Medien: Werden breite Massen gezielt für Dumm verkauft ?

Nachricht Nummer 1 in der heutigen Tagesschau -Thema Mehdorn-.

Auch woanders kursieren auf den ersten Rängen Schlagzeilen wie

"Mehdorn steht nach neuen Enthüllungen auf der Kippe" etc.

Ich frage mich desöfteren ob es nichts Wichtigeres gibt, das einen solch hohen nachrichtlichen Stellenwert verdient hätte, als die Zukunft von Herrn Mehdorn.

Man kann beobachten, dass sogenannte "Non-Events" immer häufiger den Stellenwert von "Top-News" erhalten.

Geschrieben von F am
Asamat
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12 Jahre 9 Monate

Medien: Werden breite Massen gezielt für Dumm verkauft ?
Ich antworte mal provokativ auf die Überschrift: die breiten Massen bekommen von den Medien genau das, was sie sehen möchten.

Unumstrittener Herrscher in dem Bereich ist die Quote.

Gast

@ Paljusevic, Franjo [#1]

Da die Bahn bisher das schlechteste Image hatte, aber nun von den Bänkern abgelöst wird und Herr Mehdorn immer wieder als Hauptverantwortlicher der Bahn, gezielt diffamiert wurde, ist es natürlich "Top News" für das gemeine Volk, das er abgelöst wird.
Da können sich dann Instinkte wie Schadenfreude und Erleichterung manifestieren. Natürlich sind die Nachrichten keine Nachrichten, sondern Emotionsduschen für Primitivlinge.

Gast

Und noch:
Wie in Deutschland gedacht, informiert und regiert wird, sieht man, wenn man sich das Thema UmweltAbwrackprämie anschaut.
Unwichtigkeit wird abendfüllend, sicher kein Zufall!

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ redsnapper [#4]

"Unwichtigkeit wird abendfüllend, sicher kein Zufall!"

Parlamentarische Hinterbänkler könnten auch abendfüllend ins Big Brother Haus.
Das wär auch gut für den Wahlkampf um von den eigentelichen Themen abzulenken.
Aber die werden sowieso immer genutzt um die Stimmung im Volk zu testen.
Diese Typen kommen um diese Zeit immer mit irgendwelchen wilden Theorien, weil es ihr Image nicht kaputt macht und die Partei an der Reaktion sieht ob es gut ist ein Thema zu besetzen oder nicht. Da wird dann Unwichtigkeit auch abendfüllend.

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Paljusevic, Franjo [#1]

Leichte Kost ist angesagt.

War doch schon immer so.

Es muss leicht und verständlich sein. Schwarz und Weiss muss klar definiert sein. So liebt es die Masse, es braucht einen Buhmann, egal ob der Wahrheit und Objektivität rechnung getragen wird.

Finanzkrise will keiner mehr hören, ist zu anstrengend, versteht keiner und die Politik setzt auf Aussitzen.

Irgendwann interessiert es keinen mehr, nur noch ein paar wenige, und damit wäre das Thema durch.

Wenn dann gar nichts mehr da ist, muss halt Bohlen ran, der ein möchtegern Sternchen beleidigt.

War doch schon im alten Rom so. Brot und Spiele für den Mob.

schnueffelnase
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Paljusevic, Franjo [#1]

Wenn du dich online informierst, musst du bedenken, dass 1. jeder Klick gezählt und ausgewertet wird und 2. zumindest bei einigen großen Nachrichtenportalen die Artikel oben stehen, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums am häufigsten angeklickt wurden. Bei einer solchen Hassfigur wie Hartmut M. also kein Wunder, dass er in den Nachrichtenportalen ganz oben steht.

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Paljusevic, Franjo [#1]

Ich frage mich desöfteren ob es nichts Wichtigeres gibt, das einen solch hohen nachrichtlichen Stellenwert verdient hätte

Was wären denn am Sonntagabend die wichtigeren Nachrichte als Aufmacher der Tagesschau gewesen ?

