Asamat
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12 Jahre 6 Monate

High-Level-Bild: Wie könnte es weitergehen mit der Staatsschuldenkrise

Laßt uns mal versuchen, ein High-Level-Bild zu entwerfen, welche möglichen Lösungen oder Weiterentwicklungen es geben könnte. Stellen wir uns beispielsweise vor, wir wären ein Berater von Frau Merkel mit dem Auftrag, eine Studie über mögliche Lösungwege zu erstellen. Oder wir wären ein Diktator eines fiktiven, aber europäischen Staates (also jemand, der keine Rücksicht auf Wahlkämpfe oder Parlamente nehmen muß).

Versuchen wir, von den täglichen Fernsehbildern und -3% im DAX zu abstrahieren: was ist in zehn Jahren im Rückblick noch relevant? Ich denke, folgende Aussagen werden auch in den kommenden Monaten und Jahren nicht umgestoßen werden. Mit ihnen als Grundlage könnte man versuchen zu erraten, was passieren kann und was nicht.

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1) Der Euro wird nicht "zerbrechen".

Wie immer auch "Zerbrechen" aussehen sollte. Die Konstruktion des Euro war und ist eine politische Entscheidung, keine wirtschaftliche. Daher kann ein Zerbrechen der Euro oder ein Verlassen eines Landes nur eine politische Entscheidung sein. Märkte oder Spekulanten haben keine Möglichkeit, ein Zerbrechen des Euros zu erzwingen (oder? Wie sollten sie es können?). Für jedes einzelne Land in Schwierigkeiten ist das Verlassen des Währungsraumes in jedem Fall eine schlechtere Option als das Verbleiben. Daraus folgt, daß niemand freiwillig geht. Und da niemand ausgeschlossen werden kann, wird kein Land den Währungsraum verlassen.

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2) Default mit Haircut ist die einzige Möglichkeit, die den Griechen bleibt.

Offensichtlich können die Griechen ihre Schulden nicht abtragen, und nach 1) auch nicht entwerten. Bleibt der Default als einzige Möglichkeit. Was sonst? Das hat zwei Auswirkungen: zum einen werden die Bilanzen der Gläubigerbanken belastet (das ist ja eine der Begründungen für die Hilfe). Zum anderen werden die Steuerzahler in DE und anderswo für ihre Garantie der Griechenlandkredite geradestehen müssen.

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3) Die Hilfe für Griechenland und andere europäische Staaten wird noch viel teuer werden, ...

Für die Griechen sind nur zwei, drei Jahre gewonnen, dann stehen wir wieder auf "Start" in der gleichen Situation wie jetzt. Andere gefährdete Länder werden die hohen Zinsen ebenfalls nicht ohne Hilfe bezahlen und gleichzeitig ihre Schulden abtragen können.

Problem ist, daß noch nie irgendwo ein Defizit eines Staatshaushaltes durch Sparen verringert wurde. Das Defizit steigt, weil Staats-Sparen Wirtschaftswachstum kostet und die Steuereinnahmen zurück gehen. Defizite in Staatshaushalten in einige Male durch Wirtschaftswachstum verringert wurden. Das klappt nicht konsistent und verläßlich, es gibt auch genug Gegenbeispiele, aber es ist das einzige, was überhaupt irgendwo funktioniert hat. Durch Sparen geht es jedenfalls garantiert nicht.

Die trotz "Rettungspaket" steigenden Zinsen der betroffenen Länder zeigen, daß der Markt das genauso sieht.

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4) ... und wir werden sie leisten.

Ist es darum falsch, ihnen jetzt zu helfen? Nein. Ob man will oder nicht, wir leben in Europa und sind Europäer. Wir sind auch (noch) Deutsche und leben in Deutschland, aber international hat Deutschland kein Gewicht mehr. Nur im Verbund von ganz Europa haben wir politisch wie wirtschaftlich überhaupt eine Chance, unsere Interessen bei und gegen USA, China und Indien durchzusetzen. Von den zwei Wegen
- Deutschland schließt seine Gedanken und Grenzen und besinnt sich auf sich selbst, zum Teufel mit den Griechen, und
- wir gestalten Europa und damit unsere Zukunft
kommt in der Realität nur einer in Frage. Dieser Logik werden sich weder Deutschland noch andere Euro-Länder noch die Nicht-Euro-EU-Länder entziehen können. Darum werden auch z.B. Litauer bezahlen, (die es sich eigentlich nicht leisten können), und darum kann sich z.B. die SPD nicht verweigern.

