"Im Nachhinein betrachtet lagen meine besten Ergebnisse in Phasen, wo ich finanziell absolut unabhängig war und es mich nicht interessiert hat, ob ich 50.000 DM mehr habe oder nicht."
Ich möchte diesem vielzitierten Satz mal eine andere Realität entgegensetzen: nämlich der des Hungers und des Erfolgreich-Sein-Müssens. Einige der erfolgreichsten Trader, die ich kenne, haben einen ökonomisch ganz bescheidenen Hintergrund, Eltern waren arm, haben ihren Kindern keine grossen Chancen bieten können. Das ist noch mehr ein Phänomen der Kriegs- und Nachkriegsgeneration als ein Phänomen der Generation Golf oder Generation X oder wie sie jetzt alle heissen.
Diese Trader (auch junge sind dabei, aber nur wenige), haben eine gewisse Gier nach Erfolg und finanziellem Bestehen, weil das eine existenzielle Notwendigkeit ist, eingebrannt in die Grosshirnrinde. Ich kann bei diesen Leuten (die ich menschlich übrigens sehr schätze und die meistens bescheiden auftreten) nicht sehen, dass ihre "Gier" sie zu schlechten Menschen macht, geschweige denn zu schlechten Tradern.
Ein Floortrader, der sich acht Stunden und mehr auf das Parkett der Chicago Merc stellt, tag ein und tag aus, eingezwengt zwischen schweissriechenden Muskelprotzen und schreienden Kerlen, ein immenses Risiko eingeht, hat einen anderen Ur-Impuls als ein 25 jähriger Yuppie aus der Münchner Bussie-Szene, der es jetzt mal mit dem Traden vor seinem neuen Eizo-Flatscreen versucht. Damit meine ich niemanden persönlich, ich habe keine Münchner Bekannten.
Noch ein Wort zu NLP/sphillips: keine Methode kann oder soll uns zu besseren Menschen machen. Es ging in meiner Urfrage ganz schlicht darum, ob es möglich ist, gewisse Pawlow'sche Reflexe (sozusagen) des Tradings, oder einfach nur schlechte Angewohnheiten wegzutrainieren. Eigentlich glaube ich auch, dass man das selbst kann (und dann ist das wahrscheinlich schon eine Form des Selbst-NLPisierens), nur ist es natürlich verlockend, diesen Prozess zu systematisieren und zu beschleunigen.
Alle anderen Gedanken, sphillips: d'accord.
Gruss,
Berliner
Geschrieben von Gast (nicht überprüft) am Sa. 12 Apr 2003 - 18:19
Das Beste an den Beiträgen: hier scheinen noch "Menschen" zu leben!
Aber ich machs mir jetzt einfacher, mein Roboter macht alles für mich und ich geh jetzt wieder öfter mit meiner Frau spazieren. Lese den Steppenwolf zum 3. mal in 25 Jahren und frage mich, was mich beim 1. mal so in seinen Bann gezogen hat.
Es lebe die Elektronik!
C
Geschrieben von curtiss am So. 13 Apr 2003 - 18:23
Mich würde interessieren, ob jemand schon Erfahrungen mit Psychoanalyse gemacht hat, zum Beispiel in Form einer Beschäftigung mit denjenigen Anteilen an der Angst und der Gier, die ihre Wurzeln in der Kindheit haben.
Geschrieben von srpanier am Mo. 14 Apr 2003 - 17:20
Zitat: "Kann ich voll unterstreichen. Ich sitze übrigens auch gerade auf meinen Händen (Stichwort "Bagdad ist gefallen"), meine Frage zielte aber gerade darauf, ob es eine psychische Einstellung gibt, die die diversen Situationen, in denen man besser auf Händen UND Füssen gesessen oder noch besser: in flüssigen Beton gegossen hätte, es aber nicht getan hat, ob es so eine Justierung gibt, die hilft dieses Ziel zu erreichen."
Ich habe ein wenig gebraucht, bis ich Gelegenheit zum Antworten gefunden habe. Tut mir leid. Ich kämpfe nebenher, bzw. diese Woche "vollberuflich" mit der Kellerabdichtung und dem Fassadenmalen meiner Wohnhöhle. Das ist gutes Ausgleichstraining, allerdings recht teuer wegen der entgangenen Trades, aber, wie ich feststelle, ein gutes Training gegen die Gier.
Ich würde zum Thema Hypnose und NLP gerne etwas ausholen, aber die Zeit fehlt mir und ich wollte trotzdem nicht so lange eine Antwort schuldig bleiben. Aber ich kann folgendes sagen: Ich habe mich mit Hypnose auseinandergesetzt und bzgl. NLP habe ich einfach keine Ahnung, es steht erst noch auf meinem Programm.
Meine grundsätzliche Ansicht zu allen Methoden ist, dass sie einem mehr Bewusstsein über die "Warums" geben müssen. Denn wenn ich den Grund meines Handelns kenne, kann ich etwas dagegen tun, denn der Zwang bzw. die ungewollte, unbewusste Handlung dürfte mit der Bewusstmachung bereits verschwunden sein. Also ist der Weg für mich in Richtung mehr Bewusstsein wichtig.
Ungewollte, zwanghafte Handlungen entspringen also unbewussten Gründen, die früher einmal bewusste Entscheidungen oder Zielssetzungen waren und einem einmal richtig erschienen, inzwischen ihre Berechtigung verloren haben, aber immer noch automatisch durchgezogen werden, ohne dass man sich noch dieser früheren Entscheidungen bewusst ist. Es können damals bevorzugt Situationen der Überwältigung gewesen sein, denn diese geraten gern in Vergessenheit, die zu solchen Entscheidungen (z.B. "Ich komme nie wieder zu spät" wäre eine Möglichkeit) führten.
Was auch immer es war, es muss wieder bewusst gemacht werden, damit man diese alten Postulate/Entscheidungen auflösen kann. Es nützt also m.E. nichts, bzw. vereinfacht die Struktur des Verstands nicht, wenn man ein altes, früher bewusst selbst herbeigeführtes Verhaltensmuster durch ein neues zwanghaftes Verhalten ersetzt, auch wenn es einem im Moment passender und überlebensfreundlicher erscheint. Man übertüncht damit nur das Ergebnis einer alten überwältigenden Situation durch eine neue Überwältigung des Verstands, die einem irgendwann vielleicht wieder Probleme macht oder zumindest zwei gegensätzliche Verhaltensmuster verankert, die am Ende vielleicht sogar eine Unfähigkeit herbeiführen können.
Eine Kraft zieht rechts, die andere gleich stark nach links und ich mache am Ende gar nichts mehr, fühle mich dabei aber total "hin und her gerissen". Das kann nicht mein Ziel sein. Therapeutische Hypnose soll nichts mit Showhypnose zu tun haben, bei der man fremdbestimmt Dinge tut, an die man sich hinterher nicht mehr erinnern kann, oder wo man auf bestimmte Reize so reagiert, wie man es suggeriert bekam, ohne sich dessen bewusst zu sein.
Es gibt aber wohl zwei Formen der therapeutischen Hypnose, von der ich nur die Altersregression (so heißt sie glaube ich) akzeptieren würde, da sie in die Richtung zu mehr Bewusstsein zu gehen scheint. Zur kausalen Behandlung mittels Altersregression ist das Wiedererleben einer problematischen Vergangenheit, so als würde es jetzt passieren, von Bedeutung, denn nur so können vergessene oder verdrängte Teile wieder erinnert werden, und nur so können sie dann aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, mit einer anderen Bedeutung versehen oder mit einem anderen, heute angemessenen Gefühl empfunden werden. Diese und ähnliche Prozesse der seelischen, geistigen und emotionalen Verarbeitung, die gestört waren, können in hypnotischer Trance leichter und schneller wieder korrigiert werden.
Das Ergebnis wäre also ein erhöhtes Bewusstsein über die Vorgänge im eigenen Innern. Die andere Art der Hypnose verstehe ich so, dass sie ein spezielles Verhaltensmuster trainiert, z.B. Entspannung beim Zahnarzt, und ist wohl eher so was wie es Pawlow mit seinen sabbernden Hunden gemacht hat. Vielleicht bin ich hier etwas zu bissig, aber ich finde es einfach nicht gut, feste Strukturen in den Verstand zu programmieren. Das geht gegen mein Gefühl vom freien Denken.
Das ist das Einzige, was ich zu diesem Thema beitragen kann. Das sind allerdings keine eigenen Erfahrungen mit Hypnose, denn meine Präferenz kennst Du ja. Vielleicht ist es trotzdem ein hilfreicher Gesichtspunkt.
Viele Grüße
Geschrieben von gautama2 am Mo. 14 Apr 2003 - 21:33
Die beiden Formen der Suggestion die Sie beschreiben, beinhalten aber doch einen ähnlichen Ansatz. Beide Methoden sollen per Fremdbeeinflussung eine Veränderung des Verhaltens hervorrufen. Nur wenn diese Änderung eingetreten ist, garantiert das doch langfristig noch nicht den Erfolg. Zum einen besteht doch die Gefahr, dass man durch tieferliegende Prozesse nicht vom eigentlichen Problem befreit wird und andere Fehler begeht. Zum anderen sieht man sich als Händler sich ständig verändernden Gegebenheiten gegenüber, auf die man vielleicht nicht programmiert sein könnte.
Das was Sie beschreiben, erinnert mich stark an die Behandlung von Menschen mit Angst- bzw. Panikzuständen. Doch wird hier nicht vielleicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen? Und meines Wissens nach werden diese Patienten in erster Linie mit den Situationen konfrontiert die Ihnen Probleme bereiten, damit Sie den Umgang mit Ihren Gefühlen erlernen.
Daher bin ich persönlich der Ansicht, das es viel hilfreicher wäre (wenn überhaupt), Suggestion in Ihrer Grundform anzuwenden. Die Hypnose kann hier helfen leichter und freier über Gedanken zu sprechen als es vielleicht sonst der Fall wäre. Das wiederum könnte in der folgenden Beratung, währenddessen man mit den eigenen Aussagen konfrontiert wird, zur Freisetzung von Lernprozessen führen. Denn dessen wird man bei Anwendung der anderen Methoden beraubt. Und ich kann mir nicht so richtig vorstellen dass das hilfreich sein könnte, lasse mich aber natürlich gerne eines besseren belehren.
Sind Sie aufgrund dieser und ihrer bereits genannten Argumente und Ihres Wissens nach nicht auch der Ansicht, dass eigentlich nur die Ergründung der Fehler per normaler Gesprächstherapie + Hypnose Erfolg verspricht und die Fremdbeeinflussung ganz abzulehnen (auch Altersregression) ist?
Mir gehts dabei um das wissenschaftliche nachzuweisende Erfolgspotiental. Es kann natürlich auch sein, dass einzelnen Menschen dadurch geholfen werden kann. Ich frage mich eben nur, inwieweit sowas, Ihrem Wissen nach, tatsächlich ein sich einstellender Effekt ist oder eher der Fantasie des Einzelnen zuzuschreiben ist.
Letztlich besteht NLP aus nichts anderem als dem was ein Mensch sowieso dauernd macht. Bilder Sehen, Hören, Sprechen, Riechen, Schmecken, Fühlen. All das findet ständig im uns als subjektives erleben statt.
