Der Unterschied zwischen stabilitätsorientierter Geldpolitik und heute
Der ehemalige Bundesbankpräsident Karl Klasen in einem "Die Zeit" Interview von März 1975
http://www.zeit.de/1975/12/grosser-Jammer?page=4
Klasen:
Wer uns jetzt für die Arbeitslosigkeit verantwortlich machen will, verwechselt Ursache und Wirkung. Wir waren 1974 sehr enttäuscht, daß wir noch weiter bremsen mußten. Wir hätten gern die Zügel gelockert. Aber da man auf dem Höhepunkt der Ölkrise glaubte, daß Lohnerhöhungen von 14 bis 15 Prozent vertretbar seien, blieb uns nichts anderes übrig, als die Finanzierung dieser inflationistischen Abschlüsse zu verweigern. Wir haben immer klar gesagt: Wir finanzieren nicht die Inflation.
@ Paljusevic, Franjo [#1]
Du plädierst im aktuellen Marktumfeld für eine Straffung der Notenbankpolitik?
Nein.
Aber das soll aufzeigen, in welcher Gefahr der zukünftige Geldwert ist bzw. sein wird und daher meiner Meinung nach mittel- bis langfristig nur Sachwerte einen Schutz vor allgemeiner "Verarmung" infolge der Geldentwertung bieten werden.
Kurzfristige 5 % Korrekturen am Aktienmarkt werden nichts an der Tatsache ändern, dass die Aktienmärkte in einem solchen Geldflutungsumfeld nur die Richtung nach oben kennen werden.
Aber darüber wurde ja in diesem Forum mehr als genug geschrieben.
Ich mag in der Hinsicht vielleicht konservativ denken, aber für mich haben die Worte von beispielsweise Alfred Herrhausen oder Karl Klasen viel mehr Gewicht, als oftmals gehörtes "Geschwätz" heutiger "Spezialisten".
@ Paljusevic, Franjo [#3]
Im Rahmen des Ölschocks hatten wir ja schliesslich Inflation. Haben wir die Heute wirklich?
Das Geld (über800Mrd) ist schliesslich in die USA geflossen und wir haben denen wohl damit auch Ihren IRAK-Krieg mitfinanziert.
Unser Geld ist in den USA und nicht in unserem Geldkreislauf gelandet.
Sehe ich das zu blauäugig?
Das alles teuer wird ist eher dem Euro zuzuschreiben und der Tatsache das einen natürliche Abwertung der Weichwährungen nicht mehr möglich ist.
@ Paljusevic, Franjo [#3]
Die Fabriken der Welt sind ausgerichtet auf die Zeit des kreditbasierten Konsums, so dass es jetzt weltweit sehr hohe Überkapazitäten gibt und damit der Preisanpassungsspielraum in der Güterwirtschaft sehr niedrig ist. Die Amis haben deshalb momentan eine riesen Outputlücke im Bruttoinlandsprodukt. Ergo, bleiben die Preisveränderungsraten niedrig. Was meinst Du, wie die Konjunktur ausehen wird, wenn die konjunkturfördernden Massnahmen abgearbeitet sind?
Werden die Kfz Preise, und damit die Preise für Stahl in Deutschland nächstes Jahr steigen oder fallen, wenn alle abgewrakt haben? Wird Karstadt die Preise für Jeans erhöhen, um sich vor der Schließung von Filialen zu retten?
Der Uhrenhersteller Gerd Lang aus München sagt: "Unsere Produkte braucht kein Mensch". Das gilt auch für viele andere Anbieter in der Wirtschaft.
@ benedikt54 [#4]
"Das alles teuer wird ist eher dem Euro zuzuschreiben ..."
Die Preissteigerung betrug 0,5% von März 2009 zu März 2008. Im Warenkorb gab es die folgenden Preisenwicklungen:
Teurer wurden:
53% Lauch und ähnl. Gemüse
35% Kopf/Eisbergsalat
23% Gurken
20% Musikdownloads
19% Hülsenfrüchte
19% Pflanzenöl
18% Gas
18% Bienenhonig
17% Fernwärme
Billiger wurden:
-36% leichtes Heizöl
-29% CD Hörbücher
-26% Eintritt Vergnügungsparks
-25% Zitronen
-25% Fernseher
-25% Quark
-24% Diesel
-23% Sahne
-21% Notebooks
Quelle: statistisches Bundesamt
Das festgelegte Umtauschverhältnis von 1,95583 DEM für 1 EUR war meines Erachtens überteuert.
Wieso eigentlich 1,95583 DEM, wenn die DEM im ECU-Korb mit nur 0,6242 DEM -was 1,602050 DEM pro ECU entsprach- enthalten war ? Der Euro löste den ECU doch im Verhältnis 1 : 1 ab.
Wieso zahlte man dann 0,35 DEM mehr für den Euro ?
