Asamat
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Mechanische Trendfolgesysteme

The trend is your friend ...

[Redaktionell aus dem Zucker Thema verschoben]

Geschrieben von Asamat am
benedikt54
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@ Asamat [#276]

Eigentlich ein Megatrend der ohne grosses Interesse der Öffentlichkieit und der Spekulation seine Runden dreht.

Gefährlich wirds wohl erst dann wieder so richtig wenn die Bildzeitung von der grossen Zuckerknappheit schreibt und die Hausfrauen die Regale leerkaufen.

Kann mich noch an die Zeiten erinnern wo der Jutesack für die Aufbewahrung des Zuckers mehr Wert war als der Inhalt.

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pullPUSH
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@ benedikt54 [#277]

Hatte gen 2006 nen kilo Zucker gekauft. Jetzt würde ich eher zu einem short Trade neigen. Sell high´s!

Asamat
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@ pullPUSH [#3]
Du gehst jetzt Zucker, Kupfer, Baumwolle, Palladium und den S&P500 short? Und T-Bonds long ?? Nie im Leben mit echtem Geld ...

Im Moment macht Trendfolgen Spaß ... auch wenn ich gut weiß, daß es meistens nicht so ist ...

autokor
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@ Asamat [#4]

Würde mich mal interessieren.
Du hast ja mal beschrieben dass Du ein diversifiziertes Trendfolgeportfolio am Laufen hast.
Bei welchen Instrumenten siehst Du am ehesesten eine Neigung zu Trends ?
Ich würde vermuten erst Rohstoffe dann Zinsen und Aktienindices am wenigsten .

Was erzielst Du für Sharpe Ratios ? Man sagt ein guter diversifizierter Trendfolgeansatz liegt bei ca 0,6 bis 1.

Grüsse

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ autokor

Wenn es Euch interessiert, beschreibe ich es gerne. Aber in einem eigenen Thread, kommt die nächsten Tage. Wir können dann dort auch gerne zusammen ein Trendfolgesystem aus den einzelnen Komponenten zusammensetzen. Dann sieht man, wie es funktioniert. Allerdings ist Trendfolgen keine Art zu handeln, die Spaß macht, daher machen es die meisten nicht. Leider (!) ist es die einzige Art zu Handeln, die ich gefunden habe, die funktioniert.

:-(

---------------------------------------------------------------------------
Meine Ergebnisse sind:
year CAGR max DD
2006 -14% -26%
2007 +24% -18%
2008 +81% -11%
2009 + 3% -31%
YTD + 8%

Das sind meine realen Ergebnisse einschließlich der Fehler, die ich gemacht habe. Ich wußte am Anfang natürlich oft etwas besser (als das System), und habe zig tausend EUR durch diskretionäres Übersteuern "verloren". "Verloren" heißt, das Konto bleibt hinter dem System zurück, also entweder durch echte Verluste oder durch real nicht eingegangene Trades, die ich laut System hätte machen sollen. Daher bin ich inzwischen soweit, daß ich das System niemals übersteuere (außer in ganz speziellen Situationen, die das System nicht wissen kann. Z.B. ist das System im Moment FF long, weil es nicht "weiß", daß FF nie über 100 gehen kann.)

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Trotz der hohen Schwankungen ist das im Rahmen der Backtests. Meine Backtests beginnen 1975, weil vorher zu wenig Instrumente des Portfolios verfügbar waren. Seit 1975 sagt der Backtest mit 6200 Trades 91% CAGR, 35% maxDD, 32% avg 5 DD. Es ist bekannt, daß 2005 und 2006 schlecht für Trendfolger waren. Ich erwarte nicht, daß die guten Werte aus den 70ern und 80ern wieder kommen, die Bedingungen haben sich geändert. Aber funktionieren tut es noch, davon bin ich überzeugt.

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Sharpe kann ich so nicht sagen, da müssen wir uns erst auf eine Definition einigen. Meine Software kennt drei verschiedene Sharpes (Sharpe 1.74, annual Sharpe 1.14, robust sharpe 2.19). Definitionen kann ich liefern, hab ich aber jetzt keine Lust nachzuschauen. Ich weiß nicht, welche risk-free rate angenommen wird. Ich selbst benutze Sharpe nicht, und werde erklären, warum.

