Euro / Swiss Franc: Darlehen jetzt in Franken umschichten ?
Guten morgen,
ich hätte gerne eine Einschätzung des Forum zum CHF. Gibt die SNB Bank die Stützung des EUR jetzt komplett auf ?
Sollte man auf längerer Sicht ein Darlehen teilweise in CHF umschichten?
Freue mich über eine rege Diskussion.
Geschrieben von Turbocall
am
@ Turbocall [#1]
Hast Du denn Informationen, daß die SNB den EUR überhaupt noch stützt? Der Chart sieht nicht so aus. Zuletzt sah es bei 1,40 nach einer Verteidigungslinie aus, davor wochenlang bei 1,43, bis am 6. Mai alle Dämme brachen.
@ Turbocall [#1]
Was die SNB genau und wann vorhat wird sie uns sicher nicht verraten. Die Kommentare letzer Woche lassen aber darauf schliessen das sie mit einem starken Franken kein Problem mehr haben.
"Angesichts dieser erfreulichen Entwicklungen ist in der Schweiz das Deflationsrisiko weitgehend verschwunden", teilte die SNB am Donnerstag mit. Die Formulierung, sie werde "einer übermäßigen Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro entschieden entgegenwirken", ließ sie fallen.
Im gleichen Atemzug hat die SNB sich auch zu einer drohenden Immobilienblase durch das niedrige Zinsniveau geäussert. Das weckt natürlich Zinsanbungsphantasien, was einen weiteren Anstieg des CHF beflügeln könnte.
Die Kommentare habe ich auch gelesen. Es ist sicher richtig, das die SNB ihre Strategie nicht verraten wird.
Ich glaube aber weiterhin, das die SNB lieber einen schwächeren Franken sehen würde und zu einem für sie günstigen Zeitpunkt nochmals intervenieren wird. Meiner Meinung nach musste sie diesen Kommentar streichen, weil die Marktteilnehmer immer wieder die Untergrenze ausgetestet haben.
Sollte das EUR Umfeld insgesamt positiver werden, wird die SNB irgendwann ganz überraschend zuschlagen. Dann könnte sich eine Bullenfalle aufbauen.
@ Turbocall [#4]
Das kann durchaus sein, die SNB hat ja weitere Interventionen nicht ausgeschlossen. Heute scheint sie aber nicht als Euro Käufer aufzutreten ;)
Wenn die SNB einen Tag nach dem Hilfspacket der EU den Euro stützt, dürfte das Teil einer Abmachung zwischen der EZB und der SNB sein. Denn für die Schweiz würde ein Staatsbankrott eines EU-Staates ebenso problematisch wie für ein EU-Land. Es wird eher die Entscheidung zum Hilfspaket unterstützt als der Euro gestützt. Also eine politische und nicht eine wirtschaftlich-rationelle Entscheidung.
@ Ronin [#2]
Wenn man sich den Chartverlauf der letzten Woche und insbesondere den neuesten Absturz von heute ansieht, kommt man wohl kaum auf die Idee, daß die SNB den EUR gegen CHF noch stützt. 1,3356 ist aktuell das Intraday-Low.
@ Ronin [#8]
Neues historisches Low heute morgen 1,3250. Augenscheinlich freier Fall, niemand stützt mehr.
@ Ronin [#9]
NOch vor zwei Jahren war ein Beitag in einem Wirtschaftsjournal zu lesen.
Alle Welt, insbesondere Österreich verschuldet sich im sfr und yen.
Viele Häuslebauer und Kommunen dürften jetzt nasse Füsse bekommen.
@ benedikt54 [#10]
Davon kann man ausgehen, ja. Ich kenne sogar größere deutsche Unternehmen, die einen wesentlichen Teil ihrer Kredite in CHF aufgenommen haben. Es war immer herrschende Meinung in den letzten Jahren, daß EUR/CHF eine harmlose Kiste ist. Und nun das...
@ Ronin [#11]
Harmlose Kiste?
Genau, das gleiche habe ich auch immer gehört. Was soll da schon passieren?
Ich weis nur eins, wenn Hinz und Kunz und alle das gleiche tun und sagen, gehts zu 100% schief oder es tritt dann das Gegenteil ein, siehe Gold.
