Mustererkennung: Ich sehe was, was es nicht gibt
Ich sehe was, was es nicht gibt
Das Gefühl des Kontrollverlustes führt zu Aberglauben und verstärkt die Erkennung von Mustern
Kontrollverlust lässt Aberglauben und Verschwörungstheorien gedeihen, haben US-Forscher gezeigt: Menschen, die eine Situation nicht unter Kontrolle haben, tendieren dazu, überall Muster und Verbindungen zu sehen – selbst dort, wo es gar keine gibt. Dahinter steckt ein elementares psychologisches Bedürfnis nach klaren Strukturen im persönlichen Umfeld, das so stark ist, dass das Gehirn lieber eine eingebildete Struktur schafft, als sich mit der fehlenden Ordnung abzufinden. Es ist jedoch möglich, die verzerrte Wahrnehmung auch unter schwierigen Bedingungen wieder gerade zu rücken: Man müsse sich lediglich auf grundlegende persönliche Werte konzentrieren, um das Gefühl des Kontrollverlusts einzudämmen, schreiben Jennifer Whitson von der Northwestern University in Evanston und Adam Galinsky von der University of Texas in Austin.
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel (06.10.08) - Bei der Untersuchung von Aberglauben unter Sportlern sei ihr aufgefallen, dass vor allem diejenigen zu merkwürdigen Ritualen neigten, deren Erfolg im Spiel oder im Wettkampf stark vom Zufall abhänge, erläutert Jennifer Whitson. Daraus sei dann die Vermutung entstanden, es könne einen allgemeinen, grundlegenden Zusammenhang zwischen Kontrolle und der Wahrnehmung von Mustern jeder Art geben. Um das zu testen, entwarfen die Psychologin und ihr Kollege Galinsky sechs verschiedene Experimente, in denen sie den Grad der Kontrolle, die die Probanden auf ihre Umgebung ausüben konnten, systematisch manipulierten. So irritierten sie die Testteilnehmer beispielsweise damit, dass ein Computer ihnen ein völlig unvorhersehbares Feedback gab, oder ließen sie Situationen, in denen sie sich sehr hilflos gefühlt hatten, noch einmal durchleben.
Anschließend zeigten die Forscher den Probanden unter anderem Bilder aus schwarzen und weißen Punkten, die in einigen Fällen ein Motiv wie ein Pferd oder ein Boot bildeten, in anderen jedoch zufällig verteilt waren. Hatten die Teilnehmer das Gefühl, die Situation nicht kontrollieren zu können, sahen sie in den reinen Punktansammlungen überdurchschnittlich häufig Gegenstände, zeigte die Auswertung. Zudem neigten sie eher dazu, abergläubische Rituale mit dem Ergebnis einer Situation zu assoziieren, Verschwörungen zwischen anderen Personen zu wittern oder Muster in zufällig ausgewählten Börsendaten zu erkennen.
Kontrollverlust werde von der Psyche als extrem starke Bedrohung wahrgenommen, erläutern die Forscher. Daher sucht das Gehirn nach Strukturen, um die aktuelle Situation besser verstehen und zukünftige Entwicklungen vorhersagen zu können. Eine Möglichkeit, das Umfeld zu strukturieren, sei es eben, nach Mustern zu suchen – und, wenn es keine gibt, welche einzubauen. Das sei zwar nicht immer negativ, könne jedoch in bestimmten Situationen wie etwa an der Börse zu fatalen Fehleinschätzungen führen. Die Forscher konnten jedoch auch zeigen, dass es möglich ist, dem Effekt aktiv gegenzusteuern: Die eingebildeten Muster verschwanden fast vollständig, wenn die Probanden sich auf grundlegende Werte und Dinge konzentrierten, die ihnen persönlich wichtig waren.
Quelle: Jennifer Whitson (Northwestern University in Evanston) und Adam Galinsky (Universität von Texas in Austin): Science, Bd. 322, S. 115.
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel
http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/296189.html
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Wie kann man etwas wissen, was man gar nicht weiß? Wie kann man überhaupt das richtige Problem erkennen? Ist die Erkenntnis, zuwenig Geld zu haben, denn überhaupt richtig, wenn man mehr Geld hat, immer noch zuwenig hat? Der Mensch ist doch schon von Natur aus, also genetisch, ein Problemverschieber! Schlaue Philosophen unterscheiden zwischen implizitem und explizitem Wissen; doch es bleibt "naturgemäß" offen, wie das impliziete Wissen als Problem, d.h. als Moment einer Methode gesteuert/kontrolliert werden kann.
