Bedeutet evtl. FED-Zinserhöhung Stagnation oder Rezession ?
Auch in der neuesten Ausgabe von "Trader´s" befasst sich jemand auf der vorletzten Seite mit dieser Frage.
Viele Marktteilnehmer gehen von kommenden Leitzinserhöhungen aus.
Nur, wenn es tatsächlich dazu kommen sollte, was bedeuten solche offensichtlich nur begrenzt möglichen Zinserhöhungen für die Märkte ?
Zinserhöhungen bedeuten in erster Linie eine Verteuerung des Geldes, das sich der Staat leiht.
Im Beispiel der USA mit einer Gesamtverschuldung von 14 Billionen US-$ macht eine Zins-Verteuerung um 1 %, jeweils eine Zinsmehrbelastung für den ohnehin schon angespannten Haushalt von 140 Mrd. US-$ jährlich aus.
Würde also der Haushalt zusammengekürzt werden um diese Zinsmehrbelastung unterzubringen ? Und die Folgen ?
Oder sieht es nicht vielmehr so aus, dass die Zinsen eine Aufblähung des Haushaltes bewirken würden. Also statt Sparen noch mehr Verschuldung und in Folge noch mehr Zinsbelastung ?
Zinserhöhungen, wenn sie denn kommen sollten, werden meines Erachtens in ihrer kleinen Höhe absolut wirkungslos bleiben. Die Menge des in die Wirtschaft gepumpten Geldes ist einfach schon über den "Point-of-no-Return" gegangen.
Man stelle sich doch das Szenario einmal vor, dass einige Leute schon von einem FED-Leitzins von 4 % in 2013 sprechen. Also rund 600 Mrd. $ Mehrbelastung für den US-Haushalt ? Wie passt das dann mit der von Präsident Obama angepeilten Konsolidierung des US-Haushaltes in den nächsten 10 Jahren zusammen ?
Ich persönlich kann nur raten, nicht in Panik zu verfallen, sollte es zu einer "überraschenden" Zinserhöhung kommen. Diese können unter den gegebenen Umständen nur äusserst begrenzt ausfallen und können daher der Wirtschaft bzw. dem Aktienmarkt nicht schädlich werden.
Wie allerdings die Mehrzahl reagieren wird, wenn es tatsächlich zu der nach langer Zeit ersten Zinserhöhung käme liegt auf der Hand. Der Aktienmarkt knickt in Folge in der ersten Reaktion ein und wird wohlmöglich auch einige Tage tiefer notieren.
Dies ist dann die Gelegenheit in die Panik hineinzukaufen, die absolut Grundlos sein wird.
Den Zinserhöhungen ist ein Deckel gesetzt. Der US-Haushalt.
Alles andere ist ein Weg in die Hyperinflation - ich meine damit starke Zinserhöhungen - folgende Ausweitung des Haushaltes um die höheren Zinsbelastungen unterzubringen.
@ Paljusevic, Franjo [#1]
Die angesprochenen Zusatzkosten von 140 Mrd. $ / a bei einer Zinserhöhung treten doch nur ein wenn die 14 Billionen $ Gesamtverschuldung nur eine sehr kurz Restlaufzeit von wenigen Monaten hat.
Ist das der Fall?
@ rodeonrwdeo [#2]
"Die angesprochenen Zusatzkosten von 140 Mrd. $ / a bei einer Zinserhöhung treten doch nur ein wenn die 14 Billionen $ Gesamtverschuldung nur eine sehr kurz Restlaufzeit von wenigen Monaten hat."
Ganz genau. So ist es. Wäre mal interessant alle Laufzeiten zu betrachten.
Bei den aktuell im Bondboard gelisteten 58 Emissionen des Bundes komme ich auf eine durchschnittliche Restlaufzeit von 2.653 Tagen, also über 7 Jahre im Schnitt. Addiert man alle Renditen (also auch die der Finanzierungschätze), kommt man auf 3,4% im Schnitt. Die nächsten auslaufenden 5jährigen Obligationen haben Coupons von 3,5 die 10jährigen Anleihen Coupons von 5%.
Da ist also in Deutschland noch einiges an Luft. Auf dem aktuellen Niveau würde sich die Zinsbelastung des Bundes sogar deutlich verringern.
Interessant wäre es die Volumina zu kennen, dann könnte man genauere Berechnungen anstellen.