Beim Zahnarztbeispiel geht es nicht darum zukünftig nur noch breit grinsend im Wartezimmer zu sitzen, sondern seinen Zustand wahrzunehmen und diesen Zustand beizubehalten oder eben zu ändern. Es geht überhaupt nicht darum nur noch glücklich zu sein. Das bin (will) ich auch nicht. Ich hab sogar noch Sorgen wie alle Menschen. Die große Freiheit liegt in den Wahlmöglichkeiten. Früher hatte ich beim Zahnarzt einfach keine Wahl. Ich saß im Wartezimmer, hörte den Bohrer, hatte nur noch Angst. Alleine das Wissen um diese Wahlmöglichkeiten gibt mir nun so viel Selbstbewusstsein, dass sich dadurch automatisch ein entspannter Zustand einstellt. Für das Geräusch des Bohrers musste ich nur das dabei im Kopf entstehenden Bild ein wenig verändern.
Im Trading kann eine Lösung genauso einfach sein, aber auch viel komplizierter. Ich würde meine Aufmerksamkeit weniger auf das zu verwendende Pflaster richten, sondern mir lieber erst die Wunde genauer ansehen.
Hypnose ist vielleicht gefährlicher als NLP
Unser Trainer sagte immer ’’das Gehirn macht sowieso was es will“. Dazu kann ich eine kleine Selbsterfahrung berichten. Als ich 1990 mal mühelos abnehmen wollte, stolperte ich über eine MC “ABNEHMEN DURCH HYPNOSE“. Toll dachte ich, anhören, abnehmen, kein Sport und weiter essen.
Abgenommen habe ich damit nicht, aber immer nach dem ich die Kassette gehört hatte verspürte ich einen unwahrscheinlichen Leistungsdrang. Ich drohte fast zum Workaholic zu werden. Das Gehirn macht was es will!
Wahrscheinlich ist es weder nötig noch ratsam gleich mit fortgeschrittenen psychologischen Techniken zu beginnen. Das habe ich auch nicht getan. Einen guten Einstieg bieten folgende Artikel.
Unser Gehirn ist auf Grund seiner physiologischen Eigenschaften viel leistungsfähiger als sich viele Menschen träumen lassen. Wir nutzen nur einen sehr geringen Prozentsatz des tatschlichen Potentials, weil wir noch nicht die geeigneten Trainingsmethoden gefunden haben.
Die Schnittstelle von Psychologie und Physiologie wird in der Zukunft im Mittelpunkt der Forschung stehen. Beispiel Biofeedback: mit dem geeigneten Training kann man heute schon Durchblutung, Herzschlag, Oberflächenspannung der Haut usw. selbst regulieren. Genauso wird man die psychische Zustände, Stimmungen etc. selbst über die Kontrolle der Gehirnaktivitäten (Hormonausschüttung - Endorphine, Adrenalin usw.) bestimmen können.
Viktor Frankl hat mit seinem Konzept der paradoxen Intention gezeigt, dass Ängste bewusst abgebaut werden und Stimmungen selbst gelenkt werden können. Ich selbst habe über 40 Injektionen in ein Auge angstfrei ertragen, obwohl ich vorher schon beim Anblick einer Injektionsnadel blass geworden war. Ich hatte danach natürlich nur mehr Spaß beim Zahnarzt :).
Was das für die Handelstätigkeit bedeutet: man kann seine Stimmung so konditionieren, dass man in einer positiven Grundstimmung alle Einflüsse auf die Handelsentscheidungen bewußt wahrnimmt, Verlusttrades als Lernmöglichkeit positiv annimmt und frei von allen Abhängigkeiten sein Potential voll ausschöpft.
Ich hätte zu Ihrem Posting drei Fragen die ich Ihnen stellen möchte:
1. Welche Wahlmöglichkeiten meinen Sie? Meinen Sie den Unterschied zwischen Ihrer Kindheit, als Ihnen der Zahnarztbesuch ohne Auswegmöglichkeit aufgezwungen wurde, währenddessen Ihnen dieser heute natürlich frei steht?
2. Sie schreiben, dass es wichtiger ist sich um das eigentliche Problem zu kümmern als zu viel Aufmerksamkeit der Beseitigung der Symptome beizumessen. Aber anhand Ihres Zahnarztbeispiels kann ich das nicht erkennen. Sie haben gelernt sich von Ihren Ängsten durch spezielle Techniken abzulenken. Aber das genau stellt für mich die Konzentration auf die Symptome dar. Hab ich da was nicht richtig verstanden?
3. Weshalb halten Sie Hypnose für gefährlich?
@ Hannes
Könnten Sie mir bitte die Quelle nennen auf die Sie sich beziehen, wenn Sie sagen: "Wir nutzen nur einen sehr geringen Prozentsatz des tatschlichen Potentials, weil wir noch nicht die geeigneten Trainingsmethoden gefunden haben." Ich finde dieses Thema sehr interessant. Und meine diesbezüglichen Nachforschungen haben immer zu dem Ergebnis geführt, dass das nicht oder nur in sehr begrenztem Masse möglich ist.
Auch die Aussage, dass die Menschen nur einen kleinen Teil des Potentials des Gehirns ausschöpfen, konnte ich durch meine Suche nicht bestätigen. Da das Gehirn in Bereiche aufgeteilt ist, blendet man z.B. während des Lösens mathematischer Aufgaben durch Konzentration gewisse nicht benötigte Teile aus und dadurch könnte der Eindruck entstehen, dass hier noch unbegrenztes Potential schlummert.
Dem ist nach meiner Literatur aber nicht so. Danach soll ein Mensch mit einer effizienten Konzentrationsgabe, also der Fähigkeit möglichst viele Bereiche auszublenden um sich nur auf die geforderte Fähigkeit zu stützen, tendenziell intelligenter sein als jemand der nicht über diese Gabe verfügt. So viel zu dem was ich darüber gelesen habe. Das ist schon eine Weile her und die Forschungen gehen, wie Sie schon angeführt haben, zur Zeit rasend schnell. Daher wäre ich über neue Erkenntnisse sehr dankbar.
Mit Wahlmöglichkeiten meine ich die absichtliche Veränderbarkeit des subjektiven Erlebens. Nicht ob ich den Termin nächste oder übernächste Woche nehme.
Es gibt sehr viele kleine Tools im NLP. Ich kann bewusst mitentscheiden, wie mein Gehirn die zukünftigen Ereignisse verarbeitet. Das sind meist nur kleine Tricks wie sich ein Bild wie im Kino anzusehen und einiges so lange zu verändern, z.B. Bild größer oder kleiner machen, bis das Gefühl dazu passt. Sehr gerne wende ich das Reframing an. Dabei wird nur der Rahmen eines Ereignisses geändert. ’’Das Glas ist halb voll statt halb leer’’ würde ich z.B. als Reframing bezeichnen. Es sind alles Dinge die Jeder Mensch irgendwie sowieso dauernd macht, nur nicht absichtlich. Mit dem Ankern verhält es sich ähnlich. Wir alle haben spezielle Musiktitel, die an Bilder und Emotionen gekoppelt sind. Wenn wir einen solchen Titel unverhofft im Radio hören, dann ist alles wieder da. Das geht auch absichtlich. Meine Anker aus den Seminaren sind immer noch abrufbar.
Zu Frage 2
Dann habe ich mich missverständlich ausgedrückt, oder sehe das selbst völlig anders. Der Auslöser der Angst war ein Bild das beim Geräusch des Bohrers kam während ich in Wartezimmer saß. In dem Bild saß ich im Behandlungsstuhl und der Bohrer arbeitete sich durch den Zahnschmelz tief in meine Zahnnerven. Mein Blick ging von Behandlungsstuhl aus Richtung Türe. Wenn ich heute im Wartezimmer sitze und den Bohrer höre, dann habe ich ein Bild indem ich vom gang aus durch die Türe des Behandlungszimmers dem Zahnarzt bei der Behandlung eines anderen Patienten zusehe. Das ist Interessant, aber nicht beängstigend.
Das Symptom war doch die Angst ? Um die Angst selbst hab ich mich nicht gekümmert. Das Problem war die Art wie ich das Geräusch verarbeitet hatte. Mein Gehirn hat nun ein Bild zur Verfügung das es als harmlos interpretieren kann. Ich denke nicht dass es sich dabei um eine Ablenkung von der Angst handelt. Eine Ablenkung wäre es sich beim Zahnarzt Bloomberg anzusehen oder mit den Helferinnen zu flirten. Eines von beiden versuche ich natürlich zusätzlich.
Zu Frage 3
Ich meinte Hypnose ist vielleicht gefährlicher als NLP. Beim NLP überprüfe ich vor dem Abschluss der Technik, die Auswirkung des neuen Verhaltens in der Zukunft. Falls etwas nicht passt gehe ich sofort zurück und ändere wieder etwas, bis es passt. Wenn es sauber gemacht wird sind keine unerwünschten Auswirkungen zu erwarten.
Bei der Hypnose habe ich oder der Hypnotiseur einige positiv formulierte Sätze, die zukünftig wahrscheinlich wirken. Wie sie genau wirken, wird man erst sehen müssen, weil das Gehirn damit macht was es will.
Mit Befragung oder befragt werden unter Hypnose habe ich keine Erfahrungen. Wenn man nicht zu tief hypnotisiert wird bekommt man selbst alles mit. Sicher wäre es sehr reizvoll herauszufinden was sich hinter den Eigenen kleinen Sabotagemustern verbirgt.
Ich bin kein Gegner der Hypnose. Ich kenne sie von beiden Seiten. Auch im NLP kommt Hypnose vor. Ich denke hauptsächlich dass man dem Können (Fehlern) des Hypnotiseurs noch mehr ausgeliefert ist als mit den meisten NLP Techniken. NLP liegt mir persönlich besser. Es ist nur wegen des Umfanges schwerer zu erlernen, aber eben dadurch wesentlich vielfältiger.
Alle Wege Führen nach Rom.
@ Sphillips
Das kann ich bestätigen. Das ist die selektive Wahrnehmung. Bei den Gedanken ist es sehr wichtig, dass man nicht das “nicht“ verwendet. “Ich Rauche nicht mehr“ dabei sehe ich doch zwangsläufig schon wieder eine Zigarette. Denken Sie nicht an einen schönen neuen Mercedes. Das nicht versteht das Unterbewusstsein nicht.
An den Satz ’’Wir nutzen nur einen sehr geringen Prozentsatz des tatsächlichen Potentials’’ glaube ich auch nicht ganz. Wahrscheinlich ist es nur eine Verkaufsfördernde Werbebotschaft aus Erfolgsbüchern. Ich denke man sollte das vorhandene Potential sinnvoller einsetzen lernen.
Folgende etwas esoterisch klingende Technik hat mir ein Freund beigebracht. Wenn ich einen Parkplatz in der Innenstadt brauche, stelle ich mir den freien Platz beim losfahren vor. Immer wenn ich es schaffe völlig selbstverständlich an den freien Platz zu glauben, ist auch eine Lücke für mich da. Da kommt richtig Spaß auf, bei der sonst so stressigen Parkplatzsuche. Es ist als ob ein anderer Autofahrer den Gedanken eingepflanzt bekäme in 10 Minuten von meinem Parkplatz wegzufahren.