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Bei welchen Instrumenten siehst Du am ehesesten eine Neigung zu Trends ?
Ich würde vermuten erst Rohstoffe dann Zinsen und Aktienindices am wenigsten.

Mein Portfolio beinhaltet alles, aktuell über 70 Instrumente. Jedes Instrument außer dem SP2 ist (im Backtest seit 1975) profitabel. Das ist kein Zufall, sondern war mir sehr wichtig. Ich wollte ein möglichst robustes System bauen. Aber Du hast recht, die Aktienindices sind tendenziell weniger profitabel. Am besten sind die Geldmarktfutures und Bonds, dann die Rohstoffe (sehr unterschiedlich), dann FX und Metalle (beides mittelmäßig), dann die Indices.

Ich kann keine (fundierte) Meinung zu einzelnen Instrumenten abgeben, weil ich einfach dem System folge. Der vorige Abschnitt bezieht sich nur auf mein System. Man kann nicht aus Aussagen über das Gesamtsystem auf Aussagen über Teile davon schließen. Das gilt auch für Teile des Portfolios.

Meine aktuellen Positionen sieht man im Screenshot meiner aktuellen Handlungsanweisungen (selbst erzeugtes OOcalc-File). Hilft aber niemandem, der aktuelle Handlungshilfen sucht.

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SPOMI
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an asamat

danke für den Einblick.

mich würde interessieren wieso stark korrelierende Märkte (Rohöl, soya-Produkte, index) mehrfach vertreten sind. nimmst du Sektor-Gewichtungen vor, die hier nicht sichtbar sind.

Grüsse SPOMI

Asamat
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@ SPOMI [#7]
Auch die Hinzunahme stark korrelierter Märkte verbessert die Equity-Kurve im Backtest. Ist schwer zu glauben, aber in der Simulation völlig eindeutig. Selbst bei so stark korrelierten Märkten wie den beiden Rohöls ist das so. Der Grund ist: die Kurse der beiden Öls sind zwar zu >90% korreliert, das ist aber nicht entscheidend. Denn letztlich werden die auf den Instrumenten basierenden Equity-Kurven addiert, nicht die Kurse. Und die Equity-Kurven sind viel weniger stark korreliert als die Kurse. Ich werde am Wochenende zwei Bilder machen, die das zeigen.

Ich nehme im Lauf der Zeit daher mehr und mehr Märkte hinzu. Hab mit 45 angefangen, und werde im nächsten Jahr vermutlich über hundert kommen.

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pullPUSH
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@ Asamat

"Du gehst jetzt Zucker, Kupfer, Baumwolle, Palladium und den S&P500 short? Und T-Bonds long ?? Nie im Leben mit echtem Geld ..."

Habe ich nur auf Zucker bezogen - ja ich würde "short" gehen - mir fehlt aber dazu derzeit auch der Mum!

Grüße

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zorrie
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@ Asamat [#6]

So viel Offenheit ist sehr lobenswert!
Interessant für Dich wäre sicherlich ein Index auf Goldminenaktien. Die Korrelation zu Aktien allgemein und auch zu den Edelmetallen ist nich übermäßig hoch. Aber seit jeher machen die schöne Trends.

Selbst würde ich mich schon als Trendfolger bezeichnen, aber nicht bedingungslos. Beispielsweise weigere ich mich z.Zt., Aktien long zu gehen (Volumen fehlt, Bewertung zu hoch, Aussichten für Wirtschaft schlecht). Schade eigentlich ...
Ich handle kein System, sondern diskretionär, viel nach Charts, Trend, Stimmung. Trotzdem befinden sich in meinem Depot meist überwiegend Gewinner, weil nur die bleiben dürfen.

91% CAGR ist für ein Handelssystem sehr beeindruckend, auch wenn es in Zukunft einiges weniger sein sollte.
Mich interessieren Deine Beiträge ohnehin. Ich denke, Dein Trendfolgesystem würde zu mir passen. Zumindest, was Risikobereitschaft und Haltedauer der Positionen angeht. Geldmarktfutures und (Optionen auf) Bonds waren, seit ich vor 26 Jahren mit dem Börsenhandel angefangen habe, auch bei mir die beiden Bereiche mit den grössten Gewinnern.

