Der Euro: Gut oder schlecht für Deutschland ?

Guten Tag,

was ist Ihre Meinung hat die Abschaffung der DMark und die Einführung des Euros für Deutschland mehr Vor oder mehr Nachteile gebracht?Wenn möglicht mit Begründung

Meine Meinung:

Mehr Nachteile:

Grund: Durch den Euro hat Deutschland 2 wichtige Wettbewerbsvorteile aufgegeben

1. niedrigere Zinsen als in Resteuropa
2. die stabilste Währung in Europa

Diese Vorteile haben meiner Meinung nach Standortnachteile wie hohe Steuern etc. egalisiert.

Geschrieben von limitup am
Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Wirtschaftlich gibt es Vor- und Nachteile; ich bin nicht sicher, was schwerwiegender ist. Politisch ist es überhaupt keine Frage für mich.

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Fangen wir mit der Wirtschaft an:

Daß die niedrigere Zinsen relativ zu den europäischen Nachbar wegfallen, ist schlecht; da stimme ich zu.

Bei 2. kann ich nicht zustimme, eine stabile Währung ist kein Wert an sich (mit Ausnahme von 1). Solange die Inflation nicht wegläuft (und da besteht heutzutage keine Gefahr mehr) sind einige Prozente Inflation volkwirtschaftlich hilfreich. Sie erlauben beispielsweise das reale Kürzen von Gehältern, wo ein nominales Kürzen meist nicht durchsetzbar ist. Die asiatischen Ländern mit gegenwärtig künstlich niedrigen Währungen, oder Italien früher, zeigen, daß es sich als Land und als Unternehmen ganz gut mit einer schwachen Währung lebt. Man kann leicht Marktanteile gewinnen.

Ein weiterer wichtiger wirtschaftlicher Punkt ist, daß Unternehmen, die international tätig sind, enorme Summen an Währungsabsicherung sparen. Da Deutschland wirtschaftlich (--> Exportweltmeister) mehr Geschäfte mit dem Ausland tätigt, als unsere europäischen Nachbarn, ist dieser Vorteil für deutsche Unternehmen am größten. Der Anteil am Außenhandel (73% Europa, davon 42% Euro-Zone, 14% Asien, 8,4% Nordamerika) zeigt, daß für 42% des Außenhandels durch den Euro die Währungsabsicherung gespart wird. Ich meine, mich diesbezüglich an eine Zahl von vielen hundert Mio pro Jahr zu erinnern; ich kann mich da aber auch täuschen.

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Letzlich geht m.E. die wirtschaftliche Betrachtung etwas an der Sache vorbei. Die Politiker, die die Integration in der EU voran gebracht und auch den Euro gewollt haben, u.a. Kohl und Schmidt in Deutschland, d´Estaing, Mitterand und Delors in Frankreich, haben die ökonomischen Gründe eher nebenbei angeführt. Für sie waren EU und Euro ein politisches Projekt. Es ging (geht?) darum, Krieg und echte Gegnerschaft in Europa durch enge politische und wirtschaftliche Verzahnung unmöglich zu machen. Betrachtet man die europäische Geschichte der letzten tausend und der letzten 65 Jahre, war das soweit von Erfolg gekrönt. Wie das ohne EU und/oder ohne Euro verlaufen wäre, werden wir natürlich nie wissen.

Wenn ich ganz persönlich unser jetziges Verhältnis zum "Erzfeind" Frankreich und zu England betrachte, wie leicht ich z.B. einfach mit dem Auto in unsere Nachbarländer fahre und dort willkommen bin, dann ergibt sich für mich: dies Politik war gut und diese Vorteile sind mit ewaigen wirtschaftliche Nachteilen - falls es sie denn gibt - leicht und überaus preiswert bezahlt.