Probieren Sie es aus, ich glaube solche Dinge normalerweise auch nicht. Aber es klappt zu oft für einen Zufall. An der Börse scheint mehr Verkehr zu herrschen, denn meistens ist die Lücke schon wieder weg bis ich komme. Ich bin sicher wir können hier bald die ersten Erfolgsberichte lesen.
Grüße
Trendling
Geschrieben von trendling am Mi. 16 Apr 2003 - 11:39
Ein interessanter Thread dessen Inhalte und mögliche Konsequenzen faszinierend sind.
Zu diesem Thema einige Zitate von Ross aus "Trading ist ein Geschäft, S. 33".
"Der mangelnde Glaube an die eigene Intuition.
...Schon eine uralte Bibelweisheit vertritt diesen Standpunkt: "Wie ein Mensch denkt, so ist er auch."
Mit anderen Worten, Ihre Gedanken formen Sie. Diese grundlegende Wahrheit ist das sogenannte Geheimnis, dass sich in dem Buch "Think and grow rich" (Denke und werde reich) von Napoleon Hill verbirgt.
Was Sie denken, hat Ihr jetziges Selbst geformt und wird auch Ihr zukünftiges Ich formen. Ob Sie intuitiv traden können oder nicht, wird von Ihren Gedanken entschieden. Menschen sind zielgerichtete Wesen. Unsere Gedanken werden zu unserer Realität. Ihr Geist findet irgendwie immer einen Weg, Sie dahin zu befördern, wo Sie hin möchten. Wenn Sie ein intuitiver Trader werden wollen, müssen Sie sich dies als ein geistiges Ziel vor Augen halten. Vielleicht sollten Sie tatsächlich eine Zeitlang versuchen, intuitiv zu werden, wie besessen zu sein.
...
Die Welten der Handlungen und Gedanken überlagern sich. Was man denkt, trifft oft auch ein. Wenn Sie intuitiv werden wollen, müssen Sie fest an den Wert der Intuition glauben und dann das Durchhaltevermögen besitzen, es so lange zu versuchen, bis Sie intuitiver geworden sind.
..."
Und anschließend auch ein Auszug aus dem Klassiker "Sorge Dich nicht - lebe!". von Dale Carnegie
"Ich kenne nichts Erhebenderes als die dem Menschen zweifellos innewohnende Fähigkeit, sein Leben durch bewußtes Streben auf eine höhere Ebene zu heben ... Wenn einer zuversichtlich in der Richtung auf seine Träume hin vorwärtsschreitet und sich bemüht, das Leben so zu führen, welches ihm vorschwebt, dann wird er Erfolg haben, weit über all das hinaus, was er in gewöhnlichen Stunden für möglich hielt."
Ich bin von der Macht der eigenen Gedanken überzeugt und habe davon schon oft profitieren dürfen.
Geschrieben von Futurespeter am Mi. 16 Apr 2003 - 12:09
Mir wurde erzählt, dass Einstein nur 2% seiner Gehirnkapazität ausgenutzt hatte. Und da ich das nicht ohne weiteres glauben wollte, weil es mir unlogisch erschien, dass ein auf Effizienz getrimmter natürlicher Organismus einfach 98% (bzw. 90%) seiner Kapazitäten brach liegen lässt, habe ich mich belesen. Mein Ergebnis war, dass diese Aussage einfach falsch ist. Natürlich, und das muss ich ausdrücklich einräumen, ist sie auch sehr undifferenziert. Denn wie ich oben schon angeführt habe, könnte man z.B. auch argumentieren, dass im Zeitpunkt x nur ein bestimmter Prozentsatz der Hirnkapazitäten Verwendung findet. Das entspräche dann eher der Realität. Diese Aussage wird dadurch aber auch nicht unbedingt richtiger.
Aber vielleicht gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse auf diesem Gebiet. Daher würde ich gerne die Quelle erfahren.
@ trendling
Ich danke Ihnen für Ihre ausführliche Antwort. Sie haben damit mein Interesse geweckt, mich mal in die Materie einzulesen, in der Hoffnung, Sie als Praktiker noch mit der ein oder anderen Frage bombardieren zu dürfen. ;-)
Jetzt trauen sich ja endlich die "Mystiker" aus der Ecke. Ich bin noch ein wenig mit Fassadenmalen beschäftigt, aber wo wir bei Buchempfehlungen und dem Thema "Macht der Gedanken" sind, wovon ich übrigens auch sehr überzeugt bin, die Parkplatzgeschichte mache ich genauso, da ist hier noch ein nettes Buch: Stuart Wilde "Geld: fließende Energie". Die Anwendung der ersten Kapitel hat mir innerhalb von Tagen aus einer unerwarteten (wie das so ist) Ecke, ca. 100.000 DM beschert, einfach so. Ich müsste das mal wieder tun, hatte ich ganz vergessen :)
Aber man darf trotzdem nicht übersehen, daß die Bewältigung des Lebens mehr erfordert, als das Denken von ein paar vagen Gedanken. Man kann das Tun nicht völlig sein lassen. Trotzdem läßt sich einiges gedanklich in die richtige Richtung drehen. Viel Spaß bei dem Buch, es lohnt sich.
Viele Grüße
Geschrieben von gautama2 am Mi. 16 Apr 2003 - 20:32
"...wegtrainieren...". Das geht nur wenn Sie ein paar oder auch sehr viele Analyse-Stunden buchen und eine Therapie anschließen. Nur mit Wegtrainieren können Sie die alten Verhaltensmuster (hook, von außen, pivot shift etc., das machen Sie doch leider auch noch?) nie loswerden. Sonst wird die Hypnose immer wieder die alten Fehler aktivieren. Wenn Sie bei der Hypnose was neues für Ihr trading lernen könnten, dann müßte schon Seykota oder so ein ähnlicher market wizard als Hypnotiseur her. Ein Hausfrauen-Hypnotiseur (das ist nicht abwertend gemeint sondern die Bezeichnung für seine Spezialisierung) bringt da nichts.
Was versteht man unter Altersregression?
MfG
hw
Geschrieben von hardworker am Mi. 16 Apr 2003 - 22:02
Altersregression ist das Wiedererleben einer problematischen Vergangenheit, so als würde es jetzt passieren, von Bedeutung, denn nur so können vergessene oder verdrängte Teile wieder erinnert werden, und nur so können sie dann aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, mit einer anderen Bedeutung versehen oder mit einem anderen, heute angemessenen Gefühl empfunden werden. Diese und ähnliche Prozesse der seelischen, geistigen und emotionalen Verarbeitung, die gestört waren, können in hypnotischer Trance leichter und schneller wieder korrigiert werden.
Viele Grüße
Jetzt ist leider Schluss mit Lesen. Ich muss noch einen Mietvertrag vorbereiten.
Geschrieben von gautama2 am Mi. 16 Apr 2003 - 22:53
Ich melde mich aus dem Osterurlaub, weil die Diskussion so interessant ist.
@ hardworker, Sie haben mich direkt angesprochen:
Ich kann meine Fehler, die mich im letzten Jahr circa 30-40% meines Profits gekostet haben, genau identifizieren. Es handelt sich um:
1. Zu hohe Positionen bei nicht ganz so klaren Signalen (häufigster Fehler, permanentes Ärgernis, da eigentlich eine Form von: "Nicht nach Plan gehandelt".)
2. Der errechnete Entry wird vom Markt übersprungen und ich trade dem Plan hinterher (grosse Slippage, häufiger Fehler, kleines Ärgernis, weil systemimmanent, oder doch nicht?)
3. Die errechneten Entries liegen genau auf Pivots (kommt nicht mehr vor: Plan lautet modifiziert: kein Entry bei Entry=Pivot, oder: Entry=Pivot => Breakout oder Retracement abwarten)
Zum Verständnis: ich handle ausschliesslich starke intraday Trends der CME Währungsfutures, identifiziere Trendtage über ein Kontraktion/Expansion-Verständnis (End-of-Day-Analyse) und errechne Entries über Pattern (diskretionär) und Statistik der historischen Tagesranges (OHLC, Globex-H/L, Swing H/L etc.). Ich erhalte in den 4 umsatzstärksten Futures (EC, JY, SF, CD) im Schnitt 15 Signaltage pro Monat. Ich trade mit hohem Leverage (Margin >= 50% Konto).
Ich muss sagen, dass mir das Feedback dieses Threads schon jetzt hilft, mein eigenes Verständnis zu überprüfen. Danke an alle. Da sage noch einer, Internet macht einsam ;-)
Die Frage, welche Intensivität eine "Therapie" der fehlerhaften Verhaltensmuster haben muss, kann ich nicht abschliessend beantworten. Ich halte mich für begabt, einen grossen Teil selbst zu leisten, vielleicht bin ich mit diesem Posting auch schon mitten drin (vgl. Postings ck, sphillips u.a.)
Meine Kinder fordern ihr Recht,
frohe Ostern an alle,
Berliner
Geschrieben von Gast (nicht überprüft) am Do. 17 Apr 2003 - 11:51
Über Altersregression hab ich mir schon sehr viel Gedanken gemacht. Diese früher bewusst oder unbewusst erlebten Dinge und Situationen schreiben sich mit unseren emotionalen Erfahrungen und Reaktionen in unser Unterbewusstsein ein und bestimmen unsere Gedanken und Handlungen in ähnlichen Situationen.
Ein fiktives Beispiel: Ich kann keine öffentliche Toilette benutzen, sobald noch jemand anders anwesend ist. Eine Ursache könnte sein, als Kind hat mich ein großer Junge einfach so in die Rinne gelegt.
Wie finde ich nun heraus, wo und nach was ich suchen muss, um bestimmte geistige Eindrucksbilder neu zu erleben und zu löschen? Wie finde ich die Quelle für mein unvernünftiges Fehlverhalten beim Traden?
Ein Freund von mir ist Scientologe mit einem ziemlich hohen OT-Grad (und leider wie vom Erdboden verschluckt). Seine Persönlichkeitsveränderung ist im positiven Sinne enorm. Es gibt bei ihm kein versagen, was er auch tut ist erfolgreich (Gibt es erfolglose Scientologen?). Der erste dort angestrebte Zustand ist wohl „Clear“, eben jenes von früheren Wahrnehmungen „bereinigte“ Unterbewusstsein welches unser Tun steuert.
Hat vielleicht selbst jemand Erfahrungen mit Scientology gemacht?
Viele Grüße
Geschrieben von Gast (nicht überprüft) am Do. 17 Apr 2003 - 13:47
Ich möchte mir Ihren ersten Fehlerpunkt, da dieser ein "permanentes Ärgernis" darstellt, zu eigen machen und Ihnen mal einen Lösungsvorschlag anbieten. Inwiefern der erste Punkt mit Ihren anderen Fehlern äquivalent ist, können Sie dann selbst untersuchen. Ich möchte Sie bitten, wohlwissend dass sich der Vorschlag sehr trivial anhört, den gesamten Text zu lesen, da ich Begründungen anfüge und auch am Ende des Textes auf die Trivialität eingehe.