Ironischerweise könnte es sein, daß die Schuldenkrise mehr zum weiteren Voranschreiten der europäischen Einigung beiträgt, als alle diesbezüglichen Gipfel der letzten Jahre. Auch die Abgabe von weiterer Souveränität von den Mitgliedstaaten zur EU (Richtung Superstaat) ist wieder denkbar, was vor zwei Jahren noch völlig out schien.

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5) Die EZB wird Geld drucken wie die Fed.

Wo wird das Geld her kommen, wenn die Staaten gemeinsam nicht genug aufnehmen können? Mir fallen spontan lediglich zwei Möglichkeiten ein, nämlich entweder den freien Geldfluß einzuschränken, oder Geld zu drucken. Von den beiden Alternativen scheint mir die zweite viel leichter durchsetzbar, daher wird sie passieren. Erstens gewinnen dabei viele, während die Verlierer der Maßnahme keine Lobby haben und keinen Wiederstand leisten. Zweitens liegt es sowieso im langfristigen Interesse aller Staaten, ihre Schulden wegzuinflationieren. (Hier meine ich nicht nur die bereits aufgenommenen Schulden, die zur gegenwärtigen Krise führten, sondern vor allem auch die langfristigen, bisher buchhalterisch totgeschwiegenen Schulden wie Renten, Pensionen, Sozialleistungen.)

Wenn etwas im Interesse aller Staaten und aller Politiker ist, wird es auch passieren. Wir werden sehen, wieviel die von Ronin noch vor einigen Wochen gerühmte politische Unabhängigkeit der EZB wert ist. Nichts, aber das ist dann auch richtig so. Wenn die Wahl letztendlich nur zu bestehen scheint zwischen
- Geldwertstabilität und Schrumpfen der Wirtschaft einerseits, oder
- höhere Inflationsraten mit Wirtschaftswachstum andererseits,
ist die Wahl für mich klar.

Geschrieben von Asamat am
Asamat
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12 Jahre 6 Monate

Soweit die Thesen. Diskussion logischerweise erwünscht und erbeten.

Was würde aus Obigem für das Trading folgen? Wenn diese Sachen so passieren, wird Europa nicht nur durch die Krise kommen. In dem Moment, wo der Markt realisiert, daß die europäischen Politiker gewillt sind, Maßnahmen zu ergreifen und durchzusetzen, die dem Primat der Politik folgen, wird die Stimmung kippen. Also:
- auf Sicht einige Monate wird der EUR steigen,
- auf Sicht einige Monate werden die Aktienmärkte steigen (denn die Wirtschaft läuft ja weiterhin gut, unabhängig von dem Defizit-Problem der Staaten),
- auf Sicht einige Monate wird die Rendite von Bonds fallen.

Ob dann auf Sicht einige Jahre doch irgendwann die Inflation kommen wird, die derzeit einfach nicht kommen will, ist für mich unklar. Ich würde sagen ja, wenn nicht das Beispiel Japans wäre.

scorpion260
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#1]

Das hast Du gut geschrieben.

Spricht mir aus der Seele.

hardworker
Mitglied seit
12 Jahre 1 Monat

Ob die Politiker das genauso logisch sehen wie Du, wage ich zu bezweifeln. Die meisten werden es nicht verstehen, macht ja auch nichts, weil nur die Fraktionsvositzenden etwas bewegen können.

Es gibt genug Anti-Euro-Stimmung. der inzwischen verstorbene Bolko Hofmann, der Ex-Zentralbanker Wilhelm Hankel und noch einige mehr. Wenn es politisch gewollt ist (eines fernen Tages), dann wird die beste Logik nichts helfen. An der Börse ist oft das Gegenteil von 2 plus 2 passiert, nicht erst letzten Donnerstag. Deshalb freue ich mich natürlich über Beiträge, wie diesen, die meinen schmalen Horizont übersteigen. Aber ich bleibe ein Trendfolger mit kurzfristigem Horizont und orientiere mich nicht an logischen Erwartungen.