F
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Meines Erachtens gab es viel Wichtigeres. Eine kleine Auswahl.

http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4136710,00.html

Liegt vielleicht auch an meiner Persönlichkeit, aber mich persönlich interessiert es überhaupt nicht, welcher Vorstandsvorsitzende wieviel, wann und wo verdient oder welche Zukunftspläne derjenige Vorstandsvorsitzende hat.

Es ist die billigste Form einer Neidiskussion. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob ein Vorstandsvorsitzender oder sonstige leitende Angestellte auf einen Grossteil ihres Gehaltes verzichten und somit der Gesellschaft zu Einsparungen helfen.

Solche Gehaltsverzichte spielen nur eine marginale Rolle und sind vernachlässigbar. Wenn ein Manager durch kluges Handeln eine Milliarde Euro an Gewinn erzielt dann soll er von mir aus auch 1 % davon als Gehalt bekommen. Mich stört die Summe von 10 Millionen nicht. Der Gesellschaft verbleiben immer noch 990 Millionen.

Und in schlechten Zeiten ? Was spielt es da für eine Rolle, ob eine grosse Gesellschaft 10 Millionen Euro mehr oder weniger einspart und dafür keine kompetente Führungsspitze vorhanden ist ?

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Richard Ebert [#8]

Es ist wohl klar, was Franjo zum Ausdruck bringen will oder wollte.

Es geht nicht nur um diese eine Schlagzeile.

Mit dem was er sagt hat er absolut recht.

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Jeder setzt andere Wichtigkeiten und deshalb wird das gedruckt, was sich verkauft.
Wenn es sich verkauft, dann ist es wohl für die meisten wichtig.
Die Leute wollen Entertainment und immer welche sehen, denen es schlechter geht als ihnen selbst.
Isso. Warum also jammern, dass die nicht drucken was man sehen will.
Franjo findet seine Quellen ja trotzdem und liest dann eben das.
Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Mir san mir, mir san stärker wie die Stier (sagten die Bären :) )
Gruß eines Wahlbayern im hessischen Exil.

F
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12 Jahre 9 Monate
fledgeling
Mitglied seit
12 Jahre 10 Monate

@ Richard Ebert [#8]

Off Topic, jedoch nicht außer Acht zu lassen: die Abschaffung von Grundrechten durch unsere Regierenden.

F
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Der kommende G-20 Gipfel wird grundlegende historische Veränderungen mit sich bringen, die jeden Bürger betreffen werden.

Aber in den hiesigen Medien sind "provinzielle" Themen wie Mehdorn, der schöne Frühlingsbeginn und sonstiges unter den Top-Schlagzeilen zu finden.

Richard Ebert
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ benedikt54 [#10]

Nur einige wenige Anmerkungen:

Wenn jemand schreibt 'so nicht' stelle ich die Frage 'was denn an dessen Stelle' ?

Antwort: Hier hast Du eine Liste, such es Dir selbst aus.

Immer und überall nur kritisieren, ohne Alternativen aufzuzeigen, ist mir zu wenig. Personen anzugreifen, ohne es an deren Stelle besser zu machen und die Verantwortung für ihr Tun und Lassen zu übernehmen.

Damit meine ich nicht Franjo, sondern viele Mitbürger im täglichen Leben. 40 % sind noch nicht einmal bereit, sich mit Parteienprogrammen und der Glaubwürdigkeit von Politikern zu beschäftigen und 5 Minuten pro 4 Jahre für die Bundestagswahl aufzuwenden. Sehr traurig.

Fernsehen ist kein Regierungsprogramm mit amtlichen Meldungen, sondern Information und Unterhaltung von vielen Sendern, die um Marktanteile kämpfen. Je höher die Marktanteile, umso mehr Geld kommt rein. Das ist mehr oder weniger Marktwirtschaft, deren Anhänger ich bin (soziale Marktwirtschaft).

Zur Tagesschau von heute:

20:01 G 20 Gipfel London
20:06 EZB Leitzinssenkung
20:07 Automobilmarkt und Abwrackpräme
20:09 Bahnchef-Nachfolger
20:11 Pflegepersonen in Kliniken
20:13 NPD
20:14 Medienpreis für Integration
20:15 Wetter

Für mich voll in Ordnung, vor allem in Ergänzung der Tagesthemen am späten Abend.