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Es gibt noch ein weiteres Argument, welches ebenfalls Wirtschaft und Politik vermischt: das des politischen und wirtschaftlichen Gewichts in einer "größer werdenden" Welt. Würden die EU-Länder nicht bei vielen Sachen (wirtschaftlich und politisch) als Block auftreten, sondern jedes Land einzeln, würden wir jetzt und in Zukunft bei weitem nicht die Rolle spielen, wie wir es so tun. Diese Dinge haben ganz handfeste wirtschaftliche Folgen. Ich erinnere mich, wie knallhart egoistisch sich Japan vor 25 Jahren in den Handelsbeziehungen verhalten hat. Ein Beispiel: der Import von Skiern war praktisch nicht möglich, angeblich weil "der Schnee in Japan anders ist als im Rest der Welt", so die offizielle Begründung. De facto haben sie selbst munter exportiert, und lediglich ihren Markt abgeschirmt. Jetzt, wo solche Marktzugänge EU-weit ausgehandelt werden, ist Schluß damit. Die EU als Ganzes hat Mühe genug, verglichen mit China und Indien genug Gewicht auf die Waage zu bringen. Deutschland alleine hätte überhaupt keine Chance, beachtet zu werden. Die Chinesen würden uns kalt lächelnd am ausgestreckten Arm verhungern lassen. Siehe, wie sie auch so schon z.B. mit Siemens und dem Transrapid umgehen.

Was hat das mit dem Euro zu tun? Eine EU ohne Euro wäre jedenfalls eine andere Union. Ich denke, mit Euro ist sie stärker. Allemal stärker als mit 25 Einzelwährungen. Und ich denke, das ist gut für Deutschland und seine Bewohner.

Gruß,
Asamat

limitup
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Asamat [#2]

Eine stabile Währung ist schon ein bedeutender Wirtschaftsvorteil wie ich finde.
Als Investor bin ich doch interessiert, das eine Investition möglichst in einem stabilen Gesamtumfeld getätigt wird. Wenn ich ständig Angst haben muss, das eine Währung abgewertet wird, dann baut sich doch ein großes Investitionshemnis auf.

Zum Thema Inflation:

Ein paar Prozente sind ja ok. Aber ich fürchte die Inflation gerät aus den Fugen. Nehme ich das Wachstum der Geldmenge M3 und setze dies im Verhältnis zum Wachstum des BIP in der Eurozone, dann sehe ich eine viel größere Inflation als offiziel angegeben.
Und (fast)jeder stärkeren Inflation folgt eine Deflation. Die wird es dann aber in sich haben.

Zum Thema China. Ich glaube nicht das die EU hier von Vorteil ist. Denn, die EU tritt nicht als Gemeinschaft auf. Jedes einezelne Land versucht sein eigenes Süppchen zu kochen. Nur mit dem Vorteil das Deutschalnd die Rechnung und die Zutaten der Suppe bezahlt.

Ich kann leider im Moment keinen einzigen Vorteil für Deutschland erkennen, ausser das mit den Hedging Geschäften vielleicht.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ limitup [#3]

> Eine stabile Währung ist schon ein bedeutender
> Wirtschaftsvorteil wie ich finde.

Wieso?
(Wenn man den Vorteil, sich als Unternehmen billig verschulden zu können, mal wegläßt?)

> Als Investor bin ich doch interessiert, das eine Investition möglichst
> in einem stabilen Gesamtumfeld getätigt wird.

Politisch stabil soll es sein, ja. Aber da heißt nicht, daß die Inflation unter 2% liegen muß. 10% könnte genauso stabil sein. Als (ausländischer) Investor entschädigen Dich (theoretisch genau) die höheren Zinsen für die regelmäßige Abwertung der Währung. Als (inländischer) Investor entschädigen Dich (theoretisch genau) die höheren Zinsen für die geringere Kaufkraft Deines investierten Kapitals.

> Wenn ich ständig Angst haben muss, das eine Währung abgewertet
> wird, dann baut sich doch ein großes Investitionshemnis auf.

Kannst Du das genauer ausführen? Ich verstehe das Argument nicht. Siehe meine Antwort vorher.

> Nur mit dem Vorteil das Deutschalnd die Rechnung und die Zutaten
> der Suppe bezahlt.

Hast Du irgendwelche Beispiele? Oder gehörst Du auch zu denen, die meinen, mit der Euro-Einführung sei alles viel teurer geworden; egal was die Statistik sagt?

Gruß,
Asamat

limitup
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Asamat [#4]

Hallo vielen Dank für die Denkanstösse.

