Man sollte den Nikkei weiterhin im Auge behalten

Angesichts der dramatischen Kursstürze an der Tokioter Aktienbörse hat die japanische Zentralbank ihre geldpolitischen Zügel überraschend weiter gelockert. Der geldpolitische Rat der Bank von Japan (BoJ) entschied am Mittwoch einstimmig, den privaten Kreditinstituten noch mehr Liquidität bereit zu stellen. Zu diesem Zweck stockte die BoJ den von den Geldhäusern bei der Zentralbank gehaltenen Guthabenrahmen auf 22 bis 27 Billionen Yen (rund 208 Milliarden Euro) auf. Bisher hatte er sich auf 17 bis 22 Billionen Yen belaufen. Die japanische Notenbank hatte erst Mitte April beschlossen, das Hilfsprogramm der Banken in Form von Aktienrückkäufen auszubauen.

Die Zentralbank begründete ihre Entscheidung mit den "schwachen und volatilen" Aktienkursen, vor allem der der Banken. Außerdem werde die Unsicherheit der wirtschaftlichen Lage noch zusätzlich durch den Ausbruch der Lungenkrankheit SARS in Asien verschärft. Japans Banken verfügen über Aktienbestände von rund 150 Prozent ihres Eigenkapitals und sind deswegen der Volatilität der Aktienmärkte besonders stark ausgesetzt. Der Nikkei-225-Index war in jüngster Zeit beinahe täglich von einem 20-Jahres-Tief auf das nächste gefallen.

ZEITUNG: AGGRESSIVE UNTERSTÜTZUNG DES AKTIENMARKTS GEPLANT

Vor diesem Hintergrund erwägt die Regierung der Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun" zufolge "aggressive" Schritte zur Stützung des Aktienmarkts. So habe Industrieminister Takeo Hiranuma dem Blatt gegenüber die Möglichkeit erwähnt, hierfür Mittel der staatlichen Postsparkasse einzusetzen. Auch die Zentralbank will die angeschlagenen Geschäftsbanken mit zusätzlichen milliardenschweren Aktienabkäufen vor weiteren Börsenstürzen bewahren.

Experten jedoch bezweifeln die Wirksamkeit solcher kurzfristigen Maßnahmen. Die sinkenden Aktienkurse seien nicht der Kern des Problems, sondern nur ein Symptom der strukturellen Schwäche der japanischen Wirtschaft. Ohne wirkliche strukturelle Veränderungen werde der japanische Aktienmarkt nicht wieder richtig auf die Beine kommen. Kardinalproblem dabei seien die Not leidenden Kredite der Banken. Hinter jedem faulen Kredit stehe letztlich ein not leidendes Unternehmen. "Das Bankenproblem kann nicht gelöst werden, ohne eine Lösung der Probleme der Unternehmen", erklärte unlängst auch Masamoto Yashiro, Vorstandsvorsitzender der japanischen Shinsei Bank.

BANKEN IM TEUFELSKREIS

Problem sei, dass Japans Banken "nie genügend Druck auf Kunden ausgeübt haben", bei denen Umstrukturierungen notwendig seien, sagte Yashiro. Stattdessen gewähren die Finanzinstitute solchen Unternehmen weiterhin neue Kredite, damit sie wenigstens ihre Zinsen tilgen können. Zugleich drücken solche Firmen aber nach Darstellung von Experten die Preise für ihre Produkte, um auf diese Weise wenigstens kurzfristige Einnahmen zu erzielen. Dadurch aber verschärfen sie den Preisverfall, was auch gesunde Unternehmen in Bedrängnis bringt.

Für die Banken entsteht dadurch ein Teufelskreis: Zum einen können ihre Unternehmenskunden immer schwerer ihre Kredite zurückzahlen, zum anderen verfällt der Vermögenswert der Banken. "Um aus dem Teufelskreis heraus zu kommen, helfen keine kurzfristigen Kursstützungen oder Liquiditätsspritzen für die Banken, sondern nur tief greifende strukturelle Reformen", sagte Andreas Nabor, Bankenexperte am Deutschen Institut für Japanstudien (DIJ) in Tokio. Die Banken müssten ihre Kreditkunden verschärft zur Umstrukturierung drängen oder die faulen Kredite konsequent abschreiben - was letztlich das Aus für viele Unternehmen des Landes bedeuten würde.

NEUE AGENTUR ZUR UNTERNEHMENSSANIERUNG GEPLANT

Nun will die Regierung mit einer neuen Restrukturierungsagentur mit dem Namen Industrial Revitalisation Corp (IRC) die Sanierung der Unternehmen vorantreiben. Für manche Experten ist der Erfolg jedoch noch ungewiss. Zum einen sei offen, zu welchem Preis die Organisation die Kredite von den Banken aufkaufen solle. Zum anderen fragen sie sich, weswegen der Staat das übernehmen soll, was eigentlich die Aufgabe der Banken sei und ob die IRC dazu überhaupt in der Lage sei.

(Quelle: dpa-AFX)

Geschrieben von F am
F
Mitglied seit
12 Jahre 5 Monate

Hallo zusammen.

Über den folgenden Link kommt man auf eine "klasse" Japan-(Economy)-Infosite in Englisch. Sehr informativ und relativ aktuell!

http://www.nni.nikkei.co.jp/

Viele Grüsse

Franjo

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 5 Monate

Der Nikkei Future wird sowohl in Japan als auch an der Chicago Mercantile Exchange gehandelt.

http://www.terminmarktwelt.de/cgi-bin/dchart.pl?S=NK&M=6&J=2003&S1=20&S2=50&XS=700&YS=500&UM=4&CT=0

HT
Mitglied seit
12 Jahre 5 Monate

Nicht zu vergessen: Er wird auch in Singapore gehandelt (Schlußkurs MEZ 8:00).

Die Kontraktspezifikation CME und SIMEX sind gleich, Osaka ist größer.

lg
HT

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