Lug und Trug aus der SPD über ihre Transaktionssteuer Pläne
Die SPD täuscht seit geraumer Zeit die deutsche Öffentlichkeit mit diesem Thema. Doch was will die SPD überhaupt und wie stellt sie sich das vor? Hier sind zwei Zitate aus dem "SPD-Regierungsprogramm 2009 - 2013" (Langfassung):
- Börsenumsatzsteuer. Zur Eindämmung kurzfristiger Spekulationen wollen wir zunächst eine Börsenumsatzsteuer nach dem Vorbild der britischen Stempelsteuer einführen. Gleichzeitig setzen wir uns dafür ein, dass eine solche Steuer europaweit eingeführt und auf weitere Finanztransaktionen erhoben wird. (Seite 18)
- Börsenumsatzsteuer. Zur Eindämmung kurzfristiger Spekulationen wollen wir eine Börsenumsatzsteuer nach dem Vorbild der britischen Stempelsteuer in Höhe von 0,5 Prozent (Normalsatz) bis 1,5 Prozent (Sonderfälle) des Kurswertes auf börsliche Wertpapiergeschäfte ab einem Umsatz von 1.000 Euro einführen. Gleichzeitig setzen wir uns dafür ein, dass eine solche Steuer europaweit eingeführt und auf weitere Finanztransaktionen erhoben wird. (Seite 48)
Aha, OK. Die SPD will also eine "Börsenumsatzsteuer nach dem Vorbild der britischen Stempelsteuer" und zwar "zunächst" im nationalen Alleingang. Aber was ist eigentlich diese britische Stempelsteuer und wer bezahlt sie? Wie lässt sich erklären, dass 80 % aller europäischen Hedgefonds – von der SPD auch gerne als Heuschrecken bezeichnet – ihren Sitz in London haben, wo es doch ausgerechnet dort diese Steuer gibt?
Nun, zunächst einmal sind von dieser Steuer in Großbritannien nur inländische Aktien betroffen, nicht jedoch Derivate und Devisen. Aber selbst bei den inländischen Aktiengeschäften gibt es eine ganze Reihe von Ausnahmen. So ist z.B. eine Firma, die Börsenmitglied ist und als Broker/Dealer gilt, von der Steuer befreit. Das sind praktisch alle größeren Banken.
Wer würde dann in Deutschland übrig bleiben, um eine Steuer nach diesem Vorbild zu bezahlen? Richtig, die privaten Kleinanleger. Denen will die SPD diese zusätzliche Steuerlast aufbürden. Die sollen weniger Rendite erhalten, wenn sie Geld in Fonds, Riesterrente oder Lebensversicherungen anlegen. Genauso werden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bestraft, die sich am eigenen Unternehmen beteiligen wollen.
Damit wird nichts erreicht, außer deutsche Sparer abzuzocken. Es werden weder kurzfristige Spekulationen eingedämmt, noch werden die Verursacher der Finanzkrise zur Kasse gebeten. Es ist alles dummes Wahlkampfgeschwätz, Lug und Trug aus der SPD.
@ Envelo [#1S]
Mit solch feinziselierten Regeln und Ausnahmen hier und da hat die SPD ohnehin nichts am Hut. Für die gilt grundsätzlich: Alles umfassend besteuern, was man sich überhaupt nur denken kann. Anschließend umverteilen.
@ Envelo [#36]
Lug und Trug im Wahlkrampf ist üblicherweise durchaus sinnvoll. Nicht in der Sache, aber für den Wahlkämpfer ...
@ Envelo [#36]
"....dass 80 % aller europäischen Hedgefonds – von der SPD auch gerne als Heuschrecken bezeichnet – ihren Sitz in London haben, wo es doch ausgerechnet dort diese Steuer gibt?
hamse den Sitz wirklich in London? Bei den US-Hedge Fonds ist es nach meinem Laienverständnis so, dass sie fast alle in Steuerparadiesen residieren. Natürlich sitzt aber das Management in den USA.
Ist es bei europäischen Hedge Funds somit nicht ähnlich? Management zwar von UK/ London aus, aber Hedge Fund als Company dann registriert in Bermuda, Zypern oder der Isle of Man?
und noch eine Sache:
wenn ich mir anschaue, wie manche aus der SPD-Basis und ihrer Anhängerschaft (also nicht die Top-Führung) die Forderung nach der Börsenumsatzsteuer unterstützen, würde ich da gar nicht mal von (bewusstem) Lug und Trug sprechen.