MfG

hw

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SPOMI
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ hardworker [#4]

interessante Gedanken und das ganze klingt recht einleuchtend. nur ob alles dann so kommt oder ganz anders oder ein Mittelweg, wer weiss das schon. es hilft sicher sich Gedanken über Szenarien zu machen um einen Rahmen abstecken zu können, aber das sollte nur ein Gerüst sein und keine Anleitung für die Zukunft.

schönen Sonntag SPOMI

Global_2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#2]
"Soweit die Thesen. Diskussion logischerweise erwünscht und erbeten."

Klasse geschrieben. Auch der Schreibstil steht dem von Wirtschaftszeitungen in nichts nach und wirkt professionell.

Die Konsequenzen fürs Trading sind schwer abzuschätzen. Klar ist aber eines: Diese Euro-Krise ist erneutes Wasser auf die Mühlen vieler Linkspopulisten. Als Schuldige für die Krise werden die Spekulanten ausgemacht, von der unzureichenden Haushaltsdisziplin der europäischen Staaten kann so abgelenkt werden. Einhergehend mit einer Belastung der Staatshaushalte für die Finanzierung der europäischen Transferunion wächst zwangsweise das staatliche Interesse an der Erhöhung der Steuereinnahmen. Dass wirkungsvoll gespart werden wird, dürfte nämlich unwahrscheinlich sein. Nicht nur in Griechenland, auch in Deutschland. Das Thema Börsenumsatzsteuer oder zukünftig wohl Finanztransaktionssteuer dürfte damit wieder an Bedeutung gewinnen. Echten Widerstand gegen diese Steuer gibt's hier in D nur noch von der FDP.

Global_2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Global_2 [#6]

und hier "isses" bereits:

http://www.presseportal.de/pm/2790/1610492/der_tagesspiegel

08.05.2010 | 14:35 Uhr | 0 Gefällt mir
Der Tagesspiegel: Steinmeier: SPD will bei NRW-Wahlsieg Bundesrat mit Finanztransaktionssteuer befassen

Berlin (ots) - Berlin - Die SPD will im Falle eine Wahlsiegs in Nordrhein-Westfalen das Thema Finanztransaktionssteuer über den Bundesrat wieder aufgreifen. "Wir werden auch Bundesratsinitiativen dazu starten", sagte Fraktionschef Frank- Walter Steinmeier dem Berliner "Tagesspiegel" (Samstagsausgabe). Die Menschen in Deutschland und in anderen Euro-Ländern erwarteten, dass die Politik die Finanzmärkte in Haftung nehme: "Wer die Finanzwirtschaft an den Kosten der Krise beteiligen will, kommt an der Transaktionssteuer nicht vorbei", sagte Steinmeier. Der SPD-Politiker verteidigte nochmals die Enthaltung seiner Fraktion im Bundestag zum Griechenland-Hilfspaket. "Die SPD stand und steht für ein geeintes Europa". Es sei eher so, "dass sich diejenigen an Europa versündigen, die nichts unternehmen, um die Finanzmärkte zu regulieren und an den Krisenkosten zu beteiligen".

scorpion260
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#1]

Ich habe überlegt, aber ich kann zu Deiner Ausführung eigentlich nicht mehr viel ergänzen.

Ziemlich genau so sehe ich die derzeitige Lage, und auch die Auswirkung auf die kommenden Jahre.

tantan
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Der Haicut mag für die Griechen eine Lösung sein, aber für den Euro nicht. Zumindestens wenn wir jetzt gutes Geld dem schlechten hinterher werfen. Nach Griechenland kommt Portugal, Spanien und und und. Wir sollte sehen, das WIR gut aus der Krise kommen und auf den Euro keine Rücksicht nehemen. Einen Eurokursverfall werden wir überstehen. Wenn wir andere Staaten stützen obwohl unser Haushalt selbst nicht gut aussieht, und das in die Hose geht werden wir selber zum Entwicklungsland. Zinsen senken und stützen geht nicht ewig gut. Spätestens bei 0-Zins sollte man damit aufhören.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ tantan [#9]

"Der Haicut mag für die Griechen eine Lösung sein, aber für den Euro nicht."

Was genau meinst Du damit? Der Default ist eine Lösung für griechische Staatsschulden. Was soll "eine Lösung für den Euro" sein?

"Wir sollte sehen, das WIR gut aus der Krise kommen und auf den Euro keine Rücksicht nehemen."