Alle Versuche, mithilfe von Mustererkennung zum Ziele zu kommen, zeigen doch meist bloß, dass die Praxisparadoxien nicht in den Problembegriffen selbst liegen, sondern vielmehr in der Meinung, dass man hinreichend genau wisse, was man nicht weiß. Man verwirbelt Methoden mit Theorien! Die messerscharfe Unterscheidung zwischen Methode und Theorie halte ich für alleräußert wichtig für - ja für was eigentlich? Ich weiß ja noch nicht einmal, ob die Unterscheidung zwischen schlechtdefinierten und gutdefinierten Problemen tatsächlich schlecht oder gut ist, wenn ich (oft notgedrungen) immer wieder Rücksichten einschmuggeln muß - etwa die Rücksicht auf Überhauptmachbarkeit im Rahmen begrenzter Ressoursen, Zeit, Geld und eben methodisch "legitimierbare" Möglichkeiten.
Ein gelöstes Problen ist keins! Genau deshalb ist die Problemlösung selbst nicht unproblematisch, sie bringt das Problem (bloß?) in eine weniger irritierende (weniger schmerzhafte?) Form. Doch Probleme funktionieren nur, wenn sie die Anzahl möglicher Problemlösungen begrenzen können und sie funktionieren schlecht, wenn die Anzahl der Problemlösungen zu groß ist.
Vielleicht sollen Muster (die bloß gesehenen Muster?!) unsere Möglichkeiten derart beschränken, damit wir nicht an den "naturgemäßen/naturgesetzlichen" Komplexitäten ersticken.
Denkt mal ausgiebig über die Unterscheidung von Methode und Theorie nach!
Die evolutionsbiologische Erklärung halte ich für viel sinnvoller und logischer. Demnach war Musterkennung für das Überleben einfach so wichtig, dass wir es heute auf alles anwenden. Auch fälschlicherweise auf "zufällige" Ereignisse.
Beispiel: Die Sichtverhältnisse sind schlecht wegen Dunkelheit/Wetter und unser Vorfahre sieht irgendwas einige Meter entfernt. Jetzt muss das Gehirn aus dem, was es von den Augen bekommt, schnellstmöglich ein Muster erkennen, mit bestmöglicher Genauigkeit. Ist das nur ein Strauch, Baumstamm oder Felsbrocken? Oder doch ein lebensbedrohliches Raubtier? Von den Menschen, die für diese Mustererkennung zu lange gebraucht haben, stammen wir heute nicht ab.
Gleiches gilt für die Beurteilung von Menschen nach dem Aussehen, die vollautomatisch wenige Augenblicke nach dem Erkennen stattfindet. Ist das Freund oder Feind, gefährlich oder ungefährlich, stärker oder schwächer als ich, muss ich kämpfen oder fliehen? Hier gilt dasselbe wie oben. Menschen, die andere nicht sofort nach dem Aussehen "in eine Schublade" einordnen konnten, wurden höchstwahrscheinlich erschlagen, was dem Verbreiten von Erbanlagen hinderlich entgegenwirkte.
Es spielt keine Rolle, ob diese Fähigkeiten, die damals unser Überleben gesichert haben, heute in unserer "modernen Gesellschaft" noch notwendig sind. Unser Gehirn funktioniert trotzdem noch genauso, ob es uns gefällt oder nicht.
@ Envelo [#2]
Ich habe Dein Posting nicht nur in der jetzigen Version gelesen, sondern auch in der vorherigen, als Dein sexistischer Kommentar gegen die Autorin noch enthalten war (sinngemäß: "so ein Unfug kann ja nur von einer Psychologin stammen").
Ich nehme an, Deine eigene Mustererkennung für Gefahr (oder für politische Unkorrektheit) hatte Dir geraten, Dein ursprüngliches Posting wieder zu entschärfen. Was beweist, daß die Mustererkennung nicht permanent aktiv ist, denn sonst hättest Du Deinen Beitrag ja bereits im ersten Anlauf passend geschrieben.
