Optionspreistheorie: Die Griechen

Hallo,

ich habe eine Fragen zur Optionstheorie.

Mir wurde gesagt,dass DELTA und GAMMA sehr wichtig sind und ich unbedingt über diese Thematik Wissen aufbauen muss.

Leider fällt mir das nicht leicht.

In einem Skript habe ich ein Beispiel gefunden:

Sei der Preis einer Aktie 400 und der Callpreis 10.
Dann wird gesag,daß das Optionsdelta = 0.2 ist.
Gibt es hier eine Formel?
Diese wurde nicht genannt.

Was genau sind diese Gamma und Delta?
Mir wurde gesagt, dass das Delta eine Steigung ist.
Warum?

Ich hoffe ihr könnt mir helfen.
Danke

wisser

Geschrieben von Gast (nicht überprüft) am
F
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Anbei ein Link, der Dich zu der näheren Erläuterung der Kennzahlen führt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Option_(Wirtschaft)#Sensitivit.C3.A4ten_und_Kennzahlen_-_die_sog._.E2.80.9EGriechen.E2.80.9C

(bitte alles kopieren und manuell in die Adressleiste einfügen)

Es ist aber wie Du schon sagtest -reine Theorie-.

Wenn Du mit Optionen Geld verdienen willst, gibt es folgendes grundsätzliches zu beachten.

Entweder, Deine Option landet bis zum Ende der Laufzeit "im Geld", d.h. der Basiswert der Option erreicht mindestens mehr als den Optionspreis (bei Puts umgekehrt).

Oder der Basiswert bewegt sich nach dem Kauf innerhalb der Laufzeit möglichst nah an den zugrundeliegenden Optionspreis.

Mich persönlich interessieren diese theoretischen Kennzahlen überhaupt nicht.

Meine Massstäbe sind die Laufzeit, der Optionspreis und der Basiswert.

Optionen sind nur Instrumente, die Planung und Ausführung der Strategie liegt aber bei Dir selbst. Die Kannzahlen nützen überhaupt nichts, wenn man mit der Einschätzung des Basiswertes falsch liegt.

Gast

Vielen Dank fuer die schnelle Antwort. Leider bin ich
eher gerade wegen dieser Theorie hier, welche ich net verstehe.

Ich muss leider diese doofe Theorie lernen, weil es
in der Klausur die mir bevorsteht, sehr gerne gefragt wird.

Kennst Du oder jemand hier im Forum sich mit der Theorie aus?

F
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

Es gibt viele Optionsprofis hier im Forum, die sich bestimmt noch zu Wort melden werden.

Aber ich versuche es einmal möglichst verständlich zu beschreiben.

Einfach ausgedrückt zeigt das Delta an, wie weit der Basispreis einer Option vom tatsächlichen Preis des Basiswertes entfernt ist.

Will sagen, wenn der Preis des Basiswertes = oder grösser als der Basispreis der Option ist, hast Du einen Deltawert von 1 (umgekehrt -1 bei Puts). Die Option ist im Geld und macht verständlicherweise jeden Euro Kursgewinn 1:1 mit.

Beispiel: Du hast eine Daimler-Call-Option die in vier Wochen fällig wird mit einem Basispreis von 28 gekauft. Das Delta dieser Option ist 1, da der Wert der Daimler-Aktie weit über dem Basispreis von 28 liegt.

Wäre die Daimler-Aktie dagegen unter 28, würde das Delta -abhängig vom Abstand des Aktienpreises zum Basispreis- entsprechend zwischen 0 und 1 pendeln.

Das Gamma misst nun in der Theorie die Rate der Veränderung des Deltas, wenn sich der Basiswert um 1 Euro verändert.

tantan
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ mathewisser [#3]

Du wirst hier keinen Schnellkurs bekommen der einer Klausur gerecht wird. Die Grundlagen wirst du dir erlesen müssen. Es gibt viele gute Bücher. Zum teil nur in englich (z.B. "Option Volatility & Pricing"). Übers Internet läst sich aber auch sehr viel Material ergooglen.

Gast

ich brauche hilfe und keine einführung.
wenn ich etwas weiss und jemand hilfe braucht dann helfe ich auch

F
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate
benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ mathewisser [#1]

Wenn man sich zum ersten mal in die Thematik einliest bekommt man einen Schreck. Alles hoch kompliziert mit Formeln und mathematischen Auswertungen usw. und sofort.