Die glauben einfach das, was sie sagen und plappern das nach, was die Führung ihnen sagt. Konkretes Beispiel: Ich hatte mal mit jemandem über die Börsenumsatzsteuer gesprochen. Der wusste gar nicht, dass Börsengewinne ja bereits versteuert werden müssen (Abgeltungssteuer und in den Jahren zuvor Speku.-steuer). Seine Position war ganz einfach die: Alle Transaktionen mit Waren unterliegen der Umsatzsteuer, wieso soll es bei Börsentransaktionen anders sein? Kann doch nicht angehen, dass
'die' wild herumzocken (Originalwortlaut), sich die Taschen vollmachen (Originalzitat) und nichts versteuern müssen, während ich einer ehrlichen Arbeit nachgehe und 50% meines Gehaltes abgeben muss. Und das hat er dann noch wie folgt ergänzt: "Einkünfte aus Nicht-Arbeit müssen immer deutlich höher besteuert werden als Einkünfte aus Arbeit!".
Ein Problem ist also auch mangelnde (bzw. zu schlechte) Aufklärung von Seiten der Gegner dieser Steuer.
@ Global_2 [#39]
Weiß ich nicht. Wobei ich bei meinen Recherchen diesen Satz in dieser Formulierung recht häufig gelesen habe. Hier z.B. von der SPD selbst:
"Und dann machen wir genauso weiter wie vorher. Eine ganz merkwürdige Tendenz, die ich aus diesen Zitaten heraushöre. Und dies grade aus diesem Bereich. Wahrscheinlich, weil 80 Prozent der europäischen Hedgefonds alle ihren Sitz in der Londoner City haben."
http://www.peer-steinbrueck.de/interviews_reden/reden/090709_rolle-des-staates.html
@ Envelo [#41]
ich glaube, Verweise auf UK könnten in ganz anderem Kontext manchmal auch wie folgt gemeint sein: "Die Befürchtung von Arbeitsplatzverlusten in der deutschen Finanzindustrie ist übertrieben, denn in UK gibt es diese Steuer und da sitzen dennoch 80% der europ. Hedge Fund Manager".
Edit-Ergänzung: Damit meine ich jetzt nicht die Steinbrück-Äußerung in der verlinkten Rede, sondern eher die Sache, dass UK oft als Beispiel für die erfolgreiche Einführung einer Börsenumsatzsteuer genannt wird. D.h. es wird das Argument angeführt: "in UK gab es offenbar keinen Bedeutungsverlust, wir sollten somit ebenfalls diese Steuer problemlos einführen können.".
Interessanterweise würde man durch eine Umsatzsteuer diese Hedgefunds und auch unsere niederländischen Nachbarn, bei denen Börsengewinne für Normalbürger ja nicht einer Gewinnbesteuerung wie bei uns unterliegen, tatsächlich etwas drankriegen, wenn sie an deutschen Börsen traden.
Aber beim deutschen Kleinanleger (Aktien, Zertifikate, ETFs, evtl. Anleihen) summiert sich das dann zu der hinzukommenden Abgeltungssteuer, mit der schon Scheingewinne (die aus der Inflation resultieren) besteuert werden.
@ Global_2 [#7]
Hedgefonds würde man mit diesem Modell nicht drankriegen, weil die dann einfach auf Derivate ausweichen. Und Finanzunternehmen, die Aktien in Derivate "verpacken" bzw. sich damit hedgen, sind ihrerseits wieder befreit. Deshalb funktioniert auch der Finanzplatz London, trotz dieses Papiertigers.
Wie man es auch dreht und wendet. Die Verursacher der Finanzkrise trifft eine Steuer nach diesem Vorbild nicht, das ist eine Lüge. Denn Transaktionen von Derivaten wie CDO und CDS werden auch in UK nicht besteuert. Es trifft die deutschen Kleinanleger, die ohnehin schon mit ihren Steuergeldern für Bankenrettungspakete bezahlen.
Dow-Jones von heute:
FDP jetzt also auch, sie nennen es "Capital activity tax".
Wie soll die ausgestaltet sein? Und für welche Art von Transaktionen soll sie gelten? Gibt's da schon Details?
Brüderle: Zunehmend optimistischer für 2010 als zu Jahresanfang
12.05.2010 09:51:00
http://www.terminmarktwelt.de/cgi-bin/djnews.pl?ST=187789
Zudem forderte der Wirtschaftsminister, die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank (EZB) zu wahren, und machte sich dafür stark, jetzt die Chance für Finanzmarktreformen zu nutzen. "Jetzt nichts zu tun, wäre nicht verantwortbar", sagte Brüderle und forderte eine internationale Vereinbarung über eine vom Internationalem Währungsfonds vorgeschlagene "Capital activity tax".