Was zur Frage führt, in welchen Situationen die Mustererkennung eigentlich aktiv ist. Und da scheint mir die Antwort des obigen Artikels (nämlich in Situationen mit Kontrollverlust) keinesfalls abwegig.
@ Livetour [#3]
Du hast Recht, ich habe tatsächlich den ersten Satz meines ursprünglichen Beitrags entfernt. Mir ist im Nachhinein aufgefallen, auf persönlicher Ebene geantwortet zu haben. Derartiges habe ich mir allerdings vorgenommen, vermeiden zu wollen. Für dich mache ich trotzdem gerne eine Ausnahme:
Es sieht so aus, als ob du hier sehr intensiv versuchst, etwas zu konstruieren, das ich so nicht geschrieben und mit Sicherheit auch nicht gemeint habe. So ist z.B. die Psychologin, die ich meinte, nicht die Autorin des obigen deutschen Textes, sondern die amerikanische Wissenschaftlerin, deren Forschungsergebnisse besprochen wurden. Später, in deinem mittleren Absatz, verwendest du eine von dir gemachte Annahme im ersten Satz anschließend als Beweis im zweiten Satz.
Selbstverständlich ist die Mustererkennung in unserem Gehirn permanent aktiv. Sonst würdest du nur manchmal die Beiträge auf TMW lesen können und ansonsten gelb-schwarzen Pixelbrei sehen. Es zeigt sich bei deiner Argumentation übrigens auch, dass du den Artikel entweder nicht vollständig gelesen oder nicht verstanden hast. Denn es ging nie um die Aktivierung/Abschaltung von Mustererkennung, sondern um die Verstärkung/Abschwächung derselben im psychologischen Zusammenhang.
Insgesamt sieht es für mich so aus, als ob du die obigen Verdrehungen und Verbiegungen bereitwillig in Kauf genommen hast, um mich als sexistisch zu bezeichnen und mir mal "eins auswischen" zu können. Ich sehe hier durchaus ein Muster zu anderen Threads, weshalb mir darauf jetzt der Begriff "Troll" einfällt. In diesem Fall würde ich gerade einen großen Fehler bezüglich deren Fütterung machen, aber du weißt ja, ich arbeite an mir.
@ Envelo [#4]
Guten Morgen, lieber Envelo,
es freut mich, daß Du an Dir arbeiten willst. Toi toi toi!
Herzliche Grüße
Selbstverständlich halluzinieren die meisten Börsianer vor dem Bildschirm, wie ein Verdurstender in der Wüste. Die Ergebnisse der genannten Untersuchung werden durch den gesunden Menschenverstand bestätigt.
Schiffbrüchige auf dem Ozean sind wohl ein gutes Beispiel für Menschen, die unter Kontrollverlust leiden. Wir können alle sehr gut nachvollziehen, wie sich vom Ertrinken bedrohte Seefahrer an jeden Strohhalm klammern. Für uns nichts wissende Börsianer sind Muster, Formationen und Prognosen aller Art der Strohhalm im Börsenmeer und gleichzeitig die Fata Morgana des informationsdurstigen Börsenaktiven.
Wenn wir „wissen“ fühlen wir uns sicher, ein Kontrollverlust für zu Unsicherheit, die uns verleitet etwas zu „glauben“.
Beispiele dafür sind Religionen bzw. der Glaube an einen oder mehrere Götter, worin viele Menschen im Diesseits Halt suchen. Die Menschen sind unsicher bezüglich dessen, was im Jenseits erwartet, manche Menschen haben sogar Angst vor dem Tod. Bekanntlich macht nichts gläubiger als die Angst, so dass diese Unsicherheit der Nährboden für die irrationale Hinwendung zu einer Religion und Exerzitien aller Art ist.
Auch Börsianer haben ihre Bibeln, Tempel und Gurus.
@ wuelle [#6]
Willst du damit jetzt den Atheismus beweisen?
http://de.wikipedia.org/wiki/Atheismus
Envelo, von der Mustererkennung in deinen Beiträgen, sehe ich bisher nur eine simple visuelle Art. Ob das nun nur an meiner sonntäglichen Mustererkennung liegt,...? ;)
@ AAA [#7]
Nein, ich bin kein Atheist sondern Agnostiker.
