CFTC: Lasche Positionslimits an den US Terminbörsen
Amerikanische Aufsicht will Positionslimits etablieren
Von Tim Höfinghoff
Frankfurter Allgemeine Zeitung, FAZ (15.01.10) - Die amerikanische Aufsichtsbehörde CFTC (Commodity Futures Trading Commission) hat Pläne vorgelegt, um die Tätigkeit spekulativer Händler im Rohstoffmarkt einzuschränken. Die CFTC plant, Positionslimits im Rohstoffhandel zu etablieren. Betroffen wäre der Handel mit Rohöl, Heizöl, aber auch mit Kontrakten für Benzin und Erdgas. Laut CFTC sollen die Regeln dazu führen, dass die Preise nicht von einzelnen Marktteilnehmern verzerrt werden. „Die CFTC setzt keine Preise fest“, sagte CFTC-Chef Gary Gensler, es gehe darum, dass der Handel „gerecht und geordnet“ ablaufe.
Die Vorschläge der CFTC waren von Rohstoffhändlern bereits seit August erwartet worden und beruhen auf dem Bestreben der amerikanischen Regierung, die Regeln an den Finanzmärkten zu verschärfen. Der rasante Anstieg des Rohölpreises im Sommer 2008 auf bis zu 147 Dollar je Barrel (159 Liter) hat nicht nur Politiker, sondern auch Verbraucher verärgert, die hinter hohen Energiepreisen primär das Engagement von Finanzinvestoren und nicht eine übermäßige Ölnachfrage vermuteten. Die CFTC-Vorschläge können nun 90 Tage lang von der Öffentlichkeit kommentiert werden, bevor die Behörde darüber endgültig entscheidet. Wann die neuen CFTC-Regeln in Kraft treten würden, ist noch offen.
Die Vorgaben enthalten Obergrenzen, die Händler an den Terminmärkten nicht überschreiten dürften. Dabei geht es nicht nur um den Handel an der Rohstoffbörse New York Mercantile Exchange, sondern auch um das Geschäft an der Intercontinental Exchange in Atlanta. Bisher gelten die Vorschläge nicht für den Handel mit Metallen wie Gold, Silber und Kupfer.
„Enttäuschend, wie lax die Regeln ausgelegt werden“
Die von der CFTC vorgeschlagenen Positionslimits sind allerdings so hoch angelegt, dass nur wenige Händler davon betroffen wären. Die Vorschriften würden nur zehn einflussreiche Händler treffen, teilte die Behörde mit. Darunter sind auch einige, die für sich Ausnahmen in Anspruch nehmen könnten. Zuvor hatten sich Finanzinstitute wegen der neuen Vorschriften besorgt gezeigt. Sie fürchteten um ihre Einnahmen im lukrativen Rohstoffgeschäft. Die CFTC wollte sich nicht dazu äußern, welche zehn Händler konkret gemeint sind. Traditionell wichtige Spieler im Rohstoffgeschäft, wie die Banken J.P. Morgan und Goldman Sachs, wollten sich zu den CFTC-Vorschlägen generell nicht äußern.
Der unabhängige Ölexperte Steffen Bukold des Analyseunternehmens Energycomment sagt: „Es war klar, dass die Regeln nicht strikt sein werden.“ Sie könnten in einigen kleineren Märkten wie dem Benzin- und Heizölgeschäft in Amerika die Märkte jedoch beeinflussen. Der Rohstoffexperte der Commerzbank, Eugen Weinberg, sagt: „Diese Regeln sind richtig und wichtig, doch es ist enttäuschend, wie lax die Regeln ausgelegt werden können.“ Das Ziel, für mehr Transparenz an den Märkten zu sorgen, sei verfehlt worden.
Auch Fluggesellschaften und Ölkonzerne erhalten Ausnahmen
Weinberg plädiert dafür, dass die Preisfindung an der Börse besser kontrolliert werde und im Rohstoffhandel eher „die physische Nachfrage und das Angebot zählen sollte“. Zwar seien Spekulanten im Rohstoffhandel grundsätzlich nicht schlecht, weil sie für mehr Liquidität sorgen, doch Weinberg kritisiert, dass es gerade am Ölmarkt zuletzt wegen der Finanzinvestoren zu deutlich überhöhten Preisnotierungen gekommen sei. Zudem bemängelt Weinberg, dass es weitreichende Ausnahmeregeln geben soll: „Es ist viel zu leicht, die Regeln zu umgehen.“ So können Händler auf außerbörsliche Geschäfte ausweichen. Oder sie handeln an anderen Börsen, für die die CFTC-Regeln nicht gelten würden. Ausnahmen sieht die CFTC nicht nur für Swap Dealer – zum Beispiel Banken – vor. Auch Fluggesellschaften und Ölkonzerne, die sich an den Warenterminmärkten absichern wollen, erhalten Ausnahmeregeln.
Bestimmte Obergrenzen für den Handel mit Rohstoffen existieren bereits für den Agrarmarkt. Positionslimits für den Ölmarkt hatte es auch in früheren Jahren in den Vereinigten Staaten schon gegeben. Sie wurden aber im Zuge der Deregulierung ab dem Jahr 2001 an den Märkten wiederaufgehoben. Seitdem gab es lediglich Regeln, die die Börsen selbst eingesetzt haben. „Sie wurden aber nicht konsequent eingehalten“, sagt Bukold. „Es bringt Börsen in einen Interessenskonflikt, sollten sie selbst für weniger Handel sorgen müssen.“