Apropos Zucker, bin ich auch long. Trendfolge halt.

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SPOMI
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@ Asamat [#8]

hast du mal spreads als eigene Kategorie getestet. ich denke dass die einzelen equity-curve eines GCG0-PLG0 oder ein crack spread sicher auch noch die gesammte curve glätten, wenn schon beide öl-Sorten das tun. habe mir mal vor vielen Jahren ein Spread Portfolio zeigen lassen von einem Händler. der meinte seinerzeit: viel weniger Korrelation in den Spreads als in der Commodity-Gruppe.

sind nur so meine Gedanken ohne dich belehren zu wollen.

Grüsse SPOMI

Asamat
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@ SPOMI [#11]

Interessante Idee, die ich bisher nicht verfolgt habe. Danke dafür, deshalb schreiben wir doch hier. Ich habe Spreads überhaupt noch nicht angeschaut.

Auf Anhieb fallen mir zwei Gedanken dazu ein. Da ich aber noch nicht ausführlich darüber nachgedacht habe, evtl beides nicht fundiert:

- zu 100 Instrumenten gibt es 4950 Spread-Möglichkeiten. Nach welchen Kriterien würde man einige davon auswählen? Das kann nicht durch Backtesting passieren, sonst würde man höchstwahrscheinlich schweres Curve-Fitting machen.

- Enthalten die Spreads überhaupt zusätzliche Informationen? Mathematisch stelle ich mir die 100 Instrumente immer als 100-dimensionalen Vektorraum vor, in dem die aktuellen Positionen einen Zustandsvektor bilden. In diesem Bild hätten Spreads keinen Mehrwert. Dieses Argument wird jedoch dadurch etwas eingeschränkt, daß meine Bedingungen für Long- und für Short-Positionen unterschiedlich sind. D.h. ein Spread würde dem System erlauben, in Deinem Beispiel PLG0 mit der Long-Bedingung Short zu gehen, was im derzeitigen System nicht möglich ist. Also eine zusätzliche Freiheit. Aber bei einem long-short-symmetrischen System müßte ich erst mal schwer nachdenken, was es bedeuten würde, wenn der Spread die Einstiegsbedingungen erfüllt, aber die einzelnen legs nicht.

Asamat
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12 Jahre 6 Monate

@ Herr Ebert

Jetzt fangen wir doch an, hier zu diskutieren. Könnten Sie das ab #20 in einen eigenen Thread tun? Titel z.B. "mechanisches Trendfolgen" oder "mechanische Trendfolgesysteme".

Asamat
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12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#8]

"Und die Equity-Kurven sind viel weniger stark korreliert als die Kurse. Ich werde am Wochenende zwei Bilder machen, die das zeigen."

Keine Bilder, aber ich habe die Korrelationskoeffizienten berechnet. Hier sind die Korrelationskoeffizienten der Energy-Futures:

#Bars #Bars Korrel- upper B. lower B. Markt1 Markt2 ation 99cf 99cf Light_Sweet_Crude_Oil Heating_Oil_#2 6433 7527 +0,9022 +0,9080 +0,8961 Light_Sweet_Crude_Oil London_Brent_Crude 6433 5182 +0,9711 +0,9731 +0,9690 Light_Sweet_Crude_Oil Gas_Oil_combined 6433 6943 +0,6504 +0,6685 +0,6314 Light_Sweet_Crude_Oil Natural_Gas_Henry_Hub 6433 4673 +0,3724 +0,4044 +0,3395 Heating_Oil_#2 Light_Sweet_Crude_Oil 7527 6433 +0,9022 +0,9080 +0,8961 Heating_Oil_#2 London_Brent_Crude 7527 5182 +0,8953 +0,9022 +0,8880 Heating_Oil_#2 Gas_Oil_combined 7527 6943 +0,6948 +0,7105 +0,6785 Heating_Oil_#2 Natural_Gas_Henry_Hub 7527 4673 +0,4233 +0,4538 +0,3919 London_Brent_Crude Light_Sweet_Crude_Oil 5182 6433 +0,9711 +0,9731 +0,9690 London_Brent_Crude Heating_Oil_#2 5182 7527 +0,8953 +0,9022 +0,8880 London_Brent_Crude Gas_Oil_combined 5182 6943 +0,6658 +0,6853 +0,6454 London_Brent_Crude Natural_Gas_Henry_Hub 5182 4673 +0,3604 +0,3928 +0,3271 Gas_Oil_combined Light_Sweet_Crude_Oil 6943 6433 +0,6504 +0,6685 +0,6314 Gas_Oil_combined Heating_Oil_#2 6943 7527 +0,6948 +0,7105 +0,6785 Gas_Oil_combined London_Brent_Crude 6943 5182 +0,6658 +0,6853 +0,6454 Gas_Oil_combined Natural_Gas_Henry_Hub 6943 4673 +0,2656 +0,3003 +0,2302 Natural_Gas_Henry_Hub Light_Sweet_Crude_Oil 4673 6433 +0,3724 +0,4044 +0,3395 Natural_Gas_Henry_Hub Heating_Oil_#2 4673 7527 +0,4233 +0,4538 +0,3919 Natural_Gas_Henry_Hub London_Brent_Crude 4673 5182 +0,3604 +0,3928 +0,3271 Natural_Gas_Henry_Hub Gas_Oil_combined 4673 6943 +0,2656 +0,3003 +0,2302

