Euribor: Absicherung des derzeitigen Zinsniveaus
Hallo,
für einen Wohnungskauf möchte eine nahestehende Verwandte einen Kredit aufnehmen. Der Betrag ist 75.000 Euro, ca. ein Drittel des Wohnungspreises
Die Konditionen sind 2,675 %. Die Zinsanpassung ist der Euribor 3 Monat plus einem Prozentpunkt. Laufzeit ist 25 Jahre. Gebühren fallen keine an, bzw. nur 100 Euro.
Wir suchen nach einer Lösung um das derzeitige niedrige Niveau in die Zukunft zu retten.
Kann uns da jemand helfen.
Grüsse
Marzell
Mir fiele nur ein den Euribor zu hedgen. Also Calls auf Euribor 3Monate.
Steigt der Euribor sollte der Call die höheren Zinsen auffangen.
Sicher gibt es bessere Produkte, aber als Beispiel der hier:
https://www.boerse-stuttgart.de/rd/de/anlagezertifikate/factsheet?sSymbol=DE000AA1V5D1.EWX〈=de
oder der
https://www.boerse-stuttgart.de/rd/de/exotisch/factsheet?sSymbol=DE000DB2KS19.EWX〈=de
@ Marzell [#1]
Früher gab es einige,genau für diesen Fall konzipierte, viele Jahre laufende FLOORs und CAPs. Die zahlten alle halbe Jahre für jeden Prozentpunkt, den der Libor unter bzw. über dem Basispreis war, Geld aus. Quasi Optionsscheine mit mehreren Fälligkeiten.
Z.B. Cap 3,5, Kurs Libor an den beiden Stichtagen des Jahres je 4,5, Auszahlung zwei mal 0,50 EUR.
Die scheinen nicht mehr interessant zu sein (so richtig interessant, unter dem Blickwinkel Börsenumsatz, waren sie nie).
An Deutschen Börsen ist nur noch einer übrig, WKN TB3ZC3. Der läuft bald aus, und der Cap ist viel zu hoch.
An der Börse Mailand habe ich viele gefunden, auch einen, der bis 2030 läuft, Cap 3,50, WNK A1KJHC.
http://www.comdirect.de/inf/optionsscheine/detail/uebersicht/uebersicht.html?ID_NOTATION=33684578
Wie genau der funktioniert siehe bitte Emissionsprospekt. Nehme aber an, wie oben beschrieben. Der Kurs scheint recht hoch, weil natürlich langfristig von steigedem Libor ausgegangen wird. Den Libor auf jetzigem Niveau wird man sich langfrisitg nicht sichern können.
Und: Das ist ein Zertifikat mit entsprechendem Emittentenrisiko.
@ zorrie [#3]
Fiel mir noch auf:
Die Geld-Briefspanne bei diesem Schein ist sehr hoch.
Andere Scheine sind da günstiger, laufen aber nicht so lange.
http://www.comdirect.de/inf/optionsscheine/detail/uebersicht/uebersicht.html?timeSpan=6M&ID_NOTATION=13436951
@ zorrie [#4]
danke vielmals für die Hilfe.
bei einem so extrem niedrigen Euribor ist natürlich das Anbieten einer Absicherung gegen steigendem Zins von der Natur her riskant.
Ich habe bei der Monte Paschi und der Banca Akros angefragt. Was nicht einfach war, weil die Websites ein bischen schlampig gemacht sind. Ins Nirwana weisende Mailadressen etz.
Ich werde morgen bei IAB nachsehen, wie es mit Optionen auf den zweijährigen Euroschatz und den fünjährigen BOBL bestellt ist.
Weiß jemand aus dem Board näheres über ZinsSwaps und deren Kosten ?
Grüsse
Marzell
Wer von der Kontogröße keinen Platz für Zinssteigerungen hat, sollte lieber keinen variablen Zins vereinbaren und sei es noch so verlockend.
Mein Milchmädchen meint, dass eine Absicherung am Ende so teuer kommt, dass man auch gleich einen höheren Festzins vereinbaren kann und dafür viel ruhiger schläft. Aber sie ist natürlich nur ein Milchmädchen :)
@ gautama2 [#6]
aus Bankensicht ist die erwartete Marge vermutlich bei Festzins- und variabler Hypothek gleich. Insofern müsste variable plus Absicherung = Festzins gelten. Und wenn man dann dort keine Absicherung/Zinsswap zu Marktkoditionen bekommt, dann müsste es teurer sein. Wenn man es sich leisten kann, ist variabel im Schnitt aber wohl günstiger (wobei ich teilweise mehr als den 100fachen Liborsatz gezahlt habe :-) )
@ sbendel [#7]
Wenn man es sich leisten kann, ist variabel im Schnitt aber wohl günstiger
Eben wenn man es sich leisten kann.