Was wurde da nicht vor Jahren für ein Dreck geschrieben.
Viele vergessen das wenn man an der Börse Geld verdienen will, muss es einen geben der es verliert.
@ benedikt54 [#12]
"Was soll da schon passieren?"
Genau diesen Spruch mußte ich mir vor Jahren anhören, als ich mich von einer Firmenbeteiligung getrennt habe, weil die Geschäftsleitung darauf beharrte, Fremdmittel in CHF aufzunehmen, der ach so günstigen Zinsen wegen.
Wenn Industriemanager anfangen, Forex zu spielen, sollte man das Weite suchen, denn sie wissen nicht, was sie tun...
Habe übrigens auch schon das (genauso gefährliche) Gegenteil erlebt: Daß Venture-Capital-Manager ein Großprojekt ruiniert haben, weil sie übersehen hatten, daß die Kosten in EUR, die Erlöse aber in USD anfallen - Forex also komplett ausgeblendet hatten.
@ Ronin [#9]
Neues historisches Low inzwischen 1,3210.
@ Ronin [#14]
1,3170 ist neuer Rekord. Falls hier jemand noch irgendwie stützt, macht er es auf jeden Fall extrem dezent;-)
@ Ronin [#15]
Ein paar der dezenten Stützer sind jedenfalls im Minus.
@ gautama2 [#16]
Ich schätze Deinen Sinn für dezenten Humor;-)
Fast schon britisch...
@ Turbocall [#1]
Gibt die SNB Bank die Stützung des EUR jetzt komplett auf ?
@ Turbocall [#4]
wird die SNB irgendwann ganz überraschend zuschlagen.
@ xforce [#5]
die SNB hat ja weitere Interventionen nicht ausgeschlossen.
@ tantan [#6]
Wenn die SNB einen Tag nach dem Hilfspacket der EU den Euro stützt, dürfte das Teil einer Abmachung zwischen der EZB und der SNB sein
@ Ronin [#8]
daß die SNB den EUR gegen CHF noch stützt.
Frage an die Experten hier:
Wie stützt, interveniert denn eine SNB bzw. Zentralbank eigentlich genau?
Gibt sie sich selbst Kredit (schöpft Fiat-Money)in CHF und geht dann auf dem Interbankenmarkt dafür EUR kaufen? Oder wie funktioniert es?
Gibt es irgenwo einen Chart des Euro in Franken ? Der zwanzig Jahre rückreicht ?
In DM gerechnet, war der Franken schon mal so stark ?
Grüsse
Marzell
@ AAA [#18]
Sie kauft Euros und bezahlt mit Franken. Zerbrich Dir über einen derart trivialen Vorgang bloß nicht den Kopf. Gute Nacht!
@ Marzell [#19]
Ich habe den Chart EUR/CHF seit 1984. Der Franken war seitdem noch nie so stark, deshalb habe ich heute von historischen Lows geschrieben.
@ Ronin [#17]
I'll do my very best.
Hier übrigens die Pläne der Regierung für die Regulierung der Finanzmärkte.
@ Ronin [#13]
Naja, ganz so ist es ja nun nicht. Wenn wir mal davon ausgehen dass jemand seit 5 Jahren einen Frankenkredit hat dann hat er sich riesige Summen an Zinsen erspart. Das muß ja auch irgendwo gegengerechnet werden, komischerweise macht das nie jemand. Weiters wenn ein Manager nicht komplett blind ist dann ist er spätestens bei 1.45 eher schon höher raus aus dem Franken nachdem zu dieser Zeit schon klar war was passieren wird mit all den Länderproblemen in der Eurozone. Dass der Franken da die erste Fluchtwährung ist sollte jedem klar sein.
Diese Art der Finanzierung war jahrelang sehr gut für den Kreditnehmer, nur muß man natürlich reagieren wenn sich die Faktenlage ändert. Wie gesagt der Zinsunterschied ist nicht zu unterschätzen überhaupt bei größeren Beträgen.
@ Ronin [#20]
Sie kauft Euros und bezahlt mit Franken. Zerbrich Dir über einen derart trivialen Vorgang bloß nicht den Kopf. Gute Nacht!
Und woher kommen die Franken CHF der SNB? ;)
Gute Nacht!
