Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Kommunen erleiden Verluste: Zinsderivate sind keine Wettgeschäfte

Kommunen erleiden Verluste - Im Würzburger Rathaus wächst der Ärger

„Zinsderivate sind keine Wettgeschäfte“

Von Johannes Banner und Björn Reinhardt

Frankfurter Allgemeine Zeitung, FAZ (04.07.07) - Seit einigen Jahren setzen der Bund, die Länder und die Kommunen vermehrt derivative Finanzinstrumente vor allem zur Steuerung ihres aus Kreditaufnahmen entstehenden Zinsänderungsrisikos ein. Sie nutzen damit ein in der Privatwirtschaft entwickeltes Finanzinstrument, das Unternehmen zur Diversifikation und Absicherung ihrer Portfoliorisiken bereits seit Jahrzehnten einsetzen. Nach dem jüngsten Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) betrug das gesamte weltweite Nominalvolumen von Derivategeschäften im vergangenen Jahr 300 Billionen Euro. Für Deutschland wird der Gesamtmarkt auf mittlerweile rund 121 Milliarden Euro geschätzt, wobei die Transaktionen kommunaler Körperschaften in diesen Zahlen enthalten sind.

(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.faz.net/s/Rub42AFB371C83147B795D889BB33AF8404/Doc~EE026DDF16D324B4487DD6C86243C739D~ATpl~Ecommon~Scontent.html?rss_aktuell)

Geschrieben von Richard Ebert am
Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Riskante Zinsgeschäfte - Deutsche Bank soll zahlen

n-tv.de (31.03.08) - Die Deutsche Bank ist im Rechtsstreit mit Kommunen um Millionenverluste aus riskanten Zinsgeschäften erstmals zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht Würzburg sah es als erwiesen an, dass Deutschlands größtes Geldhaus zwei Versorger der fränkischen Stadt beim Abschluss einiger Zinsgeschäfte unzureichend über dessen Risiken aufgeklärt hat. Daher müsse die Bank knapp eine Million Euro Schadenersatz zahlen.

(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.n-tv.de/941803.html?310320081444)

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Richard Ebert [#2]

Kommunen ins Zinsderivatgeschäften,

Landesbanken in Kreditderivaten

Wir sind ein Land in dem alles reglementiert wird. Nur Frage ich mich was haben diese Einrichtungen am Markt für Derivate zu suchen.

Verdammt nochmal, nichts, aber auch gar nichts.

PeterF
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@benedikt54 [#3]

Die Schlussfolgerung ist weit verbreitet, aber komplett falsch. Auch Kommunen, insbesondere die kommunalen Eigenbetriebe, haben Zinsänderungsrisiken. Bei Landesbanken können Kredite an Unternehmen herbe Verluste erleiden, wenn das Unternehmen in Konkurs geht. Hier kann das Risiko mit einem Kreditderivat reduziert werden. Derivate dienen beiden Institutionen, ihre Risiken zu begrenzen. Ohne den Einsatz von Derivaten ist die Verlustgefahr und die Folgen für den Steuerzahler noch größer.

Nur wenn der Absicherungsaspekt in den Hintergrund tritt und die Gier dominiert, dann wird es gefährlich.

Diese Spread-Ladder Swaps waren 2004/05 en vogue. Viele Kunden haben die Warnungen, die es ja auch von einigen Research-Abteilungen gab, einfach nicht hören wollen. In dem Umfeld niedriger Zinsen am langen Ende wollte jeder halt einen Schnapps mehr verdienen. Aus diesem Grund haben Kommunen, aber auch mittelständische Unternehmen sich in den Spread-Ladder Swaps getummelt. Landesbanken haben mit AAA geratete CDOS gekauft, die ja beim gleichen Rating wie Bundesanleihen doch einen Renditevorteil geboten haben, der als Prämie für die geringere Sekundärmarktliquidität betrachtet wurde.