Und ich würde mich über folgendes Szenario nicht wundern:
die Griechen machen (trotz sozialistischer Regierung) hinsichtlich der Steuerfreiheit für Capital Gains, Dividenden & Zinsen kaum was.
@ Global_2 [#9]
Nein!
Financial Activity Tax (FAT) <> Financial Transaction Tax
Die FDP macht (momentan noch) genau das Richtige, denn Bankenabgabe und FAT sind zielgerichtete Maßnahmen, die Sparer und Kleinanleger nicht belasten.
http://www.tagesschau.de/inland/kabinetteuro102.html
"In der Abschlusserklärung des Euro-Krisengipfels vom Wochenende ist ein Prüfauftrag für diese Finanztransaktionssteuer festgehalten. Zum Ärger der FDP, die ein erklärter Gegner dieser Abgabe ist. "Die Union schluckt eine Kröte zulasten von Sparern und Anlegern", sagte Generalsekretär Christian Lindner. Und FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms kritisierte: "Das ist ärgerlich, aber das wird in dieser Form nie kommen."
Merkels Linie ist unklar
Die FDP war zuletzt bereit, eine Steuer auf Finanzaktivitäten mitzutragen. Diese würde Gewinne und Gehälter von Banken betreffen, aber nicht sämtliche Finanzgeschäfte. Diese schwächere Lösung, die auf einen Vorschlag des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgeht, hatte kürzlich auch Merkel favorisiert. Insgesamt aber ist Merkels Linie in Sachen Transaktionssteuer unklar. Zu Zeiten der Großen Koalition war sie Anhängerin dieser Steuer."
@ Envelo [#10]
Danke, das ist informativ. Ich halte auch diese Bankenabgabe für eine viel sinnvollere Lösung als eine generelle Transaktionssteuer.
Den Lug und Trug zur Transaktionssteuer unterstützt hier in D auch der
Sparkassen- und Giroverband. Da melden sich auch wirklich die Richtigen zu Wort. Die dem öffentlichen Sektor nahestehenden Sparkassen sind Miteigentümer bzw. Partner der Landesbanken, die den größten Mist verzapft haben. Insofern sollten gerade auch die Sparkassen eigentlich den Ball flachhalten.
http://www.tagesschau.de/inland/dgbbundeskongress100.html
"Keine Transaktionssteuer und kein Mindestlohn
Merkels klares Nein beim DGB-Kongress
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine Finanzmarkttransaktionssteuer erneut abgelehnt. Bei der Eröffnung des Bundeskongresses des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Berlin sagte sie, eine solche Abgabe träfe auch die Unternehmen. "Wir müssen schauen, was auch international durchsetzbar ist", sagte die CDU-Chefin. Die Kanzlerin plädierte für die vom IWF empfohlene Finanzaktivitätssteuer, die auf die Gewinne von Finanzunternehmen oder auf Gehaltszahlungen wie etwa Managerboni erhoben werden soll."
@ Global_2 [#40]
...wenn ich mir anschaue, wie manche aus der SPD-Basis und ihrer Anhängerschaft (also nicht die Top-Führung) die Forderung nach der Börsenumsatzsteuer unterstützen, würde ich da gar nicht mal von (bewusstem) Lug und Trug sprechen...
...Ein Problem ist also auch mangelnde (bzw. zu schlechte) Aufklärung von Seiten der Gegner dieser Steuer....
Sehr richtig erkannt würde ich sagen. Das Problem scheint mir bei der Aufklärung aber zu sein, dass das thematisch für sehr viele Leute einfach zu schwierig zu verstehen ist. Plakativ eine Finanztransaktionssteuer zu fordern ist einfach und bedient nebenbei noch so manche neidischen Gedanken und macht sich daher politisch/populistisch einfach zu gut. Um Aufmerksamkeit und Sympathie zu bekommen wurde schon viel größerer Unsinn erzählt und auch umgesetzt. Bleibt zu hoffen, dass die öffentliche Diskussion bald eine neue Sau bekommt, die durchs Dorf getrieben werden kann.
Mir kommt der Ruf nach der Finanztranskationssteuer mittlerweile vor wie eine messianische Heilserwartung. Die Vorsehung braucht in einer säkularen Welt vielleicht immer mal wieder eine Neuinterpretation?