Der Agnostizismus ist eine Weltanschauung, die insbesondere die prinzipielle Begrenztheit menschlichen Wissens betont. Die Möglichkeit der Existenz transzendenter Wesen oder Prinzipien wird vom Agnostizismus nicht bestritten. Agnostizismus ist sowohl mit Theismus als auch mit Atheismus vereinbar, da der Glaube an Gott möglich ist, selbst wenn man die Möglichkeit der rationalen Erkenntnis Gottes verneint. (Wikipedia)
Im Kontext dieses Themas möge man die "Existenz transzendenter Wesen oder Prinzipien" durch "auf Dauer funktionierende Prognose- oder Handelsansätze" ersetzten. :-)
Alle Denker haben das Denken oder die Sprache überschätzt!
"Nachdem die Menschen sich eingeredet hatten, die Welt und der Welt Lauf sei ihretwegen da, mußten sie an jedem Dinge dasjenige für das Wichtigste und Wertvollste halten, was ihnen am nützlichsten und angenehmsten war. Daher mußten sie sich diejenigen Begriffe bilden, mit deren Hilfe die Welt zu erklären wäre, die Begriffe: das Gute, das Schlechte, die Ordnung, die Unordnung, das Warme, das Kalte, die Schönheit, die Häßlichkeit. Und weil sie sich für frei hielten, entstanden die Begriffe: Lob und Tadel, Sünde und Verdienst." (Spinoza, 1632-1677)
Tief im menschlichen Wesen begründet, in dem Schein seiner Willensfreiheit nämlich, ist seine Sehnsucht nach einer Absicht in der Natur, nach einem Gott. So grausam, ein solcher Moloch ist diese Täuschung in uns, daß auch Darwin sie nicht völlig überwunden hat. Ja, man scheue sich nicht es auszusprechen: dieser Glaube, diese Sehnsucht an eine Absicht in der Natur ist in uns schwer zerstörbar, die Absicht in der Natur ist in den Menschen eine angeborene Idee, doch Ideen oder Begriffe müssen nicht darum wahr sein müssen, weil sie angeboren sind. Angeborene, d. h. ererbte Ideen sind falsch, wie jemand eine Truhe mit falschem Gelde erben kann, oder einst vollwertiges Geld erben, das inzwischen entwertet worden ist.
Man wundre sich nicht, daß man Gott gern menschliche Eigenschaften andichte; „denn ich glaube, daß ein Dreieck, wenn es sprechen könnte, ebenso sagen würde, Gott sei hervorragend dreieckig, daß ein Kreis sagen würde, Gott sei hervorragend rund" "(Spinoza)
Vielleicht ist Gott ja ein mittelmäßiger Fondsmanager und heißt mit Vornahmen Humbug?!
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"Id quod per aliud non potest concipi, per se concipi debet"
(Spinoza, Ethika I, Axiomata II, 1677)
Übersetzung:
Was durch ein ein anderes nicht begriffen werden kann, muß durch sich selbst begriffen werden.
Soeben habe ich mich als Spinoza-Fan geoutet
@ Kobban [#9]
Nicht, dass ich Spinoza schlecht machen wollte... aber das ist doch "Kindergartenphilosphie": "Tief im menschlichen Wesen begründet, in dem Schein seiner Willensfreiheit nämlich, ist seine Sehnsucht nach einer Absicht in der Natur, nach einem Gott."
Aber es soll ja heißen: "Mt 18,3 und sprach: Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehret und werdet wie die Kindlein, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen."
So gesehen Kobban, bist du scheinbar auf dem richtigen Wege ("Kindergartenphilosphie")... ;))
@ wuelle [#8]
auf Dauer funktionierende Prognose- oder Handelsansätze werden als Heiliger Gral bezeichnet. Sie können aber auch mit anderen transzendenten Wesen in Verbindung gebracht werden:
Ein Trader sitzt vor seinem Computer und studiert gerade die neuesten Charts und Börsenkurse, als sich der Boden öffnet und der Leibhaftige herauskommt. Der Teufel begrüßt ihn und spricht: „Ich verkaufe Dir ein DAX-Handelssystem. Ab sofort weißt Du immer schon am Vorabend, nach welchen Mustern sich der DAX am nächsten Tag bewegen wird. Außerdem liegen Dir alle Schönheiten zu Füßen und Du bist der tollste Hecht in der Umgebung. Einzige Bedingung: Deine Frau und Deine Schwiegermutter werden ewig in der Hölle braten.“
Trader: ”Und wo ist der Haken?”