@ gautama2 [#21]
Marvellous, Sir!
@ AAA [#23]
Woher kommt der Strom des E-Werks? Der Weizen des Bauers? Ich bin mir sicher, mein lieber Triple-A, daß Du weißt, woher Zentralbankgeld kommt. Also bitte keine rhetorischen Fragen, wenn es Dir um etwas anderes geht, das allerdings mit dem pragmatischen Thema dieses Threads nichts zu tun hat.
@ Freak [#22]
Ich bezweifle, daß sich jemand "riesige Summen an Zinsen" erspart hat, wenn er seit 5 Jahren in Franken statt in Euros verschuldet war. Das müßtest Du mal zahlenmäßig präzisieren. Aber natürlich hast Du mit diesem Punkt grundsätzlich Recht - das Zinsargument ist ja der einzige Grund, warum sogar Unternehmen Frankenkredite aufgenommen haben.
Ganz energisch widersprechen muß ich Dir allerdings in der Auffassung, ein Industriemanager hätte die dramatische Aufwertung des Franken rechtzeitig aufgrund der Fundamentalanalyse erkannt - so etwas gelingt bekanntlich kaum einem Forex-Profi. Ich darf daran erinnern, daß EUR/CHF in 2008 aus heiterem Himmel binnen von nur 2 Monaten (!) von 1,62 auf 1,43 abstürzte und sofort anschließend wieder auf 1,59 hochschoss. So etwas soll ein Industriemanager, für den Forex nur ein Randthema ist, managen können? Das kannst Du komplett vergessen. Und wie viele Jahre muß der Franken-Schuldner vorher einen kleinen Zinsvorteil gehabt haben, damit er nach einem Absturz von 1,62 auf aktuell 1,32 auch nur breakeven rauskommt? Und wo ist der Boden?
Schließlich das psychologische Problem: Die niedrigen Zinsen werden fest eingeplant, die Aufwertung des Franken nicht (wie auch?). Auf dieser Grundlage erfolgt die Unternehmensplanung, die Kostenrechnung, die Cash-Flow-Berechnung, und dies alles gegenüber der Hausbank. Nun gibt es bereits aus dem operativen Geschäft genügend Risiken und Schwankungen, die eine heutzutage bereits ziemlich nervöse Hausbank auszuhalten hat. Kommt dann noch dazu, daß binnen zwei Monaten ein außerordentlicher Finanzierungsbedarf für ein Frankendarlehen entsteht, und zwar in Höhe der Zinsersparnis von 5 oder mehr Jahren, dann ist Feuer am Dach, das kann ich Dir versichern, in der Hausbank, in der Geschäftsleitung und bei den Gesellschaftern. Und dann die Diskussionen - der Euro erholt sich schon wieder, tiefer kann er nicht mehr fallen vs. wir können uns keine weiteren Fässer ohne Boden mehr leisten. Nur Praktiker der Unternehmensführung wissen, was für ein Wahnsinns-Stress dadurch entsteht. Das ist der kleine Zinsvorteil niemals wert!
@ Ronin [#24]
Nur Praktiker der Unternehmensführung wissen, was für ein Wahnsinns-Stress
dito
Der SNB wird das Schicksal ausländischer Häuslebauer mit auf CHF laufenden Krediten egal sein.
Der starke Franken macht Importe billiger und wirkt damit aufkommenden Inflationssorgen entgegen. Deshalb sehe ich bei den aktuellen Kursen auch eine Zinserhöhung seitens der SNB vorerst vom Tisch. Dies würde den Franken weiter aufwerten und die schweizer Exporte richtig teuer werden lassen.
Schliesslich ist die Schweiz ja auch eine Exportnation und die Währungshüter werden erstmal schauen wie die Wirtschaft mit den jetzigen Wechselkursen zurecht kommt.
@ xforce [#26]
>Der SNB wird das Schicksal ausländischer Häuslebauer mit auf CHF laufenden Krediten egal sein.
Das mit Sicherheit. Aber weitere Kreditausfälle bei UBS und CS wären schon ein Problem.
