Richard Ebert
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Gold, Silber und Staatsschulden: Große Zahlen

Gold und Silber: Kleines Rechenexperiment mit großen Zahlen

Von Dr. Bernd Heim

gevestor.de (17.01.09) - Wie klein der Silbermarkt tatsächlich ist, das wird immer dann sehr schnell deutlich, wenn man ihn mit anderen Märkten vergleicht. Viele Anleger verschreckt die hohe Volatilität mit der das Silber einmal nach oben schießt und dann in der nächsten Korrektur wieder wie ein Stein zu Boden zu fallen scheint. Dabei wird leicht übersehen, dass diese auch im Vergleich zum Gold und zu anderen Rohstoffen sehr hohe Volatilität auch ein Ausdruck der Enge dieses Marktes ist.

Die sprichwörtliche Enge des Silbermarktes wird spätestens dann zu einem preistreibenden Problem für die Käufer, viele industrielle Käufer aber auch Privatanleger und Investoren zur gleichen Zeit durch das gleiche Tor drängen. Warum der Silbermarkt dann sofort zu einem Nadelöhr mutiert, zeigt ein Blick auf die Zahlen von Angebot und Nachfrage. Aktuell liegt die jährliche Silberproduktion bei rund 600 Mio. Unzen. Noch wird das meiste Silber industriell nachgefragt. Nur 50-100 Mio. Unzen sind der Investmentnachfrage geschuldet.

Die Menge des 2009 geförderten Gold und Silber ...

Das klingt im ersten Augenblick vielleicht als viel, entpuppt sich bei näherem Hinsehen jedoch schnell als kleiner Tropfen in einem großen Investmentsee. Gehen wir exemplarisch von einer Investmentnachfrage von 75 Mio. Unzen pro Jahr aus, so entsprechen diese bei einem Silberpreis von 17 US Dollar je Feinunze 1.275 Mio. Dollar oder 1,275 Mrd. Dollar. Das ist sehr wenig verglichen mit dem US Haushaltsbudget, das in diesem Jahr bei rund 3 Billionen Dollar oder anders ausgedrückt 3.000 Mrd. Dollar liegen wird.

Jetzt kann man natürlich zu Recht einwenden, es sei unfair, das kleine Silber mit dem großen US Haushaltsdefizit zu vergleichen. Erweitern wir deshalb unsere Überlegungen kurz um das Gold. Von dem werden jährlich gut 2.500 Tonnen aus dem Boden geholt. Da eine Tonne 32.151 Unzen entspricht, reden wir somit von 80.377.500 Unzen. 80,3 Mio. Unzen Gold jede einmal mit 1..000 US Dollar bewertet, um die Rechnung nicht unnötig zu komplizieren, ergeben somit einen Investmentbetrag von 80,377 Mrd. Dollar. Da das Gold kaum industriell verwendet wird, können wir diesen Betrag fast vollständig der reinen Investmentnachfrage zurechnen.

... steht in keinem guten Verhältnis zu staatlichen Neuverschuldung

Zählen wir nun die weltweiten Investment in Gold und Silber zusammen, so kommen wir auf bescheidene 81,652 Mrd. oder 0,081652 Billionen US Dollar. Damit ist allein das Defizit der USA, von den Schulden der anderen Länder reden wir jetzt mal gar nicht, 36,74 mal größer als die gesamte Investitionsnachfrage nach Gold und Silber.

Es gab mal Zeiten, da musste die Währung eines Staates durch Gold oder Silber gedeckt sein und eine Regierung, die Schulden aufnahm, musste Gold dafür abgeben. Würde man die gleiche Forderung an die heutigen Staaten stellen und die neuen Schulden der US Regierung der Goldjahresproduktion von 2009 gegenüberstellen, dann müsste der Goldpreis auf rund 36.740 US Dollar steigen. Und wie gesagt: Die Schulden der anderen Staaten lassen wir bei dieser Berechnung galant unter den Tisch fallen.

Wenn es jetzt in den Medien immer wieder heißt, die Preise für Gold und Silber würden stark steigen, weil immer mehr Anleger die Ausweitung der Staatsschulden kritisch sehen, dann ist das eine sehr zurückhaltende Beschreibung der Tatsache, dass nach den Maßstäben, die man noch im 19. Jahrhundert an eine stabile Währung angelegt hat (Stichwort Goldstandard), heute nicht 1.000 auch nicht 1.100 oder gar 2.000, sondern 37.000 Dollar für eine Feinunze Gold auf den Tisch gelegt werden müssten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Börsentag und grüße Sie herzlich
Ihr

Dr. Bernd Heim

Bild entfernt.