These 4 behauptet, daß beide Dinge verknüpft sind. Was bedeutet volkswirtschaftlich "gut aus der Krise kommen" ? Es bedeutet nicht nur, daß wir keine Schulden haben. Es kann auch bedeuten, daß unsere Märkte (remember: Exportweltmeister) nicht alle in die Rezession fallen.

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#10]

Das was wohl wahr ist, ist die Tatsache das der Euro ein Politikum ist und auch als solches betrachtet wird. Ebenso wie die Wiedervereinigung, welche aus historischer Sicht korrekt war.

Der Euro ist vom Gedankenspiel her ebenfalls korrekt, nur liegen zwischen wirtschaflicher Realität und politischen Phantastereien einmal Welten

Wenn wir schon Europäer sind, dann sollten auch die anderen Nationen diese Intuition haben. Das Gegenteil ist der Fall.

Europa ist für Staaten wie Griechenland, Portugal, Italien usw. die fleisch gewordene Melkkuh.

Genau das senitmentale Gefalsel von Europäer usw ist doch der Grund das die Herrnen Lügen, Betrügen , Fälschen und letztendlich darauf spekulieren das sie ungeschoren davonkommen.

Solange sich dieses Staaten und Menschen nicht an für alle geltende Regeln halten, solange ist der Euro zum scheitern verurteilt.

Oder glaubt hier irgendeiner auch nur annähernd das die Griechen die Sparmassnahmen umsetzen? Das ist genauso lächerlich wie die Annahme wir hätten ein geeintes Europa.

Das haben wir solange , solange wir pünktlich zahlen und die Schweinerein ausbügeln. In dem Moment wo wir das nicht mehr können bin ich gespannt wie geeint wir sind.

Ein Blick auf die Finanzsituation in Deutschland zeigt doch wohin der Zug fährt. Kein Geld für nichts ist vorhanden, aber 30 Mrd an die Griechen zahlen.

Ich weis nicht wie lange es dauert, bis auch bei uns die Leute auf die Strasse gehen.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ benedikt54 [#11]

Das ist vollig verständlich, was Du an Gefühl äußerst. So fühlen wohl die meisten, gar fast alle Deutschen. Jedoch machen Gefühle die Aktion von gestern nicht falsch und entkräftet nicht die Argumente 1) - 5) von oben.

Die Lage ist, wie sie ist, die Fehler sind passiert. Man kann nur nüchtern schauen, was man jetzt volkswirtschaftlich als Bestes machen kann. Schuldige für Fehler zu finden ist generell psychologisch befriedigend, aber einer Verbesserung des künftigen Verhaltens meist eher abträglich. Die, die Fehler gemacht haben, wissen das meist selbst ganz genau, ohne es von anderen reingerieben zu bekommen. Glaubst Du, die Griechen sind gerne auf einmal der Arsch der Welt, und sonnen sich in dem Bewußtsein, eigenhändig die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrundes gebracht zu haben?

Natürlich nicht. Jeder Deutsche, der künftig in Athen im Cafe sitzt und eine Bemerkung fallen läßt, wird den Cafe-Besitzer in den kommenden Jahren daran erinnern. Ich bin felsenfest davon überzeugt: Regierung und Parlament von Griechenland werden - wenn die akute Krise erst mal überwunden ist - alles, alles tun, um von dem Spitzenplatz in der Schuldenliste weg zu kommen. Man könnte jetzt dort auch die Kommunisten dran lassen, selbst das würde nichts ändern. Die Griechen werden beim nächsten Mal nicht diejenigen zu sein, welche ...

Man sollte nun sehen, daß man den Druck überträgt auf die anderen Kandidaten, damit sie ihr Haus in Ordnung bringen, um nicht als nächste am Pranger zu stehen.

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#12]

Warum sollte es nicht möglich sein, das die Griechen aus dem Verbund aussteigen? Wenn hier als Argument herangezogen wird das es Verträge gibt, dann kann man dagegenhalten das sie sich ja auch nicht an die Verträge gehalten haben.

Wer bescheisst, belügt und betrügt fliegt raus. Ganz einfach.

Ich denke, das diese Massnahme einen massiven erzieherischen Effekt auf alle Teilnehmer hätte.

Mal ganz abgesehen von der Glaubwürdigkleit.

Griechenland inflationiert und die Banken bleiben auf den Verlusten aus den Anleihen hocken. Kommt vor wenn man spekuliert.
Aus Amen.

