AAA
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Kreditkrise erreicht Geldmarkt

Die Schockwellen der US-Kreditkrise erreichen mittlerweile auch den Geldmarkt. Sowohl in den USA als auch in der Euro-Zone stiegen die Tagesgeldsätze kräftig: Banken horten ihre Geldbestände, um im Falle einer Ausweitung der Krise flüssig zu sein. Die EZB reagiert.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) ergriff angesichts des drastischen Anstiegs der Tagesgeldsätze bereits die ersten Maßnahmen. Über einen sogenannten Schnelltender wurden am Nachmittag zusätzlich 94,841 Milliarden Euro in den Geldkreislauf gepumpt.
Die Notenbank hatte den Kreditinstituten erst am Dienstag bei einem regulären Tendergeschäft 292,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.
...
Vollständiger Artikel: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,499106,00.html

Geschrieben von AAA am
AAA
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Was ist denn eine "Verteilungskrise"?

"Die Europäische Zentralbank (EZB) reagierte mit einem Schnelltender und pumpte am Nachmittag 94,841 Milliarden Euro zusätzliche Mittel in den Geldkreislauf. Die Notenbank hatte den Kreditinstituten erst am Dienstag bei einem regulären Tendergeschäft 292,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Das Gesamtvolumen des in der Euro-Zone umlaufenden Geldes in der aktuellen Mindestreserveperiode bezifferten Tagesgeldhändler am Donnerstag auf rund 440 Milliarden Euro. In der Nacht hatte bereits die Schweizer Nationalbank ihren heimischen Geldhäusern frische Liquidität angeboten.

„Verteilungs-, noch keine Liquiditätskrise“

„Das Vertrauen ist gestört und es bleibt zu hoffen, dass die Zentralbanken das ihnen mögliche tun, um es wieder herzustellen“, sagte ein Geldmarkthändler einer deutschen Großbank. „Was wir sehen ist eine Verteilungs-, noch keine Liquiditätskrise. Einige sitzen auf Geld, das andere wollen, und das führt zu sehr deutlichen Ungleichgewichten.“"
http://www.faz.net/s/Rub09A305833E12405A808EF01024D15375/Doc~E27D9B1C6B75F4148AE53F5E2E464830D~ATpl~Ecommon~Scontent.html

limitup
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@ AAA [#2]

etwas was sich wahrscheinlich positiver anhört als Liquiditätskrise....

Und ein Begriff mit dem keiner was anfangen kann..

wuelle
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@ AAA [#2]

Was der gute Mann meint ist, das die Banken derzeit nicht bereit sind, sich im üblichen Umfang gegenseitig Geld zu leihen. Einige Banken sind daher darauf angewiesen, sich Geld bei der Notenbank zu leihen.

Die Geldhändler scheinen ein bissl nervös zu sein.

dhp05
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12 Jahre 9 Monate

@ wuelle [#4]

Das Spiel "bei Sonnenschein einen Schirm verleihen, bei Regen den Schirm zurückfordern" können die Großen auch untereinander.

Die leihen sich nicht nur NICHTS aktuell, die fordern gegenseitig sogar zurück.

Doringo
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12 Jahre 9 Monate

Es wird frisches Geld ins Finanzsystem gepumpt.

Genau das ist der Fehler. Würde man das nicht machen, würde das Geld ehrlich bleiben und Institute, die sich überzocken alleine kaputt gehen. So werden Bankverluste zu Lasten der Allgemeinheit mit Inflation bezahlt.

AAA
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12 Jahre 9 Monate

@ Doringo [#6]
"So werden Bankverluste zu Lasten der Allgemein-
heit mit Inflation bezahlt."

Ist das der einzige negative "Nebeneffekt"?