Es war allerdings leichter vorherzusehen, dass sich die Renditestrukturkurve abflachen wird und somit die Spread-Ladder Swaps zu einem Bumerang werden. Dass es für Papiere mit einem AAA Rating aber von heute auf morgen keinen Markt mehr gibt, weil sich die Banken gegenseitig nicht mehr vertrauen und es deshalb zu massiven Abschreibungen kommt, war jedoch überraschend. Dies war auch in früheren Krisen nicht der Fall.

AAA
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ PeterF [#4]
"...Bei Landesbanken können Kredite an Unternehmen herbe Verluste erleiden, wenn das Unternehmen in Konkurs geht. Hier kann das Risiko mit einem Kreditderivat reduziert werden. ..."

Kann man die Funktionsweise (ein Bsp.) in zwei drei Sätzen für den "Laien" beschreiben?

autokor
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ AAA [#5]

Oft werden grosse Kredite an Konzerne über sogenannte Credit Defaulted Swaps abgesichert. Die Kredite sind dann zar noch auf den Büchern der Banken aber das Risiko und natürlich auch die Chance auf die Überrendite wird von den Käufern des CDS getragen. Auch können Kreditkörbe gebündelt und in ABS Papieren gebündelt werden oder eben als CDO etc verkauft werden. usw.

@ benedikt

Derivate sind wie alles zweischneidig.
Aber meist werden sie betriebswirtschaftlich sinnvoll dazu verwendet Risiken zu reduzieren und sei es nur dadurch sein Kreditportfolio zu diversifizieren.
Besser nämlich einmal den US Immomarkt mitzuertragen als ganz und gar am regionalspezifischen Kreditrisiko zu hängen und dann wirklich die Pforten dicht machen zu müssen.

Grüsse

Grüsse

AAA
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ autokor [#6]
Da kommt doch aber die Absurdität zum Vorschein, wenn ich das richtig verstanden habe, kauft dann das mittelständische Unternehmen die Kreditrisiken eines anderen Unternehmens, das die Bank nicht tragen "will"...
Für die Bank macht das Sinn, aber wo liegt der Sinn für den Käufer? Vor allem im Falle von "Kommunen/mittelständischen Unternehmen".

Da frage ich mich dann auch wie benedikt54, was haben Kommunen etc. da zu suchen?

"...Chance auf die Überrendite..."

Hihi... Gibt es nicht den Spruch, dass man nur mit Geld spekulieren soll, das man ebensogut aus dem Fenster werfen könnte? ;-))

autokor
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ AAA [#7]

Es ist nun einmal das Geschäftsmodell einer Bank darauf zu spekulieren dass die Kreditnehmer ihre Kredite zurückbezahlen können respektive die Zinsmarge Ausfälle überkompensiert.

Käufer sind ja auch meist Banken /Hedgefonds wie man ja gerade sehen kann...

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ AAA [#7]

Ich vermute, dass so manche Kommune derart klamm ist, dass sie lieber mal ein riskantes Geschäft eingeht, zumal es von der Bank empfohlen wurde und Triple A drauf steht. Das kann man der Bürgerschaft dann noch erklären wenn was schief geht. Es gleich ins Casino tragen ist halt zu pikant.

PeterF
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@AAA [7]

Zudem was autokor geschrieben hat, lässt sich noch ergänzen, dass auch Versicherungen in diesem Geschäft tätig sind, wie die Beispiele der sog. Monoliner in den USA gezeigt haben.

Eine Kommune sollte natürlich nicht in Credit Default Swaps spekulieren. Das ist nicht deren Aufgabe. Aber mit Swaps, auch strukturierten Swaps kann eine Kommune das Zinsänderungsrisiko begrenzen.

Bei den Credit Default Swaps CDS zahlt jemand mit einem Kreditrisiko in seinen Büchern eine jährliche oder halbjährliche Prämie in Prozent eines vereinbarten Nominalbetrags. Dies reduziert seinen Nettozinsertrag aus dem Kreditengagement. Kommt es jedoch zu einem Kreditausfall (wie auch immer in den Verträgen definiert), dann zahlt die Gegenseite einen bestimmten, vorher festgelegten Betrag. Somit läßt sich das Konkursrisiko deutlich begrenzen.