Ja ich glaube auch das mit der Euroeinführung zumindest einiges teurer geworden ist. Zumindest merke ich es in der Brieftasche.
Statistik hin Statistik her.Statistiken sind wie Bikinis. Sie verbergen das wesentlich.

Mit dem Suppe bezahlen meine ich allerdings etwas anderes.Nämlich das Deutschland riesige Summen(Stichwort Nettozahler) an die EU überweist.

Über den Punkt mit den Währungsabwertungen muss ich nochmal genau nachdenken, bin leider kein Volkswirt.

To be discussed...

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ limitup [#5]

> Statistiken sind wie Bikinis. Sie verbergen das wesentlich.

Die menschliche Wahrnehmung ist allerdings auch sehr selektiv (weshalb es ja Bikinis gibt :-)

Will sagen: wir nehmen Dinge nicht objektiv wahr. Man ärgert sich über die teurer gewordenen Dinge, bringt die billiger gewordenen jedoch nicht damit in Verbindung.

> Nämlich das Deutschland riesige Summen(Stichwort Nettozahler) an die EU überweist.

Na ja, "riesig" ist relativ; alles an Staatshaushalten ist riesig. Wir zahlten die letzten Jahre jeweils 5-10 Mrd EUR netto an die EU. Das sind unter 100 EUR pro Einwohner pro Jahr. Zum Vergleich:

Etat Sozialministerium: 120 Mrd EUR
Schuldendienst: 40 Mrd EUR
Bundeswehr: 30 Mrd EUR

Die EU-Zahlungen sind nun wirklich nicht der Punkt, über den es sich aufzuregen lohnt.

Gruß,
Asamat

limitup
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Asamat [#6]

Hallo kurze Frage,

was ist billiger geworden ausser Elektronikartikel ? Ich sage mal die Waren des täglichen Bedarfs bestimmt nicht, oder?

Warum bin ich eigentlich auf dieses Thema gekommen? Ich habe da mal einen Artikel gelesen von einem Prof. Hankel. Finde den Artikel aber leider nicht mehr.

In dem Artikel stand ungefähr, ohne Garantie auf Richtigkeit:

Deutschland hat seit Euroeinführung rund 100 Milliarden an die EU überwiesen.
Die indirekten Kosten z.b. durch den Verlust des Zinsvorteils liegen aber noch weitaus höher.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

> was ist billiger geworden ausser Elektronikartikel ?

Zunächst: wieso außer Elektroartikel? In meinem Haushalt ist das ein wichtiger Posten. Mal sehen, was ich die letzten Jahre auf diesem Gebiet so gekauft habe:

Ein PC für 280 EUR. Gab's das zu DM-Zeiten für 280 Mark (wenn die 1:1-Umrechnungs-Legende stimmen würde)? Oder für 560 Mark? Niemals, PCs waren viel teurer.

Laptop dito.

MP3-Player gabs damals noch nicht, sind aber rapide im Preis gefallen und fallen weiter. Jeder den ich kenne, hat einen.

Heimkino. Gab's damals zu utopischen Preisen (>10.000 DM), ist heute bezahlbar.

LCD-Fernseher mit großem Bildschirm zu 800 EUR. Kostete damals viele, viele Tausende.

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OK, nun anderes als Elektronik:

Hauspreise und Mieten sind seit 1990 mehr oder weniger konstant geblieben, real sogar leicht gefallen.

Telefon, Ferngespräche, Auslandsgespräche, Internet, DSL sind billiger.

Autos sind billiger. Bzw sehr viel besser, d.h. man bekommt für das gleiche Geld einen Wagen einer größeren Klasse.

Urlaubsreisen, insbesondere Flugreisen, sind viel billiger geworden. Billigflieger gab's damals noch nicht.

Kleidung ist, da fast ausschließlich "made in China", billiger. Schuhe dito.

Kredite sind billiger geworden. (Jetzt steigen sie langsam wieder).

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Ferner wird der Vergleich mit DM-Preisen um so irreführender, je länger die Umstellung zurückliegt. Denn die DM-Preise der Erinnerung bleiben konstant, während die realen Preise der Inflation unterliegen. Z.B. ergeben sieben Jahre mal 2% Inflation alleine 15% Preisanstieg, die die DM-Preise in der Erinnerung nicht mitmachen.

