Erdgas: Gefährliches Spiel oder antizyklische Kaufgelegenheit ?
Erdgas: Gefährliches Spiel oder antizyklische Kaufgelegenheit ?
Von Dr. Bernd Heim
(26.08.09) - Ungewöhnlich stark setzen die Anleger derzeit auf einen steigenden Erdgaspreis. Welche Motive dieser Anlageentscheidung zugrunde liegen und mit welchen Problemen sich ein Investor an den Terminmärkten dabei konfrontiert sieht, dieser Frage möchte ich heute und morgen nachgehen.
Für die meisten Rohstoffe verlief das Jahr 2009 bislang überaus positiv.. Nach den starken Einbrüchen bei Nachfrage und Preis in der zweiten Jahreshälfte 2008 war 2009 bislang von einer deutlichen Wiederbelebung gekennzeichnet. Paradebeispiel für diese Entwicklung ist das Öl, dessen Preis sich vom Tief in den letzten Monaten verdoppelt hat, obwohl die Wirtschaft noch längst nicht wieder angesprungen ist und die Lager vergleichsweise voll sind. Doch nicht alle Rohstoffe zeigten in 2009 diese positive Entwicklung. Das Erdgas beispielsweise vollzog nicht nur die positive Preisentwicklung der anderen Rohstoffe nicht nur nicht nach, sondern entwickelte sich mit einem Preiseinbruch von mehr als einem Drittel zu allem Überfluss auch noch in die völlig entgegengesetzte Richtung.
Vor diesem Hintergrund sollte man annehmen, dass der Rohstoff Erdgas bei den Anlegern schwer gelitten hat und derzeit mehrheitlich "out" ist. Doch ein Blick auf den Terminmarkt und die Fonds, die in Erdgas investieren, offenbart die verblüffende Feststellung, dass sich die Anleger derzeit für das Erdgas sehr stark interessieren und die Erdgaskontrakte sich einer besonders großen Beliebtheit erfreuen. Das ist verwunderlich, denn in der Regel neigt die Masse der Investoren, private wie institutionelle, nicht zu einem antizyklischen Verhalten.
Erdgas und Erdöl gingen in 2009 bislang getrennte Wege
Was steht also im Hintergrund der aktuellen Erdgaseuphorie? Ein wichtiger Grund könnte die thematische Nahe des Erdgases zum Erdöl sein. Mit einem gewissen Zeitverzug pflegt das Gas der Preisentwicklung beim Öl zu folgen. Vielen Anlegern ist nicht verborgen geblieben, dass sich Öl- und Gaspreis in 2009 höchst unterschiedlich entwickelt haben. Zwischen ihnen hat sich eine Schere aufgetan, die früher oder später wieder geschlossen werden sollte. Das kann durch einen sinkenden Ölpreis und/oder durch einen wieder steigenden Gaspreis geschehen.
Ein Grund für den aktuell schwachen Erdgaspreis ist sicher der Verbrauch. Der ist in den USA in 2009 nach Angaben des Energieministeriums auf nur noch 62,10 Milliarden Kubikfuß pro Tag zurückgegangen. Im Jahr zuvor hatte er noch bei 63,53 Milliarden Kubikfuß gelegen. Hier zeigt sich die schwache Wirtschaftslage, die einen Rückgang des Stromverbrauchs nach sich zieht. Folglich wird auch bei der Stromerzeugung in den Gaskraftwerken weniger Gas verbrannt, was den Gasverbrauch im Vergleich zum Vorjahr sinken lässt. Zieht die Wirtschaft wieder an, ist auch damit zu rechnen, dass sich auch der Gasverbrauch wieder erhöhen wird.
So gesehen scheint nichts gegen eine Spekulation auf steigende Gaspreise zu sprechen und ein kleiner Zock mit einem hoch gehebelten Schein verspricht schnellen Gewinn, gäbe es nicht einige gewichtige Einwände gegen diese Strategie. Der wichtigste ist der Faktor Zeit. Damit die Spekulation aufgeht und der Schein rasch in den Gewinn läuft, müsste der erwartete Anstieg beim Gaspreis schnell erfolgen. Ist das wirklich zu erwarten?
Wir werden dieser Frage morgen weiter nachgehen und dabei auch zwei wichtige Begriffe aus der Welt des Rohstoffhandels streifen und erklären.
(Quelle: http://www.gevestor.de)
Erdgas: Wann folgt der Gaspreis wieder der Entwicklung am Ölmarkt?
Von Dr. Bernd Heim
(27.08.09) - Die unterschiedliche Entwicklung von Öl- und Gaspreis in den letzten Monaten legt eine Spekulation auf einen steigenden Gaspreis nahe. Denn in der Vergangenheit folgte der Gaspreis mit einer geringen zeitlichen Verzögerung den Vorgaben vom Ölmarkt. Es ist deshalb auch für die Zukunft zu erwarten, dass sich die Preisentwicklung der beiden Energieträger wieder aneinander annähern und die Schere zwischen den Preisen früher oder später wieder schließen wird. Doch wer als Anleger auf diese Preisbewegung setzen will, der sieht sich aktuell mit einer Fülle von Herausforderungen konfrontiert.