Wie man sieht, sind CL und LCO am stärksten positiv korreliert, mit r = 0,9711. Wir testen daher mit diesen beiden Instrumenten weiter. Wenn ich mein System auf beiden Instrumenten einzeln laufen lasse, beträgt die Korrelation der Equity-Kurven:

Markt1 Markt2 Anzahl Korrelation upper bound 95cf lower bound 95cf Light_Sweet_Crude_Oil London_Brent_Crude 4957 0.790 0.804 0.776

Also schon hier erstaunlich viel weniger, und das für die beiden Futures, die so stark im Gleichklang laufen. Ich war damals sehr erstaunt, als ich das festgestellt und untersucht habe.

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pullPUSH
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@ Asamat [#14]

Heisses Eisen das! - Warum handelst du nicht auch die unterschiedlichen Timeframes (ala 15-30-60-180-360 Minuten? Damit wird ca. 30% der Korrelation kompensiert - und es wird zudem noch eine weitere Glättung eingebracht - ohne weiteres "neues" Marktrisiko.

Asamat
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12 Jahre 6 Monate

@ pullPUSH

Was ist ein heisses Eisen?

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Ich handele nur EOD, das war eine der Voraussetzungen, die in die Konstruktion des Systems eingeflossen sind, da ich es abends (neben meinem normalen Job) betreibe (und betreiben muß).

Unabhängig von dieser Voraussetzung bin ich aber auch inhaltlich zufrieden damit. Das Verhältnis von Rauschen zu Information ist ID zwangsläufig viel höher als EOD, zumindest was Trendfolgen angeht. Trends beruhen ja nicht auf Zufall, sondern auf Veränderungen der zugrunde liegenden Wirtschaft, und diese Veränderungen passieren langfristig, nicht ID.

Aus dem gleichen Grund handele ich keine einzelnen Aktien, sondern nur Indices.

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Ich habe keine kurzfristigen, profitablen Systeme gefunden. Es ist nicht so, daß ich Trendfolgen von Anfang an so toll fand. :-)

JRM
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12 Jahre 6 Monate

Asamat, das ist toll, das Du mal Einblicke gibst in Dein System. Wofür steht eigentlich CAGR?

kanada
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12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#14]

Also schon hier erstaunlich viel weniger, und das für die beiden Futures, die so stark im Gleichklang laufen. Ich war damals sehr erstaunt, als ich das festgestellt und untersucht habe.

Was ist der Grund für dieses Verhalten der Korrelationen? Gibt es zwischen den beiden Futures einen nichtlinearen Zusammenhang, was für das Ergebnis verantwortlich ist?

MfG

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ JRM [#17]

"Wofür steht eigentlich CAGR?"

Gut, daß Du fragst. Bitte auch an alle: ruhig alle fragen, wenn etwas unklar ist.