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Ich bestreite ja nicht, daß nicht vieles auch teuer geworden ist. Restaurants und Lebensmittel z.B. Aber wie willst Du das mitteln und bewerten, wenn nicht mit einem Warenkorb, wie das Bundesamt es macht?

Gruß,
Robert

PS:
http://www.quarksundco.de/dyn/31276.phtml

limitup
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Asamat [#8]

Hallo,

mmmhhh Sicher sind die aufgezählten Dinge billiger geworden. Aber das hatte nichts mit der Euroeinführung zu tun. Die wären sicher auch ohne Euro billiger geworden (ohne das ich es beweisen kann).

Was ich aber spüre und das ist meine Wahrnehmung, daß ich heutzutage einen Warenkorb mit 50 Euro nicht viel voller kriege als damals mit 50 DM. Und zwar gleich nach Umstellung. Aber vielleicht ist das eine "geldoptische" Täuschung meinerseits

Hauspreise und Mieten sind seit 1990 gleich geblieben oder sogar gefallen. Der Euro wurde 2002 als Zahlungsmittel eingeführt.

Zum Warenkorb des Budnesamtes. Der Warenkorb zählt für mich nicht. Was für mich zählt ist die Geldmenge M3 im Verhältnis zum Wachstums des BIP. Wenn ich diese ins Verhältnis setze haben wir eine inoffizielle Inflation von > 7 %.

he96
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ limitup [#9]

""daß ich heutzutage einen Warenkorb mit 50 Euro nicht viel voller kriege als damals mit 50 DM""

Ist doch klar: 50 Euro sind ja auch nur 5000 1-cent-münzen, 50 DM waren auch 5000 Münzen. Damit kann der Korb ja nicht voller werdern.

gruss hans

limitup
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ he96 [#10]

stimmt..da hätte ich auch selber drauf kommen können ;-)

Nur leider muss ich für die 5000 1 cent Münzen länger arbeiten als für die 5000 1 Pfennig Münzen...

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

> Nur leider muss ich für die 5000 1 cent Münzen länger
> arbeiten als für die 5000 1 Pfennig Münzen...

Wieso, wo doch 1:1 umgerechnet wurde?
Oder war das bei Euch in der Firma etwa nicht so?

:-))

limitup
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Asamat [#12]

Nein... Im Gegenzug zu so manchen Preisen leider nicht...

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ limitup [#9]

Zitat: 'Sicher sind die aufgezählten Dinge billiger geworden. Aber das hatte nichts mit der Euroeinführung zu tun. Die wären sicher auch ohne Euro billiger geworden (ohne das ich es beweisen kann).'

Die verteuerten Dinge wären aber vielleicht auch ohne Euro teurer geworden (ohne das ich es beweisen kann).

Preise steigen nun mal regelmässig. Der Brief kostete in den 50-er Jahren 10 Pfennig, heute rund 110 Pfennig, für die Eiskugel habe ich 10 Pfenning bezahlt und heute 140 Pfennig und die Preise für Nahverkehr oder Taxi, beides habe ich heute genutzt, sind schon immer gestiegen. Was haben diese Preissteigerungen, zum Beispiel das Briefporto, mit dem Euro zu tun ?

Ansonsten hat es meiner Firma Vorteile gebracht, zum Beispiel die extrem hohen Kosten für Zahlungen in Fremdwährungen auf Null gedrückt, die früher oft bei 20 bis 25 DM für eine kleine Aborechnung lagen.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Ich kenne von meinen Eltern noch den Begriff "Groschenstück" für ein Teilchen vom Bäcker. Mohnschnitte, Kirschstreussel o.ä. Der Name kam daher, weil ein Stück davon nach den Krieg 10 Pfennige (= 1 Groschen) gekostet hat. Vor 20 Jahren kosteten "Groschenstücke" bereits 1 DM - 2 DM, heute 1-2 EUR. Nur der Name ist geblieben. :-(

Gruß,
Asamt

limitup
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Richard Ebert [#14]

Ganz sicher wären die Preise auch ohne Euro gestiegen.