Hätte die WestLB dies bei ihrem Engagement bei BoxClever auch gemacht, der Steuerzahler und der Finanzminister in NRW wären glücklich. Der Schaden wäre viel geringer ausgefallen.

Kommunen und Landesbanken sollten Derivate einsetzen, aber nur um sich gegen Risiken abzusichern. Die Spekulation in Derivaten sollten sie anderen überlassen, die die Risiken offener Positionen auch tragen können und wollen.

Gast

Zinsderivate im Prinzip durchaussinnvoll sein, um sich die günstigen Zinsen auch in Zukunft zu sichern. Nur sollte man dass dann nicht als Spekulation betreiben und im allgemeinen ist es auch güstiger, einfach einen Bund future short zu gehen anstatt ein überteuertes Bankprodukt zu kaufen (vermutlich ist das der Sinn strukturierter Produkte, die Gebühren möglichst gut verstecken, die man den Kunden aufdrückt)

AAA
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ autokor [#8]
Damit ist dann aber die Frage für den "Laien" noch nicht beantwortet, woher die Zinsänderungsrisiken kommen, oder habe ich etwas übersehen? Aus Krediten mit variablem Zinssatz?

Siehe @ PeterF [#4]
"Auch Kommunen, insbesondere die kommunalen Eigenbetriebe, haben Zinsänderungsrisiken."

Das ist doch dann ein "Katz und Maus Spiel", wenn man das eine Risiko gegen ein anderes tauscht! Und vor allem stelle ich mir vor, dass man da ein überschaubares Risiko gegen ein unübersichtlicheres Risiko tauscht.
Wie sagt man immer so altklug an der Börse, die Hoffnung stirbt zuletzt...
Und das Eigentor ist dann schon auf dem Wege zur Kommune. ;)

autokor
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ AAA [#12]

Zinsäderungsrisiken können aus einer variablen Verzinsung rühren oder aber natürlich daraus dass ein Kredit fällig wird und gerollt werden muss usw...

@ bendel [#11]

Klar. Aber das ist halt das Spiel. Die Bank bastelt was um und verkauft es denen die keine Ahnung davon haben und auch nicht wissen was ein Bundfut ist oder eine Option auf den Bund usw.
Macht ein Bäcker ja auch so. Nimmt Mehl und Wasser und verkauft Brot an Leute die keins backen wollen oder können mit einem Aufschlag.

Grüsse

PeterF
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@bendel [#11]

Wenn man das Know How hat, um ein Produkt zu strukturieren, kann man dies als Unternehmen oder Kommune auch selbst. Die Banken vertreiben auch die einzelnen Bestandteile. Das ist ähnlich wie bei den Aktienanleihen, die bei Privatanlegern beliebt sind, die kann man über die Eurex auch selbst zimmern. Die Gebühren sind dann halt die Fee für die Zeit und das Know How.

@AAA [#12]
Bei einem Kredit mit variabler Verzinsung besteht das Risiko darin, dass die kurzfristigen Zinsen steigen und dann der Zinsdienst deutlich teurer wird. Das hat ja in den USA bei vielen der subprime Hypotheken zum Problem geführt. Bei einer Kommune kann es zu einem Problem für den Haushalt werden. Bei einem Festsatzkredit besteht das Risiko darin, dass bei einer Anschlussfinanzierung die Zinskosten steigen. Aber es ist auch ein Risiko, dass man in Zeiten fallender Zinsen diesen Vorteil nicht nutzen kann. All diese Risiken lassen sich mit den verschiedenen Zinsderivaten steuern.

Eine Rolle für den Einsatz von Zinsderivaten kann jedoch auch das Ausnutzen von relativen Kostenvorteilen sein. Eine Finanzierung mit variablem Zinssatz und Swap kann für einen Kreditnehmer günstiger sein, als ein langfristiger Festsatzkredit, auch wenn beide Alternativen zum gleichen Ergebnis einer langfristig sicheren Zinsbelastung führen.

dhp05
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ PeterF [#10]

"Eine Kommune sollte natürlich nicht in Credit Default Swaps spekulieren. Das ist nicht deren Aufgabe. Aber mit Swaps, auch strukturierten Swaps kann eine Kommune das Zinsänderungsrisiko begrenzen."