Gruss deriva
@ AAA [#10]
Selig sind die einfachen im Geiste.
Nur weil es einfach ist, muss es doch nciht Kindergarten sein. Leistungssport, "Just Do it", Kendo etc. alles geht darauf hinaus sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, ganz das Ziel zu werden und das ist im Endstadium eine ganz einfache Sache, aber nicht unbedingt leicht erreichbar.
Ich werde immer ein wenig misstrauisch, wenn einer denkt er müsse andere Denkrichtungen als zu einfach verunglimpfen. Das ist vielleicht auch zu stark vereinfacht.
Als Trader arbeiten wir doch auch darauf hin, nur das zu traden was wir sehen, nicht was wir denken etc. Ist das auch Kindergarten? Muss es lieber ein hochkomplexer Algo sein?
Der Geist sucht sich die seinem Zustand entsprechenden Philosophien und Gesichtspunkte und Gurus und das müssen deshalb nicht die richtigen sein.
Gruß
@ gautama2 [#12]
"Selig sind die einfachen im Geiste."
Vllt hab ich Spinoza ja zu einfach genommen? Aber dann sollte ich doch mehr selig sein? ;)
Mich stört es nur, wenn man "ständig" alle Transzendenz "immer" auf dem Niveau des "Naiven Realismus" bestreitet. Hat man doch nun Jahrhunderte lange genug gemacht? Aber andrerseits kanns mir auch recht sein.
...noch was zum Thema:
"change blindness" (Veränderungsblindheit)
http://www.terminmarktwelt.de/cgi-bin/nforum.pl?ST=15369
@ AAA [#13]
Einfach, nicht einfach...
Eigentlich mir egal wer was präferiert.
Aber die Richtung eines anderen zu bewerten mit abwertenden Beurteilungen (Kindergartenphilosophie) ist eigentlich unter Niveau.
Schön, dass Du daran nicht festhältst.
Gruß und danke für die interessanten Links.
@ AAA [#10]
Konfuzius sagt: "天不怕地不怕就怕洋鬼子说中国话"
"Die längsten Wege sind unbekannte Abkürzungen"
@ Kobban [#15]
Da muß ich wohl erst chinesische "Mustererkennung" einschalten? ;)
@ Kobban [#15]
"Die längsten Wege sind unbekannte Abkürzungen"
Ich erinnere mich an die Einleitungssequenz der einzelnen Folgen der Fernsehserie "Invasion von der Wega"
Habe die Stimme aus dem Off bis heute im Ohr:
"David Vincent hat sie gesehen! Auf der Suche nach einer Abkürzung, die es nicht gab....."
Ansonsten streune ich nicht in der Welt der Laborratten-experimente herum und erklär mir die Welt psychologisch. Menschliche Handlungen sind für mich ableitbar vom Ausgangssatz: "Das Sein bestimmt das Bewußtsein"
@ dhp05 [#17]
"Das Sein bestimmt das Bewußtsein"
Und wie wäre es mit: "Das Bewußtsein bestimmt das Sein"?
Würde ich auch unterschreiben. ;)
@ AAA [#18]
""Das Bewußtsein bestimmt das Sein""
Das ist aber stark vereinfacht, oder?
@ Kobban [#15]
Ich sehe meinen eigenen Beitrag doppelt - obwohl ich heute meinen Alkoholfreien habe! Und bei der zweiten Version scheint die Schrift irgendwie dünner zu sein. Zudem ist AAAs Beitrag dazwischen.
Ist das nun ein Antwort-Zeichen von Gott oder von Konfuzius? Wenn man die Zeit von AAAs Beitrag 16 als Referenz nimmt, dann liegt meine zweite Version zwei Sekunden zurück. Mithilfe der Lichtgeschwindigkeit läßt sich nun leicht die Entfernung von Gottes (od. Konfuzuiusses) derzeitigen Aufenthaltort bestimmen.
@ gautama2 [#14]
"Aber die Richtung eines anderen zu bewerten mit abwertenden Beurteilungen ist eigentlich unter Niveau. Schön, dass Du daran nicht festhältst."