Aber und da kann mir niemand was gegenteiliges erzählen: kurz vor der Einführung des Euro wurden die Preise massiv erhöht. Und die die nicht erhöht wurden, dann nach Euroeinführung. Besonders bei Waren des "täglichen Bedarfs".

Und ich bleibe dabei, das für Deutschland der Euro weniger Vorteile gebracht als z.b. für Spanien oder Italien.

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ limitup [#16]

Viele sind Ihrer Meinung, vielleicht aber auch weil allgemein intensiv nach Preissteigerungen Ausschau gehalten wurde.

Wenn ich mich recht erinnere, lagen die Zahlen des statistischen Bundesamtes im völlig normalen Rahmen und die 'gefühlte Inflation' war schon immer höher als die amtliche.

limitup
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Richard Ebert [#17]

Hallo,

wie kann ich einem statistischen Bundesamt glauben? Wenn doch im meiner Brieftasche eine andere Sprache gesprochen wurde.

Ich bin kein Verschwörer oder so. Aber ich glaube dem statistischen Bundesamt KEIN Wort.

Ich sage nur mal ein sehr krasses Beispiel: 7 m Elektrokabel. Vor Euroeinführung 15,95 DM (habe noch alten Preisaufkleber). Nach Euroeinführung : 14,95 Euro.

Wenn einige Waren teuerer geworden sind, andere Waren aber gleichgeblieben sind, dann haben wir insgesamt ne Verteuerung.
Und besonders Waren des täglichen Bedarfs sind teurer geworden. Nur um ein paar cent. Das ist optisch fast gar nicht aufgefallen. zb. von 50 pfennig auf 39 cent oder so. Aber prozentual ist das richtig heftig.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ limitup [#18]

> Aber ich glaube dem statistischen Bundesamt KEIN Wort.

Wieso nicht? Glaubst Du, die lügen? Falls ja, brauchen wir natürlich nicht weiter zu diskutieren.

Sie veröffentlichen nicht nur ihre Ergebnisse (die Du nicht glaubst), sondern auch die Methoden, wie sie zu den Aussagen kommen. Wenn Du Kritik an den Methoden hast, ist das OK und sogar willkommen.

Aber ohne sich Gedanken zu den Methoden zu machen einfach pauschal zu behaupten, daß Du recht hast, ist für mein Geschmack ein wenig dünn. Menschen haben eine sehr selektive Wahrnehmung. Du führst immer nur die eine Seite auf, Beispiele, wo es teurer geworden ist. Weiter oben habe ich eine ganze Latte Dinge geschrieben, wo es billiger geworden ist. Stimmst Du damit nicht überein? Kaufst Du diese Sachen nicht? Falls doch, warum sollen diese nicht die teurer gewordenen Sachen aufwiegen, wie es das Bundesamt sagt?

Das Bundesamt (und ich) sagen ja nicht, daß nichts teurer geworen ist. Nur, daß es im Mittel über die Gesamtausgaben eines durchschnittlichen Haushalts nicht außergewöhnlich teurer geworden ist.

Gru,
Asamat

limitup
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Asamat [#19]

Ich behaupte nicht das sie lügen.

Ich kaufe nun mal nicht jeden Tag einen Fernseher. Und meine Familie kann ich damit auch nicht ernähren. Was für mich zählt:

Sind Lebensmittel, Energie und Kleidung teurer geworden? dazu ein eindeutiges JA.

Die ganzen anderen Sachen sind vielleicht billiger geworden. Dies aber nur durch den technologischen Fortschritt. Die wären auch ohne Euroeinführung billiger geworden.
Was ich aber meine und da widerspreche ich dem Bundesamt ist das direkt durch die Euroeinführung oder auch schon 3-4 Monate davor die Preise von lebenswichtigen(!!) Waren des täglichen Bedarfs angezogen sind. Und gemerkt habe ich dies, weil ich immer wieder im gleichen Laden (Kaisers) einkaufen war.

Und nein das wiegt es nicht auf. Wenn mein Warenkorb mit 50 Euro nahezu so voll war wie mit 50 DM, ich aber für 50 Euro doppelt so lange schaffen muss, dann ist das keine selektive Wahrnehmung.

Ich brauche nicht jedes Jahr einen neuen Fernseher, Computer oder Auto.Und ich denke die meisten Leute brauchen das auch nicht und können es sich gar nicht leisten.

