Richard Ebert
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Geldmarkt: Wann senkt die EZB den Zins auf Null Prozent ?

EZB steuert auf Rekordzinstief zu

Von Mark Schrörs (Frankfurt)

Financial Times Deutschland, FTD (12.01.09) - Angesichts des dramatischen Konjunktureinbruchs und des rasanten Inflationsrückgangs im Euro-Raum gehen die meisten führenden Volkswirte davon aus, dass die EZB ihren Leitzins am Donnerstag erneut kräftig senkt. Sogar ein Nullzins halten sie für denkbar.

Bei der monatlichen FTD-Zinsumfrage unter internationalen Banken gaben rund 72 Prozent an, dass die EZB den Satz um 50 Basispunkte auf 2,0 Prozent herunterschraubt. 14 Prozent prognostizieren eine Rücknahme um 25 Basispunkte. Der Rest sieht den Satz konstant.

"Die Konjunkturdaten und Indikatoren deuten darauf hin, dass die EZB radikal handeln muss - und schnell", sagt Ken Wattret, Europa-Chefvolkswirt bei BNP Paribas. Entsprechend gilt unter den Ökonomen als ausgemacht, dass der Euro-Zins 2009 unter die bisherige Tiefstmarke von 2,0 Prozent fällt. 40 Prozent erwarten das Tief bei 1,0 Prozent - und das oft schon zur Jahresmitte. Die Deutsche Bank setzt auf 0,75 Prozent, die Citigroup sieht gar steigende Chancen für Zinssenkungen Richtung null Prozent.

Die Zinssitzung der EZB wird diesmal mit besonderer Spannung erwartet. Anders als in den vergangenen Jahren, als die Notenbanker stets vorab Signale gaben, wie die Entscheidung ausfallen werde, ist der Zinsentscheid diesmal völlig offen. Entsprechend groß ist das Potenzial für Turbulenzen an den Märkten. Das dürfte insbesondere für den Fall gelten, dass die EZB den Zins doch nicht herunternimmt.

Die EZB hat zuletzt eine dramatische Kehrtwende vollzogen: Nachdem sie ihren Zins trotz Finanzkrise und Abschwung lange konstant gehalten und ihn im Juli gar auf 4,25 Prozent erhöht hatte, hat sie ihn seit Anfang Oktober um 175 Basispunkte gesenkt - so aggressiv wie nie. Nach der Sitzung Anfang Dezember deutete sie aber an, dass sie erst mal eine Pause einlegen könnte. Nun komme es zunächst darauf an, wie die bisherigen Schritte in der Wirtschaft ankommen, hieß es.

Hintergrund dürfte aber auch sein, dass die Meinungen im EZB-Rat über den Kurs auseinandergehen. Portugals Notenbankchef Vitor Constâncio etwa warnte vergangene Woche davor, dass sich die Inflation deutlich unter 2,0 Prozent verfestigt, und forderte für diesen Fall "vorbeugende" Zinssenkungen. Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi und andere fürchten dagegen, den Zins zu schnell zu senken, und wollen generell ein zu niedriges Zinsniveau vermeiden.

Dass die von der FTD befragten Volkswirte dennoch so stark auf eine erneute deutliche Zinssenkung bereits am Donnerstag setzen, liegt vor allem daran, dass sich der wirtschaftliche Abschwung zuletzt weiter dramatisch verschärft hat. Jüngste Daten zu den Exporten und zur Industrieproduktion in Deutschland deuten etwa darauf hin, dass die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone Ende 2008 um rund zwei Prozent geschrumpft sein könnte.

(Quelle und weiter lesen: -> http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/marktberichte/:FTD-Zinsumfrage-EZB-steuert-auf-Rekordzinstief-zu/459557.html)

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Links Eurozins, rechts Eurokurs

Bild entfernt.

Geschrieben von Richard Ebert am
Kobban
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"Zins auf Null Prozent?"

Na wenn dass man keinen Kurzschluß gibt!