Es ist erstaunlich, worauf man alles Steuern zahlen kann. Der Fantasie des Staates sind da keine Grenzen gesetzt. Dabei vergisst man oft, dass ein System, das von Zins und Wirtschaftswachstum lebt, langfristig in sich zusammenfallen muss. Hat überhaupt mal irgendein Staat seine Schulden zurückgezahlt (ohne Hyperinflation und Währungsreform)? Mir fällt da so spontan keiner ein. Jetzt wird der Sündenbock gesucht - hier die Spekulanten - und mit einer Steuer bestraft. Mich erinnert das irgendwie an die Hexenverbrennung.
@ AdrianP [#14]
Erstaunlich auch das mit einer Finanzmarkttransaktionssteuer auf alle Instrumente bzw. Marktsegemte alle Marktteilnehmer vom Riester-Sparer bis zum Hedge-Fonds "bestraft" werden, typisch für unsere Politiker. Anstatt eine Finanzaktivitätssteuer bei Banken, Hedge-Fonds einzuführen? Bis dato ist es ja "nur" eine Forderung einiger Parteien, viel wichtiger wäre es für was alles Steuergelder verschwendet und unfähige Politiker und Ministerien bezahlt werden, Haften muss sowieso immer der Steuerzahler ...
Beste Grüße
Roti
@ Roti [#15]
"Treffen soll die Abgabe aber vor allem sogenannte Daytrader - Händler, die auf minimale Kursschwankungen wetten und daraus minimale Gewinne ableiten."
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,695350,00.html
Offen gesagt: mir geht die in Deutschland geschürte Hetze gegen Akteure an den Finanzmärkten gehörig auf den Senkel. Nerven tut mich insbesondere, dass da kaum ein Politiker mal aufklärend herausstellt, was die wahren Ursachen der Krise waren. Denn dann müsste die Politik sich ja selber an den Pranger stellen. Lesenswert finde ich den offenen Brief der Sino AG, völlig unabhängig davon, dass die natürlich ein wirtschaftliches Interesse an der Nichteinführung einer Finanztransaktionssteuer haben.
http://www.sino.de/content/download/Offener_Brief_MDB.pdf
Die aktuelle Lage:
Die CDU/CSU ist jetzt nach links ins Lager der Finanztransaktionssteuerbefürworter abgerutscht, und die nächste Bundestagswahl wird schwarz/gelb zudem verlieren. Die Unsicherheit sehe ich vor allem in der Ausgestaltung einer Finanzmarktsteuer. Denn prinzipiell ließen sich ja sogar sämtliche Transaktionen strafbesteuern, die von deutschen Bürgern an ausländischen Börsenplätzen durchgeführt werden.Wenn es keine Ausweichmöglichkeiten gibt, sind die Steuersätze dann auch schnell bei 0,5% pro Transaktion, wie von der SPD vorgeschlagen (die wollten sogar bis 1,5%; die Steuer dürfte über kurz oder lang schon so gestaltet werden, dass sie Geld in die Kasse bringt). Für mich persönlich stellt das dann völlig Aktivitäten in Frage, massiv Arbeit in die Entwicklung von Handelssystemen zu investieren. Einziger Ausweg wäre da entweder nur noch das Auswandern oder eben weiterhin das bewährte klassische Investieren. Eine Steuer wird auf jeden Fall kommen, denn sie wird dringend benötigt, um leere Haushaltskassen aufzufüllen.
http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE6570AJ20100608
Regierung denkt an Finanzmarktsteuer auch im Alleingang
Dienstag, 8. Juni 2010, 15:30 Uhr Diesen Artikel drucken [-] Text [+]
Berlin (Reuters) - Die schwarz-gelbe Koalition erwägt offenbar, eine Finanzmarktsteuer national einzuführen, wenn dies im internationalen oder europäischen Rahmen nicht möglich sein sollte.
Sollte eine internationale Einigung scheitern, "werden wir in Deutschland darüber nachdenken, was wir tun", sagte CSU-Chef Horst Seehofer am Dienstag vor Journalisten in Berlin. "Wichtig ist die richtige Reihenfolge." Zunächst solle sich die Bundesregierung für eine internationale Lösung einsetzen.
Auch in Regierungskreisen war zuvor betont worden, dass man auf jeden Fall den Finanzmarkt an den Kosten der von der Branche ausgelösten Krise beteiligen werde. Damit soll der Vorwurf der Opposition entkräftet werden, dass es sich bei diesem Posten im Sparpaket um eine Luftbuchung handelt. Das Bundeskabinett hat für den Bundeshaushalt ab 2012 jährliche Einnahmen von zwei Milliarden Euro aus einer Finanzmarktsteuer angesetzt. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Peter Altmaier, bezeichnete dies am Dienstag als vorsichtigen Ansatz. Falls die Finanzmarktsteuer ein Erfolg werde, dürfte sich zudem die Debatte entspannen, ob auch die Einkommensteuer erhöht werden solle, sagte der CDU-Politiker.