Deshalb ist meine Frage ja die, ob der Absicherungswunsch einem kleinen Geldbeutel entspringt.
Ist der Geldbeutel so klein, dass die Finanzierung nur bei derzeit niedrigem variablem Zins aufgrund der EURIBOR Bindung funktioniert würde ich das Spiel lieber ganz lassen.
@ Marzell [#1]
Habe mich wegen einer erneuten Finanzierung auch mit dem Thema beschäftigt - letzendlich habe ich ganz lapidar eine Zinsfestschreibung (neues Foward Darlehen) genutzt. Der Zinsaufschlag betrug 0,5%. Bei 75000 Euro sprechen wir von ca. 30-45 Euro monatlicher Zinslast. Dafür habe ich keine Absicherung gefunden.
In kurzen Worten - bei einem so "kleinen" Betrag würde ich eine Zinsfestschreibung von 15 gar 20 Jahre vorziehen.
Grüße
Wenn sie nicht ganz so knapp ist, dann wäre es vielleicht sinnvoller den Anteil des Eigenkapitals zu verringern, den freigewordenen Teil verzinslich anzulegen und davon die Mehrbelastung durch Festzins abzumildern. Sollten die Zinsen steigen bekommt sie mit der bessere Zinsen aufs Vermögen und der Kreditzins bleibt fest. Dadurch macht sie vielleicht ein besseres Geschäft als wenn sie eine Absicherung kauft.
@ gautama2 [#10]
Hört sich sehr gut an -
Kaufpreis 225.000 Euro (Eigenkapital 150.000)
Finanzierungsaufwand bei max. 60% (Beleihung 135.000).
D.h. 135.000 werden finanziert die "freigewordenen"
90.000 Euro werden auf Festgeld angelegt.
Beispielkonditionen bei 60% Beleihung und Zinsfestschreibung auf 15 Jahre
effektv 3,75% (grobe Zinsleistung ohne Tilgung 425 Euro)
Anlagefestgeld 90.000 Euro zu 2,3% auf 12 Monate - Zinsertrag grob. 170 Euro
somit 425-170 Euro = 255 Euro reine Zinslast per Monat (ohne Berücksichtigung Tilgung)
@ Marzell [#1]
Bei deinem Angebot jetzt fallen per Monat grob 170 Euro Zinslast pro Monat an -
ist also zur obigen Variante im Monat 85 Euro Mehraufwand
Mit der Lösung "bastelst" du dir quasi deinen eigenen Bausparvertrag. In der
Variante hast du Zinssicherheit auf 15 Jahre und "Planbarkeit" - das Variodarlehen
ist jetzt günstig - sobalb der Variozins auf 4,1% Effektiv geht legst du dann bei
Finanzierung von 75.000 Euro drauf (Zinslast 256 Euro per Monat).
Ein Knackpunkt gibt es jedoch: Stichwort Steuer bei Zinsgewinn. Das muss noch in
der Variante berücksichtigt werden das evt. Steuerabzug für das Festgeld anfällt.
Grüße
@ pullPUSH [#11]
Und wenn es mal mit den monatlichen Einnahmen knapp wird hat man noch Reserve an der man knabbern kann. Ist nur für den äußersten Notfall, aber immerhin noch ein Netz. Wenn sie all ihr Geld reinbuttert und von den Monatseinnahmen bedienen muss auf Teufel komm raus, dann kann es einfach eng werden.
@ pullPUSH [#11]
"" Zinsfestschreibung auf 15 Jahre - zu 3.75 % "" Das würde uns zusagen. Wer bietet diese Konditionen an ?
Die Bindung an den Euribor 3M ist der einzige Schwachpunkt der Finanzierung. Denn dieser war vor drei Jahren noch über 5%. Wenn er dieses Niveau wieder erklimmt, dann müsste das Mädel 6 % zahlen.
Grüsse
Marzell
@ Marzell [#13]
Wenns um Immofinanzierung geht bin ich konservativ - soll heissen mein erster Weg immer die Hausbank - vorallem wenn schon Grundschulden eingetragen bzw. frei sind - macht ein Wechsel nur bei großen Zinsdifferenzen innerhalb der Angebote Sinn.
Einen guten Marktspiegel bekommt man über http://www.interhyp.de
Die genannten 3,75% sind aus einem Angebotsrechner unter -> http://www.sparda.de
Grüße
Der Festzins für einen 25 Jahre Zinsswap gegen Euribor wäre der faire Festzins so eines Darlehnes. Das kann amn theoretisch über einen Zinsswaps perfekt hedgen. Für € 75.000 (und dann noch fallen wegen teilweiser Rückzahlung) bekommt man sowas aber separat bei einer Bank nicht.
Da jetzt Euribor +1% vereinbart ist, würde die faire Entsprechung 25 Jahre Swapsatz +1% betragen.