(siehe "Die Zusammensetzung der ECU")
http://www.oenb.at/de/ueber_die_oenb/schulen/die_oenb_im_eszb/europ_waehrungspol/ewu/europaeische_waehrungspolitik.jsp
Die Preiserhöhungen fanden meines Erachtens mit der Einführung des Euro - Bargelds statt, zwar verzögert aber sie fanden statt. Auf dem praktisch doppelt erhöhten Preisniveau lässt es sich dann vortrefflich darüber diskutieren inwieweit es Preisreduzierungen in einzelnen Produkt- oder Dienstleistungssparten gibt.
Was nützt es, wenn der Friseurbesuch 5 % billiger wird, ich aber im Vergleich zu 2001 100 % mehr bezahlen muss. Für 20 DEM bekam man einen guten Herren-Haarschnitt -mit Waschen-. Heute legt man dafür umgerechnet mindestens 30 - 40 DEM hin. Populistische Phrasen ? Ich glaube nicht.
Die Inflation hat schon stattgefunden und zwar mit der Einführung des Euro-Bargeldes.
Aber wie ist es beispielsweise in Irland gelaufen ? Sind 0,787564 IEP nicht ein super Umtauschkurs gewesen ? Fast 127.- Euro für 100.- Irische Pfund ist doch klasse.
Unsere Produkte braucht kein Mensch ? Na, dann lasst mal die "Emerging Markets" richtig Fahrt aufnehmen und den dortigen Lebensstandard erhöhen. Ich bin mir sicher, dass dann die Nachfrage nach den so geschmähten Produkten ziemlich schnell kommt.
Und wovon leben die "Emerging Markets" ? Richtig, von dem Schwemmgeld, dass zu Hauf aus der Notenpresse kommt und über IWF-Kredite oder sonstige Unterstützungsmassnahmen in den Wirtschaftkreislauf fliesst oder wenn ein Aussenhandelsüberschuss besteht, aufgrund dessen als grosses Plus verbucht werden kann.
Geld, das unkontrolliert ohne Deckung hergestellt wird verschwindet nicht einfach.
@ Paljusevic, Franjo [#7]
"Für 20 DEM bekam man einen guten Herren-Haarschnitt -mit Waschen-. Heute legt man dafür umgerechnet mindestens 30 - 40 DEM hin."
Eine Steigerung von 20 DEM im Jahr 1990 bis zu 35 DEM im Jahr 2009 bedeutet genau 3% Inflation pro Jahr ...
@ Paljusevic, Franjo [#7]
im Vergleich zu 2001
@ Asamat [#8]
im Jahr 1990
Da stimm doch was nicht? ;)
Aber trotzdem glaube ich auch, dass nicht alles linear inflationiert, sondern zB "Luxusartikel" eher deflationieren...
1990 kostete der Haarschnitt um die 10 DEM.
Die deflationierenden Produkte, wie Deine genannten Luxusartikel fallen in der gesamten Betrachtungsweise meines Erachtens nur marginal ins Gewicht.
Wichtig ist die Preisbetrachtung der Güter, welche die breite Masse täglich konsumiert bzw. wofür der grösste Teil des monatlichen Budgets ausgegeben wird.
Wenn in dem Bereich eine Teuerung einsetzt, geht es an die Substanz, wenn die Gehälter nicht in gleichem Tempo mitziehen. Die Folge ist letztendlich ein Absinken des Lebensstandards.
Die klassische Form der Geldentwertung.
Wer soll´s denn auch bezahlen, ausser die breite Masse ? :o)
@ AAA [#9]
Ich nahm an, daß sich Franjos Gefühl, was ein Haarschnitt in DEM gekostet hat, nicht erst am 31.12.2001 herausbildete, sondern schon einige Jahre vor dem Ende der Mark.
@ Paljusevic, Franjo [#10]
"1990 kostete der Haarschnitt um die 10 DEM."
Meine Erinnerung ist anders. 20 könnte ich zustimmen, 10 ist schon sehr lange her.
@ Paljusevic, Franjo [#10]
"Wichtig ist die Preisbetrachtung der Güter, welche die breite Masse täglich konsumiert bzw. wofür der grösste Teil des monatlichen Budgets ausgegeben wird."
Das ist Unfug. Bloß weil Gemüse täglich gekauft wird, und Autos und Fernseher einmal alle drei oder sieben Jahre, zählt doch nicht Gemüse mehr bei der Inflation. Du hättest recht, wenn "die breite Masse" (wie Du es nennst, als im Klartext: wir alle) keine Autos und Fernseher kaufen würde. Wenn also "Luxusgüter" wirklich Luxus in dem Sinne wären, daß das nur eine Minderheit konsumiert. Rolex und Lamborghini. Davon kann bei Autos und Fernsehen aber keine Rede sein, das kauft auch die Mehrzahl der Harz-4-Empfänger. Ich würde im Gegenteil wetten, daß Harz-4-ler im Schnitt öfter einen Fernseher kaufen als z.B. die Mitglieder in diesem Forum.