Bei den oben angesprochenen Ladder-swaps ist die Konstruktion gerade umgekehrt. Die Deutsche Bank versichert sich in diesem Fall zu Kosten einer Zinsprämie bei den Würzburgern. Und die übernehmen das unbegrenzte Risiko!

Ich kann mich daran erinnern, dass in der werbemäßigen Begleitung eine "Marketing"-Fachfrau der DB in entsprechenden Interviews auch darauf hinwies.

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Ich bin zwar jetzt auch schon ein paar Jährchen aus dem Bankgeschäft ausgeschieden, aber dennoch erschliesst sich mir nicht was hier eigentlich gelaufen ist.

In den neunzigern gab es doch auch ein Kreditwesengesetz, kurz KWG. In diesem wurde und wird die Vergabe von Krediten geregelt. Also Ausgabe von Krediten in Korrelation zum Eigenkapital usw. usw.

Mir erscheint es so, das die Gesetze nur für die kleinen Angestellten gelten, welche sofort mit Abmahnungen usw. rechnen müssen wenn ein kleiner Verstoss vorliegt.

Wo werden oder wurden denn diese ganzen Konstrukte gehandelt? CrditDefault Swaps und wie der ganze Scheiss genannt wird.

Börse in dem Sinne von Angebot und Nachfrage gibt es wohlnicht oder?
Gleicht wohl eher dem Zertifikatehandel, wo der Käufer mehr oder weniger der Willkür des Emmi ausgesetzt ist.

Kann mir das jemand bitte erklären, wo und wie gehandelt wird?

Danke

dhp05
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ benedikt54 [#16]

"Kann mir das jemand bitte erklären, wo und wie gehandelt wird?"

OTC das meiste. Wertpapierschöpfung der Banken, gehandelt am eigenen Tresen. Und mit Fristen (im Gegensatz zu Börsen, wo Verzinsungsversprechen ohne Frist gehandelt werden).

Zur Frist braucht es einen Anschlußkäufer. Und wenn der ausbleibt, wie seit Mitte vorigen Jahres, hat man das Abschreibungproblem, mit dem sich nun halt herumgeschlagen wird.

PeterF
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@dhp05 [#15]

Die Spread-Ladder Swaps sind ein gehebeltes Produkt auf die Entwicklung der Swapkurve, genauer gesagt, der constant maturity swaps (CMS). Durch den Hebel bei einem symmetrischen Finanzinstrument, wie dem Spread-Ladder Swap, tritt der Absicherungszweck klar in den Hintergrund und es dominiert die Spekulation auf die Kurvenänderungen. Dieses Produkt war von vornherein nicht zur Absicherung geeignet, sondern eine Spekulation, um Zinskosten zu senken, sofern sich die Kurve in die richtige Richtung bewegt. Aber viele Käufer dieser Produkte haben einfach den Kopf in den Sand gesteckt, als sich die CMS Kurve immer mehr abgeflacht hat.

Aber mit dem Verkauf des Spread-Ladder Swaps ist die DB erst einmal gegenüber dem Kunden in Obligo und hat selbst eine Risikoposition. Aber die DB kann sich durch Gegenpositionen gehedget haben, um mit diesen Produkten kein Risiko einzugehen. Ich habe aber auch von Instituten gehört, bei denen die Kunden dieses Produkt unbedingt haben wollten und man dann die Position offen gehalten hat. Das war dann zweifacher Verdienst, einmal an den fees und noch an der Kurvenänderung.

dhp05
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ PeterF [#18]

ich schau mal morgen, ob ich hier nochmal die Antwort finde, die ich schon mal gegeben habe auf die Frage "was die Würzburger da überhaupt unterschrieben habne"

Aber vorneweg: Wie kommst denn, wenn du Verträge kennst, auf den abwegigen Gendanken, dass db Risiko übernommen hätte?