Wen solche Themen nicht interessieren, dem empfehle ich die RTL2 News um 20 Uhr als echte Alternative.

F
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Es ist doch ein Phänomen der letzten Jahrzehnte, dass es oftmals den Anschein macht, den führenden Köpfen würde der intellektuelle Zugang zu den tatsächlich bestehenden Bedürfnissen der breiten Bevölkerungsschichten fehlen. Die Beschäftigung damit wird dann wiederum unisono als "populistisch" gebrandmarkt.

deriva
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

Die Tagesshow. Wie man in 15 Minuten die Welt unbegreiflich macht

Wenn sich das Land um 20 Uhr vor den Fernseher setzt, dann zelebriert die Mediengesellschaft ihre Kommunion. Niemand schaut die Tagesschau, um die Welt zu begreifen. Man kann sagen: Die Sendung verwandelt die Realität in eine Art endlose »Lindenstraße«. Die Tagesschau (genau wie andere Nachrichtensendungen) versteht sich jedoch nicht als Fiktion, sondern als informative Dienstleistung. Diesen Mythos nimmt Walter van Rossum nach allen Regeln der Kunst auseinander. Er kontrastiert eine Reportage aus der Tagesschau-Redaktion in Hamburg (mit all den hochherzigen Intentionen der Macher) mit der minutiösen Analyse einer einzigen 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau: Welche Ereignisse werden wie und in welcher Reihenfolge und in welcher Länge dargestellt? Und wieso um Himmels Willen bleibt die Welt trotz aller guten Absichten der Macher auch nach 15 Minuten unbegreiflich? Was hat das zu tun mit den Riten des medialen Apparates, den Hierarchien, täglichen Konferenzen der Chefredakteure etc.? Und was wird in der Tagesschau nicht berichtet? Welche realen Ereignisse werden zu »Nachrichten« - und was geschieht dabei mit den Ereignissen? Und schließlich: Wie sähe ein Nachrichtenjournalismus aus, der dem Zuschauer die Möglichkeit gäbe, zu den Fakten der Welt eine Haltung zu entwickeln, gar eine kritische?

http://www.amazon.de/Tagesshow-Minuten-Welt-unbegreiflich-macht/dp/3462039512/ref=sr_1_8?ie=UTF8&s=books&qid=1238747039&sr=1-8

Kobban
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ deriva [#17]

Man kann sagen: Die Sendung verwandelt die Realität in eine Art endlose »Lindenstraße«.

"Wenn in der ‚Lindenstraße‘ einer stirbt oder auszieht, bekommen wir Briefe, ob man in die Wohnung einziehen kann und wie teuer die Miete ist."
(Hans Geißendörfer, Regisseur der erfolgreichen Fernsehserie ‚Lindenstraße‘)

Asamat
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ deriva [#17]

"Niemand schaut die Tagesschau, um die Welt zu begreifen."
"Und wieso um Himmels Willen bleibt die Welt trotz aller guten Absichten der Macher auch nach 15 Minuten unbegreiflich?"

Ehrlich gesagt, scheint mir das ziemlich viel heiße Luft zu sein. Wie kommt der Autor nur darauf, die Tageschau hätte den Anspruch, in 15 min "die Welt zu erklären", was immer das heißt? Allein um Physik zu verstehen, muß man einige Jahre vollzeit studieren. Natürlich ist die Welt zu komplex, um sie einfach darzustellen.

Die Tageschau kann nur den Anspruch haben, kurz die wichtigsten Ereignisse des Tages anzusprechen. Und deshalb schaut man sie. Ich finde, wie auch Herr Ebert in [#15] ganz richtig schreibt, daß sie das nicht so schlecht macht.

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 9 Monate

@ Asamat [#19]

Ganz meine Meinung. Wer den Anspruch hat, dass er mit 15 Minuten pro Tag so informiert sein will, dass er weiß was los ist, der muss nicht mehr für dumm verkauft werden.
Passt aber in die Welt des Fastfood und der Tütensuppen und durch Filmproduktionen unterbrochene Werbeclips ganz gut hinein.

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