Meet your fear - Die eigene Angst besiegen
Das wird nicht leicht für mich jetzt.
Ich hatte vor drei Wochen einen für mich wichtigen Fall vor Gericht gewonnen. Die Chancen standen eigentlich nicht gut für mich. Vor der Verhandlung hatte ich mir vorgenommen, im Falle eines Sieges die Strafsumme, die ich dann nicht mehr zahlen müßte, runde 10K, fürs short term trading zu verwenden. Nach dem Motto, weg ist weg.
Short term ist seit Jahren mein persönlicher "Angstgegner". Seit drei Wochen betrüge ich mich also nun um mein eigenes Versprechen.
Sobald ich an kurzfristiges Handeln auch nur ernsthaft denke, kriege ich kalten Schweiß, und meine Hände fangen beinahe an zu Zittern. Klares Denken ist damit nahezu unmöglich. Wie geht man mit einer solchen Angst um? Wie kann man eine solche Blockade durchbrechen? Mit Logik?
Gibt es Menschen, die partout nicht für short term "geeignet" sind?
@ scorpion260 [#1]
Hi,
ich bin echt etwas verwundert, da ich Dich nach Deinen Beiträgen immer als sehr kompetentes Mitglied hier einschätze mit einiges an Erfahrung. Wieso willst Du jetzt auf einmal anfangen wie ein blutiger Anfänger zu zocken? Du fährst doch mit Deinen Investments bisher ziemlich gut, kaufe doch lieber ein paar gute Aktien nach oder fahre in den Urlaub nach dem Stress.
"Gibt es Menschen, die partout nicht für short term "geeignet" sind?!"
Selbstverständlich. Dazu gehöre ich auch, wobei es natürlich immer darauf ankommt wie man "Short Term" definiert. Für mich wäre das Intraday bis eine Woche. In diesem Zeithorizont handle ich nicht, da ich hier nie erfolgreich war.
Gruss Sebastian
@ scorpion260 [#1]
Wie wäre es mit einem festen Regelwerk?
Man man man,
ich kann mich Sebastian nur anschliessen. Pack deine Kinners und dein Weib ein und gönn dir ein paar schöne Tage. Habe gestern einen Bericht aus der Provonce gesehen. Da hält jetzt schon der Frühling einzug.
P.S: Mit einem Teil der 10k könntest du auch ein Paar PUTs kaufen um dein Depot abzusichern. Da wäre das Geld nicht mal verzockt wenn was schief gehen sollte.
@ scorpion260 [#1]
das was du beschreibst, wäre bei mir das Vorhaben (Future)Positionen auch mal über Nacht halten zu wollen... (Das "Kind" hat bei bir sogar einen ganz simplen Namen: "Angst vor möglichem dem Verlust der direkten Kontrolle über meine Positionen")
Also ist nicht weiter tragisch ;)
..."Wie kann man eine solche Blockade durchbrechen? Mit Logik?"...
z.B. mit Extremen... und mit der Konzentration aufs wesentliche...
=> also "miete" dir irgendwo ein EOD-System was eine Position pro Tag handelt. "Zwinge" dich zur Disziplin, die Positionen zu handeln und eventuell auch mal zu beobachten (!aber eben NUR PASSIV beobachten!)
=> gut geeignet wären hier Systeme, wo man garnicht erst auf die Idee kommt, verstehen zu wolle was da im Moment genau passiert (z.B. Neuronales, komplexe Muster, hochoptimierte Mehrfachindikatoren, oder einfach ein paar "Blackbox"-Signale)
=> da es mehr um den Zwang zum Handeln als um den maximalen Erfolg geht, sollte sich ein system finden, was bei begrenztem Risiko (und damit meist auch begrenzten Gewinnerwartungen) "bisher" eine akzeptable recht glatte Kapitalkurve hatte.
