Optionen: "am" und "im" Geld liegend
liebes forum,
arbeite mich gerade tiefer in die optionspreismodelle ein und hab hierzu mal eine triviale frage:
- falls ich erwarte dass der kurs einer aktie mittelfristig leicht ruecklaeufig oder gleichbleibend sich entwickelt - halte ich dann einen short call atm, itm oder otm? und warum?
- falls ich erwarte dass der kurs der aktie stagniert oder nur leicht steigen wird halte ich dann einen short put atm, itm oder otm? und warum?
bin gespannt auf die antworten und vor allem auf die begruendung...
thnx for helpin in advance
nick
@ nick776 [#1]
wenn du auf Zeitwertverfall spekulierst, solltest du at the money-ATM-Optionen verkaufen. bei 1 Monat oder 1 Wochen Optionen ist der Prämienrückgang bei ATM Optionen relativ am grössten, weil theta und gammma bei ATM Optionen am sensibelsten sind. Gruss SPOMI
@ SPOMI [#2]
offizielle loesung fur die beiden o.g. aufgaben ist
- short call atm
- short put itm
siehe frage 107 und 108 sowie loesung im anhang...
http://www.eurexchange.com/download/documents/publications/handelsstrategien_fallstudien.pdf
hast du mir hierzu vielleicht eine erklaerung?
viele gruesse
nick
@ nick776 [#3]
Lösung und Antwort in No.2. bleibe bei meinen Empfehlungen. leichte Verschiebungen des Basispreises sind bei sehr hohen zu erwartenden Dividenden ( in der Optionslaufzeit) wegen der möglichen vorzeitigen Ausübung angeraten. Gruss SPOMI
@ SPOMI [#4]
ok. thnx for helpin.
da versteh einer die frankfurter....
@ nick776 [#3]
Die unterschiedlichen Antworten kommen daher, daß im zweiten Fall ein Kursrückgang der Aktie als sehr unwahrscheinlich angenommen wird, im ersten Fall aber nicht. Das hattest Du in der Aufgabenstellung vergessen zu erwähnen, und das rechtfertigt den Verkauf eines ITM-Puts, zumindest nach Auffassung der Eurex.
Wie die darauf kommen, kann man nur mutmaßen. Ein ITM hat ein größeres Delta als ein ATM, also könnte der ITM-Put bei ausreichend steigender Aktie mehr Wert verlieren als der ATM, und dann wäre der ITM im Kontext der Aufgabenstellung lukrativer.
Wenn allerdings die Aktie stagnieren oder nur sehr leicht steigen sollte, dann wird der ATM lukrativer sein, weil sein Zeitwertverfall größer ist als der des ITMs. So pauschal kann man das also nicht beantworten, wie es die Eurex tut.
@ SPOMI [#2]
wenn du auf Zeitwertverfall spekulierst, solltest du at the money-ATM-Optionen verkaufen. bei 1 Monat oder 1 Wochen Optionen ist der Prämienrückgang bei ATM Optionen relativ am grössten, weil theta und gammma bei ATM Optionen am sensibelsten sind...
Hallo zusammen,
ein gutes Neues wünsche ich allen.
Eine Anfängerfrage zu Optionen schreiben (Stillhalter) in diesem Zusammenhang wäre gewesen wenn ich bspw. Aktien nicht liefern will (Call ATM geschrieben mit sehr kurzer Restlaufzeit) es nicht doch besser wäre OTM Optionen zu bevorzugen?
Danke.
Beste Grüße
Roti
@ Roti [#7]
Wenn man in erster Linie vom Zeitwertverlust einer Option profitieren möchte, ist es sinnvoller aus dem Geld Optionen zu schreiben.
Am Geld Puts mit dem Verfalltermin 31.01.2011 auf den Bund Future mit Basis 125.50 werden aktuell mit 88 Cents quotiert. Die 124.50 Puts, 100 Punkte aus dem Geld, werden mit 47 Cents quotiert.
Position im Verlustfall
Wenn der Bund Future unmittelbar nach Positionseröffnung 100 (200) Punkte fällt werden geschriebene 10 Kontrakte Basis 125.50 mit 5.850 (13.320) Euro Verlust zu Buche stehen. 14 verkaufte Puts mit Basis 124.50 haben bei 100 (200) Punkten Kursverlust im Bund Future einen Buchverlust von 5.710 (13.900) Euro zur Folge.