Sie haben geschrieben, dass Sie in etwa 15 Handelssignale im Monat erhalten. Hierbei handeln Sie oftmals zu grosse Positionen, was nicht Ihrem Plan entspricht. Sie handeln also nicht nach Ihrem Plan, was Ihnen 30%-40% Ihres Erfolges gekostet hat. Das ist ärgerlich. Nun ist bei Ihnen als erfahrener Trader nicht davon auszugehen, dass Sie nach dem Prinzip "schaun mer mal" entscheiden. Welche Gründe liegen Ihrer Entscheidung zugrunde, im Gegensatz zu Ihrem eigentlichen Plan eine grössere Position zu handeln? Sind es immer dieselben Gründe, Hoffnungen, Vorstellungen die Ihnen dieses Verhalten aufzwingen? Ich denke, gerade die zweite Frage dürfte nicht so leicht zu beantworten sein. Man unterliegt schnell der Illusion, dass bei dieser oder jener Situation die Rahmenbedingungen zur vorhergehenden Situation verändert sind und aus diesem Grund eine Neubewertung vorzunehmen ist.
Aber ist das überhaupt entscheidend für jemandem der nach System handelt? Wäre es nicht viel wichtiger, da man die Einschätzung der Märkte durch das System vorgenommen hat, sich der Gefühle bewusst zu werden die einem das Handeln nach Plan verwehren? Hier treten zwei Seiten auf. Die Beurteilung der Märkte. Diese Arbeit leistet das System. Die andere Seite bezieht sich auf die Konsequenz, also das Gefühlsleben, dieses System ohne wenn und aber durchzustehen. Hier denke ich, ist es wichtig, sich selbst kennen zu lernen. Zu erkennen, welche Fehler zu diesem Ergebnis geführt haben ist der erste Schritt.
Und um zu begreifen, warum Sie immer den gleichen Fehler machen sollten Sie Stift und Papier zur Hand nehmen. Schreiben Sie sich die Gründe, Hoffnungen, Gefühle und Vorstellungen doch einfach auf, die Sie mit dem Eingehen einer zu grossen Position verbinden. Denn grundlos werden Sie das nicht tun. Es wird sich mit der Zeit immer genauer herauskristiallisieren welcher Gedanke Ihrer Handlung zugrunde liegt. Damit haben Sie ein hervorragendes Kontrollsystem. Sie können sich nicht mehr mit veränderten Gegebenheiten, die laut Definition auch überhaupt keine Rolle spielen sollten, herausreden. Vielleicht stellen Sie dann fest, dass es immer die selben Gefühle sind die Sie bewegen. Haben Sie wieder das Bedürfnis eine grössere Position einzugehen, schauen Sie auf Ihren Zettel und werden dann erkennen, dass hier Parallelen bestehen. Das wird die letzte Situation wieder in Ihr Erinnerungsvermögen rufen und Sie werden sich dann vielleicht anders verhalten als sonst.
Jetzt zur Trivialität des Vorschlages. Mir ist durchaus bewusst, dass sich mein Vorschlag in einer Diskussionsrunde in der mit tollen Worten wie "neo-linguistisches Programmieren", "Altersregression" etc. argumentiert wird unheimlich albern anhören muss. Dazu kommt noch die Spezifikation des Forums. Hier unterhalten sich grösstenteils erfahrene Trader die ganz genau wissen, dass es unbedingt erforderlich ist, Handelsentscheidungen vor- und nachzubereiten. Nur kann ich mir gut vorstellen, dass man sich im Alltag viel mit den Märkten aber eher weniger mit den eigenen Gefühlen auseinandersetzt. Dazu zählen auch Gefühle die mit dem Trading nichts zu tun haben. Denn es gibt auch Gründe und Zielvorstellungen die einem das Trading als besten Weg des Geldverdienens bzw. Arbeitens erscheinen lassen. Oder Situationen in denen man sich einfach nicht gut fühlt weil man krank ist oder Streit mit einer geliebten Person hatte.
Die Methode soll dazu verhelfen sich besser kennenzulernen. Zu erkennen, wie sich in bestimmten Situationen die eigene Wahrnehmung verändert. Und ich möchte eins zu bedenken geben: Der Therapeut kann natürlich nicht zaubern. Das heisst er wird mit Ihnen auch erst Gespräche führen müssen um Sie einschätzen zu können und um eine problemgerechte Behandlung festzustellen. Das kostet Geld und ist im Prinzip erstmal nix anderes als die Stift-und-Papier-Methode mit dem Unterschied, dass er der aktive Part ist. Der Lernprozess Ihrer eigenen Person wird also defintiv eingeschränkt. In welchen Fällen würde das Sinn machen? Ganz klar in Fällen, wo die eigene Fähigkeit zur Erkenntnis und Änderung verloren gegeangen ist. Aber genau das können Sie auch per Stift und Papier feststellen.
Sollten Sie sich nämlich nicht von Ihrem Verhalten lossagen können, obwohl Sie durch die Methode festgestellt haben, dass es immer dieselbe Gefühlslage ist, die Sie zu diesem Fehlverhalten führt, sollten Sie tatsächlich mit einem Therapeuten sprechen. Aber der läuft Ihnen doch nicht weg. Und anhand Ihrer Fragestellung zu schliessen, dass es sich um ein durch psychotherapeutische Behandlung zu ergründendes Problem aus der Kindheit handeln soll, nur weil Sie beim Trading hin und wieder inkonsequent sind, halte ich schlicht und ergreifend für überzogen. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass ein Therapeut versucht irgendwelche Charakeränderungen per Hypnose o.ä. vorzunehmen nur weil Sie sich im Tradingverhalten verbessern wollen. Sowas kann man wohl kaum mit Seriosität beschreiben.
Grüsse CK
P.S. Kaum zu glauben wieviel man zu einer solch primitiven Methode schreiben kann. ;-)
Wegtrainieren heißt verändern. Das geht nicht federleicht. Überwindung, manchmal schinden, auf jeden Fall oft das Neue wiederholen, bis es automatisiert ist. Fett absaugen ist was Passives, Unnatürliches, hinterläßt oft unästhetische Proportionen und Narben.
Das Gehirn macht oft was es will, aber Sie selbst ordnen den großen Datenstrom, filtern ihn und setzen nur einiges davon um. Das ist doch nicht unkontrolliert und unbeeinflußbar.
Wenn die Scientologen so große Durchblicker sind, müßten sie doch auch bessere Börsenergebnisse haben. Bisher hat sich noch kein Trader ge-outet. Wäre mal interessant.
MfG
hw
Geschrieben von hardworker am Do. 17 Apr 2003 - 22:45
Genau, darum geht`s letztendlich, um das Wegtrainieren und welche Möglichkeiten gibt es dafür?
Ich glaube jedoch nicht, dass es ohne weiteres möglich ist den großen Datenstrom selbst zu ordnen und zu filtern. Dazu muß man erst einmal die Fähigkeit haben.
Wir können uns nicht gegen unsere Gedanken wehren, wir können uns nicht aussuchen, welche Gedanken wir denken wollen.
Laut Dianetik ist es der reaktive Verstand, welcher uns auf Grund der Altersregression gewisse Denkprozesse aufzwingt. Dieser formt uns mit unserem Charakter so wie wir sind. Diese Engramme im reaktiven Verstand lassen sich laut Scientology durch jede Menge Audits klären bzw. löschen.
Das wird dann schon interessant. Die Frage ist nur, inwieweit ich mich mit meinem Bewusstsein dabei in Abhängigkeit begebe. Sekte! Über die Rolle von Medienkampagnen muß man sicherlich nicht reden. Die Dianetik hat in anderen Ländern schon einen ganz anderen Stellenwert. Schau ich mir jedoch die bunten Hochglanzprospekte Scientology`s mit lauter lächelnden und überglücklichen Menschen an, so schrillen bei mir schon die Alarmglocken.
Das ist eine wundervolle Utopie, widerspricht aber dem jetzigen evolutionärem Entwicklungsstand des Menschseins. Stop!
Es geht ja eigentlich darum, wie kann ich die Ursachen meiner emotionalen Fehlentscheidungen beim Handeln ausfindig zu machen und beseitigen. Bevor ich viel Geld für sogenannte Gurus aufwende, wäre die Dianetik unter Vorbehalt vielleicht auch ein Weg.
Viele Grüße
Geschrieben von Gast (nicht überprüft) am Fr. 18 Apr 2003 - 14:01
Ich danke Ihnen für die anerkennenden Worte. Ich freue mich einen bescheidenen Teil zu diesem, nicht zuletzt durch Ihre Beiträge, tollen Forum beitragen zu können.
Sie haben recht. Die Formulierung lässt einfach zu viel Spielraum. Aber was die 100.000 Jahre anbetrifft hätte ich noch eine Frage. Können Sie sich vielleicht noch daran erinnern mit welcher Methode man das festgestellt hat? Denn Leistungsprognosen für ein Organ zu erstellen, welche das 1.250-fache der eigentlichen Lebensdauer übertreffen halte ich für mutig. Aber es kann ja sein dass man hier festgestellt hat, dass die für die Speicherung zuständigen Neuronen theoretisch in der Lage sind so lange die Speicherkapazität bzw. Informationen beizubehalten.
Es gibt auch Scientologen, die der Organisation als solche den Rücken gekehrt haben, aber die Technik einfach um zu helfen und ohne "Religionsfassade" weiter praktizieren. Wen es also interessiert, der kann hier, ohne in eine Sekte gezogen zu werden, seine Versuche machen. Übrigens weitaus billiger als in der offiziellen Vermarktungsmaschine.
Jedem linientreuen Scientologen würde dieser Tip "die Schuhe ausziehen", weil nur das Original sicher zum Ziel führen soll, aber das sagt wohl jeder, der Markenzeichen und Copyrights zu schützen hat. Wer also mit diesen Methoden Probleme angehen will, ohne Sektenberührung, der kann auch hier mal seine Fühler ausstrecken. Ich kenne jemanden im Rheinland, der das macht.
Geschrieben von gautama2 am Fr. 18 Apr 2003 - 18:33
Pivot Points ("Wendepunkte") sind Unterstützungen/Widerstände innerhalb der aktuellen Preisbildung, die aufgrund des gestrigen Tages (oder Woche etc.) errechnet werden.
Ein einfacher Pivot ist zum Beispiel der gemittelte Preis des vergangenen Tages, bei dem statistisch davon ausgegangen werden kann, das hier (wiederum statistisch) Angebot und Nachfrage ausgeglichen waren. Wird das heute wieder bei diesem Preis so sein (Preisbalance besteht weiter, trendarmer Markt) oder überwindet der Preis den gestrigen Midpoint (Support oder Resistance), weil Angebot Nachfrage übersteigt (vice versa)?
Ein Pivot kann auch das High oder Low des vergangenen Tages oder der vergangenen vier Tage sein.
Einer der bekanntesten Pivots ist: prevHigh+prevLow+prevClose/3. Er funktioniert meiner Beobachtung nach in allen Märkten. "Funktioniert" heisst: man sieht in Echtzeit ganz deutlich wie der Preis am Pivot abprallt oder ihn mehr oder weniger mühevoll überwindet um dann z.B. wieder zurückzufallen.
Geschrieben von Gast (nicht überprüft) am Di. 22 Apr 2003 - 00:49
"Im Nachhinein betrachtet lagen meine besten Ergebnisse in Phasen, wo ich finanziell absolut unabhängig war und es mich nicht interessiert hat, ob ich 50.000 DM mehr habe oder nicht."