Auf der für den Energieverbrauch wichtigeren Nordhalbkugel der Erde ist Sommer. Der Winter ist noch ein gutes Stück entfernt und die Lager sind voll. Im Vergleich zu früheren Jahren sind sie sogar sehr gut gefüllt. Das US Energieministerium rechnet für 2009 mit einem Gasangebot, das pro Tag um 1,04 Mrd. Kubikfuß über dem aktuellen Verbrauch liegen soll. 2010 soll der Verbrauch zwar wieder steigen, doch auch für das kommende Jahr wird ein Überangebot von 860 Mio. Kubikfuß erwartet.
Angebotsengpässe und die sich aus ihnen regelmäßig ergebenden Preisschübe sehen wahrlich anders aus. Deshalb ist zwar zu erwarten, dass sich die Entwicklung beim Gaspreis früher oder später wieder an die Entwicklung beim Ölpreis anlehnen wird, Sie sollten als Anleger jedoch damit rechnen, dass es eher ein "später" als ein "früher" wird. Damit gewinnt der Faktor Zeit eine besondere Bedeutung, was für uns Anleger an den Rohstoffmärkten schnell zu einem Problem werden kann, denn Mangels geeigneter Lagermöglichkeiten werden die meisten die jeweiligen Rohstoffe nicht selbst kaufen und in physischer Form einlagern wollen, sondern über Kontrakte handeln wollen.
Anlegern drohen hohe Rollverluste
Kontrakte haben einen Zeitpunkt, an dem sie fällig werden. Will ein Anleger sein Engagement über diesen Zeitpunkt hinweg aufrecht erhalten, muss er den alten Kontrakt kurz vor Fälligkeit an der Börse verkaufen und einen neunen Kontrakt mit einer weiter in der Zukunft liegenden Fälligkeit erwerben. In der Fachsprache spricht man vom Rollen der Kontrakte. Dabei kann es sowohl zu Rollgewinnen als auch zu Rollverlusten kommen, denn in der Regel werden die beiden Kontrakte nicht den gleichen Preis aufweisen.
Günstig ist der Wechsel für einen Anleger nur dann, wenn der Rohstoff heute teurer ist als in Zukunft, also eine kurzfristige Knappheit gegeben ist. In diesem Fall erzielt man als Anleger beim Verkauf des alten Kontrakts einen höheren Preis als man für den Kauf des neuen, weiter in der Zukunft liegenden Kontrakts bezahlen muss. Es stellt sich also ein Rollgewinn ein, der umso höher ausfällt, je niedriger der zukünftige Preis ist.
Hohe Rollgewinne einzustreichen sind der Traum eines jeden Rohstoffinvestors, doch auf der anderen Seite muss man festhalten, dass die ihnen zugrunde liegende Situation, in der Sprache der Rohstoffhändler spricht man von Backwardation, leider die seltenere Variante ist. Das ist auch logisch, denn irgendjemand muss die Rohstoffe in Lagern physisch vorhalten und diese Lagerhaltung ist immer mit Kosten verbunden, sodass es sehr natürlich ist, dass ein Rohstoff auf Termin zumindest um die Lagerkosten teurer ist als ein Rohstoff zur sofortigen Lieferung. Diese normale Situation, bei der ein zukünftig zu liefernder Rohstoff teurer ist als eine sofortige Lieferung zum Spottpreis, bezeichnen die Rohstoffhändler als Contango.
Für einen potentiellen Erdgasinvestor stellt sich somit zusätzlich die Frage, ob der Gaspreis sich in günstigeren Backwardation oder im ungünstigeren Contango befindet, sprich der heutige oder der zukünftige Preis teurer ist. Ein Blick auf die Terminkurven dürfte beim Gas schnell zur Ernüchterung führen, denn der Gaspreis weist nicht nur ein klassisches Contango auf. Mehr noch: Die Terminkurve erscheint zu allem Überfluss auch noch als ausgesprochen steil. Der Gaspreis für den Winter liegt also deutlich über den aktuellen Sommerpreisen, was für einen potentiellen Investor besonders hohe Rollverluste nach sich ziehen wird.
Wer diese als Anleger vermeiden will, muss sich also genau überlegen, ob er erstens jetzt schon in Erdgas investiert und ob das Investment zweitens als Kauf eines Zertifikats bzw. Terminkontrakts oder als Kauf eines Gasförderers aufgebaut wird. Es ist vermutlich diese Problematik, die selbst eine Rohstofflegende wie Jim Rogers, der für den Gaspreis langfristig sehr positiv eingestellt ist, aktuell davor zurückschrecken lässt sich im Erdgas zu engagieren.
(Quelle: http://www.gevestor.de)