Sollte der Bund in 14 Tagen 100 Punkte unter dem aktuellen Niveau gehandelt werden, stehen bei geschriebenen 125.50 Puts 35 Cent und bei den 124.50 Puts 14 Cents Verlust pro Kontrakt zu Buche. Daraus resultiert ein Buchverlust der Positionen mit Basispreis von 125.50 von 3.520 bzw. 1.950 Euro bei den 124.50 Puts.
Position im Gewinnfall
Wenn der Bund Future in 14 Tagen unverändert notiert und sich die implizite Volatilität nicht verändert hat, beträgt der Zeitwertverlust des 125.50 am Geld Puts 27 Cent. Der 124.50 Put hat unter sonst gleichen Bedingungen 23 Cent an Wert verloren.
Der Gewinn aus 10 geschriebenen 125.50 Puts beträgt somit 2.700 Euro, während die 14 Puts mit Basis 124.50 zu einem Gewinn in Höhe von 3.200 Euro führen.
Sind diese Stillhalterstrategien langfristig erfolgreich?
Ein Bekannter betreibt sie mit dem Schreiben von OTM-Optionen angeblich seit 1995 erfolgreich mit Martingale-Positionsgrößen.
@ Gambler59 [#9]
Sind diese Stillhalterstrategien langfristig erfolgreich?
http://www.terminmarktwelt.de/cgi-bin/nforum.pl?ST=8870&CP=0&F=47
@ Gambler59 [#9]
Martingale
heisst doch nichts anderes als das ich den Einsatz immer verdopple wenn die Position im Verlust liegt und zwar solange bis sie es nicht mehr ist.
Bei solchen Strategien gilt obiges, das Imperium schlägt zurück
@ benedikt54 [#10]
Sehr interessanter Link. Danke!!!
Der Bekannte sollte mir mal Kontoauszüge zeigen. Er fasst angeblich maximal 2 Mal nach. Start mit 10 Kontrakten kurzlaufend otm; läuft es schlecht Glattstellung und 15 Kontrakte; kommt er damit durch hat er immer noch einen Gewinn; läuft auch das schief 20 Kontrakte; kommt er damit durch kleiner Verlust; ansonsten 1/3 seines Kontos platt. Und er würde neu starten. Ist aber noch nie so weit gekommen.
Ich habe da meine Zweifel.
@ Gambler59 [#12]
ein Drittel des Kontos weg nach 2 Fehltrades ist definitiv nicht zu empfehlen. auch wenn die options otm sind, einmal- vielleicht nach 3 Jahren- kommt die Bewegung und viele Gewinne sind weg. das ist umso schmerzhafter wenn das zum Start passiert. klar sind bei otm options die Wahrscheinlichkeiten gering mehrfach hintereinander ins Geld zu laufen. die recovery Zeit sollte unter 2 Quartalen liegen und die drawddowns bei 20-25%. sonst wirds schwierig ohne überproportionales Risiko wieder ins plus zu kommmen. Grüsse SPOMI
@ SPOMI [#13]
es wären 3 Fehltrades in Folge.
Der Bekannte hat sich als Physiklehrer im Ruhestand speziell mit der Optionsmathematik beschäftigt. Er meint, dass der Erfolg "seiner" Strategie vom richtigen Zeitpunkt der Glattstellung und von der richtigen Wahl der zu schreibenden Option abhängt. Er steuert das alles über Alarme auf seinem Smartphone.
@ Gambler59 [#14]
Weißt Du ob er Puts oder Calls handelt? Wahrscheinlich shortet er Calls und das auf einen Index.
MfG
@ Gambler59 [#12]
In den 90er Jahren war die CITIBANK so gut wie Pleite. Durch den Verkauf von Optionsscheinen (Stillhaltergeschäfte) hat man sich über die Jahre wieder saniert. Dies wohlgemerkt in Europa , da solche Geschäfte in den USA nicht umsonst verboten sind.
Das Verkaufen von Optionen mag Sinn machen wenn man es wie eine Bank über viele Segmente, Termine, und Basispreise macht. In der Summe aller Geschäfte ist das sicherlich ein Geschäft.
Bei Privatpersonen welche nicht über die finanzielle Qualität verfügen Optionen in allen Bereichen zu schreiben ist das Risiko einmal das falsche Segment zu erwischen einfach zu gross.
