Anleihen: Wechselwirkung Bund gegen Euro
hallo,
A: Der fallende Euro weist darauf hin, dass Investoren "aus" dem Euro gehen. So interpretiere ich das.
B: Der steigende Bund sagt aus, dass die Zinsen (8-10 J) fallen und bedeutet, dass die Investoren deutsche Anleihen suchen.
A und B, das ist eigentlich widersprüchlich und deshalb verstehe ich die Sache nicht ganz.
Könnte bitte jemand eine Erklärung dazu geben ?
Grüsse und schönes Wochenende
Marzell
PS: Wie hoch kann theoretisch der Bund steigen ?
@ Marzell [#1]
Ich wills mal etwas bissig versuchen:
zu A) Investoren "gehen" nicht raus - Sie wetten massiv auf einer weitere Abwertung - zum wohle des Dollars.
zu B) theoretisch kann der Bund auf bis zu 999,99 % (Digits) steigen dann hören aber die Quotierungsregister der Eurex auf. Nein das wird er nicht tun.
Grüße
@ Marzell [#1]
Für mich ist:
A: Ausländische Investoren ziehen Gelder aus dem Euroraum ab, zb durch den Verkauf in Euro notierter Aktien. Der Euro fällt.
B: Banken und andere Investoren schichten Ihre Anleiheportfolios um. Weg von PIIGS Anleihen in die sichereren Bundesanleihen. Der BuFu steigt.
Einen Widerspruch kann ich darin nicht erkennen.
Mit den Downgrades sind EUROlandinvestoren gezwungen innerhalb Europas zu wechseln. Also beispielsweise griechische Euroanleihen zu verkaufen und dafür deutsche zu kaufen. Insgesamt über alle Anleihen wird es aber so sein wie du sagst dass Geld aus Euroanleihen fliesst.
Grüsse
@ Marzell [#1]
PS: Wie hoch kann theoretisch der Bund steigen ?
Die Duration 10 jähriger Anleihen beträgt etwa 700 Basispunkte pro Prozentpunkt Renditeänderung. Bei verbleibenden 2,5% Rendite, die es noch runter gehen kann bis Minimum 0, macht das dann 1750 Bp, die der Bund noch steigen kann.
Antwort also (grober Schätzwert): 127,0 + 17,5 = 144,5 Punkte
danke an Alle !
Ich meinte und darin lag mein Widerspruch, dass der Euro steigen sollte, wenn Anleger die deutschen Anleihen kaufen. Offenbar ist der Abverkauf im Euro härter.
Grüsse
Marzell
@ Marzell [#1]
Der fallende Euro weist darauf hin, dass Investoren "aus" dem Euro gehen
Mit solchen Formulierungen habe ich meine Schwierigkeiten. In jedem Instrument steht grundsätzlich jedem Käufer ein Verkäufer gegenüber und umgekehrt.
Die Frage müsste eher lauten, warum wird der Euro jetzt weniger wertgeschätzt, und der Bund mehr? Das wäre aber nur dann widersinnig, wenn der Bund die einzige Investitionsmöglichkeit in den Euro wäre.
Der Bund ist eine synthetische Anleihe mit 6% Nominalverzinsung und 10 Jahren Laufzeit. Theoretisch könnte er bei einem Zinsniveau von 0% bis 160 steigen (100 Euro Nennwert zuzüglich 10 Zinszahlungen).
Der fallende Euro weist darauf hin, dass Investoren "aus" dem Euro gehen
Nicht unbedingt, das muss nicht der Fall sein. Man kann aber annehmen, dass die heutigen Verkäufer darauf spekulieren, dass der Euro in Zukunft als Anlagewährung weniger interessant ist. Sprich, ob die derzeitige Bewegung bereits den Abzug von Kapital darstellt oder dieser erst später (oder gar nicht) einsetzt wissen wir nicht.
Möglich ist auch, dass man zunächst die Devise auf Termin verkauft und die Assets erst im Anschluss auflöst.
Die steigenden Anleihekurse werden durch den schwachen Aktienmarkt begünstigt. Bereits vor ca. zwei Wochen haben Bund und Aktienmarkt negative Korrelationen gezeigt und ein ausklingen der liquiditätsgetriebenen Hausse angekündigt.
@ tomxy [#8]
danke vielmals.
Wie würdest Du die heutige Situation interpretieren. Euro steigt, Bund fällt.
