Gehen der Welt die Rohstoffe aus ?
Beliebter Irrtum: Der Welt gehen die Rohstoffe aus
Von Martin Stephan (Chefredakteur "Wahrer Wohlstand")
http://www.investor-verlag.de (22.01.10) - Immer wieder ist zu lesen, dass auf längere Sicht die Versorgung mit Rohstoffen nicht gesichert ist. Am bekanntesten ist diesbezüglich die Theorie zu „peak oil“, die von einem bereits erreichten Fördermaximum für Rohöl ausgeht und aus der zumeist ein Versorgungsengpass in den kommenden Jahrzehnten abgeleitet wird. Auch bei anderen Rohstoffen werden solche angeblichen Fakten gerne von interessierter Seite gestreut, zumeist um eigene unhaltbare Thesen zu „untermauern“. So führt die Anti-Atomkraft-Bewegung auch heute noch in ihrer zumindest für sie schlüssigen „Beweiskette“ gegen die Kernkraft an, dass die Menge des für die Kernspaltung zur Verfügung stehenden Urans in den kommenden 40 bis 50 Jahren komplett verbraucht sei. Je grotesker der Unsinn, desto eher wird er wohl geglaubt.
Wenn wir die Lage zu einfach beschreiben, stimmen die Fakten nicht mehr
Das Problem liegt in den statischen Modellen und Vereinfachungen, mit denen wir versuchen, einen Zustand zu beschreiben. So besitzen sowohl die „peak oil“- als auch „peak uranium“-Variante und alle anderen „peak“-Theorien zumindest einen Denkfehler. Alle gehen von einer begrenzten Menge an Rohstoffen aus, die der Erde abgetrotzt werden können, vergleichbar mit einem Krug, dem
immer mehr Wasser entnommen wird, bis er schließlich leer ist. Das stimmt theoretisch, nicht aber in der Praxis. So befinden sich noch immer gewaltige Rohstoffmengen in unserer Erdkruste. Exploriert und abgebaut haben wir nur jene, die besonders einfach zugänglich waren oder die wir teilweise per Zufall gefunden haben. Die nächste Generation an Ölfeldern oder Kupferadern wird lediglich teurer im Abbau, eventuell viel teurer. Eine Knappheit bzw. ein Überangebot besteht immer nur zu einem fixierten Preis. Verändert sich der Preis, verschieben sich Angebot und Nachfrage. Die beiden Funktionen berühren sich in anderen Marktausgleichs-Schnittpunkten.
Substitution wird Preisexzesse abfedern
Natürlich wird es Rohstoffe geben, die knapper sind als andere, deren Nachfrage also kontinuierlich hoch bleibt – jedenfalls für einen längeren Zeitraum. Je höher ihr Preis, desto größer ist der Anreiz, sie zu substituieren. So besitzt Erdgas eine große Chance, zumindest in der Ersten Welt Erdöl bei der Energieerzeugung sukzessive zu ersetzen. Palladium verdrängt immer häufiger Platin, Aluminium, Stahl. Doch derzeit befinden wir uns noch nicht einmal in einer echten Substitutionsphase, weil das noch gar nicht zwingend notwendig ist. Vielmehr wird bei vielen Rohstoffen derzeit die historische Unterbewertung beseitigt. Mit den BRIC-Staaten als neue Großnachfrager nach Rohstoffen aller Art verschieben sich die Weltmarktpreise langsam nach oben – ohne dass wirklich Knappheit besteht. Wer Kupfer benötigt, kann es in großen Mengen kaufen, das Gleiche gilt für andere Basismetalle.
Der technische Fortschritt führt zu Einsparungen
Ein weiterer Faktor, der viel zu wenig Berücksichtigung findet, ist jener des technischen Fortschritts. Autos benötigen immer weniger Benzin, Hochhäuser immer weniger Stahl. Pipelines werden dünner, aber dennoch härter und korrosionsbeständiger. Neue Rohstoffgruppen werden entdeckt und ermöglichen zumeist in Kombination mit bereits bekannten Materialien einen Entwicklungssprung. Die Seltenen Metalle und Erden seien in diesem Zusammenhang erwähnt.
Und dann sind da sogar Entwicklungen von völlig neuen Verbundstoffen, die mit deutlich geringeren Mengen an herkömmlichen oder mit bisher fast beliebig vorhandenen Rohstoffen auskommen. Die Kohlefaser sei hier als Beispiel genannt. Ein entscheidender Faktor ist auch das Recycling bereits verwendeter Ausgangsstoffe. Durch optimierte Trennungsprozesse steigt die Rückgewinnungsquote bei Rohstoffen wie Metallen seit Jahren, ein Ende dieses Prozesses ist nicht in Sicht.
In der Praxis werden die benötigten Rohstoffe kaum knapp werden
Wenn Ihnen also das nächste Mal wieder ein „Experte“ weismachen will, dass in x Jahren irgendein Element des Periodensystems „knapp“ werden wird, können Sie getrost weghören. Schlimmstenfalls, aus Sicht der Verbraucher, wird der Rohstoff teurer – doch das war es dann auch schon. Ein Lieblingszitat von Investmentstar Rick Rule lautet (frei übersetzt): „Das wirkungsvolle Mittel gegen hohe Rohstoffpreise sind hohe Rohstoffpreise.“ Wann immer diese zu stark klettern, drücken neue Produzenten in den Markt, steigen die Substitutionsbemühungen, nimmt die Effizienz zu – mit dem Ergebnis, dass die Preise zumindest nicht in den Himmel wachsen.