CAGR steht für compounded annual growth rate, das ist die Rate, mit der sich exponentiell ablaufende Vorgänge vermehren. Z.B. Algenwachstum, und auch Trading-Kapital, wenn man von einem fixed fractional money management ausgeht, d.h. Re-Investition der Gewinne und Positionsgrößenwahl proportional zum Kapital, z.B. Positionsgröße = 1% des Kapitals.

Viele Begriffe im Trading (sic!) sind englische. Ich werde für die Diskussion versuchen, möglichst viel zu übersetzen, wenn ich dran denke. Wenn nicht, erinnert mich. Einige Begriffe sind im Trading-Slang quasi zu Namen geworden, eine Übersetzung kommt mir dann schwer über die Tastatur.

CAGR ist eines der am häufigsten benutzten Maße, um ein Handelssystem zu charakterisieren, genauer: den Profit desselben. Für sich alleine ist der Profit wenig aussagekräftig ohne eine Angabe über das Risiko. Generell braucht man also eigentlich immer zwei Angaben, um etwas Sinnvolles aussagen zu können: Gain/Pain, zu deutsch Gewinn/Schmerzen. Also ein Maß für den (hoffentlich zu erwartenden) Gewinn, im Verhältnis zu einem Maß für die (möglicherweise zu erduldenden) Schmerzen.

Der Gewinn ist dabei leicht zu messen: das ist die Steigerungsrate, CAGR. Wo sich die Geister scheiden ist das schwierigere, aber auch wichtigere Thema: das Risiko. Letztlich gibt es keine so eindeutigen, objektiven Maße dafür. Übliche Kandidaten sind:

Risiko = Standardabweichung der Gewinne pro Zeiteinheit.
Die Maßzahl für Gewinn/Schmerzen, die mit dieser Risiko-Definition heraus kommt, ist die Sharpe-Ratio, nach der autokor oben gefragt hat. Sie hat den Vorteil, daß man sie aus einer Zeitreihe der Vergangenheit ermitteln kann, also ist sie oft verfügbar. Sie hat den Nachteil, daß man das Risiko böse unterschätzen kann, wenn dieser vergangene Zeitraum blöderweise nicht alle Risiken enthielt. (Siehe z.B. Finanzkrise.)

Risiko = maximaler Draw-Down, abgekürzt maxDD.
Das ist der größe, im Backtest beobachtete Abfall des Kapitals von einem Hochpunkt; also der größe beobachtete Verlust. Die Maßzahl für Gewinn/Schmerzen hiermit heißt MAR-Ratio, nach dem "Managed Account Reports", einem der ältesten Magazine über Hedge Funds und CTAs (amerikanische Geldverwalter).

Eine weiteres Verhältnis heißt Sortino-Ratio, die kommt heraus, wenn man bei Sharpe nur die abwärts gerichtete Standardabweichung benutzt.

... usw, usw. Inzwischen gibt es mehrere Dutzend Maßzahlen zur Charakterisierung von Systemen. Das reflektiert die Tatsache, daß Risiko (oder Schmerz) ein sehr subjektives Gefühl ist, im Gegensatz zum Gewinn, wo sich alle einig sind. Z.B. kennen ich viele Leute, die benutzen eine Mischung aus Tiefe und Länge der DrawDowns, aus Ihrer Erfahrung, daß ein langer, seichter DrawDown für sie psychologisch genauso schwierig zu behanden ist wie ein tiefer, kurzer. Wie gesagt, sehr subjektiv.

Ich selbst benutze eine robuste Variante von MAR, genannt rMAR. Sie entsteht, wenn in MAR der Zähler CAGR (welches stark von Anfangs- und Endpunkt einer Simulation abhängt) ersetzt wird durch RAR (regresse annual return), wo die Steigerung über eine Regression bestimmt wird. Zusätzlich benutze ich oft, um nicht so anhängig von einem bestimmten DrawDown zu sein, den Durchschnitt der fünf größten DrawDowns. Das wird dann abgekürzt avg5DD.

---------------------------------
Letztlich ist bei mir nicht so wichtig, welche Variante man benutzt: man braucht eine, die mißt, was man optimieren will, und man muß wissen, daß es sowieso immer Risiko gibt, was man übersehen hat, d.h. das echte Risiko ist immer größer als das gemessene. Ich bin ein großer Fan von Robustheit, was hier bedeutet, daß sich die verschiedenen Maße in ihrem Nutzen nicht sehr unterscheiden.