@ Paljusevic, Franjo [#7]
Ich sagte nicht, dass unsere Produkte kein Mensch braucht, sondern, dass es sehr viele Produkte und Dienstleistungen gibt, die kein Mensch braucht. Der Hedgefondsmanager Wiedeking zählt übrigens die Fahrzeuge aus Zuffenhausen ebenso dazu. "In Wahrheit produzieren wir doch etwas ganz Unnützes."
Nebenbei bemerkt gilt dies, konservativ geschätzt, für 50 Prozent der Produkte die Versicherungen und Banken anbieten. :-)
Zurück zum Thema: Wenn die Welt-Output-Lücke die von Stephen Roach geschätzte Größenordnung von 8-10 Prozent erreichen wird, sehe ich mittelfristig kein Inflationsrisiko in der Güterwirtschaft. Die amerikanische Output-Lücke liegt nach aktuellen Berechnungen bei 6,5 Prozent.
Das überschüssige Geld, das die Notenbanken nicht schnell genug einfangen, wird vermutlich dorthin fließen, wo die Umsatzerlöse des kreditfinanzierten Konsumrauschs der Amerikaner letztendlich gelandet sind: In Staatsanleihen. Hier haben wir aktuell überzogene Preise. Allenfalls spekulative Nachfrage nach Rohstoffen, könnte die Inflation an Tankstelle und Gaszapfhahn anheizen.
Zusammenhang zwischen Output-Lücke und Konsumentpreisindex in den USA:
@ Paljusevic, Franjo [#7]
Wieso eigentlich 1,95583 DEM, wenn die DEM im ECU-Korb mit nur 0,6242 DEM -was 1,602050 DEM pro ECU entsprach- enthalten war ? Der Euro löste den ECU doch im Verhältnis 1 : 1 ab.
Wieso zahlte man dann 0,35 DEM mehr für den Euro ?
Das war eine Abwertung der D-Mark, und die war nach der Wiedervereinigung und der katastrophalen deutschen Finanzpolitik der 90er auch fällig. Es hat sich nur keiner getraut, diese heilige Kuh öffentlich zu schlachten.
Das Schuldenmachen des Staates ist zumindest in Deutschland kein sonderlich neues Phänomen, die Kohl-Regierung hat es ja vorexerziert. Insofern kann man die heute gefühlte Inflation nicht auf die letzten fünf Jahre schieben.
Ich habe mal ne Frage:
Nehmen wir mal folgendes an:
Ich hatte in der Vergangenheit 100 Euro und verlieh die 100 Euro an jemanden. Der jemand hat davon einen schönen Urlaub gemacht.
Ich will jetzt meine 100 Euro wieder haben. Der Jemand sagt aber er kann nicht zahlen. Also springt die Notenbank ein und gibt mir die 100 Euro, die sie frisch aus der Druckerpresse geholt hat.
Es ist ja nicht so das ich jetzt plötzlich 200 Euro habe. Ich habe 100 Cash und 100 als Forderung gegen einen zahlungsunfähigen Gläubiger. Und ich habe eine Verbindlichkeit gegen die Notenbank, da die mir das Geld ja nicht geschenkt hat.
Wie soll das zu einer Inflation führen denn in meiner Bilanz habe ich doch eigentlich null Vermögen, das ich ausgeben kann.
Oder denke ich da eventuell falsch?
@ limitup [#14]
auf was genau willst du hinaus?
erstmal deine Bilanz vervollständigen
anfangs Kasse +100
dann vverleihgeschäft
kasse 0 Forderung 100
dann, wir nennen es mal refi-geschäft mit buba
kasse 100 forderung 100 verbindlichkeit 100
Kassenbestand kannst jetzt schon ausgeben, oder auch wieder verleihen
@ limitup [#14]
Es ist ja nicht so das ich jetzt plötzlich 200 Euro habe.
Trotzdem befinden sich jetzt erst mal 200 Euro im Geldkreislauf: Deine ursprünglichen 100, die der Nachbar im Schwarzwald gelassen hat, plus die 100 von der Notenbank, die Du jetzt "nochmal" ausgeben kannst.
@ Livetour [#16]
In welchem Geldkreislauf befinden sich die?
Gebe ich mein Geld einem AMI, dann hat dieser die.
Ich habe Sie nicht mehr und auch nicht der Geldkreislauf des Euro.
Wenn man die 100 € dem Amerikaner gibt (was bei ihm kauft) sind die zusätzlichen 100 € doch immer noch in der € Geldmenge vorhanden. Es ändert sich doch gegenüber dem Fall mit dem Urlaub im Schwarzwald gar nichts.