Ich möchte diesem vielzitierten Satz mal eine andere Realität entgegensetzen: nämlich der des Hungers und des Erfolgreich-Sein-Müssens. Einige der erfolgreichsten Trader, die ich kenne, haben einen ökonomisch ganz bescheidenen Hintergrund, Eltern waren arm, haben ihren Kindern keine grossen Chancen bieten können. Das ist noch mehr ein Phänomen der Kriegs- und Nachkriegsgeneration als ein Phänomen der Generation Golf oder Generation X oder wie sie jetzt alle heissen.
Diese Trader (auch junge sind dabei, aber nur wenige), haben eine gewisse Gier nach Erfolg und finanziellem Bestehen, weil das eine existenzielle Notwendigkeit ist, eingebrannt in die Grosshirnrinde. Ich kann bei diesen Leuten (die ich menschlich übrigens sehr schätze und die meistens bescheiden auftreten) nicht sehen, dass ihre "Gier" sie zu schlechten Menschen macht, geschweige denn zu schlechten Tradern.
Ein Floortrader, der sich acht Stunden und mehr auf das Parkett der Chicago Merc stellt, tag ein und tag aus, eingezwengt zwischen schweissriechenden Muskelprotzen und schreienden Kerlen, ein immenses Risiko eingeht, hat einen anderen Ur-Impuls als ein 25 jähriger Yuppie aus der Münchner Bussie-Szene, der es jetzt mal mit dem Traden vor seinem neuen Eizo-Flatscreen versucht. Damit meine ich niemanden persönlich, ich habe keine Münchner Bekannten.
Noch ein Wort zu NLP/sphillips: keine Methode kann oder soll uns zu besseren Menschen machen. Es ging in meiner Urfrage ganz schlicht darum, ob es möglich ist, gewisse Pawlow'sche Reflexe (sozusagen) des Tradings, oder einfach nur schlechte Angewohnheiten wegzutrainieren. Eigentlich glaube ich auch, dass man das selbst kann (und dann ist das wahrscheinlich schon eine Form des Selbst-NLPisierens), nur ist es natürlich verlockend, diesen Prozess zu systematisieren und zu beschleunigen.
Alle anderen Gedanken, sphillips: d'accord.
Gruss,
Berliner
Das Beste an den Beiträgen: hier scheinen noch "Menschen" zu leben!
Aber ich machs mir jetzt einfacher, mein Roboter macht alles für mich und ich geh jetzt wieder öfter mit meiner Frau spazieren. Lese den Steppenwolf zum 3. mal in 25 Jahren und frage mich, was mich beim 1. mal so in seinen Bann gezogen hat.
Es lebe die Elektronik!
C
Eine sehr spannende Diskussion.
Mich würde interessieren, ob jemand schon Erfahrungen mit Psychoanalyse gemacht hat, zum Beispiel in Form einer Beschäftigung mit denjenigen Anteilen an der Angst und der Gier, die ihre Wurzeln in der Kindheit haben.
@ Berliner
Zitat: "Kann ich voll unterstreichen. Ich sitze übrigens auch gerade auf meinen Händen (Stichwort "Bagdad ist gefallen"), meine Frage zielte aber gerade darauf, ob es eine psychische Einstellung gibt, die die diversen Situationen, in denen man besser auf Händen UND Füssen gesessen oder noch besser: in flüssigen Beton gegossen hätte, es aber nicht getan hat, ob es so eine Justierung gibt, die hilft dieses Ziel zu erreichen."
Ich habe ein wenig gebraucht, bis ich Gelegenheit zum Antworten gefunden habe. Tut mir leid. Ich kämpfe nebenher, bzw. diese Woche "vollberuflich" mit der Kellerabdichtung und dem Fassadenmalen meiner Wohnhöhle. Das ist gutes Ausgleichstraining, allerdings recht teuer wegen der entgangenen Trades, aber, wie ich feststelle, ein gutes Training gegen die Gier.
Ich würde zum Thema Hypnose und NLP gerne etwas ausholen, aber die Zeit fehlt mir und ich wollte trotzdem nicht so lange eine Antwort schuldig bleiben. Aber ich kann folgendes sagen: Ich habe mich mit Hypnose auseinandergesetzt und bzgl. NLP habe ich einfach keine Ahnung, es steht erst noch auf meinem Programm.
Meine grundsätzliche Ansicht zu allen Methoden ist, dass sie einem mehr Bewusstsein über die "Warums" geben müssen. Denn wenn ich den Grund meines Handelns kenne, kann ich etwas dagegen tun, denn der Zwang bzw. die ungewollte, unbewusste Handlung dürfte mit der Bewusstmachung bereits verschwunden sein. Also ist der Weg für mich in Richtung mehr Bewusstsein wichtig.
Ungewollte, zwanghafte Handlungen entspringen also unbewussten Gründen, die früher einmal bewusste Entscheidungen oder Zielssetzungen waren und einem einmal richtig erschienen, inzwischen ihre Berechtigung verloren haben, aber immer noch automatisch durchgezogen werden, ohne dass man sich noch dieser früheren Entscheidungen bewusst ist. Es können damals bevorzugt Situationen der Überwältigung gewesen sein, denn diese geraten gern in Vergessenheit, die zu solchen Entscheidungen (z.B. "Ich komme nie wieder zu spät" wäre eine Möglichkeit) führten.
Was auch immer es war, es muss wieder bewusst gemacht werden, damit man diese alten Postulate/Entscheidungen auflösen kann. Es nützt also m.E. nichts, bzw. vereinfacht die Struktur des Verstands nicht, wenn man ein altes, früher bewusst selbst herbeigeführtes Verhaltensmuster durch ein neues zwanghaftes Verhalten ersetzt, auch wenn es einem im Moment passender und überlebensfreundlicher erscheint. Man übertüncht damit nur das Ergebnis einer alten überwältigenden Situation durch eine neue Überwältigung des Verstands, die einem irgendwann vielleicht wieder Probleme macht oder zumindest zwei gegensätzliche Verhaltensmuster verankert, die am Ende vielleicht sogar eine Unfähigkeit herbeiführen können.
Eine Kraft zieht rechts, die andere gleich stark nach links und ich mache am Ende gar nichts mehr, fühle mich dabei aber total "hin und her gerissen". Das kann nicht mein Ziel sein. Therapeutische Hypnose soll nichts mit Showhypnose zu tun haben, bei der man fremdbestimmt Dinge tut, an die man sich hinterher nicht mehr erinnern kann, oder wo man auf bestimmte Reize so reagiert, wie man es suggeriert bekam, ohne sich dessen bewusst zu sein.
Es gibt aber wohl zwei Formen der therapeutischen Hypnose, von der ich nur die Altersregression (so heißt sie glaube ich) akzeptieren würde, da sie in die Richtung zu mehr Bewusstsein zu gehen scheint. Zur kausalen Behandlung mittels Altersregression ist das Wiedererleben einer problematischen Vergangenheit, so als würde es jetzt passieren, von Bedeutung, denn nur so können vergessene oder verdrängte Teile wieder erinnert werden, und nur so können sie dann aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, mit einer anderen Bedeutung versehen oder mit einem anderen, heute angemessenen Gefühl empfunden werden. Diese und ähnliche Prozesse der seelischen, geistigen und emotionalen Verarbeitung, die gestört waren, können in hypnotischer Trance leichter und schneller wieder korrigiert werden.
Das Ergebnis wäre also ein erhöhtes Bewusstsein über die Vorgänge im eigenen Innern. Die andere Art der Hypnose verstehe ich so, dass sie ein spezielles Verhaltensmuster trainiert, z.B. Entspannung beim Zahnarzt, und ist wohl eher so was wie es Pawlow mit seinen sabbernden Hunden gemacht hat. Vielleicht bin ich hier etwas zu bissig, aber ich finde es einfach nicht gut, feste Strukturen in den Verstand zu programmieren. Das geht gegen mein Gefühl vom freien Denken.
Das ist das Einzige, was ich zu diesem Thema beitragen kann. Das sind allerdings keine eigenen Erfahrungen mit Hypnose, denn meine Präferenz kennst Du ja. Vielleicht ist es trotzdem ein hilfreicher Gesichtspunkt.
Viele Grüße
@ gautama2
Die beiden Formen der Suggestion die Sie beschreiben, beinhalten aber doch einen ähnlichen Ansatz. Beide Methoden sollen per Fremdbeeinflussung eine Veränderung des Verhaltens hervorrufen. Nur wenn diese Änderung eingetreten ist, garantiert das doch langfristig noch nicht den Erfolg. Zum einen besteht doch die Gefahr, dass man durch tieferliegende Prozesse nicht vom eigentlichen Problem befreit wird und andere Fehler begeht. Zum anderen sieht man sich als Händler sich ständig verändernden Gegebenheiten gegenüber, auf die man vielleicht nicht programmiert sein könnte.
Das was Sie beschreiben, erinnert mich stark an die Behandlung von Menschen mit Angst- bzw. Panikzuständen. Doch wird hier nicht vielleicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen? Und meines Wissens nach werden diese Patienten in erster Linie mit den Situationen konfrontiert die Ihnen Probleme bereiten, damit Sie den Umgang mit Ihren Gefühlen erlernen.
Daher bin ich persönlich der Ansicht, das es viel hilfreicher wäre (wenn überhaupt), Suggestion in Ihrer Grundform anzuwenden. Die Hypnose kann hier helfen leichter und freier über Gedanken zu sprechen als es vielleicht sonst der Fall wäre. Das wiederum könnte in der folgenden Beratung, währenddessen man mit den eigenen Aussagen konfrontiert wird, zur Freisetzung von Lernprozessen führen. Denn dessen wird man bei Anwendung der anderen Methoden beraubt. Und ich kann mir nicht so richtig vorstellen dass das hilfreich sein könnte, lasse mich aber natürlich gerne eines besseren belehren.
Grüsse CK
@ gautama2
Ich hatte die Frage vergessen:
Sind Sie aufgrund dieser und ihrer bereits genannten Argumente und Ihres Wissens nach nicht auch der Ansicht, dass eigentlich nur die Ergründung der Fehler per normaler Gesprächstherapie + Hypnose Erfolg verspricht und die Fremdbeeinflussung ganz abzulehnen (auch Altersregression) ist?
Mir gehts dabei um das wissenschaftliche nachzuweisende Erfolgspotiental. Es kann natürlich auch sein, dass einzelnen Menschen dadurch geholfen werden kann. Ich frage mich eben nur, inwieweit sowas, Ihrem Wissen nach, tatsächlich ein sich einstellender Effekt ist oder eher der Fantasie des Einzelnen zuzuschreiben ist.
Grüsse CK
@ gautama, ck & alle
Jetzt wird's aber noch gehaltvoller, und ich muss leider verreisen für ein paar Tage. Danke für das intensive Feedback, ich melde mich nach Ostern.
Gruss, Happy Trading, Frohe Ostern,
Berliner
NLP
Letztlich besteht NLP aus nichts anderem als dem was ein Mensch sowieso dauernd macht. Bilder Sehen, Hören, Sprechen, Riechen, Schmecken, Fühlen. All das findet ständig im uns als subjektives erleben statt.