(ich nenne jetzt bewusst keine Vergleiche/Systeme/Anbieter... wer sucht der findet und zum Test auf Sicht von ~6 Monaten mache ich sowas auch mal mit etwas "Spielgeld", aber mehr aus Vergleichsgründen wenn ich eigene Systeme in für mich neuen Märkten starte)
@ Envelo [#3]
das mit dem Regelwerk ist "noch" nix, @scorpion260 sollte erst herausfinden, ob er mit "shortterm" ansich leben kann. Gleichzeitig an eigenen Regeln basteln könnte bedeuten, das er im Fall des Misserfolgs eventuell nicht wüsste "was" die Probleme waren (..shortterm Stress? ..kein "Händchen" für brauchbare short Regeln/Ansätze? ..kein Vertrauen in die eigenen "neuen" Ansätze?)
Machmal kommt man zu Erkenntnis, das es auch gut ist zu wissen was man nicht weiss/kann, oder es siegt schlicht die Faulheit sich auf etwas neues einzulassen. "Mein Kopf" kann ab und zu auch mit solchen Erklärungen gut leben:)
(z.B. ich kann nur eine Programmiersprache, auch wenn ich da für manches "Handstände" machen muss, bin ich schlicht zu faul herauszufinden ob irgendwas "neumodisches" / anders eventuell viel besser geeignet wäre;)
@ TimeTrade [#5]
Hier mal ein Beispiel eines "shortTerm" Ansatzes (alles Intraday Angabe in Dollar):
40,00
40,00
40,00
182,00
-142,00
-284,00
195,00
-142,00
-284,00
182,00
142,00
40,00
182,00
-284,00
-142,00
40,00
40,00
182,00
182,00
-284,00
182,00
---------
107,00
Das ist das erste mal das ich strikt nach einem festen Regelwerk handle - ja die Daten sind noch nicht aussagefähig genug. Aber ich stelle bereits jetzt an meinem Verhalten fest welche Fehler ich vorher begangen habe.
Mir ging es im besonderen um die Erkenntnis nicht wild in den Märkten herumzumurksen sondern eine "Nervenstärke" zu entwickeln. Und einen Ansatz kontinuierlich zu verfolgen. Aus meiner Sicht einer der wichtigsten Dinge um Blockaden oder Angst zu überwinden. Vielleicht entwickelt sich im lauf der Jahre daraus ein profitables Handwerkszeug.
Hallo zusammen.
http://www.bibel-online.net/bibelbuecher.html
Die Einzige Art und Weise, nicht nur den richtigen Umgang mit Menschen zu erlernen, sondern sich auch sonst "stabil" in der Welt zu bewegen und letztendlich auch "Sinnerfüllt" zu leben ist und bleibt das Studium der Bibel.
Joe Ross hat dies schon erkannt:
Are there any books you have read, that you would recommend to people?
To be honest, I read very few books. I am dyslexic. Reading books is very difficult for me, especially trading books. My number one best book is the Holy Bible. I have read it and re-read it many times, especially the book of Proverbs (Sprüche Salomos).
http://www.moneybags.com.au/pdf/interviewwithjoe.pdf (auf Seite 6)
Wenn man das Bibelstudium auch noch weiter vertiefen möchte und speziell das "Alte Testament" näher kennenlernen möchte, ist parallel auch das Studium des Talmud zu empfehlen.
Der Talmud ist -einfach gesagt- ein Jahrhunderte altes Werk, in dem mehrere Rabbiner in verschiedenen Diskussionen Bibelstellen für alle Bereiche des Alltags auslegen und erklären.
http://www.amazon.de/Babylonische-Talmud-Sonderausgabe-12-Bde/dp/3633542000/ref=pd_bbs_sr_2?ie=UTF8&s=books&qid=1204795899&sr=8-2
Viele Grüsse
Franjo
Ich würde meine Stärken stärken und nicht meine Schwächen schwächen. :-)
Kurzfristhandel, in welcher Ausprägung auch immer, verlangt andere Fähigkeiten als längerfristige Börsengeschäfte. Rohöl bei 20 Dollar zu kaufen und bis 100 zu halten ist "ein bischen" was anderes, als jeden Tag oder jede Woche mehrere Geschäfte erfolgreich abzuwickeln.
Kurzfristhandel kann sehr lukrativ und entsprechend reizvoll sein. Der wahrscheinlich beste Rat, den man Dir geben kann: häng Dich an jemanden ran, der bereits erfolgreich in diesem Geschäft tätig ist.