Geschrieben von Richard Ebert am
rodeonrwdeo
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Nur auf die Silberproduktion zu sehen, ist das nicht etwas zu kurz gedacht?

Wieviel Silber liegt denn schon in Schubladen und Lagern?

Lenzelott
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Ich habe 2 x 1kg Barren Silber als Briefbeschwerer.
Sieht sehr schick aus.

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zorrie
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@ rodeonrwdeo [#2]
Wieviel Silber liegt denn schon in Schubladen und Lagern?

Aus einem Artikel der Finanz und Wirtschaft vom 14.11.09:

Bislang gefördert (ca., in Mrd. Unzen.):
Silber 44
Gold 5,2

Davon nicht mehr vorhanden, weil verbraucht:
Silber 32
Gold 0,2

Noch in der Erdkruste, lt. Schätzung von US-Geologen:
Silber 18
Gold (keine Angabe)

Davon wirtschaftlich sinnvoll förderbar
Silber 8,5

-----------------------

Antwort auf Deine Frage: wirklich nicht viel!
Der Wert von allem Silber über der Erde entspricht ungefähr der Marktkapitalisierung von IBM (220 Mrd. USD, beim Kurs von 18,5 USD/Unze )
Und dieses Silber wird weiter verbraucht, Anwendungen gibt es ja sehr viele. Vom immer höheren Investmentbedarf ganz zu schweigen.

rodeonrwdeo
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@ zorrie [#4]

Wo wird Silber denn verbraucht? Silber verschwindet ja nicht! man muss es halt wieder zurückgewinnen. Das erfolgt immer in Abhängigkeit des aktuellen Preises.

Früher wurde es für die analog Filme benötigt aber natürlich, in Abhängigkeit des Preise auch in grossem Umfang wieder zurückgewonnen. Heute "verbraucht" man es machmal zum Wasserentkeimen und zur Geruchsminimierung in Sportunterwäsche.

Der Bedarf der Filmindustrie ist naturgemäss (Digitalbilder) erheblich zurückgegangen.

Die 44 oder auch die 12 Mrd. Unzen stellen aber dennoch 70 bzw. 20 momentane Jahrespruktionen dar. Es wir also noch eine Weile reichen. Und keine Sorge der Markt wird schon für Ausgleich sorgen.

benedikt54
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@ zorrie [#4]

Silber, Gold, usw.

Rohstoffe haben in der Tat nichts mit Verbrauch zu tun. Es geht hier nur um Neubewertung der Metalle aufgrund des gigantischen Geldmengenwachstums und dem mangelnden Vertrauen vieler Anleger in die Fähigkeit der Banker und Politiker die Probleme in den Griff zu bekommen.

Aufgrund der Enge dieser Märkte reicht ja nur ein Bruchteil der Kapitalströme aus um die Preissteigerungen zu erreichen.

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zorrie
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@ benedikt54 [#6]
@ rodeonrwdeo [#5]

Wenn ich sterben werde, bin ich auch noch da. Nur nicht mehr so kompakt wie jetzt, sondern recht verstreut.
Und so ist das mit dem Silber auch. Viel Spass beim Rückgewinnen, nachdem sich das einer aus einer Deoflasche unter die Achseln gesprüht hat.

Das der Markt für Ausgleich sorgen wird - ich gehöre zu denen, die darauf warten ;-)

Asamat
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@ zorrie [#7]

"Und so ist das mit dem Silber auch."

Nein, so das mit Rohstoffen im Allgemeinen nicht. Rohstoffe sind nie "alle". Sondern die Frage ist immer, zu welchen Kosten kommt man an welche Mengen. Konkret wird z.B. auch Öl nie "alle" sein, denn zu höheren Förderkosten lassen sich immer weitere Mengen finden. Es wird nur immer teurer. Und Rückgewinnung aus Abfall ist ebenso eine "Fundstelle" für Rohstoffe wie konventionelle Fundstellen. Und zwar eine solche, die mit zunehmenden Förderkosten der konventionellen Fundstellen quasi immer reichhaltiger wird.