"Die Sorge, dass sich die Krise auch am Freitag ausweiten könnte, hält unvermindert an. Am Morgen gab die EZB einen weiteren Schnelltender bekannt. Er hat einen Umfang von 61,05 Milliarden Euro und eine Laufzeit von drei Tagen. Da die Summe des Vortags indes am Freitag zurückgezahlt werden musste, ergibt sich unter dem Strich ein Liquiditätsentzug von knapp 34 Milliarden Euro. Das könnte darauf hindeuten, dass sich die Lage am Geldmarkt doch allmählich stabilisiert.
http://www.zeit.de/online/2007/33/boerse-liquiditaet-krise"

AAA
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12 Jahre 9 Monate

Die Zeitungstitel werde immer mutiger!

"Kreditkrise
Geld zerstört die Welt
Von einer "Kreditkrise" ist die Rede, die Notenbanken greifen ein, der Dax verliert. Aber wie kann es sein, dass eine Krise auf dem US-Häusermarkt deutsche Banken und den Aktienmarkt in Turbulenzen stürzt? Der stern erklärt und illustriert die Regeln des globalen Milliardenspiels."
http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/maerkte/:Kreditkrise-Geld-Welt/595030.html

AAA
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12 Jahre 9 Monate

@ pullPUSH
Hier war es einen halben Tag vorher als dort:
http://www.terminmarktwelt.de/cgi-bin/nforum.pl?RT=41298&TO=1539922-9&F=47#newmsg

"Warum fürchten sich die Banken im Moment?
Jetzt zögern aber viele Banken, ihr Geld an andere Banken zu verleihen,
weil sie fürchten, dass sie es nicht mehr wiederbekommen.
...
Denn das Risiko, dass eine Bank am nächsten Tag nicht mehr zahlungsfähig ist,
ist in den vergangen Tagen gestiegen - so jedenfalls empfinden es viele
Marktteilnehmer. Deshalb ist ein Engpass entstanden."
http://www.faz.net/s/RubEC1ACFE1EE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~EBE0156335BCC4BB8889DDBC8EFCE9299~ATpl~Ecommon~SMed.html#F957C0A245A34F2DA2CE1324CFF660A7

Aber diese Sache, die ständig "Engpaß" genannt wird, ist doch eigentlich der Anfang, des Mißtrauens gegenüber Fiatmoney? Oder geht diese Feststellung zuweit?
Es ist doch im Grunde eine "Vertrauenskriese" - die muß ja nicht groß sein - aber Vertrauen ins "Finanzsystem" ist nicht mehr zu 100% vorhanden.
Trotz der SchnellTender der EZB...

"EZB kündigt Schnelltender zur Liquiditätssicherung an
Fr Aug 10, 2007 11:20 MESZ161
Der Tender habe einen variablen Zinssatz von mindestens vier Prozent und eine Laufzeit von drei Tagen. Gebotsfrist sei 10.50 Uhr. Ein Emissionsvolumen gab die EZB nicht an."
http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=economicsNews&storyID=2007-08-10T092016Z_01_HUM033594_RTRDEOC_0_EZB-SCHNELLTENDER.xml

Warum?
-Liquiditätskrise
-Mißtrauen der Banken
Oder wird von den Medien total übertrieben?

norma
Mitglied seit
12 Jahre 4 Monate

Fiel nicht kürzlich die Bemerkung eines Großbankers, wonach heute alles anders ist als damals 2000?

wuelle, Dein Thread wird jetzt brandakuell!

Kobban
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Williams [#10]

Die "Wirtschaftswoche" zitiert unter anderen den Aachener Private-Equity-Experten Ralf Fix mit den Worten, für viele Anleger habe sich "ein Tor zur Hölle" geöffnet. Was dahinter hervorkomme, wisse niemand wirklich.

Nach westlich-wissenschaftlicher Forschung existiert "Gott sei Dank" die Hölle gar nicht. Es geht auschließlich um bessere und schlechtere Plätze im Himmel auf Erden! Und Angst ist, da sie die Ungewißheit der Sachlage in die Gewißheit der Angst tranformiert, ein selbssicheres Prinzip, das keines wahrhaft-nachhaltigen theoretischen Fundaments bedarf.