Das Standardwerk zur Ermittlung eines Optionspreises ist die Black & Sholes Formel. Nur wie Franjo schon absolut richtig sagt, graue Theorie und für den Handel kaum brauchbar. Aber darum geht es jetzt nicht.

Sie wollen Wissen, was ist das Delta.

Eine Option besteht immer aus zwei Teilen.

Dem sogenannten inneren Wert
und
Dem sogeannten Zeitwert.

Beispiel

Eine KaufOption auf die Aktie x mit Laufzeit 3 Monate kostet 10 Euro.

Die Aktie notiert bei 75.
Der Basispreis der Option ist 70,00

Die Option hat einen inneren Wert von 5,0 (Basis 70 zu aktuellen Kurs 75)
Der sogenannte Zeitwert beträgt 5,00 Euro, also die Diff zu 10
Diesen Preis bezahlen Sie dafür das sie die Aktie in den nächsten 3 Monaten immer zu 70 beziehen dürfen.

Steigt nun die Aktie auf 80 Euro kostet die Opition den
sogenannten inneren Wert (70,00 - 80,00) also 10,00
plus den noch zur Verfügung stehenden Zeitwert, der dann je nach Restlaufzeit errechnet wird. Sagen wir 4,00. Also kostet die Option 14

Das Delta drückt aus wie sich die Option im Vergleich zur Aktie verält.
Steigt eine Aktie um 10 Euro und die Option dagegen nur um 5 Euro, so hat sie ein Delta von 0,5.

Steigt die Aktie um 10,00 Euro, die Option nur um 1 Euro, ist das Delta 0,10

Eine Option kann immer nur ein maximales Delta von 1,0 haben.

Kaufoptionen haben ein positives Delta und Verkaufsoptionen ein negatives Delta.

Ist das soweit klar?

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ mathewisser [#6]

such doch mal hier im Forum nach Hoadley. Mit dieser Exceltablle kannst Du vielleicht ein wenig "spielen" und Dir ein Gefühl für die Kenngrößen erarbeiten.

Gruß

Gast

@ mathewisser [#1]

Ich gehe mal davon aus, daß es sich nicht um eine reine Klausur über die Optionspreistheorie handelt, sondern eher eine Klausur über alle möglichen Finanzinstrumente gemeint ist, in der unter Umständen auch Delta und Gamma abgefragt werden. Der wissenschaftliche Anspruch an die Optionspreistheorie wird also wohl eher gering sein. (Ansonsten gute Nacht.)

Für einen niedrigeren Level also:

Das Delta ist eine Art Faktor, der anzeigt, wie gleichförmig sich der Optionspreis mit dem Preis des Underlyings bewegt. In Deinem Beispielfall bedeutet ein Delta von 0,2: Wenn die Aktie von 400 auf 401 steigt, dann steigt die Option von 10 auf 10,20.

Das Delta bewegt sich bei Calls immer zwischen 0 und 1, und bei Puts zwischen 0 und -1.

Wie hoch das Delta einer bestimmten Option ausfällt, hängt nicht nur vom Abstand des Options-Strikes zum Aktienpreis ab, sondern auch von der Restlaufzeit der Option und der Schwankungsbreite der Aktie (Implizite Volatilität). Angesichts dieser vielen unterschiedlichen Parameter kann sich das Delta mal schneller, mal langsamer ändern.

Wie schnell es sich ändern kann, gibt das Gamma an. Das Gamma mißt die Sensitivität des Delta. In bestimmten Situationen, z. B. sehr kurze Restlaufzeit, kann sich das Delta explosionsartig erhöhen. Diese Möglichkeit wird dann durch ein sehr hohes Gamma angezeigt ("Gamma-Hammer").

Mathematisch kann man das Delta als erste Ableitung des Optionspreises betrachten, und das Gamma als als erste Ableitung des Delta.

Das Delta ist am höchsten, wenn sich die Option tief im Geld befindet, die Laufzeit fast abgelaufen und die Volatilität möglichst gering ist. In dieser Situation würde die Option mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Restwert enden, darum steht auch das Delta nahe 1, darum macht die Option jede Preisbewegung der Aktie 1:1 mit.

