Führt endlich den flächendeckenden Mindestlohn in Deutschland ein

Die Einführung eines bundesweit flächendeckenden Mindestlohnes in Höhe von beispielsweise 8,80 Euro/Stunde = dem Mindestlohnniveau in Frankreich, würde meines Erachtens nicht nur die Zufriedenheit vieler Beschäftigter spürbar verbessern, sondern auch die Attraktivität vieler Berufsgruppen erhöhen.

Ich verstehe nicht, weshalb diese Problematik seitens der Politik nicht kurzfristig gelöst wird.

Mein Standpunkt ist und bleibt, dass Deutschland wirtschaftlich mindestens die gleiche Stärke Frankreichs aufweist und damit auch in Deutschland mindestens das gleiche Mindestlohnniveau wie in Frankreich gelten sollte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Mindestlohn

Geschrieben von F am
gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Paljusevic, Franjo [#1]

Ich verstehe nicht, weshalb diese Problematik seitens der Politik nicht kurzfristig gelöst wird.

Vielleicht gibt es da Lobbies?

und damit auch in Deutschland mindestens das gleiche Mindestlohnniveau wie in Frankreich gelten sollte.
Ich kenn mich bei den Franzosen nicht so aus, aber ich wäre vorsichtig mit solchen Betrachtungen. Es ist ja in D und F nicht alles gleich bis auf die Mindestlöhne. Da die Strukturen unterschiedlich sind, kann man nicht einfach sagen, es geht in F also muss es in D auch gehen. Das ist ein wenig kurzsichtig.

F
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Mir kommt es oftmals so vor -es scheint auch wahrscheinlich etwas dran zu sein-, dass man im Durchschnitt der hiesigen Bevölkerung zu gut erzogen ist und man einfach nicht unverschämt sein will, um eine "richtige Gehaltserhöhung" zu fordern, die für den Unterhalt einer Durchschnittsfamilie angemessen wäre.

Stattdessen gibt man sich mit den 2 - 5 % "gezwungenermassen" zufrieden, welche die Gewerkschaften ausgehandelt haben.

Gibt es einen Grund, warum es hierzulande im Vergleich mit anderen EU-Mitgliedern die geringsten Gehaltssteigerungen gibt ?

In einem Land, dessen Produkte sich international so gut verkaufen, dass es regelmässig riesige Überschüsse im Aussenhandel erwirtschaftet ?

Man sollte ganz einfach selbstbewusst den fairen Preis für seine gut geleistete Arbeit fordern und die D-Mark Zeiten endgültig vergessen. Scheinbar scheinen viele ihren Stundenlohn immer noch in DM zu sehen und glauben beispielsweise bei 9.- Euro -immerhin gut 18.- DM- noch gut zu verdienen.

Aber Pustekuchen. Die Kaufkraft damaliger 18.- DM sind keine heutigen 9.- Euro mehr wert. Bei 12.- oder 13.- Euro wäre man schon näher dran.

Es wäre eine Schande, mit der Jobverlust-Angst der Leute zu spielen und sie so in der Mini-Lohn Zange zu halten.

Ich sehe Deutschland als globalen Lieferanten einer sehr breiten Palette bester und international stark nachgefragter Produkte.

Wo auch immer international das Geld sitzt, irgendwann wird man sich irgendwo auf der Welt einen Daimler oder Audi oder eine Druckmaschine oder was sonst auch immer noch Made in Germany ist, kaufen wollen.

So ist es, so war es und so wird es auch bleiben. Jahrzehntelange, jährliche Aussenhandelsüberschüsse geben mir da wohl Recht.

http://www.taz.de/1/zukunft/wirtschaft/artikel/1/%5Cwir-haben-die-niedrigsten-zuwaechse%5C/

Gast

Paßt nur halb zum Thema, ist aber trotzdem ein hübscher Artikel:

http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,647122,00.html

rodeonrwdeo
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Paljusevic, Franjo [#3]

"Man sollte ganz einfach selbstbewusst den fairen Preis für seine gut geleistete Arbeit fordern "

schon mal was von Angebot und Nachfrage gehört?

nach dem ich die Aussage hier so gelesen habe wundert mich nun weniger an den sonst hier zu findendem.