Warum eigentlich? Du findest abwertende Beurteilungen also unter Niveau. Und du findest es schön, dass jemand anderes nicht mehr daran festhält. Dies zu hinterfragen klingt im ersten Moment wahrscheinlich seltsam, weil es sich um eine gesellschaftlich anerkannte und akzeptierte Auffassung handelt, wir sind daran gewöhnt.
Aber eine derartige Voreingenommenheit gegenüber abwertenden Beurteilungen ist zunächst nicht logisch erklärbar, da eine solche Beurteilung auch korrekt sein kann, wenn sie auf bisher zu hoch bewertetes abzielt. Dennoch lässt sich häufig beobachten, dass wir emotional gegen negative Kritik getrimmt sind.
Aus evolutionsbiologischer Sicht macht das durchaus Sinn, weil dieses Sozialverhalten möglichen Konflikten in der Gruppe entgegenwirkt und zur Streitschlichtung beiträgt. Es verbessert also das Funktionieren in einer Gemeinschaft, was höchstwahrscheinlich zu erhöhten Überlebenschancen führt.
Umso interessanter wird dadurch die Frage nach dem freien Willen. Emotionen lenken Entscheidungen massiv in eine Richtung oder bestimmen sie sogar ganz. Das kann uns bewusst werden oder auch nicht, und selbst wenn wir bewusst handeln, sind wir immer noch durch die begrenzte Kapazität des Bewusstseins eingeschränkt. Letztendlich entscheidet das Gehirn, auch wenn wir dies dann üblicherweise der entsprechenden Person zuordnen.
Je besser man solche Funktionsweisen des Gehirns erforscht und versteht, desto leichter wird es dann auch, auf dieser Klaviatur zu spielen und Menschen gezielt zu manipulieren. Ich schreibe das aus meiner Sicht wertungsfrei, wobei ich durchaus eine Vorhersage wagen würde, wie eine wahrscheinliche Reaktion darauf ausfällt.
@ Kobban [#20]
Du mußt ja irgendwie ein schlechtes Gewissen haben!? ;)
Übrigens Gott ist nicht an die Lichtgeschwindigkeit gebunden, damit wird das alos nix mit "derzeitigen Aufenthaltort bestimmen"! ;)
PS: Versuche mal deiner Mustererkennung in (Kobban [#15b]) mit Copy&Paste auf die Sprünge... ;) oder war [#20] alles alkoholfreier Humor dann wäre ich dir auf den Leim gegangen.
@ Envelo [#21]
"Je besser man solche Funktionsweisen des Gehirns erforscht und versteht, desto leichter wird es dann auch, auf dieser Klaviatur zu spielen und Menschen gezielt zu manipulieren. Ich schreibe das aus meiner Sicht wertungsfrei, wobei ich durchaus eine Vorhersage wagen würde, wie eine wahrscheinliche Reaktion darauf ausfällt."
Na, so zivilisierte Beiträge ist man von dir gar nicht gewohnt! :-O
Auf was bezieht sich deine "Vorhersage"? Hast du eine eigene Komposition für die Gehirne andrer Menschen kreiert? Oder wie ist das nun zu verstehen?
@ AAA [#18]
Das du je nach Bundesland zwischen 7:50 - 8:00 in der Schule zu sein hast, das du später (bei deinem Schulabschluß. spaß)) um 6:30 als Gärtner bei mir zu sein hast, dieses Sein bestimmt dein Bewußtsein.
Das du spätestens mit 16 Jahren um 8:00 in der früh (mitleserinnen verzeihen mir dies, aber denen ging es ja hoffentlich umgekehrt nicht anders) lieber eine "Alte gevögelt" hättest, das Sein hält dich ab, nicht um 8:00 in der Schule zu sein, und später hält es dich ab, nicht um 6:30 deine Gärtnerstelle anzutreten. Weil es die Umstände so verlangen.
Wenn du um 08:00 in der Schule angetreten wärest, und hättest statt der Lateinvokabeln an der Tafel drei Männer gesehen, die ein Schild tragen, , wärst mit den Verwirrungen, die die Psychologie ihren "Patienten" immer als menschliche Fehlleistungen "gutschreibt" auch nicht weitgekommen.