Auf den Nullzins-Zukunftsmärkten erreicht die Reflexionsspirale der möglichen?/wirklichen?/wirklichmöglichen? Zahlungen ihren Höhepunkt, denn hier gehts zwar immer noch um Zahlungen, aber nicht mehr allein um Zahlungen für die Erwartung von Zahlungen, sondern in einem weiteren (letzten?) Schritt bereits um Zahlungen für die Erwartung der Erwartung von Zahlungen. Und wer bezahlt letztendlich die Versetzung von Zahlungen in den "Warte-Wartestand", wenn zwischen echter und unechter Zahlungsunfähigkeit kein echter Unterschied mehr besteht?

Aber Gottseidank ist die Hierarchie ja dreistufig: Zentralbank, Geschäftsbank, Kunde - was Kollapse zwar nicht unmöglich werden läßt, aber immerhin hinreichend unwahrscheinlich. Für den Finanzmarktzahlungsanbieter Geschäftsbank wird der Zins immer irgendwie als Index der Regenerationsfähigkeit der Zahlungen durch sich selbst fungieren. Vielleicht sollte man die Rolle der Zentralbank bloß(?) als Zeitmanagerin sehen.

benedikt54
Mitglied seit
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@ Kobban [#2]

Zinssatzsenkung hin oder her. Die EZB sollte doch lieber dafür Sorge tragen (was ja wohl nicht möglich ist) das die Banken die günstigen Konditionen auch an die Kunden weitergeben.

Bis dato, kann ich nämlich auf den Geschäftskonten keine grossen Zinssatzänderungen erkennen. Wären die Banken einmal so schnell in Zinssenkungen wie Zinserhöhungen sprich Anpassungen, könnte der Zweck fallender Zinsen wohl eher erreicht werden.

Gast

>Bis dato, kann ich nämlich auf den Geschäftskonten keine grossen Zinssatzänderungen erkennen.

Also aus meiner Erfahrung gehen zumindest die Guthaben Zinsen gegen Null (im Dollar sind sind größtenteils Null, teilweise sogar negativ)

dhp05
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@ Kobban [#2]

"Aber Gottseidank ist die Hierarchie ja dreistufig: Zentralbank, Geschäftsbank, Kunde - was Kollapse zwar nicht unmöglich werden läßt, aber immerhin hinreichend unwahrscheinlich."

Warum soll wegen dieser "Hierachie" ein Kollaps unwahrscheinlich werden? Diese Hierachie beschreibt doch nur wie das gesetzliche Zahlungsmittel (=ein Kreditzettel) in den Verkehr gebracht wird.

"Für den Finanzmarktzahlungsanbieter Geschäftsbank wird der Zins immer irgendwie als Index der Regenerationsfähigkeit der Zahlungen durch sich selbst fungieren."

Wir sind doch aktuell (seit gut 1 1/2J) in der Situation, dass sich die Geschäftsbanken untereinander Schritt für Schritt die Schulden aufkündigen, und sich gegenseitig die Verschuldungsfähigkeit absprechen. Sich also gegenseitig die Geschäftsgrundlage entziehen: Schulden zu machen und zu behalten und zu erweitern, um mit diesen Schulden Geld zu verdienen. Es gibt doch für das Geschäftsmodell "Bankgeschäft" nichts tödlicheres, als wenn die Bank Schulden zurückbezahlen soll ohne Nachgläubiger zu finden.

Die Rettungsschirme sind doch nicht gespannt, um einen Kollaps zu verhindern, sondern um die möglichen Auswirkungen des realen Kollaps der Geschäftsbankenwelt zu verhindern. Geht doch teilweise um so unsexy Sachen wie Sicherung des normalen Zahlungsverkehrs der Realwirtschaft.

Wenn eine Bank Geld von außen braucht, um ihre eingeforderten Schulden zu bezahlen, woher soll sie dann auch noch Geld zum verleihen nehmen? (egal zu welchen Zins!)

(Auch von außen! In diese Richtung wird in Berlin ja gedacht. Bank als Durchreichestation von staatlichen Kredit an Unternehmen bspw.. Hat aber dann nichts mehr mit dem zu tun, zu was die Geschäftsbanken im bisherigen Verlauf des Wirtschaftens von Staatswegen reglemtiert ermächtigt wurden)

Für mich ist der Kollaps nicht hinreichend unwahrscheinlich sondern realiter eingetroffen.

Später schau ich mal, wie in analogie die Medizin mit nem Kollaps umgeht.