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Paljusevic, Franjo [#1]

Ich verstehe nicht, weshalb diese Problematik seitens der Politik nicht kurzfristig gelöst wird.

Weil es für diese Menschen keine Lobby gibt. Ganz einfach.

Mindestlohn bedeutet geringere Gewinne für Unternehmen und die haben eine Lobby.

Gewerkschaften werden mit der Einführung der Zeitarbeitsfirmen langfristig untergraben.

Das ist für mich die grösste Schweinerei in der BRD die seit Jahrzehnten gelaufen ist. Gesetzlich geförderte Sklavenarbeit.

Gast

@ benedikt54 [#6]

Zeitarbeit finde ich auch ganz schlimm. Angeblich bekommt der Arbeitnehmer 1/3, 2/3 kassiert die Zeitarbeitsfirma... Zumindest sagte mir das mal eine Firma, die mit einer Zeitarbeitsfirma Kontakt aufgenommen hatte.

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ benedikt54 [#6]

Die Gewerkschaften sind kein echter Gegenpol mehr zu den Arbeitgebern.
Sie gehören längst selbst zum Establishment. Sind Hausunde, keine Kampfhunde mehr.
Die Bosse beider Seiten sitzen gemeinsam im gleichen Pool im Luxushotel.
Was soll dabei wohl heraus kommen, wenn eine Krähe der anderen kein Auge aushackt?

Deshalb verliert auch die SPD als gemäßigte, domestizierte Linke immer mehr Stimmen an die "echten" Linken.
Deshalb terten auch immer mehr aus den Gewerkschaften aus und letztlich muss der Arbeitnehmer wieder lernen sich "wiklich und wahrhaftig" zu organisieren, damit seine Interessen wahr genommen werden. Momentan ist das nicht der Fall.
Als Einzelner einfach mehr Lohn fordern ist sinnlos, denn schon an der nächsten Lampe ist auch schon der nächste Hartzler für ihn frei...
Und der Einzelne gehört damit zu den Doofen. Wer seine Arbeitskraft verkaufen muss, um zu überleben ist eben leider nicht in der besten Verhandlungsposition.

Gruß

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ ladowa [#7]

Es ist sogar so das dem Arbeitgeber das Angagement mit der Zeitarbeitsfirma mehr kostet als wenn der Arbeitgeber fest eingestellt ist.

Nur scheint die Flexibilität des AG das wohl wert zu sein.

Diese zwei Drittel werden deshalb angesetzt damit die Leute die bei der Arbeitszeitfirma angestellt sind auch in Phasen wo Sie nicht beschäftigt sind bezahlt werden.

Das in der Theorie. In der Praxis erhalten diese umgehend die Kündigung.

Der Gesetzgeber ist bis dato nicht in der Lage dem Treiben dieser Schmarotzer ein Ende zu setzen.

gautama2
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12 Jahre 6 Monate

@ benedikt54 [#9]

Vielleicht ist einfach die Idee der sozialen Marktwirtschaft nicht tragfähig.
Stattdessen bildet sich unter dem Druck der globalen marktwirtschaftlicheren arktwirtschaften eben eine sozial getarnte ebenfalls marktwirtschaftlichere Marktwirtschaft durch. Letztendlich muss man auch verdienen, was man auf der anderen Seite an Sozialleistungen bezahlen möchte.
Im globalen Kampf um Arbeitsplätze, bleibt da eben der soziale Anteil auf der Strecke. Den kann man sich einfach nciht mehr leisten. Wer da als Arbeitgeber jedoch zu Mutterschaftsgeld und Mutter-/Vaterschaftsurlaub mit Jobgarantie gezwungen wird, Krankengeld auch für Leute die sich ab dem zweiten Tag krank melden und nie wieder erscheinen etc., der ist eben Ruckzuck im Ausland oder leiht sich Leute, um die Sozialleistungen zu umgehen. Die Komponenten sozial und Markt sind eben diametral und Profit steht beim Überleben eben an erster Stelle. Die rosigen Zeiten des Aufbaus sind vorbei, man ist im Ruderboot mit den anderen auf dem See, die Ruderer werden immer fetter und immer weniger rudern.