Vielleicht leiden unsere globalen Gesellschaften vorwiegend an Anspruchsinflationen!?

zentrader
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

...ob "Hölle" oder "keine Hölle" - es dürfte auf jeden Fall noch etwas heisser werden...
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,499548,00.html

ciao,
zentrader

AAA
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12 Jahre 9 Monate

@ zentrader [#12]

Drei Zitate:
1.
"Wenn alle gegeneinander spielen

...Der Hedgefonds könnte also alles daran setzen, das betroffene Unternehmen möglichst früh zur Liquidation zu zwingen, um zumindest einen Teil seiner Verluste aufzufangen. Damit verfolgt er möglicherweise entgegengesetzte Interessen zu einer Bank, die zum Beispiel erstrangige Darlehen des Unternehmens erworben hat und der daran gelegen sein könnte, das Unternehmen am Leben zu erhalten.

Am Ende einer langen Risikotransferkette wissen die unterschiedlichen Gläubiger möglicherweise gar nicht, mit wem sie zusammen in einem Boot sitzen."
...

2.
"Kredite wie Blei in den Büchern

Die Folge: Eine Bank, die sich gar nicht mehr als Kreditgeber, sondern nur noch als Kreditarrangeur an dem LBO-Spiel beteiligt hatte, bleibt plötzlich auf ihrem Darlehen sitzen. Ein Kredit, der eigentlich wie ein durchlaufender Posten behandelt und rasch weitergereicht werden sollte, bleibt in den Büchern hängen – und verschlechtert entsprechend das Risikoprofil. Für viele Banken könnte die Folge sein, sich zunächst einmal aus weiteren LBO-Transaktionen herauszuhalten. Doch sollten die Kredite dann auch noch Not leidend werden und nicht mehr bedient werden, hat die Bank ein echtes Problem."
...

3.
"Viele fremdfinanzierte Übernahmen haben bereits zu haken begonnen. Nicht nur im Subprime-Sektor, sondern auch im LBO- und Kredittransfermarkt hat eine extrem kritische Phase begonnen. Auf den Finanzmarkt rollt eine zweite Welle zu."
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,499548-3,00.html

Kann man das so sagen?

autokor
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Zu Zitat 1:

Der Besitzer nachrangiger Anleihen die im Prinzip fast schon einer Eigenkapitalinvestition ähnelt, wird kaum zur Liquidation eines Unternehmens drängen da er im Gegensatz zu den Besitzern höherer Ränge damit vermutlich sein Geld komplett verlieren würde. Im Zweifel werden die Besitzer der erstrangigen Anleihen auf Liquidation drängen.

Grüsse

dolce2think
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Weiss jemand, warum die EZB so drastisch viel mehr Liquiditaet in den Markt gedrueckt hat, als zB die FED. Ich lese immer wieder dass viele dieser CDOs nach China, Japan, Taiwan, aber auch Europa, insbesondere nach Deutschland verkauft wurden, da D ein besonders grosses Exportplus hat.
Sind die Probleme bei uns groesser?
Oder ist es nur eine Frage der "Geldverteilung" die in USA noch leichter geht?
Oder: die USA brauchen eine kleine Dollar rally, damit sie die zinsen senken
koennen, ohne einen Absturz zu riskieren. Die EZB hilft
Oder: In Spanien ist die Immokrise so weit gelaufen und die Franzonsen jammern
ueber ihre exporte, dass man nun den Geldhahn aufdreht.
Ich waere uber Kommentare dankbar, je laenger die Situation anhaelt um so mehr
wundere ich mich.

F
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Hallo dolce2think.

Ich versuche es einmal folgendermassen zu umschreiben.

Weil es im Interesse der USA ist.....

Man sollte sich von altem Blockdenken verabschieden (Kalter Krieg etc.).

Viele Grüsse

Franjo

F
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

...