PeterF
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@dhp05 [#19]

Ich habe nie behauptet, dass ich die Verträge der DB kenne. Aber wenn die Würzburger mit der DB einen Vertrag über einen Spread-Ladder Swap abgeschlossen haben und die DB Vertragspartner für die Zahlungen aus dem Swap sind, dann ist die DB auch Obligo und hat hieraus ein Risiko. Dieses kann sie aber durch entsprechende Gegengeschäfte sofort hedgen. Sie hat dann nicht mehr das Risiko aus sich veränderten kurz- und langfristigen Swapsätzen, sondern nur noch das Counterpartyrisiko, falls die Gegenseite in Konkurs geht, was ja bei privaten Unternehmen (an die diese Produkte auch verkauft wurden) der Fall sein kann.

Was ich zu den Klagen gegen die DB in der Presse gelesen habe, war die DB bei den Spread-Ladder Swaps nicht nur als reiner Berater oder als Makler zwischen zwei Vertragsparteien tätig, sondern selbst Gegenseite im strukturierten Swap. Und natürlich sollte man nicht vergessen, dass bei einem Swap immer Zahlungsströme ausgetauscht werden. Wäre der Spread auseinandergelaufen, hätten die Würzburger ein Geschäft gemacht, aber so ging die Spekulation nicht auf.

dhp05
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ PeterF [#20]

hier mal der Link zum Interview mit dem "Fräulein Marketing":

http://www.bdp-aktuell.de/pdf/bdp-aktuell-12.pdf

(Seite 8) Dort das bestechende Urteil: "

Der maximale Zinsvorteil beträgt 3% p.a.. Die Höhe der eventuellen Belastung kann nicht bestimmt werden."

Und noch der Link hin zu einem, der sich die Mühe gemacht hat anzuschauen, was da eigentlich zur Unterschrift vorgelegt wurde:

http://www.neschle.de/index.php/blog/neschle-depeschle-9/

AAA
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ dhp05 [#21]

"Mein Gott, welch ein Schalk!
Stadtwetten einmal anders!

Ich sehe einen positiven Trend. Tiefer kann es nicht mehr gehen.
(Olaf Thon) "

Der Absatz reicht dem "Laien" doch schon, um seine Meinung zu bestätigen, dass diese Geschäfte (Stadtwetten) nichts für Kommunen sind:

"Neschle wird daher die Vertragstruktur eines CMS Spread Ladder Swaps erklären und die Tatsache, dass die Bank bei diesem Roulette ein fast sicherer Sieger ist, weil ihr wesentliches Risiko vom wettenden Vertragspartner ‚Stadt’ getragen wird. Die Gemeinde fungiert und funktioniert hierdurch als „Gewinnversicherer“ der Bank!"

Der Absatz ist auch interessant!

"Politische Begleitmusik liefert dazu z.B. das Finanzministerium von Rheinland-Pfalz: Die öffentliche Hand könne durch Derivate „ihr Zinsmanagement unabhängig von den Zufälligkeiten des Kapitalmarktes planvoll gestalten“."

Quelle: http://www.neschle.de/index.php/blog/neschle-depeschle-9/

PeterF
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@dhp05 [#21]

Durch das Zitat wird mir klar, woher die Vorstellung kommt, die DB hätte allein aus dieser Konstruktion ohne Absicherungsgeschäft kein Risiko.

Für die DB sind in dem Beispiel für den 5 Jahre laufenden Spread-Leader Swap die empfangenen Zahlungen für die Jahre 2 - 5 unbekannt. Sie hat nur die Sicherheit, dass sie nicht neben der fixen Zahlung auch noch eine variable Zahlung leisten muss, wenn der Klammerterm [Strike - (CMS10 - CMS2)] negativ ist, da hier das Minimum 0% ist. Nur für das erste Jahr ist die Zahlung fixiert. Da die DB eine über die Laufzeit insgesamt fixe Zahlung leistet, aber die empfangene Leistung variable ist, hat die DB ein Risiko. Dieses Risiko wird sie über Forward-Swaps und Swaptions ausschalten, sodass für die Bank aus der gesamten Position ein fester Zahlungszufluss wird.