Gast

Jedenfalls stimmt mit dem derzeitigen System etwas nicht mehr. Es kann nicht sein, dass ein Hartz-IV-Empfänger nur 100 - 200 Euro weniger bekommt, als ein kleiner Angestellter.

Kein Wunder, dass viele dann nicht mehr arbeiten gehen wollen. Wer arbeitet, sollte dafür auch angemessen entlohnt werden.

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ ladowa [#11]

Wer arbeitet, sollte dafür auch angemessen entlohnt werden.
Wer nicht arbeitet, sollte dafür auch angemessen entlohnt werden.

F
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Eine kleine Anekdote und ich würde jedem empfehlen dieses auch einmal auszuprobieren.

Ihr dürftet ein komplett neues Bild von der Situation bekommen.

Also vor einigen Tagen war ich mit dem Zug nach Frankfurt am Main gefahren. Ausser meinem Schlüsselbund -in dessen Nebenfach noch ca. 12 Euro Bargeld waren- und meiner Fahrkarte, hatte ich nichts mehr dabei.

Mein Portemonnaie mit Karten etc. habe ich aus Zeitdruck zu Hause gelassen.

Nachdem ich also meinen Termin in Frankfurt wahrgenommen hatte, ging ich noch eine Runde auf der Zeil und der Fressgasse spazieren. Trank hier einen Kaffee, ass dort eine Bratwurst, kaufte mir hier ein Rubbellos und las dort eine Zeitung und merkte auf einmal, wie klein eigentlich 12 Euro sind und dementsprechend auch schnell weg sind.

Das Ende vom Lied war, dass ich letztendlich noch gut 80 Cents übrig hatte, die ich einem Bettler in den Hut warf.

So. Blank für den Moment. Toll nicht ? Rückweg zum Bahnhof, am Hotel Frankfurter Hof vorbei, an der Commerzbank vorbei, an der EZB vorbei, die Kaiserstrasse runter bis zum Hauptbahnhof. Alles ohne eine Cent in der Tasche zu haben.

Jetzt stellt man sich doch einmal die Frage, was ein Mensch "ohne eine Cent in der Tasche" in einer Grossstadt wie Frankfurt anfangen kann.

Richtig - Rein gar nichts.

Versetzt man sich dann in die Lage eines Hartz-IV Empfängers oder einer Arbeitskraft, die nicht viel mehr als dieser verdient, aber 8 Stunden am Tag arbeiten muss, die dann die noblen Herrschaften in ihren Maseratis mit Bad Homburger Kennzeichen sieht, kann man doch eine gewisse Frustration erkennen bzw. verstehen.

Ich rede nicht von Neid.

Meiner Meinung nach ist "langfristiger" Wohlstand bzw. Reichtum Gottgegeben (nicht zu verwechseln mit kurzfristigem Reichtum, das keinen Bestand hat).

Nein, es geht doch im Grunde um Frustration, die man meines Erachtens nur durch die gerechte Bezahlung der geleisteten Arbeit vermindern bzw. löschen kann. Sprich die Kluft der Schere zwischen der Arbeitskraft und dem Maserati-Fahrer nicht noch weiter ausdehnt, sondern kleiner macht.

Die schlecht bezahlte Arbeitskraft kann sich heutzutage nicht für 3 Euro einen Kaffee im Cafe Hauptwache leisten. Wenn überhaupt kauft sie sich bei Tchibo einen Kaffee to go für 0,95 Euro.

