Optionen USA: Einfluss hoher Dividende auf die Volatilität

Guten Abend!
Ich bitte um Hilfe:
Ich halte "Long Put" Optionen auf Direxion-ETF "EDC". Dann macht der Emi von ETF(also Direxion) folgendes: "capital gains distribution." Daraufhin fällt der ETF mit über 20% runter. Ich dachte zuerst, dass meine Puts teurer werden! Aber nichts da. Die sind sogar billiger geworden.

Ich habe bei CBOE folgendes gefunden:

The following Direxion Shares ETFs have announced a capital gains
distribution. The ex-date for these distributions is Friday, November 20,
2009.

Direxion Daily Emerging Market Bull 3x Shares ("EDC/XKT/EYT/EKW/EKQ") Contract Adjustment

(Pursuant to Article VI, Section 11 of OCC's By-Laws, all EDC/XKT/EYT/EKW/EKQ
options outstanding as of Friday, November 20, 2009, shall be adjusted to
require the per-contract delivery or receipt of the following:
(A) 100 shares of Direxion Daily Emerging Market Bull 3x Shares ("EDC");
plus
(B) $2,195.12 cash.)

Ich kann kaum English. Deswegen bitte ich um Hilfe:
Was bedeutet der letzte Absatz(fett)? Bekommt man als Optionenhalter 2195,12$ cash pro 1 Option?

Danke im Voraus

Geschrieben von agent008 am
Gast

@ agent008 [#1]

Bekommt man als Optionenhalter 2195,12$ cash pro 1 Option?

Jein. Der Call-Besitzer bekommt das Cash, der Put-Besitzer hingegen muß es zahlen. Diese "Ungerechtigkeit" ist aber nur der Ausgleich für den vorherigen Kursrutsch des ETFs, durch den die Call-Besitzer im gleichen Ausmaß benachteiligt und die Put-Besitzer bevorzugt wurden.

Rechne die 2195,12 USD pro Kontrakt auf die einzelne Option herunter, dann macht das 21,95 USD pro Option. Das ist genau die Summe, die der ETF vorher als Sonderdividende ausgeschüttet hat ("capital gains distribution"), und um die sein Kurs am Ex-Dividende-Tag eingebrochen ist, wodurch sich die Calls im Wert verschlechtert und die Puts im Wert verbessert hatten.

Die Verschlechterung der Calls und die Verbesserung der Puts konnte man nur nicht an den Optionspreisen sehen, weil der Optionsmarkt den fälligen Cash-Ausgleich zum Verfallstermin sofort eingepreist hat.

agent008
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Livetour [#2]

Danke für diese Antwort.

Nach allem was ich inzwischen gelesen habe, haben Optionenhalter niemals einen Anspruch auf Dividenden oder "capital gains distribution". Nur bei einer Ausübung von Optionen werden Dividenden zum Thema.

Mir ist aber trotzdem nicht klar, warum meine Put-Optionen so viel verloren haben. Über 20% Minus. Die dürften doch kaum reagieren! Hmmm....
Dazu noch kann ich sie nicht mehr nachkaufen. Sondern nur glattstellen.

Da muss wahrscheinlich ein sehr gutes Buch über Optionen her. Und zwar auf Deutsch.

Gast

@ agent008 [#3]

Mir ist aber trotzdem nicht klar, warum meine Put-Optionen so viel verloren haben. Über 20% Minus.

Um welche Puts handelte es sich denn konkret? (Strike, Laufzeit) Und ist dieses Minus wirklich am Ex-Dividende-Tag entstanden?

Ich habe eben mal nachgesehen, mit welcher Vorlaufzeit die Sonderdividende eigentlich angekündigt wurde. Erstaunlicherweise finde ich aber nur CBOE- und Direxion-Meldungen vom 20.11.2009, also vom Ex-Dividende-Tag selbst. Als ob diese Sonderdividende völlig ohne Vorankündigung ausgeschüttet wurde.