Folgend der Link zu einem ganz frischen und hochinteressanten Dokument des US-Schatzamtes:
http://www.treasury.gov/press-center/press-releases/Documents/TBAC%20Discussion%20Charts%20Merged%202.2011.pdf
Laut diesem beträgt die durchschnittliche Restlaufzeit gut 60 Monate und befindet sich damit schon in einem ziemlich sensitiven Bereich.
Die bisher kürzeste durchschnittliche Duration von US-Staatschulden kann man Anfang der 1980er mit 40 - 50 Monaten beobachten. Die relativ kleine Nominalverschuldung wurde schon damals durch die sehr hohen damaligen Zinsen von 10 - 15 % zu einem bekannterweise grossen Problem.
Offensichtlich, wirklich offensichtlich, hätte in der aktuellen Phase in der wir uns seit zwei Jahren befinden, ohne das Eingreifen der Federal Reserve eine "freie Preisfindung" den totalen Kollaps der amerikanischen und damit der Weltwirtschaft bedeutet.
Zinserhöhungen sind ein Deckel gesetzt. Bei der jetzigen nominellen US-Staatsverschuldung von mehr als 14 Billionen $, sind Leitzinsen von 10 - 15 % kaum mehr vorstellbar - ausser man gibt keinen roten Heller mehr auf eine stabile Währung und weitet den Staatshaushalt um die Zinsmehrbelastung inflationär aus.
Wird ihnen letztendlich nichts anderes übrigbleiben ?
Meiner Meinung nach werden eventuell kommende Leitzinserhöhungen nichts anderes als reine -ziemlich wirkungslose- Kosmetik sein. Eine wirklich "restriktive" Geldpolitik wird man damit nicht mehr erzielen können.
Jeder weiss doch, dass es zum abschöpfen der am Markt befindlichen inflationären Masse an Zentralbankgeld mehr als 1, mehr als 2, ja sogar mehr als 5 % bedarf.
Aber - dies ist bei den gigantischen Staatsschulden nicht durchzusetzen, ohne den Staatshaushalt rigoros zusammenzukürzen oder die Limite gnadenlos zu überschreiten.
Beides sind Horrorszenarien, wobei das zweite, schon x-fach in der Vergangenheit in diversen Staaten praktiziert wurde. Einen endgültigen Staatsbankrott kann man ziemlich lange hinauszögern. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt geht es nicht mehr.
@ Paljusevic, Franjo [#1]
Dies ist dann die Gelegenheit in die Panik hineinzukaufen, die absolut Grundlos sein wird.
Bei welchem Zinssatz oder Kurs der T-Bonds würden Sie eine Panik vermuten ?
Ich sehe keine kommen und ich denke dafür ein gutes Gespür entwickelt zu haben. Aber steigende Inflation in Europa, derzeit 2,0 % sehe ich in den kommenden zwei Jahren kommen.
Schöne Grüsse, Richard Ebert
"Panische" Reaktionen erwarte ich schon mit Bekanntgabe der ersten Zinserhöhung und in den dann folgenden Handelstagen.
Ich behaupte einmal Frank und Frei, dass der Markt nicht damit umzugehen wissen wird.
Weshalb immer noch um den heissen Brei herumgeredet wird weiss ich nicht.
Die Notenbanken weltweit haben schon lange vor der Inflation kapituliert.
Eine Volkswirtschaft unter diesen Umständen zwanghaft am Laufen zu halten, die Bevölkerung immer weiter hinzuhalten ist möglich. Ich kann aus Erfahrung mit Jugoslawien reden.
Niemals wird eine Staatspleite offiziell zugegeben werden. Die Bevölkerung findet sich allerdings nach einer gewissen Zeit letztendlich und zwangsläufig vor vollendeten Tatsachen, die sie dann gezwungenermassen akzeptieren werden muss.
Man hat heute also die Wahl.
Man vertraut darauf, dass die ungedeckte Liquidität durch die Notenbanken wieder zurückgeholt wird, die Staatsschulden auf ein erträgliches Mass zurückkommen und die Staatshaushalte saniert werden.
Oder man sichert sich im Hinblick auf einen Kollaps des globalen Finanzsystems in Form von guten Aktien und sonstigen Sachwerten ab.
Was wahrscheinlicher ist ? Man kann Zahlen, Daten und Fakten vergleichen.