Nach meiner Erfahrung braucht man - wie überall - vor allem Leidenschaft für dieses Geschäftsmodell, um hier zu reüssieren. Erfolgreiche Menschen lieben einfach was sie tun, ohne dabei ans Geld zu denken. Das kommt von allein.
@ Paljusevic, Franjo [#7]
Jahhhaaa die Bibel!
Tolle Lektüre solange man auf ein freiheitlich-demokratisches Weltbild nicht allzu großen Wert legt.
http://www.pruefziffernberechnung.de/Attraktor/Attraktor_2005_06.pdf
Mein Favorit ist ja immer noch Ex. 22, 17 ^^
Nun, die erste Frage ist, was für Dich kurzfristig ist...
Ich handel (fast) ausschliesslich intraday, weil es mich einfach wahnsinnig frei macht, ins Bett zu gehen, ohne einen Gedanken an meine Position und aufzustehen, ohne zum Fernseher springen zu müssen, um zu gucken, was in Asien lief.
Alles was Trading ausmacht, ist im intraday nochmal komprimierter, konzentrierter. Die Disziplin, die man haben muss, aber auch die Freiheit die es ermöglicht.
Sicher ist das nicht für Jeden geeignet, vielleicht sogar, urssprünglich, für Niemanden, aber wenn man sich dahin erziehen kann, ist es in jeder Beziehung bereichernd.
Was wuelle meint, hatte ich neulich noch bei Van Tharp gelesen. Wer an Geld denkt, hat an der Börse eine schwere Zeit und wird viel Böses erleben.
Paradox...Der Trick ist, das Geld zu vergessen, weil es unwichtig ist. Jeder hat Begriffe davon, was "viel" und was "wenig" Geld ist. Also muß man am Anfang mit "wenig", oder besser mit "lächerlich wenig" anfangen. Denn dieser Geldfaktor erzeugt sonst einen subtilen Druck, der unfrei macht.
Also konkret: Wenn Du weisst, wie Du handeln willst und das im Papertrading getestet hast, such Dir einen CFD Anbieter, wo Du mit Taschengeld anfangen kannst.
Bei ABN Amro Marketindex z.B., kostet ein DAX ca. 200 Euro Margin, 1 Punkt=1 Euro. Wenn Du die Disziplin und das Können hast, kannst Du hier organisch deine Positionsgröße ausbauen und dann zum Future wechseln. Inkl. anfänglicher Verluste, könntest Du mit 1t starten und 9t verzinsen lassen.
Was wuelle schreibt, ist der Schlüssel: Es muss Spass machen, es darf keine Pflicht sein. Mein Motor ist, abends auf den Chart zu gucken und zu sehen, dass ich in allen Situationen das richtige getan habe. Wie ein Chirurg, der sich an einer besonders kunstvollen Operation erfreut.
Wenn Du jetzt schon meinst "Das wird nicht leicht für mich jetzt", lass es sein. Falsche Vorraussetzung. Wenn Du, nur beim Gedanken ans Handeln, kalten Schweiss kriegst, kann es nur die Hölle werden. Schau erstmal, warum, oder wovor Du genau Angst hast. Ist es die Angst zu versagen, die Verantwortung zu tragen, in der Gosse zu landen? Oder die, nicht beeinflussen zu können, was der Markt macht? "Angstgegner" ist das nächste Wort, das mir nicht passt. Wer an der Börse in Kampfkategorien denkt wird Kampf erleben.
Richtiger ist, den Markt als endlosen Strom von Gelegenheiten zu begreifen. Das war für mich schwer, den ganzen tollen Trades nicht nachzuweinen, die ich verpasst habe, oder aus denen ich zu früh raus geflogen bin und zu sehen, dass endlose Trades kommen, bei denen ich dann mitfahre.
Viel Spass,
redsnapper
P.S.: Um Joe Ross zu antworten: Ich will ehrlich sein, ich habe sehr viele Bücher gelesen. Lesen ist für mich Leidenschaft, egal zu welchem Thema.
Aber es gibt ein Buch, dass ich nie lesen werde und das ist die Bibel.