Aber ich brauche jeden Tag Brot,Wurst,Kleidung, Wasser, Strom etc. Und diese Dinge sind teurer geworden mit Euroumstellung.
Vielleicht gleichen die die Dinge die billiger geworden sind, daß wieder aus. Aber nur in der Statistik. Im durchschnittlichen realen Leben wohl kaum.

Und deswegen glaube ich dem Bundesamt kein Wort.

he96
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ limitup [#20]

""Und deswegen glaube ich dem Bundesamt kein Wort.""

Ja - weiss doch auch jeder. Aber warum wird das Thema FÜNF Jahre nach der Einführung wieder aufgewärmt ? Ist doch alles kalter Kaffee. Hatten wir doch auch x-mal hier schon durch genudelt.

Du hast RECHT, aber... s.o.

gruss hans

PS: ich will die DM wieder haben - und die MAUER....ehmmm, nein doch lieber keine Mauer :-))

limitup
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ he96 [#21]

ok. sorry das ich das Thema wieder aufgewärmt habe. Wusste ich nichts von.

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ limitup [#20]

Im Warenkorb wird dank des niedrigeren Energieverbrauchs von Autos und Haushaltsgeräten, die Energie niedriger gewichtet, sodass die höheren Energiepreise weniger stark durchschlagen.
Bist ja auch selber schuld, wenn Du nicht alle paar Jahre ein neues Auto kaufst, dass dann weniger verbraucht, geschweige denn Waschmaschinen, Kühlschränke usw.
Du würdest viel billiger leben, wenn Du alle vier Jahre neue Ausstattung kaufen würdest.

Preisanstieg wird durch Sparmaßnahmen kompensiert

Der spezifische Verbrauch von Energie ist in den letzten Jahrzehnten auf vielen Gebieten zurück gegangen. So sank der spezifische Heizkostenanteil pro Wohnfläche und der Stromverbrauch von Waschmaschinen und Geschirrspülern pro Wasch- bzw. Spülgang. Der spezifischer Treibstoffverbrauch von Autos einer bestimmten Preisklasse bzw. Motorisierung sowie von LKW und Flugzeugen ist gesunken. Dies kompensiert teilweise die Erhöhung der Energie- und Treibstoffpreise (der Flottenverbrauch aller PKW ist dagegen nicht gesunken und die Wohnfläche pro Einwohner ist gestiegen).

Beim Warenkorbmodell geht der Anteil von Energie und Treibstoffen am Korb daher möglicherweise zurück, da deren Wichtung abnimmt, obwohl gleichzeitig die Energie- und Treibstoffpreise ansteigen.

Über ein funktionales Modell zur Inflationsberechnung - d.h. wieviel Geld wird für einen bestimmten Komfort bzw. ein Ergebnis benötigt - würde die errechnete Inflation in diesem Fall sogar noch geringer ausfallen als über das Warenkorbmodell!

Die Inflationsberechnung nach dem Warenkorbmodell kann also den Preisanstieg bestimmter Waren - auch wenn sie einen hohen Wichtungsanteil haben - abweichend wiedergeben, wenn Alternativen auftauchen.
Dem wird Rechnung getragen, indem die Anpassung der Wichtung nur aller vier Jahre vorgenommen wird.
http://de.wikipedia.org/wiki/Warenkorb#Warenkorb_in_Deutschland

select
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ he96 [#21]

"und die MAUER....ehmmm, nein doch lieber keine Mauer :-))"

Das war knapp so kurz vor der "Wahl":-)))))))))

he96
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ select [#24]

Ich hatte auch SELECT bildlich vor Augen mit dem Nudelholz in der Hand - daher noch schnell die Korrektur.

gruss hans

limitup
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ he96 [#25]

Und da ich auch im nichtfreien Deutschland aufgewachsen bin, glaube ich aus Erfahrung nicht jeder Statistik die staatliche Stellen veröffentlichen.

Ich verlasse mich da wie schon früher auf mein Gefühl und meiner Wahrnehmung.

Wenn es hiess der 5 jahres Plan für Bohrmaschinen wurde um 150 % übererfüllt und ich sah im Laden trotzdem keine einzige Bohrmaschine, dann wusste ich die Statistiken sind trügerisch.