Das Gamma ist am höchsten, wenn die Option genau am Geld notiert (also Optionsstrike und Aktienkurs gleich sind), Restlaufzeit kurz und Volatilität niedrig. Denn an diesem Punkt ist vollkommen offen, ob die Option mit Restwert oder wertlos enden wird. Jede kleine Bewegung im Aktienkurs kann über das Schicksal der Option entscheiden, darum reagiert ihr Optionspreis an dieser Stelle auch besonders giftig, darum ist das Gamma auf seinem Höchstwert.

benedikt54
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ mathewisser [#1]

Noch zur gurndsätzlichen Ergängzung.

Es ist genauso wie Franjo geschrieben hat. Die ganzen theoretischen Kennzahlen sind alle für die Katz, wenn man das zugrundeliegende Kollateral (Basiswert) falsch einschätzt.

Ein Delta von 0,1 kann genauso richtig sein wie ein Delta von 1,0 falsch sein kann.

Die für mich noch wichtigste Kennzahl ist die zugrundeliegenede
Volatilität oder Schwankunsbreite des Kollaterals.

Sie können nämlich auch Geld verlieren wenn sich nichts tut.

Gast

Auch wenn etwas off topic, ich wundere mich immer über die Fachleute, die genau wissen, daß man die Details der Optionstheorie zum Handeln nicht gebrauchen kann. Zwar ist vollkommen klar, daß man mit den Griechen allein keinen Cent gewinnt, aber die richtige Einschätzung des Underlyings allein führt auch noch nicht zum Ziel.

Der typische Optionsanfänger berichtet stets vom gleichen Kardinalfehler: Nämlich daß er das Underlying zwar richtig antizipiert hat, die Optionen aber trotzdem einen Verlust brachten, meist weil er ihren Zeitwertverlust unterschätzt oder die IV nicht berücksichtigt hat.

Wer die Griechen oder die IV ignoriert, der läßt immer Geld auf dem Tisch liegen.

Gast

Schon einmal vielen Dank fuer die vielen Antworten.
Ich bin gerade am lesen und durcharbeiten der Informationen.

Rückfragen werde ich sicherlich noch an der ein oder anderen
Stelle haben.

kanada
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ Livetour [#10]

Super Erklärung!

Zwar ist vollkommen klar, daß man mit den Griechen allein keinen Cent gewinnt, aber die richtige Einschätzung des Underlyings allein führt auch noch nicht zum Ziel.
Besteht das Portfolio aus mehreren Optionen mit verschiedenen Laufzeiten und Strikes, so wird es unerlässlich sein gewisse Griechen zur Risikokontrolle zu beachten bzw. bestimmte what-if Szenarien zu modellieren (...wie verhält sich Gewinn/Verlust bei Delta-, Theta- oder Gammaveränderung?)

@mathewisser
Gibt es hier eine Formel?
Delta = N(d1)
siehe:
Bild entfernt.

Was genau sind diese Gamma und Delta?
Mir wurde gesagt, dass das Delta eine Steigung ist.
Warum?
Siehe Erläuterungen von @ Livetour [#10]:
"Mathematisch kann man das Delta als erste Ableitung des Optionspreises [nach dem Preis des Basiswertes S] betrachten, und das Gamma als als erste Ableitung des Delta [bzw. zweite Ableitung des Optionspreises nach dem Preis des Basiswertes]."

MfG

gautama2
Mitglied seit
12 Jahre 6 Monate

@ kanada [#14]

Noch zur Ergänzung:

Die erste Ableitung ist also die Geschwindigkeit der Preisänderung.

Die zweite Ableitung die Beschleunigung bei der Preisänderung.

Eine gleichmäßige Preisänderung hat als zweite Ableitung Null, da sich die Geschwindigkeit der Preisänderung mit der Zeit nicht ändert.

Ist wie beim Auto. Man ersetze Preis durch Geschwindigkeit. Hoffentlich hab ich da jetzt keinen Denkfehler.

Gast

@ gautama2 [#15]

Der "Denkfehler", wenn man es überhaupt so nennen will, besteht darin, daß es eine gleichmäßige Preisänderung bei Optionen gar nicht gibt. Denn sobald sich der Optionspreis ein bißchen erhöht hat, erhöht sich auch das Delta etwas, so daß die nächste Preiserhöhung abermals etwas höher ausfallen wird, und so fort. Die Beschleunigung des Delta geht also niemals auf null, wenngleich sie durchaus immer geringer wird.

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