Wenn Sie wirklich nicht in der Lage wären die Belastung zu stemmen, dann soll der Staat bürgen. Wie schon einmal erwähnt, die Wahrscheinlichkeit von einer deutschen Bank das Geld zurückzubekommen, ist allemal höher als die Wahrscheinlichkeit das Griechenland zahlt.

Es handlelt sich doch nicht um ein unumstössliches Dogma, sondern eine politsche Entscheidung die getroffen wurde und die sich als falsch herausgestellt hat.

Wieso kann man sowas nicht rückgängig machen?

Ist es so schlimm zuzugeben das man in teilbereichen gescheitert ist?

Exportweltmeister waren wir auch schon vor dem Euro. Man tut so als würde die Welt zusammenbrechen.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ benedikt54 [#13]

siehe oben # 4)

Global_2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ benedikt54 [#13]

Warum sollte es nicht möglich sein, das die Griechen aus dem Verbund aussteigen?

Weil das dann der Beginn des Zerbrechens der Euro-Zone wäre. Die Märkte würde sich dann sofort darauf einstellen, dass mittelfristig weitere Kandidaten aussteigen. Die Folgen für die Banken und das Finanzsystem wären völlig unkalkulierbar, es würde blankes Chaos herrschen. Mit Negativ-Folgen auch für Deutschland.

Exportweltmeister waren wir auch schon vor dem Euro. Man tut so als würde die Welt zusammenbrechen.

wobei die deutschen Mittelständler notorisch eigenkapitalschwach sind.
Das hat in D auch kulturelle Gründe, eine Aktienkultur gibt es ja nicht, und Aktionäre sind was grundsätzlich Böses. Man erkennt das schon, wie wenig Industrie an den deutschen Börsen eigentlich gelistet ist, wie wenig das deutsche Aktienuniversum also die deutsche Wirtschaft wirklich repräsentiert. Da findet man ja teilweise Industriekonzerne mit Operationen in Deutschland eher an US-Börsen als hier an dt. Börsen.

Schau Dir doch nur mal als Beispiel eine Gildemeister (Masch.Bau) an: sie ist hochverschuldet, margenschwach. Die Banken verdienen an ihr aber gut.

Höhere Zinsen würden sofort bei solchen Industriekonzernen zu Problemen führen. Das Gejammer während der Finanzkrise gab's doch nicht nur von Banken, bezeichnenderweise riefen auch hochverschuldete Industriebetriebe (z.B. Auto-Zulieferer) nach einem staatlichen Rettungspaket. Ich hatte damals gedacht: niemand hat die gezwungen, so ein hohes Gearing mit Fremdkapital und nur wenig Eigenkapital zu fahren. Das ist eben der Fall, wenn die Eigentümer einerseits die Rendite auf ihr Eigentkapital maximieren wollen, anderseits aber auch nicht mit Aktionären teilen wollen, woraufhin dann eben kaum Eigenkapital per Börsengang beschafft wird. Gelistet an dt. Börsen werden überlichweise oft fundamental nur begrenzt attraktive Unternehmen oder eben Stocks aus New-Economy Sektoren (Solar, Medien), bei denen dann die Aktionäre sehr viel Risiko tragen sollen.

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Global_2 [#15]

Sorry, sehe ich nicht so, aber die Zeit wird es zeigen.

Ich glaube eher das der Euro massiv an Glaubwürdigkeit gewinnen würde, wenn man ein Exempel darstellen würde.

Mit dem angeblichen Rettungsschirm (ho,ho.ho) hat die EZB als Hüterin der Geldwertstabilität ihren Status am Wochenende an die Politik abgegeben.

Dieser Schritt wird den Euro jetzt wohl wirklich massiv schwächen.

Aus diesem Grund habe ich ihn auch Heute bei 1.3040 verkauft.

tantan
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Das Problem ist doch nicht nur Geld und Wirtschaft. Das Problem ist das es immer die selben sind die Zahlen und immer die selben die bekommen. Und zwar völlig unabhängig vom Schuld und Fehlern. Jeder hat doch schon von den Expiriment gehört, wo einer nach gut dünken verteilen darf und der andere nur die Wahl hat zu akzeptieren oder beide leer ausgehen zu lassen. Der dt. Steuerzahler ist nun soweit alle (dt. Politiker, Banker, Manager, ...und sich selber) leer ausgehen zu lassen. Last uns das Spiel alle als Verlierer beenden. Es ist nähmlich ein dummes Spiel.