Wenn ich meinen persönlichen Warenkorb mit 50 Euro nicht viel voller kriege als mit 50 DM, dann weiss ich auch das die amtlichen Statistiken trügerisch sind.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ limitup [#20]

> Ich brauche nicht jedes Jahr einen neuen Fernseher, Computer oder Auto.
> Aber ich brauche jeden Tag Brot,Wurst,Kleidung,

Was ist denn das für ein Argument? Es kommt doch nicht darauf an, wie häufig man etwas kauft.

Du mußt die Kosten für die selten beschafften Dinge auf die Verwendungsdauer umlegen. Also z.B. die monatlichen Kosten für Dein Auto berechnen, und dann schauen, ob diese monatlichen Kosten höher geworden sind oder nicht. (Für einen Einzelhaushalt ist es schwierig, einen "mittleren Autopreis" zu berechnen, aber für den Durchschnitt über viele haushalte nicht.

> Und ich denke die meisten Leute brauchen das auch nicht und
> können es sich gar nicht leisten.

Ich verstehe Deine Argumente nicht.

Das Bundesamt versucht doch gerade mit dem Konzept des Warenkorbs, den mittleren Verbrauch von allen Leuten in DE abzubilden. Letztlich sagst Du nur, daß Du
a) ihnen nicht glaubst, und
b) meinst, mit Deiner Beobachtung in Deinem Umfeld einen bessern Überblick zu haben als sie mit ihrer bundesweiten Erhebung.

Ich bin halt bei beidem anderer Meinung. Aber das führt nun zu nichts mehr.

Gruß,
Asamat

dhp05
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ limitup [#26]

Selbst wenn es so wäre, dass deine Warenlieferanten bei der Umstellung nur die Währungszeichen ausgetauscht hätten von 50DM zu 50€, was hat das mit deiner in der Überschrift aufgeworfenen Fragestellung zu tun?

Die ersten 12 Euro-Einführer haben den Euro als ein neues Weltgeld in Konkurrenz zum USD als Angebot in die Welt gesetzt.Ziel war und ist, in einer Klasse mitzu spielen, die bis dahin nur vom USD besetzt war, und wo es z.B. die gute alte DM alleine auch nicht hingebracht hätte.

Deshalb kann eigentlich die Frage auch nicht lauten: Gut oder schlecht für D, sondern Ziel erreicht oder nicht?

Wenn du den chart seit Einführung anschaust gibt der in etwa Antwort:

erstmal wurde das Angebot vom interessierten Publikum abgelehnt.

Dann hat man Hausaufgaben gemacht.

Und momentan sieht es gar nicht schlecht aus

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ limitup [#26]

Sie führen ganz konkrete Beispiele für Preissteigerungen an. Die können bei Ihnen stimmen, in einem anderen Ort oder bei einem anderen Anbieter vielleicht schon nicht mehr.

Meine Kosten fallen zum grossen Teil in der Kommunikation an; Telefon, Fax, Internet, Hardware, Software usw. Früher habe ich für 10 DM in die USA telefoniert und überspitzt gesagt ware nach dem ersten Satz das Geld schon weg. Heute zahle ich für eine Minute noch ein bis zwei Cent. Für die Übermittlung der täglichen Kurse unserer Print Charts habe ich damals rund 1.000 DM monatlich bezahlt, heute kostet Qualität zwar immer noch Geld, aber nur ein Bruchteil.

Von dem, was ich jeden Monat einspare, kann ich mir die teureren Waren leisten. Mein Warenkorb ist auch teurer geworden, aber keinesfalls um 100 Prozent.

limitup
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Richard Ebert [#29]

und @ Asamat [#27]

Ich habe jetzt nochmal genau nachgelesen und mich informiert. Ich schätze ich werde meine Position noch einmal überdenken. Stay tuned...

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ limitup [#30]

Jemand überdenkt aufgrund einer Forums-Diskussion seinen eigenen Standpunkt. Eine ganz und gar ungewöhnliche Vorgehensweise ... :-))

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Spaß beiseite, ist sehr anerkennen gemeint. Ich ziehe meinen Hut.

Asamat

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