Da für die DB die empfangene Zahlung aus dem Spread-Ladder Swap mit dem Kunden nicht vorab bestimmt ist, ist natürlich auch umgekehrt für den Kunden die Belastung nicht im a-priori bekannt. Aber hier hätte man über einen Cap verhandeln müssen. Wenn jedoch die Gier überhand nimmt und jemand davon ausgeht, dass der Spread stets über dem Strike bleibt, dann gehen solche gehebelten Produkte ganz schön nach hinten los, wenn man die Kurve flacher als die Strikes sind oder gar invers wird.

autokor
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Es ist natürlich durchaus betriebswirtschaftlich sinnvoll Risiken zu hedgen auch wenn es zum Verlust einer Risikoprämie kommt. Anders gibt es keine oft benötigte Planungssicherheit. Falls sich die Kommunen übervorteilt fühlen liegt das vermutlich eher am mangelnden Sachverstand.

@ PeterF [#23]

Klingt sehr fachkundig. Arbeitest Du im Treasury ?

Grüsse

AAA
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ autokor [#24]
"Es ist natürlich durchaus betriebswirtschaftlich sinnvoll Risiken zu hedgen..."

Bis jetzt hat noch keiner ein sinnvolles Bsp. genannt, oder?

Link von dhp05 [#21]

Die Gemeinde als Versicherungsgesellschaft für Bankgewinne
"1. Jahr: 2% p.a.
2. Jahr: Vorjahreszins + 3 [1,10% - (CMS10 – CMS2)]

„CMS“ bedeutet Constant Maturity Swap. (CMS10 – CMS2) ist die Zinsdifferenz zwischen dem 10-Jahreszins und dem 2-Jahreszins. Bei einer völlig flachen Zinsstruktur wäre (CMS10 – CMS 2) gleich Null und die Gemeinde müsste schon im zweiten Jahr einen Zins von 2% + 3,3% zahlen, also 5,3 %, im Gegenzug für ihren preisgünstigen Kredit von 3,46%. Der Effektivzinssatz kann höher sein, wenn die Zinsen monatlich berechnet und vierteljährlich gezahlt werden. Aber es kann noch ‚fetter’ kommen. Es warten ja noch drei weitere Jahre „Schweinchen auf der Leiter“.

Die weiteren Schritte auf der Leiter berechnen sich (mit dem variablen Zins für die völlig flache Zinsstruktur in Klammern) so:

3. Jahr: Vorjahreszins + 3 [0,95 – (CMS10 – CMS2)] (5,3% + 2,85% = 8,15%)
4. Jahr: Vorjahreszins + 3 [0,80 – (CMS10 – CMS2)] (8,15% + 2,4% = 10,55%)
5. Jahr. Vorjahreszins + 3 [0,65 – (CMS10 – CMS2)] (10,55% + 1,95% =12,5%).

Andere Gestaltungen der Leiter sind je nach Verhandlungsergebnis möglich. Das ist eben die Eigenschaft von maßgeschneiderten OTC-Produkten.

Dieses Szenario einer Verdoppelung der einstigen Zinszahlung von 3,96% ab dem dritten Jahr und mit dem Endergebnis von 12,5% im fünften Jahr kommt der Entwicklung der jüngsten Zeit ziemlich nahe. Mit dieser Zinsleiter wäre die Bank nicht nur gegen für sie ungünstige Veränderungen des Spreads gut abgesichert, sondern, bei dieser Höhe, auch gegen Zinsniveauerhöhungen."
http://www.neschle.de/index.php/blog/neschle-depeschle-9/

PeterF
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@autokor [#24]

Nein, ich arbeite nicht im Treasury. Aber es gibt ja auch noch andere Bereiche, bei denen man mit den Produkten in Berührung kommt, etwa Strukturierung, fixed income derivative trading and sales, oder research um nur ein paar zu nennen. In einem davon habe ich jahrelang gearbeitet. Aus meiner Erfahrung dort kann ich sagen, dass Gier manchmal den Sachverstand ausschaltet.