Kobban
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

wenn schon Foto dann:
Bild entfernt.
Wir woll'n unsern alten Kaiser widdahabbn!
A.G., bitte melde dich!

F
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Hallo Kobban.

Jetzt als Berater der Deutschen Bank bestimmt.... :o)

Viele Grüsse

Franjo

AAA
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ autokor [#14]
"Zu Zitat 1:"
Also umgekehrt?

"Waffen und Gold

Peter Mühlbauer 14.08.2007
Ein ungewöhnlicher, aber relativ krisenfester Anlagemix

Laut Süddeutscher Zeitung räumten Manager in "vertraulichen Gesprächen" ein, dass die Krise "noch gravierender" sei, als in der Öffentlichkeit wahrgenommen.

...Amerikaner haben hier eine Option, die deutschen Anlegern nur bedingt offen steht: Ein Anlagemix aus Edelmetallen und [extern] Waffen. Wohlgemerkt – nicht Waffenaktien, sondern Waffen, mit denen sie ihre zuhause angehäuften Edelmetalle schützen können. Deutschland hat schärfere Waffengesetze als die USA, die keinen schnellen Umstieg auf diesen Anlagemix erlauben. Hier muss man erst einem Sportverein beitreten."
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25954/1.html

scorpion260
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ AAA [#20]

Eine Waffenaktie, wie das klingt*g. Klingt irgendwie wie "Killerbraut", oder so;-).

Zitat aus dem Text.

"Die Postbank musste einräumen, "dass sie indirekt mit bis zu 600 Millionen Euro zusätzlich am US-Immobilienmarkt engagiert sein könnte."

Es ist schon erstaunlich, was eine Bank so alles zustande bringt. Man muß doch wissen, welche Kredite und Kreditrisiko man im Buch hat, als Bank.

Schatz ich war einkaufen, bin mir aber nicht sicher, was ich alles so in den Korb gelegt habe*g.

dolce2think
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Hallo Franjo,

ja schoen waers, wenn der kalte krieg wirklich vorbei waere, so hab ich das einmal auch gedacht. Seit ich nun seit 2 jahren in den emerging markets unterwegs bin (vor allem osteuropa, zentralasien, china, suedostasien) kann ich
mit sicherheit sagen, dass es nicht vorbei ist, vielmehr ist es in vollem Gang!
Der "battleground" ist momentan in Zentralasien und auch Georgien bzw. Ukraine.
Deinem namen nach kommst du wohl aus dem Ex-Jugoslawien, auch ich habe hier
Verwandschaft und es laesst sich wohl kaum uebersehen welcher Unterschied zwischen den EU-Kandidaten besteht und Serbien, welches erst noch "eingenommen" werden muss (auch hier ist wohl ein "battleground").

Wie auch immer, die Frage bleibt, warum die EZB so extrem viel mehr Liquiditaet reinpumpt als alle anderen. Ich wuerde das gerne wissen.
Selbst die BOJ die immer wenn die carry trades zurueckkommen frische Yen ausgibt hat nicht soviel interveniert.
Und ausserdem gibts ca. 200 bis 1000 Mrd USD als bad debt irgendwo. Trotz all der Hiobsbotschaften, wo steckt das alles? Ich weiss dass viele US versicherer
"reaching for yield" betrieben haben und AAA CDOs halten. Auch China hat
angeblich 100 Mrd. aber hier in Shanghai hoert man nichts momentan.
Also, wer hat den "schwarzen Peter"??
Wennauch die Risiken diesmal global verteilt sind, so macht es die schiere Menge dafuer auch wieder toxisch.
Bin fuer weitere anmerkungen dankbar
Dieses board ist eines der wenigen mit ausgesprochener Qualitaet.
Dank an alle Teilneher.

dhp05
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ dolce2think [#22]

zu deiner Überlegung, warum die eine Notenbank mehr die andere Notenbank weniger Liquidität dem Markt zugefügt hat:

Zuerst sollte man noch ein paar Tage abwarten, um zu sehen, wieviel von der zugeführten Liqui wieder abgeführt wird.