Es wäre also fair, ein 25 jähriges Darlehen bei eienr Bank aufzunehmen zum 25 Jahre Swapsatz + x. Der liegt natürlich höher als Euribor. (steigende Zinsstrukturkurve)
Bei einer Beleihung von 30% des Kaufpreises sollte man bei einer Bank tendenziell weniger als 1% Aufschlag auf den Zinssatz zahlen. Bei floating Krediten zahlt man meist einen höheren Aufschlag, da man den alle drei Moante kündigen kann. Dann erwartet die Bank nicht, dass man ihn 25 Jahre durchhält und packt die einmaligen Kosten rechnerisch in eine viel kürzere Laufzeit.
Wie wenig tilgt man eigentlich, wenn man für die Rückzahlung von "nur" 75.000 bei extrem niedirgem Zinsniveau 25 Jahre braucht? Wäre es da nicht sinnvoller, bei dem aktull sehr niedirgen Zins viel mehr zu tilgen, sodass das Risiko steigender Zinsen auf einen niedrigeren Betrag in der Zukunft wirkt?
Ich würde einfac nochmal dort wo das Angebot herkommt (Bank?) nach eienr längeren Zinsbindungslaufzeit fragen. Natürlich ist der Zinssatz dann leicht höher, aber fest und sicher.
10-15 Jahre sollten reichen um einen Großteil der Schulden zu tilgen, falls danach die Zinsen viel höher sind könnte man damit leben, da der Betrag viel niedriger ist und man )hoffentlich) bsi da hin mehr verdient.
@ pullPUSH [#14]
danke an Alle für die vielen Ratschläge.
Spardabank hat ein interessantes Angebot. Effektiver Jahreszins 2,93 %, fest für 10 Jahre. Das Objekt ist allerdings grad 5 km über der Grenze in Vorarlberg. Die Spardakisten bieten hier nicht an. Aber es ist eine Verhandlungsbasis mit der Hausbank.
Das Beispiel mit 15 Jahren hab ich nicht gefunden.
Grüsse
Marzell
@ gautama2 [#2]
Du meinst aber Puts auf den Euribor, nicht Calls. Mit Calls würde ich das Risiko weiter sinkender Zinsen hedgen!
@ Marzell [#1]
Was du da suchst gibt es nicht. Wenn doch ist es ein "free lunch". Die Zinsen für 3-monatige Zinsbindung sind deshalb so niedrig, weil sie das Risiko von Zinssteigerungen beinhalten. Wenn man 25 Jahre Zinsbindung will kann man ja gleich 25 Jahre abschließen. Wobei es 25 Jahre auch nur einseitig gibt. Der Kunde kann normalerweise nach 10 Jahren kündigen.
@ tomxy [#17]
Nö ich meinte Calls, denn das Risiko besteht für einen Kreditnehmer beivariablem Zins ja in steigenden Zinsen.
@ Marzell [#1]
There ain't no such thing as a free lunch.
Jede Absicherung kostet mindestens soviel, wie die Zinsstrukturkurve hergibt, speziell bei so "Klimperbeträgen".
10 oder 15 Jahre Zinsbindung "kaufen" und freuen, dass es die quasi noch niemals für so wenig Geld gab wie heute, alle anderen Ratschläge sind imho Unsinn.
Ich möchte darauf hinweisen, dass wir das Thema schon 2009 im Forum hatten, siehe unten.
Absicherungen über die Börse sind nur bis Mitte 2017 möglich, also 6 von 25 Jahren. Der längste Dezember Future von 2016 ist unten abgebildet. Kurs rund 97, Zins rund 3 %.
Der Kauf von Calls oder Puts in den / für die kommenden 25 Jahre wird teurer sein als das summierte Risiko von Zinssteigerungen. Bei allen Finanzinstrumenten haben wir die Banken fast immer als Gegenpart und diese gehen jegliche Termin- oder Optionsgeschäfte nur ein, wenn eine überwiegende Gewinnwahrscheinlichkeit besteht.
Ich bin allerdings kein Optionsspezialist. Dafür habe ich einige Jahre Erfahrung.
Ansonsten volle Zustimmung zu Lenzelotts Beitrag, knapp und völlig richtig geschrieben.
Schöne Grüsse, Richard Ebert
danke für die Beiträge an "meiner" Umfrage.
Wir werden den Kredit ohne Risikominimierung nehmen. Allerdings vorzeitig tilgen, wenn die Zinsen aus dem Ruder laufen.
Die Anfrage wegen der Optionsscheine bei den zwei italienischen Banken war übrigens erfolglos. Diese Verwaltungen sind offenbar mit der eigenen Verdauung beschäftigt. Hab ich eigentlich nicht erwartet.
Schöne Grüsse
Marzell