benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Es ist still geworden um QE.

Betrachtet man das Theater was vor dem Programm abgespielt wurde ist es doch verdammt ruhig geworden um die Aufkaufprogramme der EZB. Jeden Montat so um die 60 Mrd verteilt auf diverse Länder.

Was wurde nicht alles von massiven Inflation geschrieben und weiter steigenden Aktienkursen usw.

Letzendlich hat man den Banken, Fonds, Versicherungen usw. die Risikopapiere abgenommen und diese dem Steuerzahler aufgebürdet. 

Man spricht zwar davon das das Programm Wirkung zu zeigen scheint, aber wo genau hat sich mir noch nicht erschlossen.

Die Inflation wird nicht nach dem allwärtigen Monetarismus durch Geld geschaffen, sondern durch Löhne.

Steigende Löhne, Steigende Kaufkraft , Steigende Inflation.

Würde man den Anhängern des Monetarismus glauben schenken, müssten Länder wie USA, Japan  die seit vielen Jahren QE betreiben in der Inflation versinken.

Mich würde mal wirklich konkret interessieren was die EZB aufgekauft hat, oder vielmehr übernommen hat und zu welchen Konditionen dies erfolgt ist. Davon habe ich bisher nie etwas lesen können.

Weis hier einer genaueres?

Geschrieben von benedikt54 am
Franjo
Mitglied seit
10 Jahre 9 Monate

Hallo benedikt54.

Da dürftest Du hier bestimmt fündig werden.

http://www.ecb.europa.eu/mopo/implement/omt/html/index.en.html

Ich bin echt erstaunt, wie schön verschachtelt alles ist. Naja, man muss ja auch Freude am Suchen und Finden haben :o)

Mein persönliches Fazit ist schon seit Jahren, dass die Inflation letztlich nur aufgestaut wird. Aber im Endeffekt nützt das nichts. Sollte es zu irgendeinem Punkt in der Zunkunft zu einem monetären Dammbruch kommen, dürften die Löhne sprungartig ansteigen, die Steigerungsraten allerdings immer hinter den Preissteigerungsraten bleiben und so für ein "Schrumpfen" der allgemeinen Kaufkraft sorgen.

Der Geldmengenüberhang ist zweifelsohne weltweit existent. Wie beseitigt man nun einen solchen Geldmengenüberhang ? a.) Offene Inflation -- wird wohl über eine gewisse Zeit vermieden, um keine Inflationserwartungen und damit eine dauernde Inflation zu schaffen. b.) Währungsschnitt -- mal wieder eine neue Währung im Verhältnis X : 1. c) Umwandlung des Geldmengenüberhangs in ("Zwangs")-Anleihen. 

Ein Geldmengenüberhang ist deshalb gefährlich, da dieser in sofortige Kaufkraft -aus welchen Gründen auch immer- umschlagen kann und damit eine Hyperinflation ausbricht. Das gilt es wohl zu verhindern und daran wird offenbar auch gearbeitet.

Nur, die ganzen jahrelangen QE Programme haben einen gewaltigen Geldmengenüberhang erzeugt und die 0 Zinspolitik fördert diesen im Wachstum. Nun hat man sich eine schöne Suppe eingebrockt, die so gar nicht schmeckt...

Das ist nun schon seit eingen Jahren meine Meinungsbasis.

Viele Grüsse

Franjo

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

franjo

Wo gibt es einen Geldmengenüberhang und warum sollte QE dafür verantwortlich sein?

Durch QE wird kein einziger Cent neu generiert.

QE ist nichts anderes als ein Assettswap. 

. Eine Zentralbank druckt real kein Geld, wenn sie Staatsanleihen kauft. Um das wirkliche Vorgehen zu verstehen, muss man wissen, dass die Geschäftsbanken Reservekonten bei der für sie zuständigen Zentralbank führen, auf denen sie Einlagen, sogenannte Bankreserven, halten. Diese Reservekonten bei der Zentralbank erfüllen für die Geschäftsbanken im Prinzip eine ähnliche Funktion wie die Girokonten bei Banken für private Haushalte oder Unternehmen: Über diese Reservekonten werden Überweisungen zwischen Banken abgewickelt, so wie das mit Überweisungen zwischen Privatleuten und Firmen über Girokonten läuft.