Zum zweiten sollte man im Wettbewerb der Notenbanken sehen, dass das hiesige schnelltenderverfahren sich von dem FED-Verfahren unterscheidet.

Die FED "errechnet" sich den Zins zu dem sie die Liquidität zur Verfügung stellt auch über die unterschiedlichen Sicherheiten, welche die Geldbesorger zu hinterlegen haben. Dass könnte dazu führen, dass sie ab einer bestimmten Summe zu einem Kreditzins gekommen wäre, der einer vorweggenommen Zinssenkung entsprochen hätte.

Ein anderer ganz banaler Grund kann sein, dass die Verstopfung im Geldkreislauf in Europa größer war.

Kobban
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

"Unter führenden Wirtschaftsfachleuten und Politikern ist erstaunlich wenig bekannt, dass der Euro gar nicht von der Europäischen Zentralbank (EZB) herausgegeben wird, sondern von den 11 nationalen Zentralbanken (NZBs) der Länder der Europäischen Union. Auch Geldmenge und Leitzins für den Euro werden nicht vom Direktorium der EZB festgelegt, sondern von dem Rat europäischer Zentralbanken, in dem die EZB neben den NZBs nur mit 6 von 17 Stimmen vertreten ist.

Der bedenklichste Konstruktionsfehler des Euro-Systems besteht aber darin, dass die EZB nicht einmal die Qualität der Sicherheiten definieren und kontrollieren darf, gegen die die NZBs Euro-Noten emittieren: Nicht-marktfähige Schuldtitel der öffentlichen Hand, absturzgefährdete Aktien und Kredite an bankrottbedrohte Unternehmen dürfen von den NZBs nach Belieben als "Sicherheiten" für die von ihnen ausgegebenen Euro-Darlehen akzeptiert werden.

Diese Befreiung von den früheren Zentralbankregeln wird zwar von der Deutschen Bundesbank (DBB) nicht mitgemacht; aber diese kann sich nicht dagegen wehren, dass ihre Schuldner sich bei anderen Zentralbanken gegen windige Sicherheiten Euro besorgen und damit ihre guten Sicherheitsansprüche von der DBB "zurückkaufen". Die von Deutschland geforderte Kennzeichnung der Euro-Banknoten mit einem Symbol der emittierenden NZB ist nämlich von den anderen Ländern abgelehnt worden.

Im Gegensatz zur Regelung in der bisherigen Bundesrepublik Deutschland gibt es in Euro-Land nach dem Maastricht-Vertrag keinen Kreditgeber letzter Instanz (Lender of Last Resort, LLR) mehr. Das Fehlen einer solchen Instanz war zwischen 1929 und 1933 für die Weltwirtschaftskrise verantwortlich, bei der 4500 von 7500 US-Banken zusammenbrachen. Um eine Wiederholung dieser Krise zu verhindern, wurde die heutige Federal Reserve Bank von New York in den USA mit einer zentralen Machtstellung ausgestattet. Die Notwendigkeit einer solchen Machtzentrale ist im Maastricht-Vertrag vergessen worden."

(2001, Prof. Dr. Otto Steiger, geb. 1938,
Studien der Volkwirtschaftslehre
und Wirtschaftsgeschichte an der
FU Berlin und der Universität
Uppsala. Seit 1973 Professor für
Geldtheorie und Makroökonomik
an der Universität Bremen.
Vorschlagsberechtigter der
Schwedischen Akademie der
Wissenschaften für die Ökonomie-
Nobelpreise.)

Eine bisher so gut wie gar nicht diskutierte Achillesferse des Eurosystems ist also die Qualität der von den Geschäftsbanken zur Refinanzierung bei ihren Nationalen Notenbanken eingereichten Sicherheiten.

