Richard Ebert
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Inflation: Sind Aktien ein Schutz gegen die Geldentwertung ?

Viele Aktien sind ein trügerischer Schutz gegen die Geldentwertung - An einen Verbraucherpreisindex gekoppelte Anleihen sichern die Kaufkraft

Von Stefan Ruhkamp

Frankfurter Allgemeine Zeitung, FAZ (27.08.09) - Als Schutzimpfung des Depots gegen Inflation empfehlen Vermögensberater ihren Kunden häufig den vermehrten Kauf von Aktien. Sie seien Sachkapital und verschafften Eigentumsrechte an Immobilien, Maschinen und Vorräten der Unternehmen. Doch dieser Rat ist mit Vorsicht zu genießen, denn nicht alle Aktien sichern das Depot verlässlich gegen die Geldentwertung ab.

Die Erfahrung früherer Inflationsphasen zeigt, dass die Aktienmärkte in Zeiten steigender Teuerungsraten zunächst an Wert verlieren. Über längere Zeiträume betrachtet, entwickeln sie sich dann zwar während einer Inflation deutlich besser als Anleihen mit langer Laufzeit und festen Zinsen. Das muss aber nicht für alle Aktien gleichermaßen gelten.

So sind nicht alle Unternehmen in der Lage, die in einer Inflation steigenden Einkaufspreise und höheren Lohnkosten an die Kunden in Form von höheren Verkaufspreisen weiterzureichen. Die Erträge können unter Druck geraten. Selbst wenn die Preissetzungsmacht ausreichend groß ist, kann der Aktienkurs fallen. Denn dann bleibt zwar der Gewinn gleich oder steigt in nominalen Werten sogar. Doch der Wert von Aktien, kann als Barwert aller künftigen Gewinne verstanden werden. In einer Inflation steigen die Zinsen, was den Barwert der künftigen Erträge reduziert.

Der in einer Inflation zu erwartende Zinsanstieg kann vor allem die Aktien von Finanzunternehmen unter Verkaufsdruck setzen. Die meisten Banken haben einen Teil ihrer Kredite mit festen Zinsen vergeben. Zudem ist die Laufzeit ihrer Forderungen gegen die Kreditnehmer meist deutlich länger als die durchschnittliche Laufzeit der eigenen Finanzierungen. Steigt das Zinsniveau wegen aufkeimender Inflationserwartungen, bleiben die Einnahmen aus den schon vergebenen Krediten gleich, während die Kosten der Bankenfinanzierung steigen. Das kann im Extremfall sogar zu einer existenzgefährdenden Bedrohung werden.

Zinsänderungsrisiken bestehen auch für Aktien von Versicherungsunternehmen. Die Lebensversicherer profitieren zwar einerseits von steigenden Zinsen, weil sie die ihren Kunden garantierten Zinsen leichter erwirtschaften können. Doch wenn die Zinsen schnell steigen, können die Kunden ihre Verträge kündigen und sich auszahlen lassen, um das Geld zu höheren Zinsen neu anzulegen. Viele kapitalbildende Lebensversicherungsverträge sind zudem mit garantierten Rückkaufswerten ausgestattet, so dass ein rascher Zinsanstieg für die Versicherer teuer werden kann. Denn sie haben ihr Vermögen zu einem großen Teil in Anleihen mit fester Verzinsung angelegt, die bei steigenden Zinsen an Wert verlieren.

Der Inflationsschutz von Aktien ist umso größer, je stärker die Marktposition der Unternehmen ist. Sind die Produkte gefragt und ist der Absatz dauerhaft gesichert, dann können Unternehmen auch in Inflationszeiten ihre Einnahmen so schnell steigern, dass die Inflationsrate mehr als ausgeglichen wird. Hilfreich ist auch eine langfristige Finanzierung der Schulden, denn dann erhöhen die steigenden Zinsen die Schuldenlast erst mit zeitlicher Verzögerung. Bis dahin entwertet die Teuerung die zu günstigen Zinssätzen aufgenommenen Schulden.

Bieten Aktien den Anlegern zumindest einen relativen Schutz gegen die Geldentwertung, sind sie mit festverzinsten Anleihen dagegen der Teuerung ausgeliefert. Der bei steigenden Inflationserwartungen zu erwartende Zinsanstieg, drückt den Kurs der schon gekauften Anleihen. Je länger die Restlaufzeit, desto größer sind die Einbußen. Bargeld oder sehr kurze Laufzeiten verhindern zwar die Kursverluste, aber auf Dauer bieten sie nur geringe Zinsen. Wird der erwartete Anstieg der Inflationsraten Wirklichkeit, leidet auch das kurzfristig angelegte Geld.

Eine Alternative kann der Kauf von langfristigen Anleihen mit Inflationsschutz sein. In Amerika und Großbritannien haben solche Anleihen jahrzehntelange Tradition. Der deutsche Staat hat vor einigen Jahren seine ersten inflationsgeschützten Anleihen begeben. Sie bieten einen relativ geringen Kupon. Zehnjährige deutsche Inflationsanleihen versprechen derzeit eine Rendite von 1,5 Prozent, rund 1,8 Prozentpunkte weniger als normale Bundesanleihen mit gleicher Restlaufzeit und fester Verzinsung, die einen jährlichen Ertrag von 3,3 Prozent erwarten lassen.

Trotz der geringeren Zinsen sind die Inflationsanleihen für viele Anleger attraktiv, weil Kupon und Tilgung an einen Verbraucherpreisindex gekoppelt sind. Steigt der Index zum Beispiel um 5 Prozent von 100 auf 105 Punkte, werden auch der jährliche Zinskupon und der Rückzahlungsanspruch mit dem Faktor 1,05 multipliziert. Auf diese Weise bleibt die Kaufkraft des Vermögens auch bei hohen und schnell steigenden Inflationsraten erhalten und wächst sogar langsam. Zuletzt haben sich solche Anleihen allerdings kräftig verteuert. Nun verspricht der Kauf nur dann ein besseres Ergebnis als bei normalen Anleihen, wenn der Anleger für die nächsten Jahre mit Inflationsraten von mehr als 1,8 Prozent rechnet.

Für den Fall, dass es ganz anders kommt und das Niveau der Verbraucherpreise in einer Deflation dauerhaft sinkt, sollten die Anleger eine Besonderheit der Inflationsanleihen berücksichtigen. Der Nennwert der Anleihen ist zwar auch für den Fall eines sinkenden Preisindex garantiert. Doch wer jetzt investiert, kauft in der Regel Anleihen, die aufgrund steigender Preise schon von Erhöhungen der Zinsen und des Rückzahlungsanspruchs profitiert haben. Diese Aufstockung kann in einer Deflation verlorengehen. Ist seit der Emission der Verbraucherpreisindex um 10 Prozent von 110 auf 121 Punkte gestiegen und fällt er nun auf 110 zurück, gehen Zins und Tilgungsanspruch auf das ursprüngliche Niveau zurück. Würde der Index allerdings danach noch weiter fallen, blieben Zins und Tilgung gleich.

(Quelle: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/)

Geschrieben von Richard Ebert am
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