@ Paljusevic, Franjo [#7]
@ redsnapper [#10]
die Diskussion lassen wir lieber, und wenn dann reden wir lieber über das "Das Kapital", das passt sogar vom Namen besser :)
@ scorpion260 [#1]
"Wie geht man mit einer solchen Angst um? Wie kann man eine solche Blockade durchbrechen? Mit Logik?"
Wenn mit "Logik", würde ich versuchen so genau wie möglich zu reflektieren, woher sie kommt, von welcher Vorstellung sie ausgelöst wird etc. Wenn das nicht greifbar und klar wird, kommt es vllt. einer Art Phobophobie nahe.
Die Phobophobie ist die "Angst vor der Angst". Sowas hatte ich eine Zeit lang, war zwar nicht mit der Börse verknüpft, aber da muß man dann anders vorgehen, weil das nicht so einfach greifbar ist.
Ich würde so vorgehen und mir eine Strategie suchen, die Ähnlichkeit hat mit der, die du jetzt machst. Z.B. habe ich eine Zeit lang LONG Optionen (etwas aus dem Geld, damit waren es kleine Geldbeträge) an der Eurex gehandelt und hatte immer die Sicherheit, das ich nur so viel verlieren konnte, wie ich für die Option bezahlt hatte. Das gab mir Sicherheit und Ruhe, so lange wie ich es nicht übertrieben habe! ;)) Ich hab das dann aber nicht verfeinert.
@ pullPUSH [#6]
Hi Pullpush,
in einem anderen Thread hatten wir ja schon mal deine damaligen Scalping Versuche als Thema, da du mit für uns Trader ungewöhnlicher Offenheit über Deine Verluste berichtet hast. Dies ist wohl auch ein gutes Beispiel für Scorpion warum Intradayhandel meist nicht sehr aussichtsreich ist. Das Problem liegt an den Gebühren und an der Slippage. In Deinem Fall damals hättest du übernatürliche Kräfte haben müssen um einen Erwartungswert zu erreichen der die Kosten kompensiert hätte. Umso besser wenn du jetzt eine ruhigere Kugel schiebst.
@ Scorpion
Intradayhandel ist ineffizient . Das heisst er ist viel weniger zufällig als längere Zeithorizonte. Jedoch muss das nicht unbedingt gut sein da man natürlich auch systematisch unter die Räder kommen kann. Diese Erfahrung werden Langfristinvestoren und Fondsmanager im Regelfall nie teilen müssen da sie in einer weitestgehend effizienten also zufälligen Welt agieren. Systematische Verluste würden sogar wenn es sie geben sollte schon aufgrund der geringen Datenzahl nie messbar oder fühlbar sein.
Grüsse
@ autokor [#13]
"Systematische Verluste würden sogar wenn es sie geben sollte schon aufgrund der geringen Datenzahl nie messbar oder fühlbar sein. "
Das ist ein Punkt, der mich eher zum Kurzfristhandel zieht. Ich sehe schneller, ob ich auf "längere" Sicht erfolgreich bin. Beim Langfristhandel merke ich vielleicht erst kurz vor der Rente, dass meine Systematik nicht tragfähig ist und muss dann beim Aldi an der Kasse sitzen :)
@ AAA [#12]
"Ich würde so vorgehen und mir eine Strategie suchen, die Ähnlichkeit hat mit der, die du jetzt machst. "
Allerdings glaube ich nicht, dass man im Kurzfristbereich mit einer umgemodelten Langfriststrategie erfolgreich sein kann. Es ist ein anderes Tier mit völlig anderen Streifen und Tupfen. Bei mir war das bisher jedenfalls nicht refolgreich. Kann aber auch an der Psyche liegen. Im Kurzfristbereich bin ich verdammt ungeduldig. Im Langfristbereich hab ich die Ruhe weg.
@ gautama2 [#14]
Ja, das war nicht so klar von mir wie es gemeint ist.
Ich meinte, eine Strategie die ihm eine ähnliche innere Haltung zuläßt, so dass er sich nicht komplett verbiegen muß. Davor hat er ja Angst. Vor dem komplett anderen Gefühl, diese jede Sekunde überrannt werden können. Mal so interpretiert. ;)
Ich wollt nur sagen, dass man auch mit einem Buy&Hold "Habitus" auch "Kurzfristtrading" machen kann...