Zwar betont die EZB die grundlegende Regel der Zentralbankkunst, nach der die Notenbanken der EWU nur solche Schuldtitel von ihren Geschäftsbanken akzeptieren dürfen, die nicht von diesen selbst oder mit ihnen eng verbundenen Stellen herausgegeben worden sind. Andrerseits wird jedoch eine gravierende
Ausnahme gestattet: „Diese Bestimmung gilt nicht für enge Verbindungen zwischen“ den Geschäftsbanken „und den öffentlichen Stellen“ in der EWU. Dies bedeutet eine Privilegierung staatlicher Banken, die naturgemäß mit öffentlichen Institutionen „eng“ verbunden sind. Zwar wird dadurch das Verbot
der Notenbankfinanzierung aus dem Maastricht-Vertrag nicht umgangen, wohl aber elegant und unter der Hand eine Verletzung seiner Bestimmung, dass öffentlichen Einrichtungen ein bevorrechtigter Zugang zu Geschäftsbanken untersagt ist.

Es sind nun weniger Wechsel und Kredite an Private, deren Nicht-Marktfähigkeit
durch entsprechende Abschläge bei der Refinanzierung durch die Notenbanken
kontrolliert werden kann – die Bundesbank beispielsweise verlangt bis zu 20% -, als die „nicht markfähigen Titel der öffentlichen Hand“, die für die langfristige Stabilität des Eurosystems als größte Gefahr wirken. Die Bundesbank
hat sie daher als zentralbankfähige Sicherheiten ausgeschlossen, doch andere Nationale Notenbanken, insbesondere die von Italien, Spanien, Portugal und Griechenland, akzeptieren sie durchaus. Ihre Emittenten müssen in den nationalen
Verzeichnissen der Kategorie-2-Sicherheiten nicht einmal veröffentlicht werden.

Die EZB darf diese Titel nicht kontrollieren und wäre angesichts ihrer spärlichen Personalausstattung dazu auch gar nicht in der Lage. Alles spricht also dafür, dass jede nationale Zentralbank sich selbst kontrollieren darf.

(Otto Steiger, 2005)

F
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12 Jahre 9 Monate

Hallo zusammen.

Dazu folgendes bemerkenswertes Zitat aus einer Rede von Alfred Herrhausen (des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank AG) aus dem Jahre 1978 (!).

Zitat:

"......Betrachten wir zur Prüfung dieser Frage noch einmal das Beispiel des deutschen Versuchs einer Wirtschaftspolitik, zunächst einmal wenigstens der Geldwertstabilität Vorrang einzuräumen, vor dem europäischen Hintergrund.

Wir stehen mit dieser Politik neben der Schweiz einzig da.

Unser Geldwert konnte tatsächlich stabilisiert werden. Dass wir uns das noch leisten und gelegentlich sogar durch Aufwertung absichern konnten verdanken wir dem Umstand, dass die einzelnen Währungen noch einigermassen selbständig gehandthabt werden durften.

Kommt es jetzt in der europäischen Währungsunion zu einer neuen Stufe der Wirtschafts- und Finanzpolitik, so übernehmen wir damit zugleich den gesamteuropäischen Stand von Wirtschaftspolitik, der jedenfalls bisher wesentlich inflationsfreudiger war als der in unserem Land.

Erst eine weitere Selbstaufklärung auf europäischer Grundlage, die mit Erreichen der Stufe europäischer Währungsunion keineswegs identisch ist, könnte hier stabilisierend wirken."

Zitat-Ende.

Machen wir uns doch nichts vor, das jetzige Geldsystem wird immer weiter aufgebläht und wenn es letztendlich nach einer gewissen Zeit gar nicht mehr geht, wird ein komplett neues eingeführt.

Viele Grüsse

Franjo

F
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Hallo dolce2think.

Meine Eltern kommen aus Montenegro.

