicht gestrichen wird, geben wir das Geld vielleicht nächstes Jahr für eine Reise nach Kalifornien aus." Die 25-jährige Ashley hat das Geld dagegen schon ausgegeben - für einen Umzug. "Nun, da die Wirtschaft fast zusammengebrochen ist, können ich, mein Mann und meine zwei Kinder es uns nicht mehr leisten, alleine zu wohnen und müssen bei meinem Vater einziehen."
Ein Korsett für George

Wer noch konsumiert, tut das oft schon mit der Krise im Rücken: Halley aus Kalifornien hat mit 22 ihr erstes Fahrrad gekauft und freut sich, dass sie jetzt weniger für Benzin ausgibt. Jennifer aus Arkansas hat sich ein verbrauchsärmeres, japanisches Auto angeschafft. "Wir spüren schon den Unterschied".

Den taumelnden US-Autokonzerne wird das nicht helfen, genauso wenig wie die Reise nach London und Dublin, während der Jamie seinen Scheck verbraten hat. Doch dass Shoppen eine patriotische Bürgerpflicht ist, wollen hier viele nicht mehr einsehen. "Gebt es es weise aus, es ist Euer gutverdientes Geld", schreibt Riane aus Fort Myers. Die Schecks seien ein letzter Versuch, George W. Bush in gutem Licht erscheinen zu lassen.

Alec aus Astoria sieht es ähnlich: "Aber Herr Präsident, wir haben Ihnen das Geld für Sozialprogramme, die Reparatur unseres kaputten Gesundheitssystem, die Instandsetzung unserer bröckelnden Infrastruktur und die Senkung der Benzinpreise gegeben", schreibt der 26-Jährige. Ob das Geld etwa nur zurückgebe, weil er keine gute Verwendung gefunden habe? Jenny aus Baltimore begründet den Kauf eines schwarzen Lackkorsetts sogar damit, nun sei sie vorbereitet, falls der Noch-Präsident vorbeischaut - "für eine Tracht Prügel".

Wohl niemand aber zeigt seine Meinung deutlicher als Henning aus Brooklyn. In einem zwanzigsekündigen Video verbrennt der 27-Jährige seinen Steuerscheck. "Ich will Dein Geld nicht, George Bush", sagt er dabei verächtlich. "Ich will, dass Du alles in Ordnung bringst, was Du kaputt gemacht hast."

http://www.ftd.de/politik/international/:Amerikaner-und-Steuerschecks-Ich-will-Dein-Geld-nicht-George-Bush/446733.html

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