Ich weiß zwar nicht, wie realistisch dieses Szenario ist, aber in einer solchen Situation hatte der Markt vielleicht ein besonderes Ereignis erwartet und durch eine hohe IV in den Puts eingepreist. Als dann die Sonderdividende kam, war die Katze aus dem Sack, und die IV brach weg.

Falls das stimmt, wäre Dein Verlust ein Spekulationsverlust, der zwar vom Zeitpunkt her mit der Sonderdividende zusammenfiel, aber "technisch" gesehen nichts mit ihr zu tun hat.

agent008
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Livetour [#4]

Underlying 
EDC

Symbol  
KSIPV

Kontraktmonat
APR10

Verfallsdatum  
APR 16 '10

Basispreis  
100

Ich kann den Rückgang nur damit begründen, dass diese Sonderdividende sehr hoch und ungeplant war. So mussten Optionen neu bewertet werden. Pech gehabt.

Gruß

kanada
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12 Jahre 6 Monate

@ agent008 [#5]

Also grundsätzlich versuche ich genau aus diesen Gründen US-Aktien Optionen zu vermeiden, da es so viele Fallgruben geben kann.

Ein guter Ansprechpartner wäre die OCC options@theocc.com http://www.optionsclearing.com/ und dort finden sich auch die Memos.

http://www.optionsclearing.com/components/docs/market-data/infomemos/2009/nov/26639.pdf
http://www.optionsclearing.com/components/docs/market-data/infomemos/2009/dec/26717.pdf

Die Strikes wurden demnach nicht adjustiert und es gab eine Sonderdividende von $21,9512. Wenn ich es richtig interpretiere, gibt es außer dem "Cash-Anteil" bei Lieferung keine weitere Anpassung.
Der Inhaber eines long Calls kann seine Calls zu seinem Basispreis ausüben und erhält noch pro Option (d.h. pro 100 Aktien) $ 2195,12.
Da Du einen long Put hast, hätte ich erwartet, dass dieser an $21,9512 zulegt und Du dem Put-Verkäufer den Cashbetrag ($2195,12 je Put) schuldest. Demnach sollte sich diese Dividendenzahlung weder positiv noch negativ auf Deine P&L ausgewirkt haben. Nachdem EDC nun höher notiert als am Ex-Dividende Tag und auch beim long Put Zeitwertverluste auftreten, solltest Du seit dem 19.11/20.11 ganz leicht im Minus sein.

MfG

Gast

@ kanada [#6]

Da Du einen long Put hast, hätte ich erwartet, dass dieser an $21,9512 zulegt und Du dem Put-Verkäufer den Cashbetrag ($2195,12 je Put) schuldest.

Da es sich um einen 100er Put handelt, also weit OTM, konnte er nicht um die vollen 21,95 USD zulegen. Aber das Grundprinzip ist richtig: Der Put gewinnt durch den Kursrutsch des Underlyings, muß aber gleichzeitig die Zahlung eines ebenso hohen Cashbetrags abgezinst einpreisen. Im Ergebnis bewegt sich der Put also gar nicht bzw. nur minimal, zumindest was den Einfluß der Sonderdividende angeht.

Daß der Put trotzdem um 20% eingebrochen ist, muß daher einen anderen Grund haben:

@ agent008 [#5]

Ich hatte im vorigen Posting ja schon gemutmaßt, daß der Put vor dem Ex-Dividende-Tag eventuell mit besonders hoher IV gepreist war. Hier ein Indiz für diese Vermutung, Quelle crimsondmind.com:

Bild entfernt.

Am 19.11.2009, also einen Tag vor Ex-Dividende und vor der öffentlichen Bekanntgabe der Ausschüttung, gab es einen Volumen-Rekord in den Puts. Da haben sich offenbar einige "Gut-Informierte" auf diese Kontrakte gestürzt, was die IV wahrscheinlich stark steigen ließ und den Schlußkurs der Puts in die Höhe getrieben hat. Am nächsten Tag war dann der Kaufdruck weg, vielleicht haben die "Gut-Informierten" ihre Stücke auch sofort wieder auf den Markt geworfen, und die IV ist wieder zurückgefallen. Das jedenfalls dürfte die Ursache für den 20%-igen Einbruch gewesen sein, den Du festgestellt hast.