Unsere Welt tritt doch den Beweis an, dass sie funktioniert, auch wenn Labor-Forscher immer an Verrücktheiten das Gegenteil beweisen wollen: Früh um 06:00 oder 07:00 treten Menschen ihren Job an, montieren Stoßdämpfer oder was auch immer! Und es gibt ausreichend davon, dass ich mich als Arbeitgeber NICHT damit beschäftigen müßte, dass die nicht stoßdämpfer montieren könnten, weil sie wieder mal sehen, was es nicht gibt! (Wäre ja auch mal nett, ein Fabrik zu leiten mit lauter "Verrückten" , die wieder nur zusammen montieren, was sie nicht sehen)
Aber zurück zum Thema: Der obige Satz sagt, dass die Bedingungen, in die du hineingeboren, dein Bewußtsein schaffen!
Dein Satz sagt, dass in den Bedingungen, dein Leben du dir bewußt gestalten könntest. Kannst du eben nicht.
weil gerade 01:30. da treff ich mich immer mit kobban zur asian-session Gold anschauen! (Der ist aber nie da!)
Wenn das Sein immer das Bewußtsein bestimmen würde,
dann würde ja niemand aus seinem Sein ausbrechen können,
zumindest nicht aus eigenem Antrieb.
In Gefangenschaft einer so armseligen Lebensphilosophie
würde ich wahrscheinlich auch zu naschen anfangen.
(Mit "Naschen" ist hier natürlich auch das flüssige, in Prozent gemessene Surrogat gemeint.)
@ dhp05 [#17]
"Das Sein bestimmt das Bewußtsein"
@ AAA [#18]
"Das Bewußtsein bestimmt das Sein"?
Jedes Bewußtsein hat nur den Außenweltkontakt, den es sich selbst ermöglicht, und kein Außenweltsein "an sich". Aber eben dies "Sich-Ermöglichen" von Außenwelt ist in einer beliebigen, strukturlosen, chaotischen Außenwelt nicht möglich, weil es in einer solchen Außenwelt keine "innen" überzeugenden Bewährungen und - evolutionsbetreffend gesehen - keine Bestände gewinnen kann. (Es gibt keine auschließlich endogen bedingte Konstituion; die Außenwelt muß zumindest noise liefern.)
Gedanken über das Sein oder Nichtsein von etwas, also die Ontologien entstehen als Nebenprodukte von Kommunikation und sie werden mehr oder weniger abgelöst von Medien wie Geld, Macht, wissenschaftliches Wissen, (Aus)Bildung, Glauben, Liebe usw.
Fragen nach Sein oder Nichtsein geben sich gerade deshalb so hart, weil Kommunikationen unausweichlich immer wieder die Freiheit reproduzieren, anzunehmen oder abzulehnen.
Eine Seinsaussage, eine ganze Ontologie entsteht also, wenn ein Bewußtsein als erstes die Unterscheidung von Sein und Nichtsein benutzt, also die Welt mit ganz genau dieser Unterscheidung dekomponiert und alle anderen Unterscheidungen über die Bedingungen der Anschlußfähigkeit an das Sein einführt. Jetzt hat man in der Tat die Sicherheit (und kann diese ausbauen), dass das Sein nicht Nichtsein "ist" (in Anführungszeichen, weil im "ist" schon Sein steckt).
Es ist aber durchaus erlaubt und ergiebig zu fragen, warum soll man gerade so anfangen? Warum nicht mit einer sackgasseloseren, weiterführenden Unterscheidung beginnen, wenn man ja sowieso davon auszugehen hat, dass Bewußtseine nur das erkennen können, wozu sie gar keinen Zugang haben, und wenn man fernerhin akzeptieren muß, dass ja ALLE Unterscheidungen (inklusiv die von Sein und Nichtsein) bloß(?) bewußtseinsinterne Operationen sind.
Eine meiner Lieblings(Start)Unterscheidung ist die von Operation und Beobachtung!
Dann sind da noch: innen/außen - gesund/ungesund - zufrieden/unzufrieden - symbolisch/diabolisch - Reden/Schweigen - different/indifferent ....
mit Sein/Nichtsein kann man (ich) jedenfalls nicht viel anfangen, denn Wie-Fragen und Wie-Ist-Möglich-Fragen führen weiter, sind anschlußfähiger im Vergleich zu Was-Fragen.