Wiegesagt Frustration im Einzelnen multipliziert sich mit der Zeit und es kann nicht gut sein, wenn der Grossteil einer Gesellschaft unter einer andauernden Frustration leidet.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ gautama2 [#8]
"Als Einzelner einfach mehr Lohn fordern ist sinnlos, denn schon an der nächsten Lampe ist auch schon der nächste Hartzler für ihn frei...
Und der Einzelne gehört damit zu den Doofen. Wer seine Arbeitskraft verkaufen muss, um zu überleben ist eben leider nicht in der besten Verhandlungsposition."

Das stimmt in der Allgemeinheit nicht. Wie rodeonrwdeo ganz richtig bemerkte, wird auch der Arbeitsmarkt von Angebot und Nachfrage bestimmt.

Es gibt Leute, deren Fähigkeiten und Spezialwissen machen sie für ihr Unternehmen sehr schwer zu ersetzen, und auch der mögliche Ersatz auf dem Arbeitsmarkt ist nicht billiger. Diese Leute sind in einer sehr starken Verhandlungposition. Beispiele sind Piloten, Zugführer, spezialisierte Ingenieure, leitende Manager, Investmentbanker. Die Liste geht weiter mit den Top-Sportlern, aktuell heißesten Schauspielern bis zu Fernsehmoderatoren (wenn sie gerade "in" sind). Am Beispiel der Piloten der amerikanischen Fluglinien sieht man, daß so eine Verhandlungsposition so stark sein kann, daß es an Erpressung grenzt. Sie bringen ihre Arbeitgeber lieber zum Bankrott, als auf Gehalt zu verzichten, und der Arbeitgeber findet kein Mittel dagegen.

Am anderen Ende des Markte finden wir das, was gautama beschreibt. Die schwache Verhandlungsposition dieser Leute rührt daher, daß sie nur über Wissen und Fähigkeiten verfügen, die weit verbreitet, im Überschuß vorhanden und leicht ersetztbar sind. Konkret rührt das Problem der niedrigen Löhne z.B. bei Friseuren/Friseusen ganz klar daher, daß es zu viele Leute gibt, die das machen wollen (bzw nichts anderes können), und daß es nur einige Wochen oder Monate dauert, bis ein Ungelernter das zufriedenstellend kann.

Gerade am Beispiel der Friseure sieht man, daß das Problem nicht an den bösen Arbeitgebern und Großunternehmen liegt, die von Natur aus schlecht und böse sind. Die Friseur-Arbeitgeber sind durchweg kaum organisierte Kleinbetriebe. Der Friseur-Lohnpegel als Ergebnis der lokalen Gehaltsverhandlingen hat nicht mit Gewerkschaften und nichts mit Absprachen von Unternehmern oder Arbeitgeberorganisationen zu tun. Wenn der Lehrling etwas könnte, wo er mehr verdienen würde, wäre er sofort weg. Er kann aber nichts, was mehr wert wäre.

Gast

@ gautama2 [#12]

Habe ein paar Minuten gebraucht, um die Aussage zu verstehen, aber jetzt hab ichs ;-).

Kobban
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Vielleicht liegt das Problem gar nicht im "Irrtum des Denkens", sondern darin, dass man den ideologischen Bastarden nicht entgeht (nicht entgehen kann?), diesen grauenvollen halbwissenschaftlichen Meinungssystemen, die das gesellschaftliche Meinungspedel antreiben.

Nach Kant ist unsere Vernunft stark begrenzt, da anfällig für in ihr eingebaute Täuschungen. Trugschluß ist also nicht Stümperhaftigkeit und Unfähigkeit unseres Verstands, sondern gehört zum theoretischem Denken dazu.

Im 18. Jahrhundert hatt man noch die Vorstellung, dass unvermeidliche Differenzen von reich und arm durch Arbeit sich abschwächen läßt, indem durch Lohnarbeit ein Teil des Reichtums wieder nach unten fließt. Noch heute glauben manche dran!