@ Global_2 [#17]
"Für mich persönlich stellt das dann völlig Aktivitäten in Frage, massiv Arbeit in die Entwicklung von Handelssystemen zu investieren"
Wenn der Erfolg deiner Handelssysteme von Steuersätzen abhängig ist, dann kann an deinen Handelssystemen etwas nicht stimmen.
Über die Besteuerung von Geschäften denkt doch der Staat nur nach, wenn bei diesen Geschäften Gewinn erzielt wird, von dem er sich etwas abschneiden kann.
Wenn dem Staat Geschäfte nicht gefallen, macht er sie nicht über unvverhältnismäßige Steuern kaputt, er verbietet sie einfach.
Wenn er jetzt über eine Steuer nachdenkt, dann meint er offensichtlich jemanden anderen als dich, dem dann die Handelssysteme ergebnismäßig abkacken.
@ dhp05 [#18]
"...dann meint er offensichtlich jemanden anderen als dich, dem dann die Handelssysteme ergebnismäßig abkacken."
Sag es doch klar, wen Du meinst. Die Großbanken können es jedenfalls nicht sein, weil die genug Wege finden können, solche Abgaben zu vermeiden.
M.E. ist das alles blinder Aktionismus von Ahnungs- und Ratlosen.
@ Global_2 [#17]
Solche absurd hohen Sätze wie 0,5% pro Transaktion können nur auf die Kleinanleger abgewälzt werden. Ansonsten würde man den deutschen oder europäischen Finanzmarkt komplett zerstören. Bei den hohen Sätzen muss es also Ausnahmen noch und nöcher geben. Das zeigt der Blick nach London, siehe [#8].
Ein anderer Vorschlag ist ein Satz von 0,05% pro Transaktion, dafür aber ganz ohne Ausnahmen. Das wären für einen FDAX kaufen und verkaufen aber immer noch ca. 150 Euro. Das Volumen würde also hier drastisch einbrechen. Nicht nur durch die Steuer, sondern auch, weil die Spreads erheblich größer würden und so zusätzlich die Handelskosten in die Höhe trieben. Davon abgesehen würden sich die Einnahmen aus anderen Steuerarten wie z.B. Abgeltungssteuer erheblich verringern. Diese ganzen Milchmädchen-Rechnungen von wegen "X Milliarden Steuereinnahmen pro Jahr" kann man alle vergessen.
In dem Video auf dieser Seite soll ein Steuersatz von 0,05% mehr als 100 Milliarden Euro pro Jahr einbringen.
http://www.steuer-gegen-armut.org mit Link auf
http://www.youtube.com/watch?v=aiOSi5Q0VCM
"In Wirklichkeit sind es mehr als 100 Milliarden Euro. Und es könnte doppelt so viel sein. Sogar mehr, als doppelt so viel."
In Wirklichkeit trifft es die Falschen oder es wird ein Desaster.
@ Envelo [#20]
"In dem Video auf dieser Seite soll ein Steuersatz von 0,05% mehr als 100 Milliarden Euro pro Jahr einbringen.
http://www.steuer-gegen-armut.org mit Link auf
http://www.youtube.com/watch?v=aiOSi5Q0VCM
"In Wirklichkeit sind es mehr als 100 Milliarden Euro. Und es könnte doppelt so viel sein. Sogar mehr, als doppelt so viel.""
Vereinigte Gutmenschen, unterstützt von der Creme des GEZ Adels...
Das hätte ich nicht sehen dürfen...
Warum nicht "Steuer-auf-geistige-Armut"?
na, die wahre Zielvorgabe sind schon mindestens 0,5% (bis 1,5%). Das war ja die Forderung aus dem Bundestagswahlkampf unter Steinmeier.
http://schmetterlingsgeschichten.blog.de/2010/06/07/saus-braus-bundeswehr-abschaffen-finanztransaktionssteuer-hotelsteuer-hoch-8751119/
Saus und Braus: Bundeswehr abschaffen, Finanztransaktionssteuer und Hotelsteuer hoch
von Magnolia14 Pro @ 2010-06-07 – 14:44:47
Neulich auf der Ampel - da mussten die Schmetterlingsjungs Johnny und Darfo aber kichern, als die beiden Jungs bei Rot stehen blieben. "Wie viel könnte Deutschland gewinnen, wenn man die Finanztransaktionssteuer mit 0,5 Prozent einführen, die Bundeswehr auflösen und die Hotelsteuer wieder anheben würde?" Verzückt schaute sein Gegenüber drein. " Wir würden in Saus und Braus leben...