Für Agrarrohstoffe gelten andere Bedingungen
Eine Rohstoffklasse möchte ich allerdings explizit von meinen bisherigen Ausführungen ausschließen: die nachwachsenden bzw. Agrar-Rohstoffe. Es ist eher eine Gefühlssache, als dass ich hier mit dichter Recherche aufwarten könnte. Ich befürchte allerdings, dass in diesem Bereich die eine oder andere noch kommende Knappheit in Teilen der Welt zu einer echten Katastrophe führen wird. Auf weltweiter Basis sind die gelagerten Vorräte an Weizen und anderen Getreiden, an Reis und Zucker außerordentlich niedrig. Nur leichte klimatische Veränderungen, die auch ohne „Klimakatastrophe“ stets vorübergehend auftreten können, können durchaus regionale Nahrungsmittelknappheiten hervorrufen. Auch das Thema „Trinkwasser“ bleibt aktuell. Hier sind enorme Mittel notwendig, um desaströsen Zuständen, vor allem in der Zweiten bis Vierten Welt, ein Ende zu bereiten. Für die Erste Welt wären Terroranschläge auf die Trinkwassersysteme ein wirkungsvolles Mittel, um Chaos zu verursachen. Wir alle sollten uns zukünftig, aus vielerlei Gründen, spürbar mehr um eine sichere Grundversorgung mit Lebensmitteln aller Art kümmern. Vermeiden Sie hier unliebsame „Überraschungen“ – völlig abseits der Geldanlage.
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ANMERKUNG DER REDAKTION:
Martin Stephan ist Chefredakteur des Börsendiensts "Wahrer Wohlstand", der sich durch seine sichere Anlagestrategie und schonungslos offene und ehrliche Berichterstattung auszeichnet. Die Empfehlungen von "Wahrer Wohlstand" decken ein breites Spektrum krisensicherer als auch spekulativerer Investments ab. Darüber hinaus bietet Herr Stephan immer wieder auch Absicherungsstrategien und -investments zur Sicherung des eigenen Vermögens in der Krise an.
(Quelle: http://www.investor-verlag.de/beliebter-irrtum-der-welt-gehen-die-rohstoffe-aus/104057312/)
"Es ist eher eine Gefühlssache, als dass ich hier mit dichter Recherche aufwarten könnte."
Eine "dichte Recherche" ist wohl ein Synonym dafür: "Ich habe mir keine Mühe gemacht im Internet zu suchen"!
Siehe:
http://www.usda.gov/oce/commodity/archive_projections/USDAAgriculturalProjections2018.pdf
siehe ebenda zum Thema Preise:
"Prices
Long-term growth in global demand for agricultural products, in combination with the
continued presence of U.S. ethanol demand in the corn sector and EU biodiesel demand for
vegetable oils, holds prices for corn, oilseeds, and many other crops well above their
historical levels, although season-average annual prices are not projected to reach the
record highs seen in the first half of 2008.
Continued high grain and oilseed prices raise feed costs in the livestock sector, leading to
reduced U.S. production of total meat and poultry production through 2011 and higher
meat prices.
Sustained biofuel demand and strengthening global food demand after the current
economic slowdown provide a major impetus for long-term projections of strong farm
income.
Retail food prices rise faster than overall inflation through 2011, partly reflecting higher
meat prices (particularly in 2010 and 2011) as the livestock sector adjusts to increased feed
costs. Then consumer food prices in the United States return to the longer term relationship
of rising less than the general inflation rate over the remainder of the projection period.
"Auf weltweiter Basis sind die gelagerten Vorräte an Weizen und anderen Getreiden, an Reis und Zucker außerordentlich niedrig"
Zahlen sagen mehr als Tausend Worte, oder sollte man besser sagen als Gefühle ?
aus: http://www.usda.gov/oce/commodity/wasde/latest.pdf WASDE-478-8 January 2010 World and U.S. Supply and Use for Grains 1/ Million Metric Tons =============================================================================== : : Total : : Total : Ending Commodity : Output : Supply : Trade 2/ : Use : Stocks =============================================================================== : : World Total grains 3/ : 2007/08 : 2,121.49 2,462.88 275.57 2,102.00 360.88 2008/09 (Est.) : 2,230.91 2,591.79 281.76 2,146.76 445.03 2009/10 (Proj.) : December : 2,196.92 2,641.10 264.80 2,184.21 456.89 January : 2,204.78 2,649.81 264.45 2,183.32 466.49 Wheat : 2007/08 : 610.46 738.05 117.20 616.98 121.07 2008/09 (Est.) : 682.68 803.75 142.89 639.81 163.94 2009/10 (Proj.) : December : 673.86 837.61 124.67 646.71 190.91 January : 676.13 840.07 123.20 644.47 195.60 Coarse grains 4/ : 2007/08 : 1,077.15 1,215.84 127.23 1,056.53 159.32 2008/09 (Est.) : 1,101.67 1,260.98 110.45 1,072.31 188.67 2009/10 (Proj.) : December : 1,089.21 1,278.08 109.65 1,101.56 176.52 January : 1,093.93 1,282.60 110.34 1,102.38 180.23 Rice, milled : 2007/08 : 433.89 508.99 31.14 428.50 80.49 2008/09 (Est.) : 446.57 527.06 28.42 434.65 92.41 2009/10 (Proj.) : December : 433.85 525.41 30.48 435.95 89.46 January : 434.73 527.14 30.91 436.47 90.66