Asamat
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12 Jahre 6 Monate

@ kanada [#18]

"Was ist der Grund für dieses Verhalten der Korrelationen? Gibt es zwischen den beiden Futures einen nichtlinearen Zusammenhang, was für das Ergebnis verantwortlich ist?"

Es scheint eine sehr generelle Eigenschaft zu sein, daß die aus Kursreihen abgeleiteten Handelsergebnisse weniger korreliert sind als die Kursreihen selber. Anders kann es ja auch nicht sein, denn sie können ja nicht stärker korreliert sein. Daher ist die Korrelation der zugrunde liegenden Zeitreihen eine obere Schranke. Mit Nichtlinearität hat das nichts zu tun.

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pullPUSH
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Asamat [#19]

Hut ab! Diese Disziplin könnte ich soweit nicht bestehen!

Grüße

hardworker
Mitglied seit
12 Jahre 2 Monate

@ Asamat [#6]

Also so ein Portfolio habe ich noch nicht gesehen. Du liegst ja fast überall richtig.

Wäre interessant, wie Deine Entry-Regeln sind und ob Du wirklich keinen Zielkurs eingibst.

Mit größter Hochachtung

hw

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ zorrie [#10]
"Interessant für Dich wäre sicherlich ein Index auf Goldminenaktien."

Nur wenn man den handeln kann. Ich wüßte nicht, wo und wie. Vorzugsweise als Future, denn das mit ETFs zu machen, geht natürlich wegen des Kapitalbedarfs nicht.

sbendel
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ kanada [#18]

>Was ist der Grund für dieses Verhalten der Korrelationen? Gibt es zwischen den beiden Futures einen nichtlinearen Zusammenhang, was für das Ergebnis verantwortlich ist?

Erklärung könnte folgendermassen lauten:
Man kann den Chartverlauf in einen zugrundliegenden Trend (wenn vorhanden) und ein überlagertes Rauschen aufteilen. Das Rauschen wäre dann zum Beispiel durch tägliche Nachrichten beeinflusst. Diese haben häufig einen globalen Effekt. Der zugrundeliegende Trend ist eher durch stärker abweichende Fundamentaldaten geprägt. Also zum Beispiel sind die tägliche Änderungen der grossen Aktienindixes weltweit vermutlcih recht stark korreliert. Geht es bei einem hoch, geht es auch bei fast allen anderen hoch (macht vermutlich im Sinne einer globalen Leverage/Arbitrage Betrachtung Sinn). Diese Bewegungen sind für das betrachtete Trendsystem aber nicht handelbar, sondern eben Rauschen. Am Ende eines Jahres haben sich die Indizes dann aber vermutlich wesentlich unterscheidlicher entwickelt, als es die tägliche Korrelation erwarten lässt. Das tägliche Rauschen hat sich teilweise kompensiert und übrig bliebt der langfristiger Trend, der durch stärker unterschiedliche Fundamentals in den einzelen Märkten geprägt. Und sofern vorhanden sollte das dann auch vom System getradet worden sein.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ hardworker [#22]

"Also so ein Portfolio habe ich noch nicht gesehen. Du liegst ja fast überall richtig."

Nein, nein, glaub das bloß nicht. Ich hab ja oben geschrieben, das im Moment ist ein sehr ungewöhnlicher Zeitpunkt. Aber das ist nicht der Alltag und nicht der Normalfall.

Es liegt natürlich in der Natur des Ansatzes, daß Gewinn-Trades länger dabei sind, während Verlust-Trades schneller ausgestoppt werden. Die Ausgestoppten siehst Du in dem Excel nicht, denn dort stehen ja nur die Stop-Kurse der existierenden Positionen für den nächsten Tag. Ein durchschnittlicher Gewinn-Trade dauert 34,1 (Handels-) Tage, ein Verlierer 11,9.

"... und ob Du wirklich keinen Zielkurs eingibst."