Ja,ja : Wenn Arbeit prinzipiell knapp ist, muß es eben mehr und mehr davon geben, so dass man mehr und mehr dafür verlangen kann. Und diese Paradoxierung von Knappheit erscheint dann (neben der Fütterung der Parasiten) als Forderung ans kapitalistische u. politische System. Und wenn diese Forderungen erfüllt werden, dann gehts uns endlich allen besser.

Den Begriff Parasit bitte nur wortwörtlich wertneutral nehmen als: Nebensitzer, Tischgenosse, Mitessender

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#14]

Es gibt Leute, deren Fähigkeiten und Spezialwissen machen sie für ihr Unternehmen sehr schwer zu ersetzen, und auch der mögliche Ersatz auf dem Arbeitsmarkt ist nicht billiger.

Genau über die rede ich auch nicht, aber das hast Du ja dann auch selber klar gestellt. Es geht um die, die inzwischen weltweit Konkurrenz bekommen und aber auch dort mangels Vertretung auf ein Niveau runter geprügelt werden, dass es auch dort schwer macht zu überleben. Kaffee an der Zeil ist da dann ein Monatslohn, man sieht dort aber wenigstens seltener Maseratis. Klar muss aber jedem sein, dass der Maserati in den meisten Fällen nicht von selber kam. Spezialkenntnisse sind schwer erarbeitet worden. Leider gibt es in D eher den Neidreflex, als den Ansporngedanken ("Da will ich auch mal hin").

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Paljusevic, Franjo [#13]
"... die man meines Erachtens nur durch die gerechte Bezahlung der geleisteten Arbeit ..."

Darüber gibt es kaum unterschiedliche Meinungen, die große Frage ist nur: was ist "gerecht". Ist eine harte Arbeit, die niemand braucht, etwas wert? Wenn ich Löcher in meinem Garten aushebe, ist das saumäßig anstrengend. Offenbar ist die Härte der Arbeit noch kein hinreichendes Kriterium, ob sie auch etwas wert ist. (Andernfalls müßte man mich auch für mein Schwitzen im Fitness-Studio bezahlen.)

F
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Ein Bauarbeiter leistet eine harte Knochenarbeit für die er, ich denke einmal durchschnittlich ungefähr 12 - 15 Euro brutto erhält. Viele Bauarbeiter zusammen ziehen innerhalb von 2 Jahren einen schönen Wolkenkratzer hoch.

Sie haben etwas produziert.

Die Frage ist nun, welche "produktive Arbeit" im Gegensatz dazu der Maserati-Fahrer leistet bzw. geleistet hat. Ob der Maserati überhaupt ihm gehört, oder nicht vielleicht ein in seinem aussertariflichen Arbeitsvertrag enthaltener Firmenwagen ist.

Schlimm wäre es, wenn man den Maserati Fahrer auf das hohe Podest des Spezialisten und Fachwissenden stellt, ohne dass ihm dieses zustehen würde. Der ehemalige Lehman Brothers Vorstand hatte während seiner Amtszeit ca. 500 Millionen US-$ an Bezügen erhalten.

Das Ergebnis dieses "fähigen Spezialisten" war die Ruinierung des Traditionshauses Lehman Brothers.

Für 500 Millione US-$ hätte man aber auch Tausenden von produktiven Mitarbeitern für eine sehr lange Zeit einige US-$ mehr an Stundenlöhnen zahlen können.

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Paljusevic, Franjo [#19]

Ich kenne auch genug Beispiele von Pfusch am Bau und genug, wo die Firmenlenker wirklich gute Arbeit leisten.
Wir sollten zurück zu sachlichen Argumenten und nicht dem Hervorheben der Ausnahmen von der Regel frönen.
Flugzeugunglücke sind furchtbar, aber soll man deshalb alle Piloten verdammen?