So mach ich das. Ich gönne mir die Ruhe vom Buy&Hold-Habitus und mache intraday Trades. Die intraday Trades die nicht intraday geschloßen werden wollen behalte ich dann auch overnight.
Dann lese ich ihnen vor dem Schlafengehen noch was aus der Bibel vor, am nächsten Tag sind die dann top fit für ihre weitere Wanderschaft und bedanken sich bei mir für die Gastfreundschaft. :))
Und schön dran, die kommen gerne wieder! ;)
@ AAA [#15]
Ja, so ist es deutlich. Das verstehe ich.
@ autokor [#13]
"Umso besser wenn du jetzt eine ruhigere Kugel schiebst."
Ja das trifft es - und es "er"geht mir deutlich besser. Nichts ist schlimmer als sich selbst zu betrügen. Das gilt nicht nur allgemein für Leben sondern gerade auch für Trading. Die Erfahrung war teuer aber Lehrreich. Darauf baue ich auf.
In den Märkten (siehe Öl) herrescht derzeit eine deutliche höher Vola vor - die aus meiner Sicht den Intradayhandel erheblich über Erfolg oder Misserfolg beeinflusst. Dennoch halte ich auch in dieser Phase besser die Finger weg.
Fast noch schlimmer als die Angst ist die Gier. Sie kann einen ebenso Gnadenlos aus dem Fahrwasser schmeissen. Seis drum. ;O)
@all
Ich danke erstmal allen für Eure vielen Ideen und Gedankengänge.
In der Tat scheint mein Problem bezgl short term komplexer zu sein, als ich es vielleicht selbst glaube.
Short term bedeutet für mich alles von wenigen Minuten nach Zahlen und News, bis hin zu ein paar Tagen. Ich habe hier eine geschätzte Versagensquote von 75-80 % mit ca 20% Verlust pro Monat, selbst im Papertrading.
So effektiv wie ich verbrennt damit wohl niemand Geld.
Ich denke, der schlimmste Frust, der sich deswegen in mir aufbaut, ist, daß es andere hinkriegen, nur ich nicht.
Die tatsache, daß ich longterm absolut erfolgreich bin, vielleicht auch mehr als viele andere, blendet sich bei diesem Frust komplett in meinem Kopf aus.
Wie es manche schon ausdrückten, ich schaffe es einfach bei short term nicht, eine gewisse Egalität aufzubauen, die den Spaß am Handeln überhaupt erst zuuläßt, sondern versteife mich total auf den Erfolgsdruck. Den ich eigentlich nicht habe, denn ich würde max 1-2% meines Gesamtdepots fürs short term trading abstellen, somit, selbst ein Totalverlust würde nichts weiter als eine zur Zeit übliche Tagesschwankung des ganzen Portfolios darstellen. Eine Verdopplung des short term Kapitals dann übrigens auch nicht.
Somit werde ich wohl zuerst an diesem mentalen Problem arbeiten (müssen), um über einen Sinn für short term zu erzeugen.
Ich danke erstmal allen für Eure Hilfe.
Gruß
Scorpion
@ scorpion260 [#18]
"Short term bedeutet für mich alles von wenigen Minuten nach Zahlen und News, bis hin zu ein paar Tagen. "
Leg Dich hier erst mal genauer fest. Dann finde heraus, was Du genau traden willst. kleine Trends, Breakouts etc. Was genau und in welchem Chartzeitfenster identifizierst Du sie am besten? 10 Min, 1h, etc.
Trades über wenige Tage -> kleine Trends oder Bewegungen -> Stundenchart?
Trades über 1-2 Stunden -> Breakouts, Bewegungen, kleine Trends -> 10 Minutenchart?
etc.
Hier einfach ganz schematisch unterscheiden und beobachten.
@ autokor [#13]
Du schreibst:
kurzfristiger Handel = wenig Zufall = ineffizient
langfristiger Handel = viel Zufall = effizient
Ich verstehe nicht, was Du damit meinst. Kurzfristiger Handel wird zwar eher technisch orientiert sein und langfristiger Handel eher fundamental, aber inwiefern ist der langfristige Handel "zufälliger" als der kurzfristige?