Meine etwas laienhaft Vermutung. Euro steigt, weil Verkäufer Positionen schließen müssen. Langfristig sollten diese 700 Mrd Buchgeld dem Euro aber schaden, weil dies nichts mit Wirtschaftsleistung zu tun hat.
Bund fällt, - nun ja, weil er heute schlecht aufgelegt ist. ;-) Ist auch nicht so wichtig. Nicht mein Sandkasten. Ich beobachte ihn als Indikator und das reziproke Verhalten zum DAX fiel mir ebenfalls auf.
Aber in der Presse wird getrommelt wie schlecht die Euroschwäche wäre, die bösen Hedgefonds usw. Mir kommt es manchmal vor als hätten wir in Deutschland ein gelenkte Presse. Und wenn nicht gelenkt, dann ist es aber eine, die voneinander abschreibt. Dabei war der Kurs kurz nach der Einführung - und das geschah damals überraschenderweise und war die sprichwärtliche Watschn für die Politiker, bereits bei 0,85 . Denn wie gut täte ein Kurs von 1,0 der Exportwirtschaft, natürlich auch der griechischen.
Grüsse
Marzell
@ Marzell [#10]
"... Exportwirtschaft, natürlich auch der griechischen."
Griechische Exportwirtschaft? Hab ich was verpaßt? Wovon redest Du? :-)
"Langfristig sollten diese 700 Mrd Buchgeld dem Euro aber schaden, weil dies nichts mit Wirtschaftsleistung zu tun hat."
Vielleicht nützt es auch. Denn der USD, der ja mit lässigen 4000 Mrd Buchgeld gestützt wurde, die auch nicht direkt mit irgendeiner Leistung zu tun hatten, sollte ja dann noch viel weicher werden ...
Wird aber irgendwie nicht.
@ Asamat [#11]
na ja, Wein, Pepperoni, Blumenkohl usw. Aber auch Reedereien sind ansässig (höre ich vom Hörensagen). Und dann die amerikanischen Urlauber.
Aber Du hast recht. Industrie ist in Griechenland eher wenig bis nicht.
Grüsse
Marzell
@ Marzell [#10]
Zunächst einmal muss ich sagen, dass mich die heftige Reaktion des Aktienmarktes überrascht hat. Mit einer solch heftigen Ralley habe ich nicht gerechnet.
Wie würdest Du die heutige Situation interpretieren. Euro steigt, Bund fällt.
Der Euroanstieg hat sich ja schon wieder reltiviert; vom Anstieg ist am Ende des Tages praktisch nichts geblieben. Der Bund hat sich auch von seinen Tiefständen erholt. Sehr wahrscheinlich gab es einige Schieflagen, die zu dieser heftigen Reaktion beigetragen haben. Mit Sicherheit wurden Renten verkauft, um vom Anstieg des Aktienmarktes zu profitieren.
Ich glaube jedoch, dass der Devisenmarkt, als der liquidere Markt, den weiteren Weg zeigen wird. Für morgen würde ich eine Korrekur des Aktienmarktes erwaren, es würde mich sehr wundern, wenn dieser Anstieg ohne einen Gegenbewegung vonstatten ginge. Aber wer weiß es schon.
Dabei war der Kurs kurz nach der Einführung - und das geschah damals überraschenderweise und war die sprichwärtliche Watschn für die Politiker, bereits bei 0,85 .
Die Wende des Euro/Dollar auf diesem Niveau war m.E. auch durch die Kriegsaktivitäten der USA begünstigt, die wenig Zustimmung in der arabischen Welt fanden. Ein Faktor, den wir heute vernachlässigen können.
Für den Euro sehe ich jede Menge Konfliktpotential unter den Mitgliedsstaaten, das die Währung belastet, auch wenn die EZB ihren Teil tut, um zu einer Stabilisierung beizutragen. Es fehlt derzeit einfach das Vertrauen an ein gutes Ende.
@ Asamat [#11]
"Griechische Exportwirtschaft? Hab ich was verpaßt? Wovon redest Du?"
Viohalco (ΒΙΟΧΑΛΚΟ Α.Ε.) ist ein Montanunternehmen aus Athen. Nach wie vor wichtige Produkte sind Kupferkabel, Röhren und Halbzeuge. Es erwirtschaftet 9% der Exporte Griechenlands.
Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Viohalco
Dies ist keine Kaufempfehlung, zumal kaum Umsätze in D.