Beim Zahnarztbeispiel geht es nicht darum zukünftig nur noch breit grinsend im Wartezimmer zu sitzen, sondern seinen Zustand wahrzunehmen und diesen Zustand beizubehalten oder eben zu ändern. Es geht überhaupt nicht darum nur noch glücklich zu sein. Das bin (will) ich auch nicht. Ich hab sogar noch Sorgen wie alle Menschen. Die große Freiheit liegt in den Wahlmöglichkeiten. Früher hatte ich beim Zahnarzt einfach keine Wahl. Ich saß im Wartezimmer, hörte den Bohrer, hatte nur noch Angst. Alleine das Wissen um diese Wahlmöglichkeiten gibt mir nun so viel Selbstbewusstsein, dass sich dadurch automatisch ein entspannter Zustand einstellt. Für das Geräusch des Bohrers musste ich nur das dabei im Kopf entstehenden Bild ein wenig verändern.
Im Trading kann eine Lösung genauso einfach sein, aber auch viel komplizierter. Ich würde meine Aufmerksamkeit weniger auf das zu verwendende Pflaster richten, sondern mir lieber erst die Wunde genauer ansehen.
Hypnose ist vielleicht gefährlicher als NLP
Unser Trainer sagte immer ’’das Gehirn macht sowieso was es will“. Dazu kann ich eine kleine Selbsterfahrung berichten. Als ich 1990 mal mühelos abnehmen wollte, stolperte ich über eine MC “ABNEHMEN DURCH HYPNOSE“. Toll dachte ich, anhören, abnehmen, kein Sport und weiter essen.
Abgenommen habe ich damit nicht, aber immer nach dem ich die Kassette gehört hatte verspürte ich einen unwahrscheinlichen Leistungsdrang. Ich drohte fast zum Workaholic zu werden. Das Gehirn macht was es will!
Wahrscheinlich ist es weder nötig noch ratsam gleich mit fortgeschrittenen psychologischen Techniken zu beginnen. Das habe ich auch nicht getan. Einen guten Einstieg bieten folgende Artikel.
Das Unterbewusstsein - eine Einführung
http://www.zeitzuleben2.de/inhalte/ge/brain_mind/unterbewusst_1_einfuehrung.html
Grundlagen der Autosuggestion
http://www.zeitzuleben2.de/inhalte/ge/brain_mind/autosugg_1_grundlagen.html
Einführung in die mentale Entspannung
http://www.zeitzuleben2.de/inhalte/we/stress/mental_entspann_1.html
Wirkungsvolle Ziele formulieren
http://www.zeitzuleben2.de/inhalte/pe/ziele/formulieren_1.html
Ich kann auch so altmodische Dinge wie Autogenes Training sehr empfehlen.
Grüße
Trendling
Unser Gehirn ist auf Grund seiner physiologischen Eigenschaften viel leistungsfähiger als sich viele Menschen träumen lassen. Wir nutzen nur einen sehr geringen Prozentsatz des tatschlichen Potentials, weil wir noch nicht die geeigneten Trainingsmethoden gefunden haben.
Die Schnittstelle von Psychologie und Physiologie wird in der Zukunft im Mittelpunkt der Forschung stehen. Beispiel Biofeedback: mit dem geeigneten Training kann man heute schon Durchblutung, Herzschlag, Oberflächenspannung der Haut usw. selbst regulieren. Genauso wird man die psychische Zustände, Stimmungen etc. selbst über die Kontrolle der Gehirnaktivitäten (Hormonausschüttung - Endorphine, Adrenalin usw.) bestimmen können.
Viktor Frankl hat mit seinem Konzept der paradoxen Intention gezeigt, dass Ängste bewusst abgebaut werden und Stimmungen selbst gelenkt werden können. Ich selbst habe über 40 Injektionen in ein Auge angstfrei ertragen, obwohl ich vorher schon beim Anblick einer Injektionsnadel blass geworden war. Ich hatte danach natürlich nur mehr Spaß beim Zahnarzt :).
Was das für die Handelstätigkeit bedeutet: man kann seine Stimmung so konditionieren, dass man in einer positiven Grundstimmung alle Einflüsse auf die Handelsentscheidungen bewußt wahrnimmt, Verlusttrades als Lernmöglichkeit positiv annimmt und frei von allen Abhängigkeiten sein Potential voll ausschöpft.
@ trendling
Ich hätte zu Ihrem Posting drei Fragen die ich Ihnen stellen möchte:
1. Welche Wahlmöglichkeiten meinen Sie? Meinen Sie den Unterschied zwischen Ihrer Kindheit, als Ihnen der Zahnarztbesuch ohne Auswegmöglichkeit aufgezwungen wurde, währenddessen Ihnen dieser heute natürlich frei steht?
2. Sie schreiben, dass es wichtiger ist sich um das eigentliche Problem zu kümmern als zu viel Aufmerksamkeit der Beseitigung der Symptome beizumessen. Aber anhand Ihres Zahnarztbeispiels kann ich das nicht erkennen. Sie haben gelernt sich von Ihren Ängsten durch spezielle Techniken abzulenken. Aber das genau stellt für mich die Konzentration auf die Symptome dar. Hab ich da was nicht richtig verstanden?
3. Weshalb halten Sie Hypnose für gefährlich?
@ Hannes
Könnten Sie mir bitte die Quelle nennen auf die Sie sich beziehen, wenn Sie sagen: "Wir nutzen nur einen sehr geringen Prozentsatz des tatschlichen Potentials, weil wir noch nicht die geeigneten Trainingsmethoden gefunden haben." Ich finde dieses Thema sehr interessant. Und meine diesbezüglichen Nachforschungen haben immer zu dem Ergebnis geführt, dass das nicht oder nur in sehr begrenztem Masse möglich ist.
Auch die Aussage, dass die Menschen nur einen kleinen Teil des Potentials des Gehirns ausschöpfen, konnte ich durch meine Suche nicht bestätigen. Da das Gehirn in Bereiche aufgeteilt ist, blendet man z.B. während des Lösens mathematischer Aufgaben durch Konzentration gewisse nicht benötigte Teile aus und dadurch könnte der Eindruck entstehen, dass hier noch unbegrenztes Potential schlummert.
Dem ist nach meiner Literatur aber nicht so. Danach soll ein Mensch mit einer effizienten Konzentrationsgabe, also der Fähigkeit möglichst viele Bereiche auszublenden um sich nur auf die geforderte Fähigkeit zu stützen, tendenziell intelligenter sein als jemand der nicht über diese Gabe verfügt. So viel zu dem was ich darüber gelesen habe. Das ist schon eine Weile her und die Forschungen gehen, wie Sie schon angeführt haben, zur Zeit rasend schnell. Daher wäre ich über neue Erkenntnisse sehr dankbar.
Grüsse CK
@ CK
Schön dass die Diskussion ins Laufen kommt.
Zu Frage 1
Mit Wahlmöglichkeiten meine ich die absichtliche Veränderbarkeit des subjektiven Erlebens. Nicht ob ich den Termin nächste oder übernächste Woche nehme.
Es gibt sehr viele kleine Tools im NLP. Ich kann bewusst mitentscheiden, wie mein Gehirn die zukünftigen Ereignisse verarbeitet. Das sind meist nur kleine Tricks wie sich ein Bild wie im Kino anzusehen und einiges so lange zu verändern, z.B. Bild größer oder kleiner machen, bis das Gefühl dazu passt. Sehr gerne wende ich das Reframing an. Dabei wird nur der Rahmen eines Ereignisses geändert. ’’Das Glas ist halb voll statt halb leer’’ würde ich z.B. als Reframing bezeichnen. Es sind alles Dinge die Jeder Mensch irgendwie sowieso dauernd macht, nur nicht absichtlich. Mit dem Ankern verhält es sich ähnlich. Wir alle haben spezielle Musiktitel, die an Bilder und Emotionen gekoppelt sind. Wenn wir einen solchen Titel unverhofft im Radio hören, dann ist alles wieder da. Das geht auch absichtlich. Meine Anker aus den Seminaren sind immer noch abrufbar.
Zu Frage 2
Dann habe ich mich missverständlich ausgedrückt, oder sehe das selbst völlig anders. Der Auslöser der Angst war ein Bild das beim Geräusch des Bohrers kam während ich in Wartezimmer saß. In dem Bild saß ich im Behandlungsstuhl und der Bohrer arbeitete sich durch den Zahnschmelz tief in meine Zahnnerven. Mein Blick ging von Behandlungsstuhl aus Richtung Türe. Wenn ich heute im Wartezimmer sitze und den Bohrer höre, dann habe ich ein Bild indem ich vom gang aus durch die Türe des Behandlungszimmers dem Zahnarzt bei der Behandlung eines anderen Patienten zusehe. Das ist Interessant, aber nicht beängstigend.
Das Symptom war doch die Angst ? Um die Angst selbst hab ich mich nicht gekümmert. Das Problem war die Art wie ich das Geräusch verarbeitet hatte. Mein Gehirn hat nun ein Bild zur Verfügung das es als harmlos interpretieren kann. Ich denke nicht dass es sich dabei um eine Ablenkung von der Angst handelt. Eine Ablenkung wäre es sich beim Zahnarzt Bloomberg anzusehen oder mit den Helferinnen zu flirten. Eines von beiden versuche ich natürlich zusätzlich.
Zu Frage 3
Ich meinte Hypnose ist vielleicht gefährlicher als NLP. Beim NLP überprüfe ich vor dem Abschluss der Technik, die Auswirkung des neuen Verhaltens in der Zukunft. Falls etwas nicht passt gehe ich sofort zurück und ändere wieder etwas, bis es passt. Wenn es sauber gemacht wird sind keine unerwünschten Auswirkungen zu erwarten.
Bei der Hypnose habe ich oder der Hypnotiseur einige positiv formulierte Sätze, die zukünftig wahrscheinlich wirken. Wie sie genau wirken, wird man erst sehen müssen, weil das Gehirn damit macht was es will.
Mit Befragung oder befragt werden unter Hypnose habe ich keine Erfahrungen. Wenn man nicht zu tief hypnotisiert wird bekommt man selbst alles mit. Sicher wäre es sehr reizvoll herauszufinden was sich hinter den Eigenen kleinen Sabotagemustern verbirgt.
Ich bin kein Gegner der Hypnose. Ich kenne sie von beiden Seiten. Auch im NLP kommt Hypnose vor. Ich denke hauptsächlich dass man dem Können (Fehlern) des Hypnotiseurs noch mehr ausgeliefert ist als mit den meisten NLP Techniken. NLP liegt mir persönlich besser. Es ist nur wegen des Umfanges schwerer zu erlernen, aber eben dadurch wesentlich vielfältiger.
Alle Wege Führen nach Rom.
@ Sphillips
Das kann ich bestätigen. Das ist die selektive Wahrnehmung. Bei den Gedanken ist es sehr wichtig, dass man nicht das “nicht“ verwendet. “Ich Rauche nicht mehr“ dabei sehe ich doch zwangsläufig schon wieder eine Zigarette. Denken Sie nicht an einen schönen neuen Mercedes. Das nicht versteht das Unterbewusstsein nicht.
An den Satz ’’Wir nutzen nur einen sehr geringen Prozentsatz des tatsächlichen Potentials’’ glaube ich auch nicht ganz. Wahrscheinlich ist es nur eine Verkaufsfördernde Werbebotschaft aus Erfolgsbüchern. Ich denke man sollte das vorhandene Potential sinnvoller einsetzen lernen.