Hier gilt dann der Satz das dies über Jahre gut gehen kann, aber letztendlich alles mit einem Ereignis getilgt werden kann.
Der Zeitwertverlust bei Optionen ist in den letzten sechs Wochen am grössten. Wenn man verkauft sollte man dies stets auf beiden Seiten tun und dabei auf eine Deltaneutralität achten.
Wie man das aber in Phasen einer hohen oder expoliv steigenden Vola umsetzen kann hat mir auch noch kein Optionskünstler verraten.
"vom richtigen Zeitpunkt der Glattstellung und von der richtigen Wahl der zu schreibenden Option abhängt."
Unglaublich, haben wir nicht noch einen Nobelpreis für den Herren übrig?
@ kanada [#15]
Er "beackert" den FDAX und schreibt gegen den Langfristtrend; seit geraumer Zeit Puts. Er müsste also bei plötzlichen, sehr intensiven Trendbrüchen Probleme kriegen.
@ benedikt54 [#16]
Vielleicht bricht der Krug irgendwann.
@ Teletrader [#17]
:-) Du bist der Oberschlaumeier hier.:-) Gibts wohl in jedem Forum.
:-) Jong...lass den Preis "rüberwachsen" :-)
@ Gambler59 [#18]
"Er "beackert" den FDAX und schreibt gegen den Langfristtrend; seit geraumer Zeit Puts. Er müsste also bei plötzlichen, sehr intensiven Trendbrüchen Probleme kriegen."
Ich hatte im Jahr 2004 ebenfalls Stillhalterstrategien auf den DAX gehandelt, war auch profitabel, mit die ersten Sachen die ich mit Optionen gemacht hatte. Der Markt lief schön seitwärts und auch ein Rückschlag im Dax war gut zu verdauen wenn ich rechtzeitig die Basispreise wechselte. Im Nachhinhein wäre die Sache sicherlich auch die nächsten Jahre im Verlauf der Hausse profitabel gewesen, allerdings hatte ich dann wieder damit aufgehört.
Es ist eben auch die Frage wie wohl man sich in solchen Positionen fühlt und über Monate bzw. Jahre mit dem Gefühl leben kann das wenn einmal etwas passiert die Katastrophe im Konto da ist.
Dieser Hintergedanke kann ja nie ganz ausgeblendet werden.
@ benedikt54 [#16]
"Der Zeitwertverlust bei Optionen ist in den letzten sechs Wochen am grössten. Wenn man verkauft sollte man dies stets auf beiden Seiten tun und dabei auf eine Deltaneutralität achten."
Im Gegenzug reagieren bei kurzer Restlaufzeit Kennzahlen wie Delta und Gamma höchst sensibel, so das die Gefahr im Vergleich zu längeren Laufzt. wesentlich steigt.
"Wie man das aber in Phasen einer hohen oder expoliv steigenden Vola umsetzen kann hat mir auch noch kein Optionskünstler verraten"
Ich wage zu behaupten das es auf diesem Feld einfach keine großen und ausgeklügelten Geheimnisse, von denen so oft geredet wird, geben kann. Jeder Optionsschreiber kann nur mit den Möglichkeiten arbeiten die wir hier bereits und in anderen Threads diskutiert haben.
@ Teletrader [#19]
Danke für die beschriebenen Erfahrungen. Es ist schon interessant festzustellen, dass vermeintlich profitable Strategien aus psychologischen Gründen nicht weiterbetrieben werden.
@ Gambler59 [#20]
Das haben Sie sehr gut erkannt.
Vermeintlich profitable Strategien
@ Gambler59 [#9]
Sind diese Stillhalterstrategien langfristig erfolgreich?
Im Prinzip ja. Positionen im Bund Future mit einer Haltedauer von wenigen Tagen handle ich lieber über das Schreiben von Aus-dem-Geld Optionen, statt den Future zu handeln. Nur Positionen mit kurzer Haltedauer, bei denen ich nicht vom Zeitwertverlust profitieren kann, handle ich mit dem Future.
Selbstverständlich muß man sich mit Optionen gut auskennen und ein vernünftiges Risikomanagement betreiben, sonst gehen diese Geschäfte genauso in die Hose, wie der direktionale Handel mit Bund Futures.
Das Rollen von geschriebenen Positionen im Verlust ist nicht zu empfehlen.