Archie
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ benedikt54 [#16]
"...habe ich ihn auch Heute bei 1.3040 verkauft."
Böser Spekulant! ;)

In der Zeitung gab es heute einen sehr guten Kommentar:
Die Kritik der Politiker an den Spekulanten sei genauso dumm und nutzlos, als wenn jemand das Fieberthemometer beschimpft, weil es erhöhte Temperatur anzeigt.

Global_2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ benedikt54 [#16]

ich sehe es ja auch so: es wäre in einer Weise völlig richtig, GR aus dem EUR rauszunehmen und ein Exempel zu statuieren.

Aber Hintergrund für dieses "EU-Rettungspaket" ist die blanke Angst vor dem Entstehen eines Flächenbrandes, d.h. dem Übergreifen auf weitere Staaten und dann in Folge auf das ganze Finanzsystem. Finanzkrise 2.0 reloaded.

Selbst wenn dt. Banken + Versicherungen nicht viel direktes Exposure zu den Problemstaaten haben, sie können auch indirekt mit drinhängen, da Banken sich eben untereinander Geld leihen. Niemand kann doch wirklich sagen, was im Fall einer Eskalation passieren würde. Und eine Eskalation kann doch kaum gewollt sein (höchstens manche Spekulanten wünschen sich das und jubeln dann dabei, wenn die Rechnung aufgeht).

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Global_2 [#19]

Wieso denn?

Ein sogenannter Flächenbrand ist doch bereits durch die Spekulation eingepreist worden. Es überrascht doch wirklich keinen, wenn nun auch noch Italien oder Spanien oder Portugal antanzt.

Ein wesentlich grösserer Schaden wäre meineserachtens nicht entstanden.

Wie gesagt, im Gegenteil.

Das ganze hätte positive Auswirkungen auf das Verhalten der teilnehmenden Länder und der in der Einschätzung des Marktes.

Das was wir jetzt haben ist nur eine Bestätigung das Korruption, Misswirtschaft und Bilanzfälschung ein Vergehen darstellen was zwar mit widerwillen gedulded wird, aber es bleibt ohne Wirkung auf die Verantwortlichen.

Die Geldschleusen sind geöffnet worden und die EZB quasi entmachtet.

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@
Es wird auch immer mit einem Angriff auf die Eurozone und den Euro geschwafelt.

Vielleicht kann man sich noch daran erinnern, das der Euro nach Einführung bei 1,18 notierte und dann bis in den unteren 0,80 Bereich abgewertet wurde.

Eben, wegen mangelnden Vertrauen.

Heute notiert er bei 1.30

Von einer wirklichen Schwäche kann man wohl kaum reden. 200 und mehr pips hat der Markt doch schon nach schwachen US Zahlen an den Tag gelegt.

Global_2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ benedikt54 [#20]

Es ist nicht so, dass ich selber dieses EU-Rettungspaket völlig befürworte. Ich sehe es kritisch, auch die Auswirkungen auf die Geldwertstabilität und die Gefahr, dass Misswirtschaft weiter ohne Konsequenzen bleibt.
Steuergeldverschwendung sehe ich ja schon in D extrem kritisch, wieso sollte ich diese dann in GR befürworten?

Aber: Wenn ich wählen muss zwischen "einem geordneteren Angehen der Probleme" (1) und einem "Flächenbrand mit Systemzusammenbruch in nur kurzer Zeit, der dann Chaos und Tumult produziert" (2), dann erscheint mir Variante (1) als diejenige, die den kleineren Schaden anrichtet. Die Probleme verschwinden dadurch nicht. Aber es wird Zeit gewonnen, die Probleme _etwas_ überlegter anzugehen (hoffentlich).

sbendel
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Eigentlich alles wie erwartet (befürchtet). Es fängt ja immer harmlos an, und dann wird aufgrund der daraus folgenden Konsequenzen der nächste Schritt gerechtfertigt. Jetzt werden erstmal die Altschulden auf alle noch halbwegs solventen Staaten umgeschuldet. Wenn das erledigt ist, dann kann auch Griechenland (mit den höheren Schulden) seinen Haicut bekommen. Damit wird die Staatsverschuldung bei allen Staaten auf eine Level gebracht (dann wohl um die 100% vom GDP).
Und beim nächsten und letzten Krisenschritt wird dann die Solvenz der starken Länder in Frage gestellt. Und dann gibt es keine noch grösseren mehr, der den Bailout stemmen könnte - Game out - please reset.