@ dhp05 [#23]
"Das du je nach Bundesland zwischen 7:50 - 8:00 in der Schule zu sein hast, das du später (bei deinem Schulabschluß. spaß)) um 6:30 als Gärtner bei mir zu sein hast, dieses Sein bestimmt dein Bewußtsein"
Siehst du!? Jedenfalls hoffe ich, dass du es gleich siehst. Es kommt nur auf den Standpunkt an...
Als ich Gärtner war fing ich um 6:00 an und um 18:00 war Feierabend. Dieses Sein habe ich mir aber bewußt gewählt um mein Bewußtsein weiter zu entwickeln, oder sagen wir, um es zu kurieren von meinem Sein davor.
Ich habe also beide Gesetzmäßigkeiten...
- "Das Sein bestimmt das Bewußtsein"
- "Das Bewußtsein bestimmt das Sein"
...verwendet und kombiniert! ;))
"Dein Satz sagt, dass in den Bedingungen, dein Leben du dir bewußt gestalten könntest. Kannst du eben nicht."
Ich schon, wenn nur ein kleinerer Prozentsatz der Menschheit dazu in der Lage ist, sollte uns das nicht stören, oder? ;)
Natürlich bestimmt die Kultur, die Eltern usw. massiv das Sein, gerade in der Kindheit!
Aber - wie man am Bsp. Kaspar Hauser sehr vortrefflich sehen kann - ist das nicht alles so fixiert, wie man landläufig gerne denken will. Da kamen auch beide Gesetzmäßigkeiten zur Geltung.
@ Kobban [#25]
Was mir sehr gut gefällt: ;))
Johann Gottfried Herder (1744 –1803)
"Der Mensch ist der erste Freigelassene der Schöpfung; er stehet aufrecht. Die Waage des Guten und Bösen, des Falschen und Wahren hängt in ihm: er kann forschen, er soll wählen. Wie die Natur ihm zwo freie Hände zu Werkzeugen gab und ein überblickendes Auge, seinen Gang zu leiten: so hat er auch in sich die Macht, nicht nur die Gewichte zu stellen, sondern auch, wenn ich so sagen darf, selbst Gewicht zu sein auf der Waage."
@ AAA [#26]
"Der Mensch ist der erste Freigelassene der Schöpfung"
Welcher ists denn von den derzeit 6,783762429 Milliarden lebenden Menschen? Oder ist einer von den hunderten/tausenden von Milliarden Schontoten gemeint? Ist/War es ein Deutscher od. ein Chinese?
Am Ende sinds sogar zwei?! Wer hat die beiden denn freigelassen? Der Schöpfer höchstpersönlich? Oder wars ein Versehen?
@ Kobban [#27]
Ist das jetzt die "philosophische" Rache, zu meinem ungehobelten Kommentar bezüglich Spinoza?
Die Gattung ist gemeint. Die Gattung Mensch ist vom Schöpfer höchstpersönlich freigelassen worden. So verstehe ich Herder.
Damit das ganze aber nicht zu langweilig wird, gibt es ein paar Fallstricke auf dem Weg zur "Freiheit"... (Hier ein harmloser) ;))
Siehe Envelo [#21] "...desto leichter wird es dann auch, auf dieser Klaviatur zu spielen und Menschen gezielt zu manipulieren...."
Also der "Käfig" steht offen... was der einzelne draus macht steht auf einem andern Blatt.
@ AAA [#28]
Erst lugen wir ganz vorsichtig aus zwei aufgebogenen Gitterstäben heraus und irgenwann mal landen wir noch im philosophischen Quartett ;-).
zu deiner #26er Antwort später noch ein Re.
nur soviel vorab: Hast du hier im Forum mal erwähnt, du seist gelernter Gärtner?
In meinem posting hatte ich den Gärtner eigentlich willkürlich ausgewählt.
@ Envelo [#21]
Ist Dir eigentlich aufgefallen, dass ich für Dich gesprochen hatte?
Also wenn Du es okay findest, dass andere Deinen Standpunkt abwerten, dann will ich mal nichts gesagt haben.
Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Da geh ich mal nicht dazwischen oder wie?
@ Envelo [#21]
Ist Dir eigentlich aufgefallen, dass ich für Dich gesprochen hatte?
Also wenn Du es okay findest, dass andere Deinen Standpunkt abwerten, dann will ich mal nichts gesagt haben.