Ich habe noch ein altes Gesetzbuch der Bundesrepublik Jugoslawien aus dem Jahre 1994 und zitiere folgenden Paragraphen, des "Gesetzes über die Finanzierung der BR Jugoslawien":
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§ 52 - Langfristige Kredite, welche die Nationalbank Jugoslawiens der jugoslawischen Föderation im Jahre 1991 genehmigt hatte um die Funktion der Föderation zu gewährleisten -ausgenommen Kredite für die Jugoslawische Armee- wird die BRJ in zehn jährlichen Raten -jeweils fällig zum 15. Dezember des jeweiligen Jahres- beginnend mit dem 15.12.1995 zurückzahlen.
Der Gesamtkredit verzinst sich mit 5 % ab dem 1.1.1992. Die bis zur Zahlung der ersten Rate aufgelaufenen Zinsen werden dem Gesamtkredit zugeschlagen.
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Hübsch gesagt und geplant, aber die ganze Sache hat sich spätestens im Spätsommer / Frühherbst 1993 durch die ausser Kontrolle geratene Inflation von selbst erledigt. Imense Staatsschulden, die sich quasi in Luft aufgelöst haben.
Man kann eventuell kommenden Leitzinserhöhungen im jetzigen Umfeld nicht dieselbe Wirkung zuschreiben, den sie vor dem Tabubruch 2008/2009 hatten. Mit Tabubruch meine ich den direkten Ankauf von Staatsanleihen durch eine Zentralbank, was der Monetisierung von Staatsschulden gleichkommt.
Meines Erachtens hätte eine Zinserhöhung von heutigen 2.25 % denselben Effekt, den 1 % des Jahres 2003 hatte. Man muss also viel höhere Leitzinssätze durchsetzen um heute einen restriktiven Effekt zu erzielen, der im Jahre 2003 mit viel kleineren Leitzinssätzen möglich war.
Also meine ich, dass Zinserhöhungen -in dem Rahmen, der befürchtet wird 1 - 2 %- keine Bedrohung für den Aktienmarkt darstellen werden.
Und um in den bedrohlichen Bereich zu gelangen -sprich 8 % und mehr-, dafür ist nun wirklich überhaupt kein Spielraum gegeben, weil es einem wirtschaftlichen Global-Kollaps gleichkäme.
@ Paljusevic, Franjo [#6]
die Inflationsrate ist in den einzelnen Volkswirtschaften sehr verschieden und rührt manchmal von gestiegenen Ölpreisen, Nahrungsmitteln oder Löhnen her. bei wenig elastischer Nachfrage (öl) nützen Zinserhöhungen recht wenig um die Preisspirale aufzuhalten. bei einer überhitzten Konjunktur mit steigenden Immobilienpreisen (China) wirkt sich eine restriktive Notenbankpolitik speziell über den negativen Multiplikatoreffekt Bauwirtschaft deutlicher aus.
man könnte durchaus meinen das die Marktteilnehmer im Anleihemarkt erleichtert sind, wenn die EZB an der Zinsschraube dreht.
ich glaube nicht, dass wir auf eine starke Inflation wie Anfang 1980 zusteuern, auch wenn damals wie heute die Ölpreise anziehen. durch die Globalisierung ergeben sich neue Effekte, die mit Ex YUGO nicht so vergleichbar sind: wenig Aussenhandel, mageres Warenangebot, starrer Arbeitsmarkt.
eine hohe Staatsverschuldung ist nicht automatisch gut oder schlecht. wenn sinnvolle Invetitionen (zB. Infrastruktur) getätigt werden, ist damit die Basis für rasche und flexible Transporte und Kommunikation gegeben. das wirkt sich langfristig über niedere Kosten positiv auf die Unternehmensgewinn der dort ansässigen Firmen aus. kurzfristig kurbelt die nachgefragte Bauindustrie mittels höherer Beschäftigteanzahl die Volkswirtschaft an.
Wirtschaft läuft niemals gleich ab, aber gewisse Parallelen gibts natürlich. Grüsse SPOMI
@ Paljusevic, Franjo [#6]
Danke für Ihre recht lange Antwort. Ein Satz daraus:
Weshalb immer noch um den heissen Brei herumgeredet wird weiss ich nicht.
Jetzt haben Sie auch um den heißen Brei rum geredet, statt meine Frage zu beantworten:
Bei welchem Zinssatz oder Kurs der T-Bonds würden Sie eine Panik vermuten ?
Schöne Grüsse, Richard Ebert
@ Richard Ebert [#8]
...wenn es überhaupt zu Leitzinserhöhungen kommen sollte...
