Ökonomen als Anleger: John Maynard Keynes wurde zum Börsenmillionär
Ökonomen als Anleger: John Maynard Keynes wurde zum Börsenmillionär
Von Gerald Braunberger
Auszug aus einem langen Beitrag
Frankfurter Allgemeine Zeitung, FAZ (14.04.09)
Im August 1919 entschloss sich Keynes, mit einem überwiegend geliehenen Kapital von rund 5.000 Pfund (umgerechnet auf heutige Verhältnisse knapp 300.000 Euro) riskante Devisentermingeschäfte zu betreiben. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte der Goldstandard für feste Wechselkurse gesorgt; seit dem Zusammenbruch des Goldstandards schwankten die Wechselkurse in der turbulenten Nachkriegszeit stark. Der Reiz des Termingeschäfts bestand in der Hebelwirkung: Makler verlangten als Sicherheit nur einen Einschuss von 10 Prozent, so dass man mit 5.000 Pfund Einsatz auf Devisen im Wert von 50.000 Pfund spekulieren konnte.
Keynes hatte Spaß am „zocken“
Keynes legte seinen Anlageentscheidungen Prognosen als Ergebnis eigener langfristiger ökonomischer Analysen zugrunde und kaufte Dollar, norwegische und schwedische Kronen sowie indische Rupien. Auf der Gegenseite verkaufte er französische Franc, Gulden, Lira und Mark. Der Beginn war blendend, und am 2. Januar 1920 hatte Keynes Gewinne über 6.154 Pfund realisiert. Übermütig schrieb er seiner Mutter: „Geld ist ein lustiges Ding - es scheint unmöglich zu glauben, dass es unserem gegenwärtigen System erlaubt wird, noch sehr lange so weiterzumachen. Als Frucht eines kleinen Zusatzwissens und einer bestimmten Erfahrung kommt Geld einfach (und in jederlei Hinsicht unverdient) ins Haus geflossen.“
Keynes' Erfolg verlockte Verwandte, Kollegen und Freunde, sich ihm anzuschließen. Ende Januar 1920 gründeten sie ein sogenanntes Syndikat, das 30.000 Pfund mobilisierte. Wegen der Hebelwirkung ließen sich damit Devisen im Wert von 300.000 Pfund mobilisieren, was angesichts der geringen Umsätze in einzelnen Märkten eine nennenswerte Summe war. Die Spekulation ließ sich wieder hervorragend an, Ende Februar 1920 hatte das Syndikat Gewinne von 8.643 Pfund realisiert und außerdem noch unrealisierte Gewinne von 18.525 Pfund in den Büchern. Geoffrey Keynes schrieb seinem älteren Bruder Maynard begeistert: „Meine Dankbarkeit Dir gegenüber wächst ebenso wie mein Kapital in einer geometrischen Reihe.“ John Maynard Keynes fuhr daraufhin mit Freunden für mehrere Wochen nach Italien, wo er sich eine „Shopping-Orgie“ leistete, wie er seiner Mutter mitteilte. Seinem Vater Neville schrieb er: „Gewinn oder Verlust - diese Wetten mit hohem Einsatz machen mir Spaß.“ Keynes senior, der in allen Quellen als ein sehr ängstlicher Mann geschildert wird, dürfte um sein Geld gefürchtet haben.
(Quelle und ausführlich lesen: -> http://www.faz.net/s/Rub48D1CBFB8D984684AF5F46CE28AC585D/Doc~E1E9C142A814648BFAF2F8742F4BB9402~ATpl~Ecommon~Sspezial.html)