Nein, ein Zielkurs gibt es nicht. Ich habe nie etwas gefunden, was eine solche Verbesserung bringt, daß die zusätzliche Komplexität gerechtfertigt wäre. Alle Postionen laufen so lange, bis sie durch einen Trailing-Stop ausgestoppt werden. Ich habe auch keinen Time-Stop. "Keep it simple" ist eine der wichtigsten Regeln, wenn es um Robustheit geht sowie darum, daß das Ding möglichst in allen Märkten funktioniert.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ hardworker [#22]

"Wäre interessant, wie Deine Entry-Regeln sind ..."

Ich möchte nicht meine Produktiv-Systeme genau beschreiben, denn es gibt zu viele Beispiele, daß offengelegte Systeme danach nicht mehr funktionieren. Der Grund ist mir nicht klar, aber das Risiko ist zu groß für mich. Ich bin aber bereit, wenn genug Interesse besteht, Details zur Konstruktion eines Trendfolge-Systems zu zeigen und die möglichen Komponenten zu beschreiben. Das steht natürlich auch in vielen Büchern, aber hier gibts Beispiele aus der Praxis dazu. :-) Letztlich führt - wie immer, wenn eine größere Unternehmung Erfolg haben soll - kein Weg vorbei an eigener Arbeit und Einsatz.

Von einer Beschreibung der Prinzipien, gefolgt von eigener Konstruktion hat jemand - das klingt jetzt wie in einem schlechten Film, ist aber meine wirkliche und feste Überzeugung - der mit echtem Geld handeln will, wesentlich mehr. Stärker noch: es ist das einzig Hilfreiche für ihn. Der Grund ist: ich bin fest überzeugt, daß van Tharpe recht hat mit seiner Analyse, was erfolgreiche Trader ausmacht: nämlich daß sie eine Art des Handeln gefunden haben, die genau zu ihnen paßt. Zu ihrer Persönlichkeit, ihren Vorlieben, zu dem, was sie in den Märkten suchen. Welche Art des Handelns das ist, ist egal. Wir alle wissen, es gibt unendlich viel, was man in dem Universum Börse machen kann.

Aber für Jemanden, der täglich Kurse anschauen will, ist ein Langfrist-System nutzlos; er wird totsicher schaffen, es zu sabotieren. Und umgekehrt kann jemand wie ich mit einem super-profitablen diskretionären System rein gar nichts anfangen. Ein System muß zu einem selbst passen wie ein Paar Schuhe. Wenn man es nicht genau versteht und es nicht zu einem paßt, kann man es todsicher - garantiert mit Brief und Siegel - nicht durch einen DrawDown von 30% handeln. Daher ist mein genaues System so nutzlos für Euch wie meine Schuhe. Sie passen Euch nicht. Denn mein System ist für mich konstruiert, und genau auf meine Lebensumstände passend Maß-geschneidert.

Schaut Euch meine Zahlen von oben an und denkt darüber nach. Das ist ein ganz entscheidender Punkt bei der Konstruktion eines eigenen Systems.

year CAGR max DD ... ... ... 2009 +3% -31%

Als fremdes System hätte niemand dieses Jahr durchgestanden, sondern im Sommer mit -31% aufgehört zu handeln. Und nicht erlebt, daß das System seitdem 40%aufgeholt hat.

Im Nachhinein sieht man die Equity-Kurve und denkt: "klar, kein Problem". Das ist aber ein Trugschluß. Jeder, der nennenswert echtes Geld verloren hat, weiß wovon ich rede. Das tut weh, ich habe nicht umsonst oben von Schmerzen geredet. Das funktioniert nur, wenn man das System selbst genau versteht, und nicht, wenn es ein fremdes System ist.

autokor
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ asamat

Das ist ein guter Ansatz . Ich denke Zinsen und Rohstoffe neigen zu trendartigem Verhalten und das macht sich auch in der P/L bemerkbar machen. Ich glaube auch dass es recht egal ist wie man den "Trend" feststellt . Da reicht wahrscheinlich sogar ein einfacher GD.
Da muss man keine Zaubereinstellungen finden . Wenn dem so wäre dann müsste man das Trendartige doch in Frage stellen
Durch die Diversifikation filtert man am Ende diesen Edge sichtbar heraus .Nur auf ein Instrument bezogen ist der Edge so stark überlagert von der Vola dass er nicht wirklich attraktiv wirkt .

