Deutsche Börse steigt bei Tradegate ein
Dt Börse übernimmt Berliner Handelsplattform Tradegate
Von Rüdiger Schoß
Dow Jones, Berlin (30.11.09) - Die Deutsche Börse AG will Anfang kommenden Jahres die alternative Handelsplattform Tradegate übernehmen und damit ihr Privatkundengeschäft ausbauen. Für die Berliner Plattform, über die seit Jahresmitte neben Aktien- auch Fonds und Rentenpapiere gehandelt werden, zahlt der Frankfurter Börsenbetreiber nach eigenen Angaben vom Montag einen einstelligen Millionenbetrag. Auch nach der Umwandlung der Plattform in eine reguläre Börse soll Tradegate aktiven Privatanlegern den Handel von 8.00 bis 22.00 Uhr ermöglichen.
Die Deutsche Börse kauft zum 8. Januar kommenden Jahres 75% plus eine Aktie von der Tradegate Exchange GmbH. Im Mai 2001 hatte die Berliner Freiverkehr AG den ganztägigen Aktienhandel mit der Tradegate-Plattform begonnen.
Die Deutsche Börse beteiligt sich zudem mit 5% an der Tradegate AG Wertpapierhandelsbank, einem der "Market Maker" an Tradegate. Der Frankfurter DAX-Konzern erhält die Option, seinen Anteil an der Tradegate AG auf bis zu 20% auszuweiten. Die Berliner Effektengesellschaft AG wird aber nach eigenen Angaben "auch langfristig" die Mehrheit an der wichtigsten Konzerngesellschaft Tradegate AG Wertpapierhandelsbank behalten.
Neben dem Kaufpreis entstehen für die Deutsche Börse keine weiteren Kosten, Investitionen in Technik, Struktur oder Mitarbeiter seien nicht notwendig, hieß es.
"Tradegate hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Nach Frankfurt und vor Stuttgart ist es derzeit die größte deutsche Retailbörse", sagte Rainer Riess, Geschäftsführer der FWB Frankfurter Wertpapierbörse zu Dow Jones Newswires. Ziel der Übernahme sei es, die Bindung an die Onlinebanken europaweit weiter auszubauen. Gegenwärtig bemühten sich auch andere Mitbewerber um Privatkunden, wie der Einstieg des US-Unternehmens Citadel Securities bei der Berliner Börse Mitte des Jahres zeige.
Tradegate ist bislang eine außerbörsliche Handelsplattform, die auf die Ausführung von Privatanleger-Orders spezialisiert ist. Derzeit sind den Angaben zufolge zahlreiche Online-Banken aus Deutschland, Frankreich und Österreich angebunden. Die Plattform stellt Privatanlegern nicht nur Informationen über die aktuelle Marktlage zur Verfügung. Sie ermöglicht den Handel in Aktien, Anleihen und Fonds von 8.00 Uhr bis 22.00 Uhr. Nach dem Ende des Parketthandels um 20 Uhr mussten Privatanleger bislang auf außerbörsliche Plattformen oder auf den Handel mit Wertpapierhandelsbanken ausweichen. So ermöglicht Lang & Schwarz, bis 23 Uhr den Handel mit Aktien, Renten und Optionsscheinen.
Auf ein weiteres Projekt der Deutschen Börse, die Teilnahme an der Privatisierung der Warschauer Börse, hat der Einstieg bei Tradegate keinen Einfluss. "Das sind zwei unterschiedliche Dinge", sagte der Kassamarktchef der Deutschen Börse, Frank Gerstenschläger zu Dow Jones Newswires. Tradegate richte sich an den Privatanleger. Beim Angebot für den polnischen Börsenbetreiber verfolgt die Deutsche Börse das Ziel, bei Xetra, Eurex und Clearstream das Angebot geografisch zu erweitern. Die Deutsche Börse halte an ihrem Angebot für die WSE unverändert fest.
Zum Umsatz und Gewinn der Deutschen Börse wird die Berliner Übernahme vermutlich wenig beitragen. "Tradegate Exchange war Mittel zum Zweck. Mit einer Retailbörse verdienen Sie praktisch kein Geld", sagte der Gründer der Berliner Effektengesellschaft, Holger Thimm. "Unser Konzept ist, so günstig wie möglich zu sein. Die Onlinebroker zahlen keine Trade Fee." Rentabel sei dem gegenüber die Tradegate Wertpapierhandelsbank.
"Das ist kein Riesenevent", sagte Analyst Konrad Becker von Merck, Finck & Co. "Für die Beteiligung und 5% an der Tradegate Wertpapierhandelsbank zahlt die Börse einen einstelligen Millionenbetrag." Parallel zur allgemeinen Marktschwäche gaben deshalb Aktien der Deutschen Börse bis 12.20 Uhr um 1,5% auf 55,78 EUR nach.
(Quelle: http://kurse.focus.de/news/UPDATE-Dt-Brse-bernimmt-Berliner_id_news_127302133.html)