@AAA [#25]
Rechne doch einfach mal die Zahlung aus, welche die Bank erhält, wenn der Abstand von CMS10 in den Jahren 2 -5 stets um 1,10%-Punkte über CMS2 liegt. Die Lösung ist unter dieser Annahme recht einfach, die Bank zahlt, erhält aber in diesen Jahren keinen einzigen Euro. Für die Bank ist es also notwendig, sich für den Fall abzusichern, dass der Spread zwischen CMS10 und CMS2 steil bleibt. Für den Kunden wäre es sinnvoll gewesen, sich für den Fall einer zu schnellen Abflachung der CMS-Kurve abzusichern. Die fallenden Strikes haben ja schon einen kleinen Puffer geboten, aber der war nicht ausreichend. Hier hat einfach das Risikomanagement im Treasury der Kunden versagt, sich rechtzeitig gegen den Katastrophenfall abzusichern.

Aber wer hat sich im Sommer 2005 schon vorgestellt, dass im September 2005 die Rendite der 10j. Bundesanleihen unter 3% fällt und die EZB wenige Monate später mit Zinserhöhungen anfangt. Viele Researchabteilungen gingen davon aus, dass der Refisatz lange bei 2,0% verharren und die Rendite der 10j. Bunds auf über 4,5% steigen würde. Vor diesem Hintergrund kann ich das Verhalten einiger Treasurer schon verstehen. Aber eine der grundlegenden Regeln lautet nun einmal, dass man nie dem Konsensus vertrauen soll. Oft kommt es anders als die Mehrheit erwartet und hierfür muss man rechtzeitig gewappnet sein. Die Versicherungspolice braucht man ja auch bevor das Haus brennt.

dhp05
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ PeterF [#26]

"Für die Bank ist es also notwendig, sich für den Fall abzusichern, dass der Spread zwischen CMS10 und CMS2 steil bleibt. Für den Kunden wäre es sinnvoll gewesen, sich für den Fall einer zu schnellen Abflachung....."

Nette Prosa. Und treffend!

Für den einen "ist es notwendig" für den anderen "wäre es sinnvoll"!

Der, der eine Notwendigkeit sieht, der trifft die entsprechenden Entscheidungen. Der, der die Notwendigkeiten nicht sieht, für den bleibt halt nur der Konjunktiv.

Hast du wahrscheinlich bei deiner Formulierung nicht so gewollt, aber genau darauf würde ich die Klage auf Schadensersatz aufbauen. Eine Beraterbank bekomme ich damit vor Gericht immer an den Säckel. Nicht weil der Richter zu den Schwachen hält, sondern weil Beratungsfehler nachzuweisen sind. Ohne Beratungsfehler wäre es gar nicht zu diesem Geschäft gekommen. Und das Beratungsfehler gemacht werden konnten, weil eine etwaige Gier der einen Partei vorhanden war, ist Gottseidank nicht relevant.

PeterF
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@dhp04 [#27]

Die Formulierung ist durchaus mit Bedacht gewählt. Man sollte dabei nicht vergessen, dass die Bank ohne Absicherungsgeschäft auf der Gegenseite und einem Kurvenspread, der jedes Jahr über dem Strike bleibt, zu jedem Zahlungszeitpunkt Nettozahler gewesen wäre und den maximalen Verlust erlitten hätte. Hätte sie nicht abgesichert, wäre nur dann ein Gewinn zu erwarten gewesen, wenn sich der Spread kräftig abflacht. Sie hätte dann dem Kunden ein Produkt empfohlen, bei dem sie nur dann einen Vorteil erzielen kann, wenn der Kunde verliert. Wie dies zu bewerten ist, überlasse ich den Strafrechtlern.

Da Vorteil lag am Anfang auf der Seite des Kunden. Es ist auch bei dem Spread Ladder Swap recht leicht zu sehen, ab welchem Spread der Kunde eine Zahlung leisten muss und bei welchem Spread sich empfangene und zu leistende Zahlung ausgleichen. Viele Unternehmen waren davon überzeugt, dass sich der Spread nicht so weit einengen würde. Sie sahen aufgrund dieser Überzeugung nicht die Gefahr. Es ist halt auch eine Frage, wie man die Wahrscheinlichkeiten für Spreadentwicklung einschätzt, ob es sinnvoll ist, sich gegen den worst case abzusichern. Vieles läßt sich nachträglich einfacher beurteilen. Man solle dabei auch an die Fälle denken, bei denen sich Unternehmen z.B. gegen Währungsschwankungen abgesichert haben und dann in den Medien heftig kritisiert wurden, als sich später herausstellte, das die Absicherung nicht notwendig war. Von daher der Konjunktiv für die Kundenseite.

