Global: Staatsanleihen, Anleiheblasen und Zinserhöhungen

Alle Welt fragt sich, ob sich an den Anleihemärkten derzeit eine Preisblase bildet bzw. wie lange diese noch Bestand haben, oder zu welchem Zeitpunkt diese platzen wird.

Dabei wird vergessen, dass die Anleihemärkte im "Notfall" - also bei dem potentiellen Ausbleiben der privaten bzw. institutionellen Käuferschaft und damit rapide ansteigender Renditen- von staatlicher bzw. Zentralbank Seite gestützt werden.

Wenn man nach dem zeitlichen Bestand der "Anleihenblase" fragt, muss man immer die aktuelle Situation im Auge haben. Wir befinden uns nicht in einem ruhigen Umfeld, in welchem allein durch Investitionstätigkeit eine Blase geschaffen wird. Nein, Staaten rund um den Globus brauchen imense Summen an Kapital und dieses neue Kapital belastet deren Haushalte mit Zinszahlungen, die umso niedriger sind, je kleiner die Zinssätze sind, mit denen die Staatsanleihen ausgestattet werden.

Ich persönlich bin der Meinung, dass man genauso wie bei verdeckten Preiskontrollen von diversen Verbrauchsgütern auch verdeckte Zinskontrollen am Kapitalmarkt einführen kann. Allerdings sind solche Kontrollen immer nur zeitlich begrenzt möglich bzw. wirksam. Aber man gewinnt damit ein wertvolles Gut: nämlich Zeit.

Wann beginnen denn dann die Zinserhöhungen ?

Das wird der Fall sein, wenn die Wirtschaft ausreichend mit "Schwemmgeld" geflutet ist und der inflationäre Kreislauf einigermassen stabil läuft.

Haben allerdings höhere Zinssätze -beispielsweise in Höhe des Niveaus vor einer Geldschwemme- bei der dann vielfach vergrösserten Geldmenge denselben Effekt wie vorher ?

Will sagen, Leitzinsen in den USA im Jahre 2012 von 6 % würden bei der dann aufgeblähten Geldmenge dieselbe Wirkung haben wie die heutigen 0 %. Nämlich keine restriktive. Dafür müssten die Leitzinsen sehr, sehr viel höher sein.

Je grösser die Geldmenge wird, umso höher müsste man mit den Leitzinsen gehen, damit diese wieder in geregelte Bahnen kommt.

Und genau dieser Point-of-no-Return wurde schon lange überschritten.

Das Geld, das derzeit in gigantischen Massen in den Wirtschaftskreislauf gepumpt wird, kann meines Erachtens nie mehr zurückgeholt werden, ohne einen Wirtschaftskollaps zu riskieren. Dafür ist dann in der Zukunft zwangsläufig eine neue Währung nötig.

Jede restriktive geldpolitische Massnahme in der Zukunft, würde das auf "Schwemmgeld" basierende Wirtschaftssystem binnen kurzem Zusammenbrechen lassen.

Nun hat man auch eine ganz gute Erklärung dafür, weshalb ich derzeit nichts von Investments in Staatsanleihen halte. Das Geld könnte man langfristig gesehen auch genausogut in die Mülltonne werfen.

Geschrieben von F am
F
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Kobban
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@ Paljusevic, Franjo [#1]

Könnte man nicht in der (letzten?) Not eine gemeinsame europäische Staatsanleihe, sozusagen einen Eurobond "verbanknoten", also zwangszirkulieren lassen wie Normalgeld. Es wird also ein Gesetz gemacht, in welchem man gleichzeitig für dies "Neugeld" garantiert und anordnet, dass es jederman als Geld zu akzeptieren hat. Und gleichzeitig werden hierzu Gesetze gemacht, die eine Immerweiterverschuldung 100%ig verhindern und eine Inflation begrenzen.

Fiel mir grad so ein. Aber wenn man bedenkt, dass jede Banknote ja irgendwie auch schon eine Staatsanleihe ist, dann kann man vielleicht von so'ner Doppeltgemoppeltheit doch nicht allzuzviel erwarten.

Asamat
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@ Kobban [#3]

Dafür müßten sich die Euro-Länder einigen was Neuverschuldung und Tilgung ihrer jeweiligen Staatsschulden angeht. Und glaubhaft machen, daß sie die Absicht haben, sich daran zu halten. Das ist weit und breit nicht in Sicht. Im Gegenteil wehren sich aktuell gerade die Deutschen stark gegen einen "Euro-Bond", weil sie nicht den "Weichländern" erlauben wollen, neue Schulden aufzunehmen für die DE evtl gerade stehen müßte.

Gruß,
Asamat

F
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12 Jahre 9 Monate

In einer finanziellen Zwangssituation bzw. Notlage werden Staaten immer auf "historisch bewährte" Formen der Sonderfinanzierung über die Notenpresse zurückgreifen, die alle im Endeffekt nur ein Ziel haben: Zeit und Spielraum zu gewinnen.

Die Wurzel des Übels -die Überschuldung- kann man damit allerdings nicht beseitigen. Das Übel verschlimmert sich dadurch nur noch weiter. Wie diese "Notfinanzierung" am Schluss aussieht, weiss man nicht.

Sie kann auch ein ganz neues Gesicht haben und sich grundsätzlich von den historischen Modellen unterscheiden (z.B.: Mefo-Wechsel, Zwangsanleihen, Preiskontrollen, Käufe von Staatsanleihen durch Notenbanken etc., etc.).

Letztendlich ist allerdings unterm Strich die Staatskasse leer und diese wird zwangsläufig mit der Notenpresse auf Kosten des Geldwertes -und damit der Kaufkraft aller Bürger- gefüllt werden. Einer "Tabula-Rasa" Politik, -von welcher wir derzeit meines Erachtens den Beginn miterleben- folgt immer ein neue Währungs- und Finanzsystem.

Und es gibt keinen vergleichbaren Fall in der Geschichte der Menschheit, in dem Besitzer von Bargeld oder Staatsanleihen als Gewinner aus solch einer Misere herausgegangen sind.

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