Warum sind diese "Gut-Informierten" überhaupt so beherzt eingestiegen? Offenbar haben sie auf einen noch größeren Kurssturz des ETF gesetzt, der dann aber nicht eingetreten ist.

Abschließend noch ein weiterer Hinweis. Deine Option KSIPV wurde ja durch den Kontrakt EKQPV ergänzt, der die gleichen Ausstattungsmerkmale wie Dein Put besitzt, nur ohne Zahlungsverpflichtung. Dieses nicht-adjustierte Gegenstück stand vorgestern abend mit 15,00 USD im Ask, während Dein Put mit 9,10 USD bewertet wurde:

Bild entfernt.

Das ist also der Preisunterschied, den die Sonderdividende/Cashzahlung aktuell ausmacht: Satte 40%! Und am Ex-Dividende-Tag, als das Underlying noch etwas niedriger stand, müßte sich ein noch größerer Unterschied als 40% ergeben haben. Der Kurseinbruch hingegen, den Du erlebt hast, beträgt lediglich 20%. Also auch von den Größenverhältnissen her kann das mit der Sonderdividende direkt nichts zu tun haben.

Und das ergibt auch Sinn. Kapitalmaßnahmen müssen/sollen wertneutral für die Optionsinhaber sein.

agent008
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate
Tagesclose ab dem 10.11.2009 15.771 14.990 15.927 15.007 13.529 13.638 13.512 hier am 19.11 12.777 dann am 20.11 -- 9.785 8.551 8.312

Ich habe hier die Tagesschlusskurse von 10.11.2009 bis 24.11.2009 für meine KSIPV reingestellt. Man sieht, dass der Einbruch von 23% am 20.11 stattgefunden hat. Die Märkte in dieser Zeit haben sich nur seitwärts entwickelt.

Die Vola steht heute bei 111%. Der Volaeinbruch als mögliche Erklärung ist sehr plausibel.

Danke

Gast

@ agent008 [#8]

Cool, Du hast ja die Optionspreise vorliegen. :-) Dann hätten wir ja gleich ausrechnen können:

a) Vom 10.11. bis 18.11.2009 pendelte die IV stets zwischen 112% und 115%.

b) Am 19.11.2009 ging sie bereits auf 104% zurück. Obwohl das Underlying sank, verlor der Put trotzdem an Wert! Das ist immer ein Alarmsignal. Offenbar steckte hinter dem rekordmäßigen Put-Volumen an diesem Tag gar kein Kaufdruck, sondern Verkaufsdruck.

c) Am 20.11.2009 brach die IV dann "richtig" auf 73% ein. Das war Dein Price-Drop.

autokor
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Was mich wundert ist dass die IV da so ein Eigenleben entwickelt. Ist ja schliesslich arbitrierbar mit der IV von etlichen anderen Emerging Markets ETFs.

Grüsse

kanada
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Livetour [#9]

Gemäß der durchschnittlichen 30-Tage-IV kam es zu keinem besonderen Vola-Rückgang der EDC Optionen. (Obere Grafik enthält die vergrößerte 30-Tage IV, welche auch unter dem EDC-Kurs-Chart dargestellt ist).

agent008
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@alle
Danke

Ich habe nur Daten von IB. Und bei IB gibt es Charts für meine KSIPV nur ab dem ex-day 20.11.09 . Das ist sehr wahrscheinlich deswegen, weil Kürzel für meine Optionen geändert worden ist. An ältere Daten komme ich nicht ran.

Gibt es eine empfehlenswerte kostenlose Datenquelle für Optionen? Mit Chartingmöglichkeit?

kanada
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ agent008 [#12]

http://www.marketwatch.com/investing/fund/EDC/option/KSIPV
oder
http://www.Crimsonmind.com
oder Ivolatility.com (nicht kostenlos, aber sehr preiswert)

Gast

@ kanada [#11]
@ agent008 [#8]

In [#9] ist mir ein Rechenfehler unterlaufen. Obwohl ich die ganze Zeit predige, daß ab 20.11.09 die Cashzahlung eingepreist werden muß, habe ich es in meinem letzten Posting prompt selbst vergessen. In Wahrheit betrug die IV am 20.11.09 also nicht 73%, sondern 111%. Nur widerspricht dieser hohe Wert meiner schönen Theorie, derzufolge der Preiseinbruch des Puts durch einen Einbruch in der IV verursacht wurde.