Wirkungsvolle Ziele formulieren
http://www.zeitzuleben2.de/inhalte/pe/ziele/formulieren_1.html
Folgende etwas esoterisch klingende Technik hat mir ein Freund beigebracht. Wenn ich einen Parkplatz in der Innenstadt brauche, stelle ich mir den freien Platz beim losfahren vor. Immer wenn ich es schaffe völlig selbstverständlich an den freien Platz zu glauben, ist auch eine Lücke für mich da. Da kommt richtig Spaß auf, bei der sonst so stressigen Parkplatzsuche. Es ist als ob ein anderer Autofahrer den Gedanken eingepflanzt bekäme in 10 Minuten von meinem Parkplatz wegzufahren.
Probieren Sie es aus, ich glaube solche Dinge normalerweise auch nicht. Aber es klappt zu oft für einen Zufall. An der Börse scheint mehr Verkehr zu herrschen, denn meistens ist die Lücke schon wieder weg bis ich komme. Ich bin sicher wir können hier bald die ersten Erfolgsberichte lesen.
Grüße
Trendling
Ein interessanter Thread dessen Inhalte und mögliche Konsequenzen faszinierend sind.
Zu diesem Thema einige Zitate von Ross aus "Trading ist ein Geschäft, S. 33".
"Der mangelnde Glaube an die eigene Intuition.
...Schon eine uralte Bibelweisheit vertritt diesen Standpunkt: "Wie ein Mensch denkt, so ist er auch."
Mit anderen Worten, Ihre Gedanken formen Sie. Diese grundlegende Wahrheit ist das sogenannte Geheimnis, dass sich in dem Buch "Think and grow rich" (Denke und werde reich) von Napoleon Hill verbirgt.
Was Sie denken, hat Ihr jetziges Selbst geformt und wird auch Ihr zukünftiges Ich formen. Ob Sie intuitiv traden können oder nicht, wird von Ihren Gedanken entschieden. Menschen sind zielgerichtete Wesen. Unsere Gedanken werden zu unserer Realität. Ihr Geist findet irgendwie immer einen Weg, Sie dahin zu befördern, wo Sie hin möchten. Wenn Sie ein intuitiver Trader werden wollen, müssen Sie sich dies als ein geistiges Ziel vor Augen halten. Vielleicht sollten Sie tatsächlich eine Zeitlang versuchen, intuitiv zu werden, wie besessen zu sein.
...
Die Welten der Handlungen und Gedanken überlagern sich. Was man denkt, trifft oft auch ein. Wenn Sie intuitiv werden wollen, müssen Sie fest an den Wert der Intuition glauben und dann das Durchhaltevermögen besitzen, es so lange zu versuchen, bis Sie intuitiver geworden sind.
..."
Und anschließend auch ein Auszug aus dem Klassiker "Sorge Dich nicht - lebe!". von Dale Carnegie
"Ich kenne nichts Erhebenderes als die dem Menschen zweifellos innewohnende Fähigkeit, sein Leben durch bewußtes Streben auf eine höhere Ebene zu heben ... Wenn einer zuversichtlich in der Richtung auf seine Träume hin vorwärtsschreitet und sich bemüht, das Leben so zu führen, welches ihm vorschwebt, dann wird er Erfolg haben, weit über all das hinaus, was er in gewöhnlichen Stunden für möglich hielt."
Ich bin von der Macht der eigenen Gedanken überzeugt und habe davon schon oft profitieren dürfen.
@ sphillips
Mir wurde erzählt, dass Einstein nur 2% seiner Gehirnkapazität ausgenutzt hatte. Und da ich das nicht ohne weiteres glauben wollte, weil es mir unlogisch erschien, dass ein auf Effizienz getrimmter natürlicher Organismus einfach 98% (bzw. 90%) seiner Kapazitäten brach liegen lässt, habe ich mich belesen. Mein Ergebnis war, dass diese Aussage einfach falsch ist. Natürlich, und das muss ich ausdrücklich einräumen, ist sie auch sehr undifferenziert. Denn wie ich oben schon angeführt habe, könnte man z.B. auch argumentieren, dass im Zeitpunkt x nur ein bestimmter Prozentsatz der Hirnkapazitäten Verwendung findet. Das entspräche dann eher der Realität. Diese Aussage wird dadurch aber auch nicht unbedingt richtiger.
Aber vielleicht gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse auf diesem Gebiet. Daher würde ich gerne die Quelle erfahren.
@ trendling
Ich danke Ihnen für Ihre ausführliche Antwort. Sie haben damit mein Interesse geweckt, mich mal in die Materie einzulesen, in der Hoffnung, Sie als Praktiker noch mit der ein oder anderen Frage bombardieren zu dürfen. ;-)
Grüsse CK
@ trendling und futurespeter
Jetzt trauen sich ja endlich die "Mystiker" aus der Ecke. Ich bin noch ein wenig mit Fassadenmalen beschäftigt, aber wo wir bei Buchempfehlungen und dem Thema "Macht der Gedanken" sind, wovon ich übrigens auch sehr überzeugt bin, die Parkplatzgeschichte mache ich genauso, da ist hier noch ein nettes Buch: Stuart Wilde "Geld: fließende Energie". Die Anwendung der ersten Kapitel hat mir innerhalb von Tagen aus einer unerwarteten (wie das so ist) Ecke, ca. 100.000 DM beschert, einfach so. Ich müsste das mal wieder tun, hatte ich ganz vergessen :)
Aber man darf trotzdem nicht übersehen, daß die Bewältigung des Lebens mehr erfordert, als das Denken von ein paar vagen Gedanken. Man kann das Tun nicht völlig sein lassen. Trotzdem läßt sich einiges gedanklich in die richtige Richtung drehen. Viel Spaß bei dem Buch, es lohnt sich.
Viele Grüße
@ Berliner (12.4./18:19)
"...wegtrainieren...". Das geht nur wenn Sie ein paar oder auch sehr viele Analyse-Stunden buchen und eine Therapie anschließen. Nur mit Wegtrainieren können Sie die alten Verhaltensmuster (hook, von außen, pivot shift etc., das machen Sie doch leider auch noch?) nie loswerden. Sonst wird die Hypnose immer wieder die alten Fehler aktivieren. Wenn Sie bei der Hypnose was neues für Ihr trading lernen könnten, dann müßte schon Seykota oder so ein ähnlicher market wizard als Hypnotiseur her. Ein Hausfrauen-Hypnotiseur (das ist nicht abwertend gemeint sondern die Bezeichnung für seine Spezialisierung) bringt da nichts.
Was versteht man unter Altersregression?
MfG
hw
@ hardworker
Das ging wohl in meinem langen Text unter.
Altersregression ist das Wiedererleben einer problematischen Vergangenheit, so als würde es jetzt passieren, von Bedeutung, denn nur so können vergessene oder verdrängte Teile wieder erinnert werden, und nur so können sie dann aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, mit einer anderen Bedeutung versehen oder mit einem anderen, heute angemessenen Gefühl empfunden werden. Diese und ähnliche Prozesse der seelischen, geistigen und emotionalen Verarbeitung, die gestört waren, können in hypnotischer Trance leichter und schneller wieder korrigiert werden.
Viele Grüße
Jetzt ist leider Schluss mit Lesen. Ich muss noch einen Mietvertrag vorbereiten.
Ich melde mich aus dem Osterurlaub, weil die Diskussion so interessant ist.
@ hardworker, Sie haben mich direkt angesprochen:
Ich kann meine Fehler, die mich im letzten Jahr circa 30-40% meines Profits gekostet haben, genau identifizieren. Es handelt sich um:
1. Zu hohe Positionen bei nicht ganz so klaren Signalen (häufigster Fehler, permanentes Ärgernis, da eigentlich eine Form von: "Nicht nach Plan gehandelt".)
2. Der errechnete Entry wird vom Markt übersprungen und ich trade dem Plan hinterher (grosse Slippage, häufiger Fehler, kleines Ärgernis, weil systemimmanent, oder doch nicht?)
3. Die errechneten Entries liegen genau auf Pivots (kommt nicht mehr vor: Plan lautet modifiziert: kein Entry bei Entry=Pivot, oder: Entry=Pivot => Breakout oder Retracement abwarten)
Zum Verständnis: ich handle ausschliesslich starke intraday Trends der CME Währungsfutures, identifiziere Trendtage über ein Kontraktion/Expansion-Verständnis (End-of-Day-Analyse) und errechne Entries über Pattern (diskretionär) und Statistik der historischen Tagesranges (OHLC, Globex-H/L, Swing H/L etc.). Ich erhalte in den 4 umsatzstärksten Futures (EC, JY, SF, CD) im Schnitt 15 Signaltage pro Monat. Ich trade mit hohem Leverage (Margin >= 50% Konto).
Ich muss sagen, dass mir das Feedback dieses Threads schon jetzt hilft, mein eigenes Verständnis zu überprüfen. Danke an alle. Da sage noch einer, Internet macht einsam ;-)
Die Frage, welche Intensivität eine "Therapie" der fehlerhaften Verhaltensmuster haben muss, kann ich nicht abschliessend beantworten. Ich halte mich für begabt, einen grossen Teil selbst zu leisten, vielleicht bin ich mit diesem Posting auch schon mitten drin (vgl. Postings ck, sphillips u.a.)
Meine Kinder fordern ihr Recht,
frohe Ostern an alle,
Berliner
Hallo,
sehr interessanter Thread, sehr interessant.
Über Altersregression hab ich mir schon sehr viel Gedanken gemacht. Diese früher bewusst oder unbewusst erlebten Dinge und Situationen schreiben sich mit unseren emotionalen Erfahrungen und Reaktionen in unser Unterbewusstsein ein und bestimmen unsere Gedanken und Handlungen in ähnlichen Situationen.
Ein fiktives Beispiel: Ich kann keine öffentliche Toilette benutzen, sobald noch jemand anders anwesend ist. Eine Ursache könnte sein, als Kind hat mich ein großer Junge einfach so in die Rinne gelegt.
Wie finde ich nun heraus, wo und nach was ich suchen muss, um bestimmte geistige Eindrucksbilder neu zu erleben und zu löschen? Wie finde ich die Quelle für mein unvernünftiges Fehlverhalten beim Traden?
Ein Freund von mir ist Scientologe mit einem ziemlich hohen OT-Grad (und leider wie vom Erdboden verschluckt). Seine Persönlichkeitsveränderung ist im positiven Sinne enorm. Es gibt bei ihm kein versagen, was er auch tut ist erfolgreich (Gibt es erfolglose Scientologen?). Der erste dort angestrebte Zustand ist wohl „Clear“, eben jenes von früheren Wahrnehmungen „bereinigte“ Unterbewusstsein welches unser Tun steuert.
Hat vielleicht selbst jemand Erfahrungen mit Scientology gemacht?
Viele Grüße
@ Berliner
Ich möchte mir Ihren ersten Fehlerpunkt, da dieser ein "permanentes Ärgernis" darstellt, zu eigen machen und Ihnen mal einen Lösungsvorschlag anbieten. Inwiefern der erste Punkt mit Ihren anderen Fehlern äquivalent ist, können Sie dann selbst untersuchen. Ich möchte Sie bitten, wohlwissend dass sich der Vorschlag sehr trivial anhört, den gesamten Text zu lesen, da ich Begründungen anfüge und auch am Ende des Textes auf die Trivialität eingehe.