Aber ich stimme im Prinzip den anderen zu. Ein Fremdwährungskredit macht in der Regel keinen Sinn. Das Risiko ist halt nur schwer kontrollierbar (und wenn man es hedged, dann hat man nichts davon). Wer würde den neben den normallen notwendigen Eigenwährungskrediten nochmal zusätlich eine spekulativen Carrytrade machen, wenn er nicht gerade Trader ist? Aber genau das ist es ja.
@ sbendel [#27]
Exakt! Es ist sogar für Profi-Trader, die sich voll auf Forex spezialisiert haben, schon schwierig genug, es gibt keinerlei Erfolgsgarantie. Alle anderen haben nicht den Hauch einer systematischen Chance, sie können bestenfalls Glück haben. Ein Industriemanager, auch ein Finanzvorstand mit üblichem Werdegang, hat für Carry-Trades nur einen winzigen Bruchteil des nötigen Wissens und nicht einmal einen Ansatz der nötigen persönlichen Fähigkeiten.
@ AAA [#18]
@ Turbocall [#1]
Gibt die SNB Bank die Stützung des EUR jetzt komplett auf ?
@ Turbocall [#4]
wird die SNB irgendwann ganz überraschend zuschlagen.
@ xforce [#5]
die SNB hat ja weitere Interventionen nicht ausgeschlossen.
@ tantan [#6]
Wenn die SNB einen Tag nach dem Hilfspacket der EU den Euro stützt, dürfte das Teil einer Abmachung zwischen der EZB und der SNB sein
@ Ronin [#8]
daß die SNB den EUR gegen CHF noch stützt.
Frage an die Experten hier:
Wie stützt, interveniert denn eine SNB bzw. Zentralbank eigentlich genau?
Gibt sie sich selbst Kredit (schöpft Fiat-Money)in CHF und geht dann auf dem Interbankenmarkt dafür EUR kaufen? Oder wie funktioniert es?
@ Ronin [#24]
Woher kommt der Strom des E-Werks? Der Weizen des Bauers? Ich bin mir sicher, mein lieber Triple-A, daß Du weißt, woher Zentralbankgeld kommt. Also bitte keine rhetorischen Fragen, wenn es Dir um etwas anderes geht, das allerdings mit dem pragmatischen Thema dieses Threads nichts zu tun hat.
So ganz unrhetorischen war das natürlich nicht, zugegeben. Aber! Bei der Gelegenheit, wo hier so selbstverständlich von legaler Marktmanipulation gesprochen wird und andererseits aller Orten die strengere Regulierung der Märkte (Shortselling Verbot etc etc.) verlangt wird, wollte ich darauf aufmerksam machen.
Ist es nicht grotesk, dass bis in die obersten wissenschaftlichen Etagen nach den Ursachen von "anomalen" Kursen geforscht wird (siehe zB. http://www.terminmarktwelt.de/cgi-bin/nforum.pl?ST=83498&CP=0&F=47), es aber eine Selbstverständlichkeit ist, dass eine Zentralbank, mit einer quasi unendlichen Geldquelle aus dem Nichts, am normalen Markt manipuliert?
Und damit der pragmatische Zusammenhang zum Thema ganz deutlich wird: Gibt es offizielle Zahlen der SNB, wieviel Mrd CHF sie aus dem "Nichts" geschöpft hat und wieviel Mrd. EUR sie damit gekauft hat? Ich hoffe einer der Experten/Profi-Carry-Trader hier, kann mir weiterhelfen. ;)
@ AAA [#29]
Wenn Du Dir den Thread nochmals in Ruhe durchliest, wirst Du ohne jeden Zweifel zwei Dinge feststellen:
1. Daß ich davon ausgehe, daß die SNB eben nicht stützt bzw. "manipuliert", weil der Chart sonst anders aussehen müßte.
2. Daß die Frage, woher die SNB ihre Franken hat, nicht einmal im Entferntesten mit dem Thema dieses Threads zu tun hat.
Eine dermaßen akdemische und für Trader völlig bedeutungslose Frage hat einen eigenen Thread verdient, eigentlich auch ein anderes Forum.
@ Ronin [#30]
Eine dermaßen akdemische und für Trader völlig bedeutungslose Frage hat einen eigenen Thread verdient, eigentlich auch ein anderes Forum.
Sei doch nicht so streng.