Ist außerhalb des deutschsprachigen Raums (D, Ö) diese Gesinnung auch in diesem Ausmaß verbreitet?
@ dhp05 [#18]
Über die Besteuerung von Geschäften denkt doch der Staat nur nach, wenn bei diesen Geschäften Gewinn erzielt wird, von dem er sich etwas abschneiden kann.
ich wäre mir da nicht so sicher, ob die Befürworter der Steuer wirklich die Sache hinreichend durchdenken. Die lautesten Befürworter kommen doch aus einem Lager, das sich mit den Finanzmärkten eigentlich gar nicht beschäftigt, geschweige denn in diesem Bereich über sonderliche Kenntnisse verfügt.
Wenn der Erfolg deiner Handelssysteme von Steuersätzen abhängig ist, dann kann an deinen Handelssystemen etwas nicht stimmen.
die Systemidee wäre schon völlig stimmig. Aber unabhängig von ihr haben die Transaktionssteuerbefürworter in einer Sache ja völlig recht: Eine Transaktionssteuer verteuert generell kurzfristige Geschäfte (und ich kalkuliere für den Privatanleger immer mit der wahren Zielvorgabe 0,5%; Banken mögen da Ausnahmen bekommen).
Nur völlig schief liegen sie in einer anderen Sache: Es ist ja nicht so, dass die verhassten Spekulanten sich alle immer einheitlich verhalten. Da gibt es auch welche, die während eines starken Trends gegenhalten und somit dafür sorgen, dass die Reise nicht zu weit in einer Richtung geht. Aber natürlich birgt so ein Verhalten auch Risiken, das die verhassten Spekulanten auf sich nehmen. Wenn der Handel aber zu sehr verteuert wird, wird es teurer fehlentwickelnde Positionen zu korrigieren. Dann überlegt man es sich nicht zur zweimal, sondern dreifach, ob man nicht einfach besser auf Extremsituationen abwarten sollte, bei denen die zukünftige Situation deutlich klarer und risikoloser ist. Folge: Die Schwankungen an den Märkten werden bei Verteurerung des Handels zunehmen, nicht abnehmen.
Das eröffnet für Spekulanten paradoxerweise wieder Chancen. Aber die Vorgehensweise wäre dann anders, also von der Art der Trades nicht mit solchen Handelssystemen identisch, die auf die jetzige Besteuerungssituation ausgelegt sind.
@ redsnapper [#21]
@ Envelo [#20]
Erstaunlich: Die haben sogar die Finanzkraft, teure Werbespots mit Heike Makatsch zu schalten...
Sehr viel Lobbyarbeit für die Transaktionssteuer betreibt auch die Heinrich-Böll-Stiftung. Sie steht den Grünen nahe, stellt Pöstchen für ehemalige Grünen-Politiker bereit und wird auf Kosten des Steuerzahlers überwiegend aus Mitteln des Bundes finanziert.
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich-B%C3%B6ll-Stiftung
@DHP
Unter den Youtube Leserkommentaren ist einer besonders treffend für die Absicht der Befürworter:
"Nun mal austesten wieviel wirklich rein kommt.
0,05 % dürften den armen Banken nun wirklich nicht weh tun"
"Austesten" ist hier wirklich das Stichwort. Also einfach mal probieren und dann weitersehen... Im Erfolgsfall könnte dann sogar erhöht werden.
@ Global_2 [#23]
ich glaube mich zu erinnern, dass du mir mal ein spd-parteibuch unterschieben wolltest, nachdem du etwas von mir gelesen hattest.
Das vorneweg:
wenn ich Politik (Innen und Außen)der Wirtschaftsmacht BRD anschaue, habe ich keine irgendwie gefärbte Parteibrille auf.
Vielmehr sagt mir mein Erfahrungsschatz, der ein paar Regierungen unterschiedlicher Farbe miterlebt hat, dass Regierungen nicht bestückt sind von Parteisoldaten sondern von "Staatssoldaten".
Mit welcher Prosa eine zufälligerweise herangespülte spd/grüne Regierung das selbe tun würde als es nun eine realiter existierende cdu/fdp/csu-Regierung tut, es unterscheidet sich nur im Text, nicht aber in der Wirkung.
Schröder ist dafür ein super Beispiel. Als Staatssoldat machst du was zu tun ist für den Staat, auch wenn es dich deine Wiederwahl kostet.