Nebenbei scheint auch noch eine weitere Theorie infrage gestellt, nämlich die Annahme, daß eine Kapitalmaßnahme für die Optionsinhaber wertneutral ist. An der Eurex gilt diese Annahme zwar; dort werden normalerweise die Strikes verringert und gleichzeitig die Multiplikatoren erhöht.

Wenn die CBOE jedoch eine Cash-Zahlung anordnet, dann entspricht das lediglich einer Verringerung des Strikes. Wo bleibt da der Ausgleich durch einen höheren Multiplikator?

Demnach wäre in den USA ein solches Adjustment gar nicht wertneutral, sondern die Put-Inhaber verlieren Geld, und die Call-Inhaber gewinnen es. Das könnte auch vorliegend das große Put-Volumen (unter reduzierter IV) am Tag vor Ex-Dividende erklären.

Wie man dieses Biest dreht und wendet, es bleiben immer noch unbeantwortete Fragen übrig. Ich muß mal sehen, ob nicht doch irgendwo Literatur zu diesem Spezialthema aufzutreiben ist.

agent008
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Livetour [#14]

Je weiter ins Wald, desto dunkler wird es ;)
Das mit Vola kann ich nicht überprüfen, da keine Daten.

@ kanada [#13]

Wenn ich unter http://www.marketwatch.com/investing/fund/EDC/option/KSIPV den Chart ansehe, stelle ich fest, dass er nur ab dem 20.11.09 stimmt. Davor kosteten Optionen zwischen 13$ und 15$ und höher.

Zu dem ganzen Pech kommt noch, dass ich am Tage vor dem Einbruch meine Position verdoppelt habe = also SuperPech gehabt!

Gruß

kanada
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ agent008 [#15]

Ich glaube, dass Marketwatch nur den "last Trade" chartet und nicht Bid-Ask :-(

@ Livetour [#14]
Wie man dieses Biest dreht und wendet, es bleiben immer noch unbeantwortete Fragen übrig. Ich muß mal sehen, ob nicht doch irgendwo Literatur zu diesem Spezialthema aufzutreiben ist.

Diese US-Aktien Optionen können extrem tricky sein.

Wenn die CBOE jedoch eine Cash-Zahlung anordnet, dann entspricht das lediglich einer Verringerung des Strikes. Wo bleibt da der Ausgleich durch einen höheren Multiplikator?
Die Strikes wurden doch nicht verändert und der Multiplikator blieb 100. Sollte es sich hier bei EDC nicht genauso verhalten wie bei einer normalen Dividendenzahlung?

@agent
Im Yahoo Board finden sich viele Threads zu dem Thema.
http://alturl.com/nokg

agent008
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ kanada [#16]

my english ;) is very bad.

Aber trotzdem danke. Ich werde google translate bemühen.

Gast

@ kanada [#16]

Die Strikes wurden doch nicht verändert

Ganz recht, darum schrieb ich auch: "entspricht einer Verringerung des Strikes." ;-) Wie sonst ließe sich die fällige Cashzahlung in die Preisbildung einbeziehen? Ich würde sagen: Als ob der Strike reduziert wurde. Ohne Cashzahlung könnte man einen 100er Put bei einem Aktienkurs von unter 100 profitabel ausüben. Mit Cashzahlung hingegen kann man einen 100er Put erst bei einem Aktienkurs von unter 78,05 profitabel ausüben. Dieser Zusammenhang wirkt wie eine Reduzierung des Strikes.

Sollte es sich hier bei EDC nicht genauso verhalten wie bei einer normalen Dividendenzahlung?

Nö, denn eine normale Dividendenzahlung löst kein Adjustment aus.

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