Und inwiefern führt "Zufall" zu mehr "Effizienz"? Ich nehme an, es nicht die "Effizienz des Marktes" gemeint, denn die wird ja eher als Gegenteil von Zufall charakterisiert (als Gegenteil des "Random walk"). Sondern mit Effizienz meinst Du wohl die Erfolgsaussichten eines systematischen Handelssystems. Aber bist Du wirklich der Meinung, ein systematischer Handel schneidet in einem zufälligen Markt besser ab, als ein systematischer Handel in einem systematischen Markt?
@ Livetour [#20]
Doch ich meine die Effizienz des Marktes
Ich gehe davon aus dass es auf dem Kapitalmarkt zumindest bei der Verwendungung von EOD Daten eine schwache Informationseffizienz gibt. Das heisst in der Theorie wohl dass die meisten öffentlich zugäglichen Informationen eingepreist sind . Abweichungen von einem fairen Wert die sich dann wieder hin zum "fairen" Wert bewegen sind somit in der Theorie nicht vorhanden. Diese Effizienz führt dazu dass alles Handeln zufällig ist denn schliesslich gibt es keine Preisverzerrungen die ausgenutzt werden können respektive Preisverzerrungen zu denen man systematisch schlechte Kurse ins Portfolio holt.
Anders im Intradayhandel . Hier ist der Markt meines Erachtens viel ineffizienter . Das heisst es gibt hier durchaus Verzerrungen die den Händler systematisch Geld kosten oder bringen können.
Grüsse
@ autokor [#21]
ziehen war dazu mal ein Beispiel aus der Praxis heran, sonst wird es zu theoretisch:
Nasdaq: PRFT
An den Fundamentals hat sich wenig geändert. Und die Aktie notiert jetzt wieder in der Region, wo auch grob ihr fairer Preis liegt. Kurs gestern: $7.29. Aber wer hat zwischenzeitlich Preise um $20 herum (Höchstkurs $25.19) bezahlt? Diese Kurse hatten mit fair-value Überlegungen nicht im geringsten was zu tun. Sie sind ein Beispiel dafür, dass Märkte zwischenzeitlich fair value Überlegungen komplett ausblenden können. Auf sehr lange Sicht pendelt sich natürlich dann doch alles beim fair value ein.
Ergänzung:
Gerade das Erkennen solcher Mispricings eröffnet doch die Chancen für Pair-Trading.
Zumindest für Instis. Als privater Trader muss man sehr gut kapitalisiert sein, denn die Valuation-doesn't-matter-Fraktion ist gross und kann einen leicht zerdrücken.
riskant, nur bei guter Kapitalisierung und auf längere Sicht sinnvoll:
Long PTI (Patni Computer), short PRFT
@ IngoM [#24]
Das Bewertungsrelationen sich auch ohne jegliche Informationsveränderung durch Angebot und Nachfrage verändern ist schon klar. Informationseffizienz ist lediglich stärker im EOD Markt als in der Intradaybetrachtung. Deswegen gibt es Intraday auch mehr Möglichkeiten zu gewinnen/verlieren.
Grüsse
@ IngoM [#22]
vielleicht sollten wir erst def. was unter fair value du rechn. verstehst.
Das sich PRFT -Käufer und -Verkäufer zwischen 20 und 25usd trafen macht doch den Preis zum Marktpreis, an dem sich verkaufs- und kaufswillige treffen. Ob sie auch noch sachverständig waren spielt bei einem tatsächlich gehandelten Preis, wenn nicht Zwang ausgeübt wurde, keine Rolle. Somit bezahlter Marktpreis = Fair Value.
Oder aber du nennst Rechnungsmethode, welche dazu führt, dass du sagen kannst: Als Sachverständiger zahle ich dafür nicht mehr als 7usd.
@ dhp05 [#26]
fair value = ökonomisch sinnvolles Bewertungsniveau, zu den ein Kauf sinnvoll erscheint, auch wenn man den Chart gar nicht kennt.