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Paljusevic, Franjo [#19]

Du heftest mit Deinen Formulierungen von der harten Knochenarbeit der Bauarbeiter (oder Bauern im anderen Thread) eine moralische Bewertung "das ist etwas Gutes" an die Arbeit dieser Leute. Ob harte Arbeit moralisch wertvoller ist als weniger harte, ist eine philosophische Debatte, um die es im Börsenforum nicht geht. Wir reden hier von "Wert" im marktwirtschaftlichen Sinn, nicht von "Wert" im moralischen Sinn. Für den marktwirtschaftlichen Wert einer Tätigkeit ist es unerheblich, ob sie hart ist oder nicht. Es würde der Debatte helfen, wenn Du die moralisch wertenden Formulierungen einfach weg läßt.

Zum zweiten Satz "Sie haben etwas produziert." habe ich gerade vorher bereits ausgeführt, daß etwas Produziertes "an sich" noch keinen Wert darstellt. Etwas ist das wert, was jemand dafür zu bezahlen bereit ist. Es gibt tausende Häuser in der Wüste von Nevada, die viele Bauarbeiter mit viel harter Knochenarbeit produziert haben. Diese McMansions sind alle zusammen genau gar nichts wert, egal wie hart es für die Bauarbeiter war, sie zu errichten. Ihre Konstruktion hat mit den Wurzeln der Finanzkrise zu tun. Sie sind deshalb nichts wert, weil aktuell niemand einen Cent dafür bezahlen will.

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#21]

Es gibt Statistiken welche zeigen wie sich die Gehälter von Vorstandsmitgliedern zu Arbeitern oder Angestellten entwickelt haben.

Die Zahlen wurden mal auf n24 geannt.

Vor 20 Jahren verdiente ein Vorstand so um das 20fache mehr.
Vor wenigen Monaten ging das bis zum 400fachen.

Darum geht es. Keiner dieser Herren ist die Summe auch nur annähernd Wert.

Das will Franjo damit ausdrücken.

Denke ich.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ benedikt54 [#22]

Bin durchaus im Bilde.

Aber in der durchaus führenswerten Diskussion, ob das richtig oder falsch ist, sind diese Argumente indiskutabel:
- nur etwas physisch Anfaßbares gilt als produziert und damit wertvoll, oder
- nur wenn es körperlich anstrengend war, das zu produzieren, kann es wertvoll sein.

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#23]

Nein,

so wie ich Franjo verstehe will er damit sagen das noch

nie ein Arbeiter an der Drehbank, oder der Mischmaschine ein Unternehmen ruiniert hat.

Gast

@ Asamat [#21]

Etwas ist das wert, was jemand dafür zu bezahlen bereit ist.

Diese Annahme wäre ein ausgezeichnetes Konzept, wenn wir in effizienten Märkten leben würden, in denen jede Ware objektiv bewertet wird. Wir leben aber in einem System, das von vielen Störungen beeinflußt wird (z. B. Lobbyismus) und daher zu zahlreichen Preisverzerrungen führt.

Darum führt Deine These auch nicht weiter, das aktuelle Preisschild einer Ware über ihren Wert bestimmen zu lassen. Und das ist nicht nur eine moralische Frage, sondern auch eine marktwirtschaftliche, weil eine funktionierende Marktwirtschaft auf angemessene Preise angewiesen ist.

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ benedikt54 [#24]

Wenn einer ein kleines Rad dreht, ist der Schaden bei einem Fehler nicht so hoch.
Deshalb wird er auch nicht so gut bezahlt wie jemand, bei dem sich Fehler mit einem größeren Hebel bemerkbar machen.
Wegen der Höhe der Bezahlung deshalb jedoch Unfehlbarkeit zu verlangen wäre doch etwas arg.
Und wer zählt denn die vielen Entscheidungen, bei denen es richtig gute Ergebnisse, ebenfalls mit dem entsprechenden Hebel gegeben hat?
Die kennt keiner, weil jeder nur dann aufmwerksam wird, wenn es schief lief.
Pfuscht ein Arbeiter an der Mischmaschine kann er auch sicher sein, dass sein Job wackelt.
Wegen der Größe des Schadens bekommt Franjo das aber nicht mit.
Der Bauher lässt sich aber sicher nicht beruhigen wenn man ihm erklärt, dass alles ok ist, weil der Arbeiter trotzdem geschwitzt hat.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Livetour [#25]