Habe gerade eine Menge Zeitungen quer gelesen (dann im Urlaub und zu viel Zeit). Was dabei nochmal sehr klar wurde, die Leute wollen immer einen spezifischen Grund für ein Problem, etwas was sie einfach ändern könnten. Deshalb auch immer die 'fat finger' Theorie beim letzten Absturz. Das aber durch die Struktur, die wir in den letzten Jahren geschaffen haben, da ganze Gebilde instabil ist, dass traut sich keine zu zu geben. Da sucht mal leibver irgendwo den einzelen Fehler. Deshalb wird auch hier auf Spekulanten und einen Angriff auf den Euro gewettert. Problem löst man so natürlich nicht.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

"... wird dann die Solvenz der starken Länder in Frage gestellt."

Ich verstehe Euer Problem nicht. Nach dem Vorgehen der EZB gestern kann man die Solvenz der Euro-Länder nicht mehr in Frage stellen. Genauso, wie die Solvenz der US-Regierung nicht in Frage gestellt werden kann, solange die Fed alle ausgegebenen Staatsschulden einfach aufkauft. Falls Spanien der Bankrott drohen würde, war bis vorgestern höchst unklar, ob die Euro-Zone genug Geld aufbringen kann, um Spanien zu stützten. Seit gestern stellt sich die Frage nicht mehr.

Wie schon andere ganz richtig sagten: es gibt keine einfachen, richtigen Lösungen für das aktuelle Problem. Angesichts dessen, finde ich dieses Vorgehen gar nicht so schlecht.

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#24]

Die Solvenz ist doch nicht das Problem, das hat man gelöst.

Der Euro wird abkacken.

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Archie [#18]

1.2782

Ein böser Spekulant, aber dafür gut gelaunt,-)))

dhp05
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#1]

" Stellen wir uns beispielsweise vor, wir wären ein Berater von Frau Merkel mit dem Auftrag, eine Studie über mögliche Lösungwege zu erstellen. Oder wir wären ein Diktator"

Damit ist schon viel gesagt; soviel, wie wenn Rio Reiser singt "wenn ich der könig von deutschland wär".

Ich stell mir nicht vor, ich wäre der Berater von Frau Merkel, ich stell mir auch nicht vor, wenn ich schon nicht der bessere Berater bin, ich würde zumindest bessere finden, als die, die sie hat.

Ich stell mir niemals vor, wie etwas anders hätte enden könnten, nachdem es anders geendet hat.

Ich stell mir aber vor, dass es besser ist, daß keiner der TMW'ler einen Auftrag von Frau Merkel bekommt.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ dhp05 [#27]

Sorry, ich kapier nicht, was Du mit dem Beitrag sagen willst.

dhp05
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#28]

naja.

Dein ausgangspunkt ist "wir, einer von uns" dürfte mal denken, handeln, lenken.

Was ich sagen will, oben eigentlich schon gesagt habe:

Die Welt ist nicht, dass ich mir jetzt mal vorstelle, Berater von Frau Merkel zu sein.

Überspitzter: Auf TMW trifft man sich, nicht um Berater zu werden, sondern umgekehrt, um aus dem was andere tun, vielleicht erfolgreiche Schlüße zu ziehen.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ dhp05 [#29]

Ich meinte es eher so, ist vielleicht nicht gut rüber gekommen: einer von uns, oder wir zusammen, erstellen eine Entscheidungsgrundlage. Wir denken die verschiedenen Möglichkeiten durch. Schlüsse für sein Trading muß hier eh jeder selbst ziehen, da hast Du recht. Aber gemeinsam Nachdenken bringt allemal mehr als alleine denken, nicht unbedingt was die Richtigkeit der Schlußfolgerungen angeht, aber allemal was die Breite der Denkmöglichkeiten angeht.

Hat leider bisher nicht gut geklappt. Niemand hat meine Thesen ernsthaft angegriffen, oder andere aufgestellt. Niemand hat gar seine Meinung etwas tiefer begründet.

dhp05
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#30]

ok. ich melde mich später noch mal, deine Überschrift aufgreifend.

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