Sie haben geschrieben, dass Sie in etwa 15 Handelssignale im Monat erhalten. Hierbei handeln Sie oftmals zu grosse Positionen, was nicht Ihrem Plan entspricht. Sie handeln also nicht nach Ihrem Plan, was Ihnen 30%-40% Ihres Erfolges gekostet hat. Das ist ärgerlich. Nun ist bei Ihnen als erfahrener Trader nicht davon auszugehen, dass Sie nach dem Prinzip "schaun mer mal" entscheiden. Welche Gründe liegen Ihrer Entscheidung zugrunde, im Gegensatz zu Ihrem eigentlichen Plan eine grössere Position zu handeln? Sind es immer dieselben Gründe, Hoffnungen, Vorstellungen die Ihnen dieses Verhalten aufzwingen? Ich denke, gerade die zweite Frage dürfte nicht so leicht zu beantworten sein. Man unterliegt schnell der Illusion, dass bei dieser oder jener Situation die Rahmenbedingungen zur vorhergehenden Situation verändert sind und aus diesem Grund eine Neubewertung vorzunehmen ist.
Aber ist das überhaupt entscheidend für jemandem der nach System handelt? Wäre es nicht viel wichtiger, da man die Einschätzung der Märkte durch das System vorgenommen hat, sich der Gefühle bewusst zu werden die einem das Handeln nach Plan verwehren? Hier treten zwei Seiten auf. Die Beurteilung der Märkte. Diese Arbeit leistet das System. Die andere Seite bezieht sich auf die Konsequenz, also das Gefühlsleben, dieses System ohne wenn und aber durchzustehen. Hier denke ich, ist es wichtig, sich selbst kennen zu lernen. Zu erkennen, welche Fehler zu diesem Ergebnis geführt haben ist der erste Schritt.
Und um zu begreifen, warum Sie immer den gleichen Fehler machen sollten Sie Stift und Papier zur Hand nehmen. Schreiben Sie sich die Gründe, Hoffnungen, Gefühle und Vorstellungen doch einfach auf, die Sie mit dem Eingehen einer zu grossen Position verbinden. Denn grundlos werden Sie das nicht tun. Es wird sich mit der Zeit immer genauer herauskristiallisieren welcher Gedanke Ihrer Handlung zugrunde liegt. Damit haben Sie ein hervorragendes Kontrollsystem. Sie können sich nicht mehr mit veränderten Gegebenheiten, die laut Definition auch überhaupt keine Rolle spielen sollten, herausreden. Vielleicht stellen Sie dann fest, dass es immer die selben Gefühle sind die Sie bewegen. Haben Sie wieder das Bedürfnis eine grössere Position einzugehen, schauen Sie auf Ihren Zettel und werden dann erkennen, dass hier Parallelen bestehen. Das wird die letzte Situation wieder in Ihr Erinnerungsvermögen rufen und Sie werden sich dann vielleicht anders verhalten als sonst.
Jetzt zur Trivialität des Vorschlages. Mir ist durchaus bewusst, dass sich mein Vorschlag in einer Diskussionsrunde in der mit tollen Worten wie "neo-linguistisches Programmieren", "Altersregression" etc. argumentiert wird unheimlich albern anhören muss. Dazu kommt noch die Spezifikation des Forums. Hier unterhalten sich grösstenteils erfahrene Trader die ganz genau wissen, dass es unbedingt erforderlich ist, Handelsentscheidungen vor- und nachzubereiten. Nur kann ich mir gut vorstellen, dass man sich im Alltag viel mit den Märkten aber eher weniger mit den eigenen Gefühlen auseinandersetzt. Dazu zählen auch Gefühle die mit dem Trading nichts zu tun haben. Denn es gibt auch Gründe und Zielvorstellungen die einem das Trading als besten Weg des Geldverdienens bzw. Arbeitens erscheinen lassen. Oder Situationen in denen man sich einfach nicht gut fühlt weil man krank ist oder Streit mit einer geliebten Person hatte.
Die Methode soll dazu verhelfen sich besser kennenzulernen. Zu erkennen, wie sich in bestimmten Situationen die eigene Wahrnehmung verändert. Und ich möchte eins zu bedenken geben: Der Therapeut kann natürlich nicht zaubern. Das heisst er wird mit Ihnen auch erst Gespräche führen müssen um Sie einschätzen zu können und um eine problemgerechte Behandlung festzustellen. Das kostet Geld und ist im Prinzip erstmal nix anderes als die Stift-und-Papier-Methode mit dem Unterschied, dass er der aktive Part ist. Der Lernprozess Ihrer eigenen Person wird also defintiv eingeschränkt. In welchen Fällen würde das Sinn machen? Ganz klar in Fällen, wo die eigene Fähigkeit zur Erkenntnis und Änderung verloren gegeangen ist. Aber genau das können Sie auch per Stift und Papier feststellen.
Sollten Sie sich nämlich nicht von Ihrem Verhalten lossagen können, obwohl Sie durch die Methode festgestellt haben, dass es immer dieselbe Gefühlslage ist, die Sie zu diesem Fehlverhalten führt, sollten Sie tatsächlich mit einem Therapeuten sprechen. Aber der läuft Ihnen doch nicht weg. Und anhand Ihrer Fragestellung zu schliessen, dass es sich um ein durch psychotherapeutische Behandlung zu ergründendes Problem aus der Kindheit handeln soll, nur weil Sie beim Trading hin und wieder inkonsequent sind, halte ich schlicht und ergreifend für überzogen. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass ein Therapeut versucht irgendwelche Charakeränderungen per Hypnose o.ä. vorzunehmen nur weil Sie sich im Tradingverhalten verbessern wollen. Sowas kann man wohl kaum mit Seriosität beschreiben.
Grüsse CK
P.S. Kaum zu glauben wieviel man zu einer solch primitiven Methode schreiben kann. ;-)
@ sphillips
Wegtrainieren heißt verändern. Das geht nicht federleicht. Überwindung, manchmal schinden, auf jeden Fall oft das Neue wiederholen, bis es automatisiert ist. Fett absaugen ist was Passives, Unnatürliches, hinterläßt oft unästhetische Proportionen und Narben.
Das Gehirn macht oft was es will, aber Sie selbst ordnen den großen Datenstrom, filtern ihn und setzen nur einiges davon um. Das ist doch nicht unkontrolliert und unbeeinflußbar.
Wenn die Scientologen so große Durchblicker sind, müßten sie doch auch bessere Börsenergebnisse haben. Bisher hat sich noch kein Trader ge-outet. Wäre mal interessant.
MfG
hw
@ Berliner
Was ist ein pivot?
Danke von hw
Hallo
@ hardworker
Genau, darum geht`s letztendlich, um das Wegtrainieren und welche Möglichkeiten gibt es dafür?
Ich glaube jedoch nicht, dass es ohne weiteres möglich ist den großen Datenstrom selbst zu ordnen und zu filtern. Dazu muß man erst einmal die Fähigkeit haben.
Wir können uns nicht gegen unsere Gedanken wehren, wir können uns nicht aussuchen, welche Gedanken wir denken wollen.
Laut Dianetik ist es der reaktive Verstand, welcher uns auf Grund der Altersregression gewisse Denkprozesse aufzwingt. Dieser formt uns mit unserem Charakter so wie wir sind. Diese Engramme im reaktiven Verstand lassen sich laut Scientology durch jede Menge Audits klären bzw. löschen.
Das wird dann schon interessant. Die Frage ist nur, inwieweit ich mich mit meinem Bewusstsein dabei in Abhängigkeit begebe. Sekte! Über die Rolle von Medienkampagnen muß man sicherlich nicht reden. Die Dianetik hat in anderen Ländern schon einen ganz anderen Stellenwert. Schau ich mir jedoch die bunten Hochglanzprospekte Scientology`s mit lauter lächelnden und überglücklichen Menschen an, so schrillen bei mir schon die Alarmglocken.
Das ist eine wundervolle Utopie, widerspricht aber dem jetzigen evolutionärem Entwicklungsstand des Menschseins. Stop!
Es geht ja eigentlich darum, wie kann ich die Ursachen meiner emotionalen Fehlentscheidungen beim Handeln ausfindig zu machen und beseitigen. Bevor ich viel Geld für sogenannte Gurus aufwende, wäre die Dianetik unter Vorbehalt vielleicht auch ein Weg.
Viele Grüße
@ sphillips
Ich danke Ihnen für die anerkennenden Worte. Ich freue mich einen bescheidenen Teil zu diesem, nicht zuletzt durch Ihre Beiträge, tollen Forum beitragen zu können.
Sie haben recht. Die Formulierung lässt einfach zu viel Spielraum. Aber was die 100.000 Jahre anbetrifft hätte ich noch eine Frage. Können Sie sich vielleicht noch daran erinnern mit welcher Methode man das festgestellt hat? Denn Leistungsprognosen für ein Organ zu erstellen, welche das 1.250-fache der eigentlichen Lebensdauer übertreffen halte ich für mutig. Aber es kann ja sein dass man hier festgestellt hat, dass die für die Speicherung zuständigen Neuronen theoretisch in der Lage sind so lange die Speicherkapazität bzw. Informationen beizubehalten.
Grüsse CK
Es gibt auch Scientologen, die der Organisation als solche den Rücken gekehrt haben, aber die Technik einfach um zu helfen und ohne "Religionsfassade" weiter praktizieren. Wen es also interessiert, der kann hier, ohne in eine Sekte gezogen zu werden, seine Versuche machen. Übrigens weitaus billiger als in der offiziellen Vermarktungsmaschine.
Jedem linientreuen Scientologen würde dieser Tip "die Schuhe ausziehen", weil nur das Original sicher zum Ziel führen soll, aber das sagt wohl jeder, der Markenzeichen und Copyrights zu schützen hat. Wer also mit diesen Methoden Probleme angehen will, ohne Sektenberührung, der kann auch hier mal seine Fühler ausstrecken. Ich kenne jemanden im Rheinland, der das macht.
@ ck (Beitrag vom 17.4.)
Sie haben sich die Mühe gemacht, auf eine wunderbar einfache Weise eine wunderbar einfache Lösung für mein Problem zu schildern.
Vielen Dank. Dazu lässt sich im Moment einfach gar nichts mehr hinzufügen!
Gruss,
Berliner
@ hardworker
Pivot Points ("Wendepunkte") sind Unterstützungen/Widerstände innerhalb der aktuellen Preisbildung, die aufgrund des gestrigen Tages (oder Woche etc.) errechnet werden.
Ein einfacher Pivot ist zum Beispiel der gemittelte Preis des vergangenen Tages, bei dem statistisch davon ausgegangen werden kann, das hier (wiederum statistisch) Angebot und Nachfrage ausgeglichen waren. Wird das heute wieder bei diesem Preis so sein (Preisbalance besteht weiter, trendarmer Markt) oder überwindet der Preis den gestrigen Midpoint (Support oder Resistance), weil Angebot Nachfrage übersteigt (vice versa)?
Ein Pivot kann auch das High oder Low des vergangenen Tages oder der vergangenen vier Tage sein.
Einer der bekanntesten Pivots ist: prevHigh+prevLow+prevClose/3. Er funktioniert meiner Beobachtung nach in allen Märkten. "Funktioniert" heisst: man sieht in Echtzeit ganz deutlich wie der Preis am Pivot abprallt oder ihn mehr oder weniger mühevoll überwindet um dann z.B. wieder zurückzufallen.