Ich arbeite nicht für die DB, habe aber mit einigen Unternehmen gesprochen, die von ihr die Spread Ladder Swaps gekauft hatten. Ich habe ihnen Ende 2005 den Rat gegeben, sich gegen eine weitere Spreadeinengung abzusichern. Die meisten haben jedoch auf Prinzip Hoffnung gesetzt, weil es halt damals auch Konsens war.

dhp05
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ PeterF [#28]

"Wie dies zu bewerten ist, überlasse ich den Strafrechtlern."

Guter Aspekt!(Ich tendiere aber eher dazu eine Hausarbeit zum Thema "Traurige Geschichte einer mißlungenen Zins- und Fristentransformation" im Bereich Zivilrecht anzusiedeln)

Du kennst ein paar Fälle, ich kenne ein paar Fälle. Bevor ich versehentlich pauschalisiere, zieh ich mich auf den Standpunkt zurück:

Scheint zwischen den Vertragsparteien Missvertändnisse gegeben zu haben. Alles weitere kläre bitte das Gericht.

Und beim nächsten Mal soll eine der Parteien ein paar Bund und Bobl in die Hand nehmen und sich selbst was stricken. Wenn sie das nicht kann, kann sie von weiterem auch gleich die Finger lassen.

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Zinswetten nicht transparent - Schlappe für Deutsche Bank

n-tv (08.05.08) - Die Deutsche Bank hat im Rechtsstreit mit Mittelständlern und Kommunen um riskante Zinswetten eine Niederlage einstecken müssen. Das Landgericht Frankfurt verurteilte das Institut zur Zahlung von Schadenersatz von 240.000 Euro an ein südhessisches Pharmaunternehmen.

Die Richter begründeten ihre Entscheidung unter anderem mit einer zu komplizierten Aufklärung des Kunden über die Risiken des Zinsgeschäfts.

(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://www.n-tv.de/Zinswetten_nicht_transparent_Schlappe_fuer_Deutsche_Bank/080520082916/960801.html)

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Deutsche Bank erringt Sieg im Streit mit Stadt Hagen

Reuters / kae/ban Wuppertal (16.07.08) - Die Deutsche Bank hat im Streit mit Kommunen und lokalen Unternehmen um riskante Zinsgeschäfte einen weiteren Teilerfolg erzielt. Das Landgericht Wuppertal wies am Mittwoch eine Schadenersatzklage der Stadt Hagen in Höhe von rund 50 Millionen Euro ab. Allerdings muss das Kreditinstitut im Fall der Klage einer städtischen Tochter rund eine Million Euro zahlen. Stadt und Tochter hatten der Bank vorgeworfen, nur unzureichend auf die Risiken der Swapgeschäfte hingewiesen zu haben.

(Quelle und ausführlich weiter lesen: http://de.reuters.com/article/companyNews/idDEL1675861320080716)

Rückrufservice
Beschreiben Sie bitte Ihr Anliegen, damit wir uns auf den Rückruf vorbereiten können.
Ja, ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und willige ein, dass die von mir angegebenen Daten inklusive der Kontaktdaten zwecks Bearbeitung der Anfrage und für den Fall von Anschlussfragen elektronisch erhoben und gespeichert werden. Meine Daten werden dabei nur streng zweckgebunden zur Bearbeitung meiner Anfrage genutzt und nicht ohne Einwilligung weitergegeben. Diese Einwilligung kann jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen werden.

Register now

Jetzt registrieren und ZMP Live+ 14 Tage kostenlos testen!
  • Dauerhaft kostenfrei
  • Keine Zahlungsinformationen erforderlich
Hilfe?