Richard Ebert
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Gold und Geld: Wehe wenn die Masse erkennt, dass ihr Geld nicht mehr gedeckt ist

Von Dr. Bernd Heim

Gevestor.de (18.11.09) - Wir hatten uns gestern mit dem krassen Missverhältnis der Goldbestände der USA zu ihrem Haushaltsdefizit beschäftigt. Dabei war herausgekommen, dass die Edelmetalle extrem im Preis steigen müssten, wollte man die aktuelle Staatsschuld in Gold aufwiegen. Wenn Sie um dieses Missverhältnis wissen, unterscheiden Sie sich schon wohltuend von der breiten Masse, denn diese geht unwillkürlich immer noch davon aus, dass das Geld in unseren Portemonnaies gedeckt ist. Um es gleich vorweg zu sagen: Auch unser heutiges Geld ist noch gedeckt, doch wer weiterhin ruhig schlafen will, der fragt besser nicht zu genau nach wodurch es denn nun wirklich gedeckt ist.

Politiker und Notenbanker aber auch Volkswirte halten sich in dieser Frage auffällig zurück und wenn sie sich doch einmal mit einer Antwort versuchen, ist das Ergebnis entweder nur peinlich oder schon fast als gezielte Volksverdummung einzustufen. Dabei wird besonders gerne auf Halbwahrheiten zurückgegriffen. Halbwahrheiten haben den angenehmen Vorteil, dass sie zumindest zur Hälfte wahr sind und diese wahre Hälfte schwer zu widerlegen ist. Doch das macht die andere, die falsche Hälfte jener Pseudowahrheit, leider nicht plausibler.

Wir wissen, dass die Notenbanken angeblich viel Gold besitzen und außerdem gibt es da noch die so genannten Devisenreserven. Reserven klingt doch schon mal nicht schlecht ? oder? Die volle Wahrheit ist leider eine andere: Wir haben gestern gesehen in was für einem krassen Missverhältnis die Schulden der Staaten zu ihren Goldbeständen stehen. Wer nach einer Währung sucht, die noch vergleichsweise gut durch die nationalen Goldbestände gedeckt ist, landet schnell beim Schweizer Franken.

Nebelkerzen und Taschenspielertricks

Zugegeben, den hätte man auf dieser Liste relativ weit oben erwartet. Doch hätten Sie auch vermutet, dass als nächstes Land anschließend Venezuela folgt? Ausgerechnet das Venezuela des Hugo Chaves stattet seine Bürger mit besserem Geld aus als die Staaten der europäischen Währungsunion oder gar die USA. Aber noch besteht kein Grund zur Sorge. Hat uns unsere Kanzlerin nicht im letzten Jahr auf dem Höhepunkt der Bankenkrise versichert, dass unsere Sparguthaben durch den Staat gesichert seien?

Klingt gut und beruhigt sicher auch im ersten Moment. Man darf nur nicht den Fehler machen und nachfragen, wer dieser ominöse Staat, der die Sicherung vornehmen soll, denn nun sein soll. Nun, der Staat sind wir selber und der fürsorgliche Bürger, der für ihre Sparguthaben bürgt, das ist die Nase, die Ihnen jeden Morgen neu im Badezimmerspiegel begegnet. Sie sichern sich also selbst ihrer eigenen Ersparnisse und wenn der Nachbar keine Sicherheiten aufbringen kann, dann die seinen auch gleich mit. Umverteilung nennen unsere Sozialpolitiker diese moderne Form der schamlosen Enteignung aus angeblich höheren Motiven.

Funktionieren kann der Trick nur, solang die Menschen dem System noch Vertrauen entgegenbringen. Unser Geld war mal durch reale Dinge wie Gold und Silber hinterlegt. Doch diese Zeiten sind vorbei. Jetzt steht hinter dem Geld nur noch das Versprechen eines anderen seine Schulden möglicherweise zurückzahlen zu wollen. Vielen Privatpersonen mögen wir dieses Versprechen noch abnehmen, doch unsere Staaten haben sich bereits so tief im Schuldensumpf verstrickt, dass eine Lösung per Rückzahlung längst unmöglich geworden ist.

Der Karren steckt bereits so tief im Dreck, dass die Lösung nur noch Ausbuchung der Schuld durch Staatsbankrott oder Hyperinflation heißt. Wenn diese Konsequenz erst einmal den meisten Menschen dämmert, ist es schnell um unser Papiergeld geschehen. Die bunten Zettel will dann keiner mehr annehmen und harte bleibende Werte wie Immobilien, Aktien und die physischen Edelmetalle werden sich quasi über Nacht einer extremen Beliebtheit erfreuen.. Wobei extreme Beliebtheit an der Börse nichts anderes meint als einen extremen Preisanstieg.

(Quelle: http://www.gevestor.de)

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