Grüsse

JRM
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Asamat, dieser Thread wird ein Klassiker werden wie einst der von Bueschl (http://www.terminmarktwelt.de/cgi-bin/nforum.pl?F=IJOKO&CP=0&ST=8732&page=0)

Nur stehe ich noch ein wenig bei CAGR auf dem Schlauch - ist das nicht einfach ein anderer Begriff für die annualisierte Rendite, oder habe ich was übersehen? Wofür steht z.B. "91% seit 1975 im Backtest" - doch nicht 91 % p.a.???

Da Du aber in #6 für 2006 -14% angibst, nehme ich an, das da CAGR auf das entsprechende Jahr bezogen ist. Also, wenn Du am 01.01.2006 bei 100.000 € standest, waren es am 31.12.2006 86.000 €. Somit wäre aber doch "Jahresperformance" treffender, oder?

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ autokor [#27]

Richtig. Zwei Stärken des Trendfolgens ganz allgemein sind:

a) daß es grob gesehen nicht so wichtig ist, nach welcher Methode man den Trend bestimmt. Wenn ein Instrument einen Trend ausbildet, schlägt irgendwann jede Trendbestimmungsmethode an, halt etwas früher oder etwas später.

b) wenn ein Instrument ein Trend ausbildet, ist man auch dabei. Die Einstiege sind insofern robust oder "selbstkorrigierend", als man nicht einen Trend verpassen kann, bloß weil z.B. an einem Tag das Close zwei Ticks zu hoch oder zu niedrig war. Das ist ein Vorteil gegenüber Pattern oder Countertrend-Ansätzen, wo es passiert, daß man durch "dumme" Zufälle Chancen verpaßt.

"Durch die Diversifikation filtert man am Ende diesen Edge sichtbar heraus. Nur auf ein Instrument bezogen ist der Edge so stark überlagert von der Vola dass er nicht wirklich attraktiv wirkt."

Auch das stimmt im Prinzip. Bei nur einem Instrument ist der Edge zwar nicht überlagert, aber nicht besonders groß. Wenn ein Instrument in den letzten 40 Jahren z.B. 3 oder 7 große Trends gemacht hat, ist die Rendite von nur einem Instrument ist in der Tat mager. Das summiert sich über die Instrumente. Hierzu kann ich morgen Bilder machen.

Allerdings muß man aufpassen, beim Addieren von Instrumenten, z.B. was das Risiko nach Sektoren und was Übergewichtungen angeht. Die Portfolio-Selektion ist eines der schwierigsten (und fortgeschrittensten) Themen, da kenne ich mich auch selbst noch nicht so gut aus.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ JRM [#28]

Der Thread von Bueschl war einer von denjenigen hier im Forum, die mich begeistert und die mir viel gegeben haben damals. Ich habe eine ganze Zeit versucht, etwas ähnliches zu bauen, aber (leider) nichts Robustes hin bekommen. Ich habe auch mehrmals mit ihm gemailt. Ich habe dafür immer eine gewisse Dankbarkeit (gegen Bueschl und gegen das Forum) empfunden, und werde mir daher Mühe gegen, daß hier auch etwas Gehaltvolles heraus kommt.

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ JRM [#28]

"Wofür steht z.B. "91% seit 1975 im Backtest" - doch nicht 91 % p.a.??? Da Du aber in #6 für 2006 -14% angibst, nehme ich an, das da CAGR auf das entsprechende Jahr bezogen ist."

Du hast recht, vermutlich war ich nicht konsistent in der Bezeichnung. Für die einzelnen Jahre müßte es Jahresperformance heißten. Also "1-Jahres-CAGR".

Das mit den 91% seit 1975 ist schon richtig; und es wundert mich nicht, da skeptisch zu sein. Ich selbst bin es auch, wie gesagt erwarte ich nicht, daß es in Zukunft so weiter geht. Da sind die 70er und 80er-Jahre von Richard Dennis und den Turtle-Tradern dabei, als es noch keine Computer gab und niemand technische Analyse kannte. Damals gab es viel weniger Händler und keine Investmentbanken und keine Rentenversicherungen, die auch bei den Rohstoffen mitspielten. Das Trendfolgen wurde gerade erfunden, und war noch nicht allgemein bekannt. Diese Jahre kommen nicht wieder.

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