Ich bezweifel, dass diejenigen Käufer, die zu $20 gekauft haben, dies getan haben, weil sie das Unternehmen besonders gut fanden und sich an diesem beteiligen wollten. Sie werden es vielmehr getan haben, weil sie das Chartbild (den Aufwärtstrend) so toll fanden und die Aktie in der IBD-Topliste sehr gut platziert war. Und da fängt es an, absurd zu werden, aber es ist die tägliche Realität an den Märkten.
Wenn man die Meinung vertritt "bezahlter Marktpreis=fair Value", dann wurden auch die holländischen Tulpen auf der Spitze der Bubble zum fair value gehandelt. Oder die zahlreichen Minen/Explorer-Klitschen, die von windigen Börsenbriefen empfohlen/gepusht werden. Oder um 2000 herum Internet-Buden.
Damit dürfte klar sein: Ein Fair Value-Begriff muss sich daran orientieren, was ein Unternehmen von seiner Ertragskraft bei wirtschaftlicher Betrachtung wert ist und nicht daran, ob es Idioten im Markt gibt, die temporär einen eigentlich irrationalen Preis zahlen.
Im Bear Market gilt alles in umgekehrter Richtung übrigens ganz genauso.
Für Mutige:
Ein Pair Trade an deutschen Börsen: Long Homag Group (WKN 529720), short Conergy (WKN 604002)
@ ALLE
mich würden Meinungen zu der Trade-Idee aus [#28] interessieren, ich hab sie nicht nur einfach so hereingestellt. Und die Short-Komponente ist natürlich nur optional, man kann prinzipiell auch auf sie verzichten.
Ich sie deswegen aufgeführt, weil "Pair Trading" in diesem Forum ja schon mehrfach ein Thema war (inbes. Autokor).
@ scorpion260 [#18]
"Ich habe hier eine geschätzte Versagensquote von 75-80 % mit ca 20% Verlust pro Monat, selbst im Papertrading.
So effektiv wie ich verbrennt damit wohl niemand Geld."
Das klingt ja sehr spannend! Sieh das einfach positiv, wenn du das Ding umdrehst hast du +20% mtl.!
Ließ mal das Buch "Wünsch es dir einfach - aber richtig" von Pierre Franckh
http://www.amazon.de/W%C3%BCnsch-dir-einfach-aber-richtig/dp/3867280312
Pierre Franckh
http://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Franckh
Das Buch ist echt "lustig"! Vllt. manchmal für einen Ratiomenschen etwas "hmmtataah", aber es hat trotzdem was, auch wenn man es mehr als ein kleines wie-suggeriere-ich-richtig-Büchlein betrachtet. Und dann kannst es gleich deiner Frau ausleihen, man sollte ja niemand in der Familie Erfolg vorenthalten. ;))
Also, der Trick bei dir ist NUR, aus den "20% Verlust" das Wort "Verlust" durch das Wort "Gewinn" zu ersetzen!
Vllt. denkst du jetzt, dass du dir dann gleich wünschen kannst in Lotto zu gewinnen? Ja, kannst du! ;) Ich hab das geprobt und prompt beim zweiten mal drei Richtige gehabt. Dann hab ich aber gemerkt, dass ich gar nicht richtig will. Ich will lieber meine Mio. an der Börse machen nicht im Lotto! So komisch das für einen aussehen kann - Geld ist doch Geld!? - ja eben! Es gibt eben noch ganz andere Gesichtspunkte in der Psyche/Seele als "Geld ist doch Geld!?". Dass zB. der individuellen Psyche es nicht egal ist WIE das Geld daher kommt. Und diese Gesichtspunkte können einem bewußt werden, wenn man dieses Buch ließt und etwas mit dem "Wünschen" experimentiert!
Viel Spaß! ;))
PS: scorpion260 ich bin dann auf deinen Thread gespannt der dann nicht mehr
"Meet your fear - Die eigene Angst besiegen" heißt, sondern vllt.:
"Meet your luck - Das eigene Glück gefunden" ;)
Letzteres klingt zwar nicht mehr so männlich Heldenhaft, aber darum schert sich das Glück, zum Glück nicht.
@ AAA [#30]
Hätt ich auch ein nettes Buch.
Stuart Wilde "Geld: fließende Energie"