Kauft nun eine Zentralbank auf dem Sekundärmarkt Staatsanleihen, so schreibt sie den Geschäftsbanken die entsprechenden Geldbeträge auf deren Reservekonten gut. Letztendlich findet nur ein Anlagentausch („asset swap“) statt: Staatsanleihen im Besitz des Privatsektors werden gegen zusätzliche Bankreserven eingetauscht und wechseln so den Besitzer, sie gehören jetzt der Notenbank.[1] Wichtig ist, dass durch diese Aktion das Nettogeldvermögen des Privatsektors[2] lediglich umstrukturiert wird, seine Höhe aber unverändert bleibt. Weder gelangt zusätzliches Geldvermögen in das System, noch wird eine Gelddruckmaschine angeworfen.

Franjo
Mitglied seit
10 Jahre 9 Monate

@ benedikt54

Die QE-Liquidität, die offiziell zur Stützung der Wirtschaft geschaffen wurde (FED) bzw. wird (EZB, BoE, BoJ) ---meiner Meinung nach aber eher der "zinsgünstigen" Staatsfinanzierung diente, da ohne QE katastrophale Zustände an den wichtigsten Anleihemärkten eingetreten wären (Renditeexplosion = kollabierende Anleihekurse) und vor allem in den USA zu einer Streckung der durchschnittlichen Laufzeit der Staatsschuld verholfen hatte---, diese QE-Liquidität hat den schon vor den QE-Massnahmen bestehenden Geldüberhang noch weiter vergrössert und macht ein erhebliches Inflationspotential aus.

Noch ist es nicht ersichtlich, da die Stauung der Inflation funktioniert.

Wenn die QE-geflutete Wirtschaft aber robust an Fahrt gewinnt und die Konjunktur schneller als erwartet an Fahrt gewinnt, kann dann beispielsweise die FED "wirklich" die Leitzinsen stark genug anheben um einen bremsenden Effekt zu erzielen ? Oder doch nicht ? Mit den entsprechenden "inflatorischen" Auswirkungen.

In meinem FED Posting habe ich ja besonders den Punkt mit der Problematik der Finanzierung der stark ansteigenden jährlichen Zinsbelastung bei steigenden Leitzinsen auf den US-Haushalt hervorgehoben.

Bei der EZB stützt man mit QE die Banken (offiziell).

QE ist und war eine totale Abkehr von stabilitätsorientierter Geldpolitik. Die FED hat Anfang der 1980er eine stabilitätsorientierte Geldpolitik betrieben mit den entsprechend hohen Leitzinsen. Die Bundesbank kurz nach der Wiedervereinigung ebenso. Hohe Leitzinsen wirken bremsend auf die Konjunktur und ziehen überschüssige Liquidität aus dem Wirtschaftskreislauf.

Meines Erachtens fehlt das heute und noch schlimmer, es scheint auf lange Sicht gar nicht mehr zu gehen, ohne die Wirtschaft dauerhaft zu beschädigen.

Da man auf lange Sicht auch einen Weitblick bezüglich der Kursentwicklung an den Märkten haben sollte, komme ich persönlich auf die Gleichung, dass bei einem Ausbleiben "wirklich" restriktiver Geldpolitik, der Inflation Tür und Tor geöffnet wird und dies sich langfristig in regelmässig immer höheren Lohnabschlüssen zeigen wird, die dann wiederum höhere Preise nach sich ziehen, welche die Bilanzen der Aktiengesellschaften aufblähen -damit Aktien teurer werden- und Rohstoffpreise verteuern.

Ich habe als Beispiel immer die Zahnpastatube vor dem geistigen Auge. Einmal die Zahncreme aus der Tube gedrückt, kann man sie nicht mehr in dieselbe hineinbringen.

Viele Grüsse

Franjo

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Franjo

Erklär mir doch mal was bei QE genau passiert und wie es funktioniert? 

Nach Deiner Vorstellung? Belebung der Wirtschaft usw. 