Ich persönlich habe als Massstab die grobe Formel - 1 % Leitzinserhöhung = minus 1000 Basispunkte im T-Bond Futurepreis und umgekehrt - wobei umgekehrt ja derzeit schlecht möglich ist :o)
Gehen wir vom derzeitigen Kurs von 120 aus, bedeuten + 0.25 % Leitzinserhöhung einen Preisverfall auf 117.50. Die dann folgende "kochende Spekulationsküche" projiziert dann weiter folgende Leitzinserhöhungen, die sich dann wiederum im Preis widerspiegeln.
Ab wann gäbe es einen Panik ?
Wenn die Federal-Reserve gleich mit der 1 % Keule käme. Also 10 Yr. T-Bond sturzflugartig auf 110 und darunter.
Für mich wäre das dann ein Signal zum günstigen Aufkaufen der varramschten Aktien.
http://www.ecb.int/press/tvservices/webcast/html/webcast_110303.en.html
p.s: Um 14:30 h EZB Pressekonferenz. Live-Webcast über obigen Link.
@ Paljusevic, Franjo [#10]
Also 10 Yr. T-Bond sturzflugartig auf 110 und darunter.
Danke, das ist doch eine klare Ansage.
Schöne Grüsse, Richard Ebert
@ Richard Ebert [#11]
Man hat doch gesehen, wie der Anleihemarkt alleine nur auf eine "unverbindliche" Ankündigung der Möglichkeit "eines" minimalen Zinsschrittes auf der nächsten EZB-Sitzung reagierte.
Ich bleibe weiterhin dabei - den Zentralbanken sind die Hände für eine "wirklich" restriktive Geldpolitik gebunden.
Das ist der Weg in eine stark inflationäre Zukunft.
"Zweitrunden-Effekte" sollen zwar laut Monsieur Trichet vermieden werde, aber das ist meines Erachtens Wunschdenken, das nicht in Erfüllung gehen wird.
Die Lohn-/Preisspirale wird unaufhaltsam beginnen sich zu drehen. Und diese zu bremsen oder gar zum Stillstand zu bringen ist unmöglich, solange es keine wahrhaftig restriktive Geldpolitik gibt.
@ Paljusevic, Franjo [#12]
Leitest du daraus eine Position ab?
Grüße
@ pullPUSH [#13]
Es gab in der Vergangenheit zwei Faktoren, die mich erhebliches Lehrgeld gekostet haben. Beides hatte mit blindem Vertrauen in offizielle Stellungnahmen zu tun.
Das erste war das Vertrauen auf das offizielle Bla-Bla darauf, dass die SFR Jugoslawien ein stabiles Konstrukt wäre und die damalige Wirtschafts- und Finanzkrise nur temporär sein sollte. Bla-Bla hier - Ergebnis Zusammbruch da.
Lehrgeld Nummer zwei wurde fällig, durch blindes Vertrauen auf EZB-Chef Duisenbergs Stellungnahmen in der ersten Hälfte des Jahres 2000, der immer etwas von einem zum US-$ unterbewerteten Euro faselte, der € sich aber dadurch nicht von einem immer weiteren Absacken abhalten liess.
Blöd nur, wenn man dann mit einem mittleren fünfstelligen DM-Betrag im Februar sechsmonatige €/USD Calls mit einer Basis von 1,05 gekauft hat und sich partout nicht von der Position trennen konnte, da man ja auf die EZB vertraute, die den Euro schon noch "pushen" würde. Ergebnis dieses "Vertrauens" - alles futsch.
Seit damals habe ich mir eines angewöhnt. Ich schalte meinen Verstand ein und recherchiere selbst. Offizielles Gelaber nehme ich nur noch zur Kenntnis, aber es wird niemehr ausschlaggebend für meine Entscheidungen sein.
Das bedeutet also für die aktuelle Situation, Trichet und Bernanke können mir viel von Straffung der Geldpolitik erzählen. Ich persönlich bin mir sicher, dass diese eventuellen "Straffungen" wirkungslos bleiben werden, weil sie meilenweit von einem wirklich effektiven Bereich entfernt sind.
Es gibt weltweit viel zu viel Liquidität, die sich ihren Platz in diversesten Assets sucht und ich glaube nicht, dass sich diese Liquidität von + 0.25 % in Europa anziehen lässt. Da braucht es schon sehr, sehr viel mehr.
Und was das dann für die globale Wirtschaft bedeuten würde brauche ich wohl nicht weiter zu erläutern.
Noch einen schönen Tag und viele Grüsse.