Bloß weil wir keine idealen Märkte haben, heißt das doch nicht, daß das Konzept nicht im großen und ganzen funktioniert. Klar gibt es
- Verzerrungen durch außergewühnliche Umstände,
- Eingriffe von Politikern,
- Eingriffe von Unternehmen mit monopolartiger Macht,
- Bereiche, wo man das Konzept aus ethischen oder anderen Gründen nicht richtig umsetzen kann (Gesundheitssektor),
- und Bereiche, wo man ebenfalls aus ethischen Gründen eingreift (wie der Niedriglohnsektor),
- ...

Aber die Lenkungswirkung von Preisen ist im Wesentlichen da. Alle Beispiele, die jemand nennt, wo es nicht funktioniert, sind Ausnahmen, die durch ihren Ausnahmecharakter gerade belegen, daß es meistens und in weiten Bereichen klappt.

Ich sehe das so wie Churchills berühmte Verteidigung der Demokratie: ja, Marktwirtschaft funktioniert oft nicht, ja, sie hat oft unfaire Ergebnisse, ja, es gibt viel zu kritisieren. Für die Marktwirtschaft spricht lediglich, das sie immer noch besser funktioniert, als alles anderes, was ausprobiert wurde.

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#27]

Vielleicht kann man es auch mit der Natur vergleichen.
Nicht überlebensfähige LEbewesen sterben aus, weil sie eben nicht gut genug angepasst sind.
Trotzdem entsteht ein unglaublich komplexes und schönes System von Lebewesen mit unglaublich raffiniert erscheinenden Überlebensmechanismen.
Ja, es gibt auch Naturkatastrophen. Aber ist es deshalb nötig regulierend einzugreifen oder dieses System der Auswahl der Fähigsten zu verdammen?
Ok, der Vergleich hinkt, aber trotzdem kann man die Folgen der falschen Anpassung nur dämpfen, nicht jedoch verhindern. Hufschmiede sind so gut wie ausgestorben, Korbflechter, Bogenschützen, Ruhrpottkumpels etc. Was wäre geschehen, hätte man die alle seit Entstehen der jeweilig besseren Konkurrenz am Leben erhalten? Eigene Autobahnspuren für Kutschen und Schnellreiter z.B. oder Pferdezwang in der Innenstadt aus Solidarität zu den Hufschmieden? :)

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ gautama2 [#26]

Pfuscht ein Arbeiter an der Mischmaschine kann er auch sicher sein, dass sein Job wackelt.

Richtig

Nur der hat sein Gehalt auch nicht um das 200fache erhöht bekommen.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ benedikt54 [#29]

Was stört Dich an dem 200-fachen?

Gast

@ Asamat [#27]

Aber die Lenkungswirkung von Preisen ist im Wesentlichen da.

Was hat denn die Lenkungswirkung mit dem Wert von Waren und Dienstleistungen zu tun? Mir ging es darum, daß Deine These, der Wert einer Ware könne aus ihrem Preis abgeleitet werden, selbst unter rein marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten in die Irre führt. Siehe Finanzkrise.

Alle Beispiele, die jemand nennt, wo es nicht funktioniert, sind Ausnahmen, die durch ihren Ausnahmecharakter gerade belegen, daß es meistens und in weiten Bereichen klappt.

Interessante Logik. Mit der gleichen Argumentation könnte man auch das Gegenteil behaupten: Alle Beispiele, in denen es funktioniert, sind Ausnahmen, die durch ihren Ausnahmecharakter gerade belegen, daß ...

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