Ein Gutes Neues übrigens noch für dich!

gautama2
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@ bendel [#4]

teilweise sogar negativ

Also man zahlt Zinsen, wenn man bei einer Bank Guthaben hat?
Da checke ich gleich mal meine Konten.

Gruß

Gast

Ist ein segregated account bei dem sie wohl FED - 0.5% als Gutenhabenzinsen rechnen (anscheinend ohne cap).

Kobban
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@ dhp05 [#5]

"Warum soll wegen dieser "Hierachie" ein Kollaps unwahrscheinlich werden? Diese Hierachie beschreibt doch nur wie das gesetzliche Zahlungsmittel (=ein Kreditzettel) in den Verkehr gebracht wird."

Ihr Dasein verdanken Banken doch dem Zinsproblem und sind dazu ausdifferenziert, nur geliehenes Geld ausleihen zu können. Diese Selbstreferenz des Leihens macht Banken kollapsgefährdet: im Gesamtsystem der Geschäftsbanken fallen Zahlungsfähigkeit und Zahlungsunfähigkeit also zusammen (gilt natürlich nicht für die einzelne Geschäftsbank!).

Die Bankenurgleichung ist eine paradoxe Gleichung, nämlich:
zahlungsfähig gleich zahlungsunfähig (od. Überfluß gleich Knappheit) - und das Bankensystem hat die Funktion, trotzdem zu funktionieren, also Operationen zu ermöglichen: eigene Schulden mit Gewinn zu verkaufen, d.h. Zahlungsunfähigkeit so zu verwerten, dass diese sich "kapitalistisch" in Zahlungsfähigkeit verwandelt.

Und damit dieses tolle Privileg der Banken nicht beliebig überhand nimmt, brauchts eben eine dritte Ebene, die kontrolliert und konditioniert. Da eine bloß politische Rahmenordnung nicht ausreichen würde, ist die Zentralbank erfunden worden, die nicht hauptsächlich nach eigener Rentabilität handeln muß. In einer dreistufigen Hierarchie stecken nun genug Asymmetrien von Grundlagen der jeweiligen Operationen, dass eine Totalentdifferenzierung (=Kollaps (=Supergau (=Rückkehr der Bankenurgleichung, s.o. (= Totalblockierung aller Operationen)))) unwahrscheinlicher bzw. weniger wahrscheinlicher wird. Gerade wenn in einer (zweistufigen) Hierarchie die Differenz z.B. von oben und unten im Kurzschluß kollabiert, kommts zur Frage nach den externen Bezugsgesichtspunkten, die das überdauern. Logische Unentscheidbarkeit muß also duch Externalisation auskuriert werden!

Bild entfernt.

Unsere derzeitige Bankensystem-Hierarchisierung macht eine Kombination von Zentralisierung mit Dezentralisierung möglich: von Zentralisierung des ""Kreditzettels"" Geld und von Dezentralisierung der Entscheidung über Operationen. Die Zentralbank bleibt dabei das Ich des Bankensystems.

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"Ein Gutes Neues übrigens noch für dich!"

Ebenso! Übrigens: man hat dich diesjahr Sylvester auf dem Ball der Ölbarone stark vermißt!

dhp05
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12 Jahre 9 Monate

@ Kobban [#8]

Dein posting #8 von mir mitunterschrieben.

"Später schau ich mal, wie in analogie die Medizin mit nem Kollaps umgeht."

Der Kreislaufkollaps und der Geldkreislaufkollaps haben schon eine Schnittfläche.

Bei der Ursachenbehandlung aber Differenz.

In der Medizin kümmert man sich um die Ursache, sodass ein Kollaps zukünftig verhindern werden sollte.

Im Geldkreislauf kümmert man sich tagtäglich mit den entsprechenden Werkzeugen um die Verhinderung des Kollaps. Wenn er dann mal trotzdem nicht zu verhindern ist, wird über die Werkzeuge nachgedacht, aber nicht über die Ursache.

"auf dem Ball der Ölbarone stark vermißt"

Ich war auf dem Ball der Goldbarone. Dort aber auch nicht wirklich erwünscht. ;-)

F
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Trichet: Es kann mit Leitzins noch weiter runtergehen

Ein Teil der Antwort auf eine Bloomberg Reporter Frage.

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