Die Wirtschaftskrise die um das Jahr 1982 in Jugoslawien begann, war unter anderem gekennzeichnet von andauernder ausreichender Versorgung der Industrie, der Banken und der Budgets der einzelnen Teilrepubliken mit "quasi ungedeckter" Liquidität durch die jugoslawische Nationalbank.

Das Problem lag in der ausufernden Geldschöpfung, da die Nationalbank unbegrenzt Anleihen diverser Emittenten aufkaufte und dafür Notenbankgeld zu Verfügung stellte.

Näheres dazu über folgenden Link zu einem sehr interessanten Dokument:

http://www-wds.worldbank.org/external/default/WDSContentServer/IW3P/IB/1991/08/01/000009265_3961001213920/Rendered/PDF/multi0page.pdf

Als Ende der 1980er der Internationale Währungsfonds dieser Praxis einen Riegel vorgeschoben hatte und der Staat dadurch praktisch nicht mehr finanzierbar war, brach kurze Zeit später der Bürgerkrieg aus, der diesen Kunststaat in seine Einzelteile sprengte.

Diese Form der Staatsfinanzierung wurde auch in der späteren Bundesrepublik Jugoslawien praktiziert, mit dem Endergebnis, dass die daraus resultierende Hyperinflation sogar die des Deutschen Reiches (1919 - 1923) übertroffen hat.

Undisziplinierte Geldschöpfung geht wie gesagt eine gewisse Zeit (durchaus für mehrere Jahre) gut, aber die Quittung folgt am Ende in Form von massiver Geldentwertung.

Viele Grüsse

Franjo

dolce2think
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Vielleicht sollten wir wirklich die naechsten tage abwarten wenn die schnelltender wieder reversed werden.

Ich bin eben immer skeptisch bei solchen meldungen und vermute vielleicht das schlimmste. Das kommt eben davon wenn man sich mit der Austrian School beschaeftigt.

@ Kobban

Vielen Dank fuer den Artikel, sehr interessant!

@ Franjo

Montenegro, wunderschoenes Land, das ehem. kleine Koenigreich wird bald in die EU gehen. Bin letzten Sommer durchgefahren. Mein Vater kommt aus Dubrovnik, ist also nur ein paar km weit weg.

Sind die Immobilien bei euch auch so extrem teuer geworden, in Du ist es bald so teuer wie in Muenchen.

Viele Gruesse

F
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Hallo dolce2think.

Die Immobilienpreise sind dort in der letzten Zeit -wie auch die Aktienkurse an der montengrinischen Börse- regelrecht explodiert.

http://www.worldofproperty.co.uk/news-69.htm

Kronprinz Nicholas und der neueste James Bond Film dürften ein weiteres dazu beitragen :o)

Viele Grüsse

Franjo

AAA
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ AAA [#7]

Liquiditätsentzug?
Wenn da steht (ist von letzter Woche):
"Am Morgen gab die EZB einen weiteren Schnelltender bekannt. Er hat einen Umfang von 61,05 Milliarden Euro und eine Laufzeit von drei Tagen. Da die Summe des Vortags indes am Freitag zurückgezahlt werden musste, ergibt sich unter dem Strich ein Liquiditätsentzug? von knapp 34 Milliarden Euro."
http://www.zeit.de/online/2007/33/boerse-liquiditaet-krise

Die Zinsen die mit zurückgezahlt werden - werde sie doch? - fallen die auch unter Liquiditätsentzug? Oder was passiert mit dem Zinsen eigentlich sonst immer?
Sind Zinsen an die Zentralbank immer Liquiditätsentzug?

dhp05
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ AAA [#29]

"Sind Zinsen an die Zentralbank immer Liquiditätsentzug?"

Nein!

"Oder was passiert mit dem Zinsen eigentlich sonst immer?"

Die werden als Zinserträge verbucht.

AAA
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ dhp05 [#30]
Und was passiert dann mit den verbuchten Zinserträgen? Verbuchen alle Zentralbanken ihre Zinserträge in Zentralbankbüchern?

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