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Franjo

Die Frage ist nur, wie diese Inflation entstehen soll. Wenn durch den beschriebenen „asset swap“ Geld (in Form von Bankreserven) geschaffen, aber nicht verliehen und ausgegeben, also nicht tatsächlich nachfragewirksam wird, gibt es keinen Marktmechanismus, der automatisch und auf wundersame Weise die Güterpreise verändert. Mit Bankreserven lassen sich keine Waren und Dienstleistungen kaufen, d.h. sie stehen nicht für Konsum oder Investitionen zur Verfügung. Diese Reserven werden nur zwischen Banken verliehen; Kunden ist der Zugang zu den Reservekonten bei der Zentralbank verwehrt. Wenn Geschäftsbanken Kredite an Unternehmen oder private Haushalte gewähren, verleihen sie keine Reserven. Die Kreditvergabe wird für die Banken nicht einfacher, wenn sie mehr Reserven halten, und sie wird bei weniger Reserven nicht schwieriger.

Gerade wa QE angeht scheint an den Märkten eine unglaubliche Legendenbildung am Werk zu sein welche ihre Wirkung bei vielen Marktakteuren nicht verfehlt hat. 

In den Medien habe ich auf n-tv nur den Chefvolkswirt der Berenberkbank gehört der genau das richtige gesagt hat. Das Dumme Gesicht von Brichter habe ich Heute noch in Erinnerung. Wie sagte er, ja dann stimmt das ja alles nicht was so geschrieben wird.

Franjo
Mitglied seit
10 Jahre 9 Monate

Guten Abend benedikt54.

Meiner persönlichen Meinung nach dient QE nicht der Wirtschaftsbelebung, sondern einzig und allein der zinsguenstigen Staatsfinanzierung.

QE hat den USA traumhafte Finanzierungskomditionen gebracht. Die faelligen Altschulden werden zu niedrigsten Zinssätzen in neue Anleihen gerollt.

Gratis gibt es das allerdinga nicht. Sparer zahlen die Zeche in der Form, dass durch die Aushebelung des Marktes -vom Zustandekommen des Preises fuer Geld durch Angebot und Nachfrage- keine Zinsen mehr gezahlt werden.

Das ist schon eine Geldentwertung, nur äußert sie sich -noch- nicht in massenhaften Geldscheinen mit unzähligen Nullen.

Durch QE hat die Zentralbanken Staatsschulden in ihren Bestand genommen und Geld dafür an den Staat gegeben. Ich will nicht wieder mit meinen alten Storys nerven, aber es gibt genügend Beispiele in der Geschichte,  in denen eine Zentralbank zum Finanzier des Staates wurde, weil dieser auf anderem Wege keine Finanzierungsmoeglichkeit hatte.

Diese Bequemlichkeit macht diesen aber im Laufe der Zeit finanziell Disziplinlos uns hier liegt die Gefahr einer dann ausbrechenden Inflation.

Man muss immer zuerst die Finanzierungsbeduerfnisse eines Staates im Focus haben. Ohne QE wuerde es wohl weltweit ziemlich duster aussehen

Das Diagramm mit der durchschnittlichen Laufzeit der US-Anleiheschulden hatte im Herbst 2008 nur noch bedrohlich niedrige 4 Jahre betragen und das bei den damaligen hohen Durchschnittszinsen. QE half diese auf die heutigen rund 2 % über alle Laufzeiten zu senken und auch die durchschnittliche Laufzeit auf über 6 Jahre zu erhöhen. 

Staatsschulden wurden also monetisiert und ein zurück zu Vor-QE Zeiten kann es gar nicht geben, da die Staatsschulden seit 2008 exploxdiert sind und damit eine Finanzierung mit damaligen Konditionen unmöglich scheint, ohne den US Haushalt kollabieren zu lassen.

Der Unterschied zu Hellas liegt eigentlich nur darin, dass man unlimited grün e Scheine herstellen kann.

Und wenn es zu irgendeinem Punkt in der Zukunft richtig eng, klamm oder knapp werden sollte, wird auch diese Möglichkeit in Frage kommen.

Und spätestens dann wars das mit stabilem Geld. Der finanzielle Klimawandel ist dann da.

Wir haben es weiter im Blick

Machs gut und noch einen schönen Abend.

Viele Grüße

Franjo

Franjo
Mitglied seit
10 Jahre 9 Monate

p.s.: ....sorry für die vereinzelten Rechtschreibfehler, aber ich habe den Text auf dem Smartphone geschrieben und die Tastatur ist schon recht eng für meine Finger :o)

Viele Grüße

Franjo

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