"ich wäre mir da nicht so sicher, ob die Befürworter der Steuer wirklich die Sache hinreichend durchdenken. Die lautesten Befürworter kommen doch aus einem Lager, das sich mit den Finanzmärkten eigentlich gar nicht beschäftigt, geschweige denn in diesem Bereich über sonderliche Kenntnisse verfügt."
Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Funktionsträger Peer Steinbrück immer genau gewußt hat, was er als Unterschrift-leistender über die Systemrelevanz der zu Rettenden bewu0t gewußt hat (als Person Peer Steinbrück), als er dann mit den Worten "systemrelevant" vor die Kameras trat.
Aber, dass ist gar nicht wichtig was einer "geschmäcklerisch" vermuter.
Ich sprengel jetzt mal etwas ein:
Wenn du den globalen Handel, der sich in Bilanzen nationaler Ökonomien als Überschuß oder Defizit darstellt, und logischerweise bei der BRD als Export(vize)weltmeister Verlierer woanders hinterlassen muß, dann hast du grundsätzlich das Problem, wenn eben von globalsierten Handel nicht gelassen wird, dass der profittaker ein Problem mit dem minustaker bekommt, weil der minustaker über kurz oder lang halt ein proiblem hat, welches dann auch das problem des profittakers ist.
Wenn man das ernst nähme,dass der Erfolg einer nationalen Ökonomie, gerade wenn sie wie die brd exporterfolge bilanziert, automatisch andere nationale Ökonomie schädigt, wäre die Globalisierung sofort tot, jeder Handel über nationale Grenzen wäre sofort tot.
Aber der Handel ist es realiter nicht.
Und mit dem Widerspuch kannst handeln.
zum Technischen selbst, welches du dir ausmalst.
Ich hab schon verstanden, wie du rangehst. (Bin da aber skeptisch)
Möchtest du schon den Erfolg haben, den der "verhasste Spekulant" hat?
Ersteren gibt es nicht, und zweitens seinen Erfolg auch nicht!
Ich hab oben erstmal dagegen gewchrieben, zu den Vorurteilen, welche du in meinen augen hast. (blöde, unfähige Politiker)
Wenn du auf die Uhrzeit schaust, wann posting abgeschickt, dann steckt da Wertschätzung meinerseits drinnen.
.
@ dhp05 [#25]
Unter der Regierung Schröder wurden der Privatwirtschaft insbesondere den DAX Titeln wie Allianz mit einem Federstrich Milliarden an Steuerzahlungen erlassen.
Kann mich noch gut an den Tag erinnern, hat mich damals ein paar Euronen gekostet.
Das fand kurz in N-tv und in einer kleinen Nachricht der Heimatzeitung seine Aufmerksamkeit, mehr nicht.
Der Staat wurde um Milliardeneinnahmen gebracht.
Was ist daran jetzt Staatsfreundlich?
Die Spitzensteuersätze wurden von 56 auf 44 Prozent gesenkt. Staatsfreundlich?
Das sind doch alles Geschenke an die Privatwirtschaft und die Vermögenden um sich im Glanz der Elite zu Sonnen und die Basis für die Ära nach der Politik zu schaffen.
Gleichzeitig wurde in der Ära Schröder durch Superminister Clement die Basis geschaffen, das und die Energiekonzenre gross abzocken können.
Als dank gabs für Clement einen schönen Posten.
Also, was ist daran von Vorteil für den Staat?
Schröder ist der Inbegriff des Machtmenschen,der seine persönlichen Interessen weit über die anderer stellt.
Letztendlich definiert man sich durch seine Taten, und die sollen
STAATSFREUNDLICH gewesen sein?
Eine Meinung die Du exclusiv hast denke ich.
@ Global_2 [#24]
"Erstaunlich: Die haben sogar die Finanzkraft, teure Werbespots mit Heike Makatsch zu schalten..."
Finanzkraft haben die sicher, wenn man sich auf der Seite die Unterstützer anschaut, alles was in der Profi-Helfer Szene Rang und Namen hat. Frau Makatsch und der Typ werden aber hier garantiert gratis chargiert haben, weil das Image der Kampagne ihren Marktwert erhöht.
@ dhp05 [#18]
"Wenn der Erfolg deiner Handelssysteme von Steuersätzen abhängig ist, dann kann an deinen Handelssystemen etwas nicht stimmen."
Verstehe ich nicht, mußte aber auch nicht erklären:
Wenn bei vielen HS slippage oder Gebühren über Sieg oder Niederlage entscheiden, sind bei deinen kommende Steuern, unbekannter Größe, irrelevant?
"Über die Besteuerung von Geschäften denkt doch der Staat nur nach, wenn bei diesen Geschäften Gewinn erzielt wird, von dem er sich etwas abschneiden kann"
An mehreren Stellen wurde gesagt, es seine Steuer, um "übermässige" Spekulation einzudämmen, die sich "gegen" Day-Trader richten soll. Also könnten scalping, HFT, u.s.w. unrentabel werden, alles andere läuft weiter und bringt Steuern ein: Win-Win für Dr. Schäuble!
@ benedikt54 [#26]
Und noch was zu Schröder
Seine Wiederwahl wurde von den Menschen verhindert, da unter der Regierung Schröder die grössten sozialen Ungerechtigkeiten umgesetzt wurden.
So das Arbeitslose die 30 Jahre beschäftigt waren und in die Sozialkassen eingezahlt haben, plötzlich Leuten gleichgestellt wurden die das Wort Arbeit nur vom hörensagen kennen.
@ benedikt54 [#28]
ich glaube generell nicht das die Bürger wirklich wichtige Dinge über Wahlen der untersch. Parteien mitbestimmen können, das ist doch alles nur lächerliches Demokratiegefasel. Alles wichtige wird über die Bürger hinwegbestimmt, dafür ist doch die Einführung des Euro das beste Beispiel. Wer wollte ihn den wirklich? Warum werden diese ganzen europäischen Vereinigungsprozesse mit aller Gewalt durchgeführt zum Nachteil aller?
Egal ob vor einigen Jahren SPD oder jetzt CDU/FDP, die generelle Tendenz in der Gegenwart und auch für die Zukunft scheint der schrittweise Abbau des Sozialstaates zu sein im Einklang mit einer immer ungerechter werdenden Umverteilung des Vermögens von unten nach oben, bzw. mit immer größer werdender Kluft.
@ dhp05 [#25]
"ich glaube mich zu erinnern, dass du mir mal ein spd-parteibuch unterschieben wolltest, nachdem du etwas von mir gelesen hattest."
bin mir nicht 100% sicher, aber bei Dir war's möglicherweise Scorpi; ich hatte hingegen wohl Ronin das SPD-Parteiprogramm untergeschoben.
Lassen wir aber zuviel Parteigeschimpfe, auch wenn man bei den Befürwortern der Transaktionssteuer völlig berechtigt von Lug und Trug sprechen kann. Mein Fazit bleibt einfach, die Entwicklung bei dieser vorgeschlagenen Steuer weiterhin genau zu beobachten. Denn wie Ronin schon treffend in einem anderen Thread schrieb: sie kann, je nachdem wie die konkrete Ausgestaltung ist, massiv einzelne Handelsstrategien beeinflussen.
"Ich hab schon verstanden, wie du rangehst. (Bin da aber skeptisch)"
nee, ich habe die Ansätze, nach denen ich (kurzfristig) handeln würde, noch nie öffentlich dargestellt. Es wäre auch bei mir wie bei fast allen Tradern stark ein technischer Ansatz nach dem Motto "Handeln, was man sieht". Die im Ansatz enthaltenen Elemente wären nix außergewöhnliches und damit auch überhaupt kein Geheimnis: Breakouts, Trendlinienbrüche und auch etwas Trendfolge UND beigemischter Fundamentalaspekt.
Ich habe bewusst geschrieben "handeln würde". Das liegt daran, dass ich von der Mentalität mich als Trader nur eingeschränkt wohlfühle. Deswegen bin ich also ebenfalls sehr skeptisch und würde da auch nur in kleinen Schritten beginnen.
@ Teletrader [#29]
Soweit ich weis kann der Bürger sehrwohl bei der Wahl seine Stimme abgegen, und zwar für die Partei der er sein Vertrauen schenkt.
Das man das gemeine Volk nicht an so weittragenden Entscheidungen wie der Euroeinführung oder der Wiedervereinigung entscheiden lässt ist richtig.
Hier wird der Bürger als nicht mündig betrachtet, so damals Altkanzler Kohl. Wir lassen uns doch von ewig gestrigen nicht unser gemeinsames Haus Europa blockieren so seine Aussage.
Das Problem wird halt eines Tages wohl darin liegen das die etablierten Parteien bei dieser Politik das Fass zum Überlaufen bringen und letzedlich durch radikale Parteien ersetzt werden.
Es muss ja kein zweiter Hitler sein, aber ich kann mir vorstellen das es einmal in diese Richtung geht.